Mittwoch, 6. März 2019

Petrouchka Peblum Top von Papercutpatterns


Heute  zeige ich mal einen richtig alten Schnitt. Nein, keinen Schnitt aus den modisch so interessanten 20er, 30er oder 40 Jahren des letzten Jahrhunderts, keinen Vintageschnitt. Der Schnitt den ich heute zeige, das Petrouchka Top von Papercut Patterns  ist gerade mal 6 Jahre alt, er ist im Jahr 2013 erschienen.  Uralt in unseren schnelllebigen Zeiten! 2013 hieß das aktuelle iphone noch 5s, US Präsident Obama startete in seine zweite Amtszeit, Sewaholic hatte gerade den Hollyburn-Rock veröffentlicht, und Papercut Patterns   eine Schnittkollektion mit dem Namen Covent Garden. Alle Schnitte dieser schönen Papercut-Kollektion hatten den Namen eines Balletts, so gibt es Coppelia, Sylphide, Peter und der  Wolf, und eben  das Top Petrouchka, das ich heute zeige.

Weil der Schnitt  so alt ist, gibt es ihn nicht als PDF, das war damals wohl noch nicht so üblich. Es gab ihn als Papierschnitt, und den gibt es eben nicht mehr, da Papercut Patterns diesen Schnitt nicht mehr im Sortiment hat.

Daß ich ihn trotzdem nähen konnte, ist nur unserer wundervollen Näh- und Bloggergemeinschaft zu verdanken.  PaislyPirouette zeigte ein wunderschönes Beispiel des Schnittes im Rahmen des Memademittwochs. Da mir der Schnitt bei PaislyPirouette so gut gefiel, kommentierte ich ihren Beitrag und erfuhr bei dieser Gelegenheit, wo es den Papierschnitt noch gibt, nämlich bei dem britischen Stoff- und Schnittmustervertrieb Sewbox.

So gelangte der Papierschnitt  in meinen Besitz. Die Papierschnittmuster von Papercut sind übrigens wirklich sehenswert: auf festem Recyclingpapier gedruckt, werden sie in  einem stabilen Karton geliefert. Der Karton bringt seinen Haken zum Aufhängen gleich mit, und auch die Schnittteile haben eine Lochung, damit man sie auf eine Stange aufhängen kann. Der Bindfaden dazu liegt auch im Päckchen...da kommt wirklich kein noch so praktisches PDF mit!

Ich habe den Schnitt in meiner Größe ausgeschnitten, wie ich das bei einfachen Schnitten, die ich nicht groß bearbeiten oder anpaßen will, immer mache- Bequemlichkeit und so. Im Nachhinein bedaure ich das, denn der Schnitt ist wirklich schön, erschließt sein Potential aber nicht gleich.

Petoruchka ist ein T-Shirtschnitt mit Raglanärmeln und  einem Peblum, einem Schößchen. Das Vorderteil ist kürzer und die Ansatzlinie des Schößchens nach oben gebogen, im Rückenteil ist die Verbindungsnaht zwischen Oberteil und Peblum gerade. Das Oberteil ist weit, sehr weit. Das ist wohl auch ein Problem des Schnittes und vielleicht auch der Grund, warum Petrouchka aus dem Sortiment genommen wurde, die Gradierung ist vielleicht nicht ganz optimal. In den meisten Schnittbesprechungen liest man, daß der Schnitt zu groß ausfällt. Ich habe die Größe XS genäht, von meinen Maßen her hätte ich eher  eine S oder M nähen sollen, aber ich habe den Schnitt ausgemessen und mich für die kleinere Größe entschieden. 

Der Schnitt ist immer noch etwas weit im Brustbereich, aber mittlerweile glaube ich, daß das der Witz des Schnittes ist: es soll einen Kontrast geben zwischen dem überweiten Oberteil, das etwas blusig fallen soll,  der engen Taille, die sich dann wieder zu dem sehr weiten Peblum öffnet. Und die gerundete Ansatznaht des Peblums unterstreicht diesen Effekt wunderschön.

Das Peblum soll eigentlich gedoppelt werden, sehr sinnvoll, damit man die eventuell weiße Unterseite des Jerseys nicht sieht. Ich habe das nicht gemacht und das Schößchen in einfacher Lage genäht, da ich nicht genug Stoff hatte.

Meine erste Version ist aus einem Liberty-Viscosejersey. Diesen Stoff halte ich für ideal für diesen Schnitt, denn er hat einen wunderschönen Fall. Da es den Stoff nicht mehr gibt, nenne ich auch keine Bezugsquelle.

Der Jersey ist etwas dicker als die anderen Liberty-Jerseys, die ich schon vernäht habe, nannte sich glaube ich auch Winterjersey. Warm ist er nicht gerade, aber fällt wie gesagt ganz weich, und mir gefällt das sehr gut bei diesem Schnitt.
 Auf der Wanderung, als diese Bilder entstanden, trug ich zu dem Shirt ein Jäckchen nach einem Schnitt aus der gleichen Kollektion, Coppelia von Papercutpatterns. Coppelia (übrigens ein Ballett von Leo Delibes, kannte ich vorher auch nicht) ist ein hübscher Wickeljackenschnitt, ebenfalls mit Raglanärmeln und paßte daher so gut über das Shirt. Dieses Jäckchen, genäht aus einem Rippstrick von Lillestoff, trage ich eigentlich ganz gerne- es hat nur das Problem, daß die Bändel, die man sich um den Leib schlingt, sehr lang sind- beim An- und Ausziehen schleifen sie immer irgendwann auf dem Boden- muß man akzeptieren bei dieser Jacke.
Der Rock ist ein Jerseyrock nach einem Knipschnitt, hier schon mal gezeigt und besprochen.

Und weil der Schnitt so gut gefiel, entstand direkt danach noch eine zweite Version, so nach dem Motto: wenn der Schnitt schon mal auf dem Nähtisch liegt, soll sich das ganze ja auch rentieren, bevor ich ihn wegsortiere...Meine zweite Version ist aus einem festen Baumwolljersey von Art  Gallery. Ich hatte ja erst Bedenken, ob Schnitt und Stoff so gut zueinander passen würden, aber ich wollte unbedingt den Jersey verarbeiten, der mich schon so lange von meinem Stoffstapel aus anlachte.

Auch in diesem Fall habe ich das Peblum einfach verarbeitet, und es ging ohne Probleme, man sieht die helle Innenseite nicht beim Tragen. Das Peblum fällt erwartungsgemäß völlig anders, steifer - aber auch schön! Störend finde ich bei dieser Version nur, daß die Mehrweite im Oberteil hier wirklich feste Falten schlägt und zu groß erscheint.
Ich mag auch diese Version des Schnittes gerne. Beide Shirts trage ich auch gerne zu Jeans, wobei sie mir zu einem engen Rock besser gefallen. Wenn ich sie zu Hosen trage, habe ich immer das Gefühl, daß der Schitt dafür  zu kurz ist. Vielleicht nähe ich noch eine Hosenversion, die etwas verlängert ist?

Verlinkt wird dieser Beitrag natürlich auch

Mittwoch, 20. Februar 2019

Jasper Sweater von PaprikaPatterns

Diesen Pulli, den Jasper Sweater der niederländischen Schnittdesignerin Lisa von PaprikaPatterns, wollte ich schon lange nähen. Aber manche Nähprojekte dauern einfach länger...
Wenn ich einen Schnitt sehe, der mir gefällt, kommt er bei mir erstmal auf einer innere Tosew-Liste. Da diese Liste nur in meinem Kopf existiert, ist sie nicht immer verläßlich, und viele Dinge verschwinden dann spontan daraus..zum Glück, denn sonst müßte ich ja noch viel, viel mehr nähen, als ich es sowieso schon tue!

Von der inneren Tosewliste ist  der nächste Schritt das Bestellen des Schnittes, es sind ja meistens Online -Schnitte.  Wenn der Schnitt dann auf meiner Festplatte gespeichert ist, schaue ich ihn mir an. Wie ist die Anleitung, die Skizzen, die Stoffempfehlung? Wenn mir das alles gefällt und das heimische Stofflager einen passenden Stoff bereit hält, ist der Schritt zur weiteren Verwirklichung des Schnittes rasch gemacht. Nach ein, zwei Mausklicken ist der Schnitt beim Plotter-Service meines Vertrauens, der wiederum dafür sorgt , daß der Schnitt am nächsten Tag auf ordentlichem Papier gedruckt in meinem Briefkasten liegt.

Dann müßte ich bloß noch zuschneiden und Nähen- leider wird dieser Prozess oft genug gestört. Sei es, daß das Leben 1.0 meine Aufmerksamkeit und Zeit beansprucht, sei es ein anderes Nähprojekt, das sich ganz frech dazwischen mogelt, oder vielleicht auch die Erkenntnis, daß der erwählte Stoff dann doch nicht so ideal ist und ein neuer gesucht werden muß. Es gibt immer wieder mal Gründe, daß dann der schöne Ausdruck nicht auf meinem Zuschneidetisch, sondern im Regal landet,in einem speziellen Kasten, der für eben diesen Zweck gedacht ist- Schnitte , die sehr gut gefallen, die ausgedruckt sind, aber  noch auf ihre erste Verwirklichung warten.

Warum jetzt der Jasper-Sweater so lange auf seine Umsetzung warten mußte, kann ich gar nicht mehr sagen. Der Schnitt ist nämlich ausgesprochen schön und um einiges interessanter als andere Hoodie-Schnitte, die vor allem im deutschsprachigen Schnittmustermarkt in großer Zahl angeboten werden.
Jasper hat Prinzeßnähte im Vorder- und Rückteil und ist dadurch sehr schön figurnah geschnitten. Die Eingriffstaschen im Vorderteil sind wie eine Leistentasche gearbeitet und sitzen in der vorderen Teilungsnaht. Es gibt zwei Kragenvarianten, einmal mit Kapuze, wie ich es genäht habe, oder mit einem großen Kragen, der von einer Art Epaulette zusammen gehalten wird.

Ich habe mich für die Kapuzenvariante entschieden, da ich erstens Kapuzenpullis gerne mag und zweitens die Konstruktion hier so interessant fand. Es gibt nämlich im vorderen Bereich des Halsausschnittes hier noch einen halbrunden Einsatz, der sich fast wasserfallartig im vorderen Ausschnitt bauscht. Die Zierknöpfe wollte ich zuerst weglassen, da sie wirklich keine Funktion haben, aber nachdem ich diese farblich so gut passenden Knöpfe im örtlichen Nähgeschäft gefunden habe, fand ich diese Designidee dann doch ganz hübsch.

Der Schnitt hat zwei Längen, einmal die normale Pulloverlänge, die ich auch genäht habe, oder eine Kleiderlänge. Als Kleid überzeugt mich der Schnitt nicht, keines der Designbeispiele, die ich gesehen habe, fand ich nachahmenswert. Ich glaube, der Schnitt ist dafür zu eng.
Das Nähen des Pullis war ein Vergnügen, zumal ich den kuscheligsten Sweat ever dafür verwendet habe. Der Stoff kam von Lara 1000 Stoff, er hat eine wunderschöne Innenseite, die nicht nur wie erwähnt genial kuschelig ist, sondern auch pink- sieht man bei meinem Pulli nur in der Kapuzeninnenseite, aber ich sehe es beim Anziehen und freue mich darüber.

Die Beschreibung des Schnittes ist wunderbar ausführlich, auch die etwas komplizierten Taschen sind so gut beschrieben, daß sie sicher auch Nähanfängern gut  gelingen und für ein Erfolgserlebnis sorgen. Wem das doch zu kompliziert ist, der kann den Schnitt auch mit einer normalen aufgesetzten Känguruhtasche nähen, das gibt es als (kostenpflichtiges) Add-On bei Paprika Patterns zusammen mit einer weiteren Kragenvariante.

Die Kapuze ist groß, sehr groß- vom schnitttechnischen wie gesagt interessant, beim Tragen überzeugt mich die übergroße  Kapuze noch nicht so ganz. Irgendwie erinnert sie mich an eine Mönchskuttenkapuze...Aber meistens hängt sie ja doch nur dekorativ auf dem Rücken.
Ärmel- und Saumbund habe ich aus dem Hauptstoff gemacht, da ich keinen passenden Bündchenstoff hatte und dies auch nicht im Schnitt empfohlen wird. Da mein Sweat fast keine Dehnbarkeit aufweist, war das eine mäßig gute Entscheidung. Ich habe die Ärmelbündchen um einiges enger gemacht als im Schnittmuster vorgesehen, da ich sehr dünne Handgelenke habe und nicht mag, wenn der Wind so in die Ärmel reinbläst. Auch das Saumabschlussbündchen habe ich etwas verkleinert. So gefällt mir der Sitz des Pullis gut, beim An- und Ausziehen ist es nicht so ganz komfortabel. Besser wäre es sicher, wenn man hier einen farblich passenden Bündchenstoff verwendet.


Viel mehr kann ich über den Jasper-Pulli eigentlich gar nicht schreiben. Es ist einfach ein schöner Pulli-Schnitt mit kleinen spannenden Einzelheiten, die das Nähen interessant machen. Er trägt sich erwartungsgemäß gut, ist sowohl mit Jeans als auch mit Röcken gut kombinierbar.
Der Rock hier auf den Bildern ist übrigens -horribile dictu! - ein Kaufrock....er ist schon einige Jahre alt, wurde gekauft, bevor ich ans Nähen auch nur dachte. Ich trage ihn immer noch gerne, weil ich  die Farben so gerne mag . Sein einziger Fehler ist, daß er eben nicht selbstgenäht ist, aber das ist für mich jetzt nicht Grund genug, ihn auszumustern. Ich denke, auch ein Kaufrock hat sein Recht auf ein Gnadenbrot im Alter!
verlinkt bei Afterworksewing
Dufürdichamdonnerstag 
Sewlala
Fraufreutsich

Dienstag, 5. Februar 2019

Tulip Skirt von Sewoverit/ Ondee von Deer-and-Doe


Uiuiui, meine Blog-Moral läßt wirklich zu wünschen übrig! Es ist schon Februar, und mein letzter Blogpost befaßt sich mit dem Weihnachtsrock...wie gut, daß jetzt wieder Memademittwoch ist, und ich einen neuen Rock zeigen kann. Vielleicht hat mich auch die vielbeschriebene Blogmüdigkeit befallen, die ja allseits um sich greift? Ich glaube aber, es ist eher der Zeitmangel im hektischen Alltag, der mich lieber in der kurzen verbleibenden Freizeit an die Nähmaschine treibt als an den Laptop.
Neues Jahr, neuer Rock! So könnte ich auch diesen Blogpost überschreiben, denn der Rock ist in den letzten Tagen des alten Jahres 2018 entstanden, getragen und fotografiert dann in den ersten Tagen des neuen Jahres.
Ich bin ja immer noch auf der Suche nach dem idealen Rockschnitt für mich. Ich habe schon verstanden, daß die Röcke für mich in der kalten Jahreszeit anders geschnitten sein müssen als in der warmen Jahreszeit. Im Sommer mag ich gerne knielange Röcke  wie z. B. den Seamwork Rock Patsy.
Seamwork Patsy

Im Winter aber , wenn ich die Röcke mit Strumpfhosen kombiniere, mag ich gerne kurze und enge Röcke. Gut, der erste Berlin-Rock war vielleicht ein bißchen kurz...
Jupe Berlin
Sandbridge Skirt von Hey June


aber diese Rockform, in dem Fall den  Sandbridge Skirt  von Hey June, die mag ich richtig gerne an mir und trage sie auch im Alltag gerne. Im Stehen sieht so ein enger kurzer Rock immer gut aus, sobald ich mich aber hinsetze, rutscht natürlich die ganze Pracht nach oben...hmm, auch nicht immer so erwünscht.
Ich wollte deshalb gerne eine etwas weitere Rockform ausprobieren und habe mir einen Tulpen-Rock genäht.
Eine Tulpe ist ja in der Mitte etwas breiter und oben und unten schmal, und diese Form ahmt der Tulpenrock nach.  Schnitttechnisch erreicht man das durch Falten am Rockbund, die schräg gestellt sind . Ich habe mir den Tulip Skirt von Sewoverit ausgewählt, aber es gibt natürlich auch noch viele andere Fertigschnitte nach diesem Prizip.

Der Tulipskirt von Sewoverit hat auf jeder Seite zwei schräg nach außen gestellte Falten. In den Seitennähten sind Eingriffstaschen,  der Rockbund ist etwas gerundet, aber kein richtiger Formbund. Verschlossen wird der Rock mit einem rückwärtigen nahtverdeckten Reißverschluß. Im Rückenteil sind keine Falten, sondern nur zwei Abnäher.

Ich habe den Schnitt in Größe 10 genäht, das ist bei Sewoverit die zweitkleinste Größe. Für den Bund hatte ich die Gr. 12 zugeschnitten und die Differenz über einen kleineren Abnäherinhalt im rückwärtigen Rockteil korrigiert. So bin ich mit der Paßform ganz zufrieden, wobei ich aber schon festgestellt habe, daß der Formbund vom Berlin-Rock besser paßt...der Tulip-Rock neigt durchaus dazu, sich beim Tragen zu drehen.
Mein Stoff kam aus dem heimischen Stofflager, in dem er sich lange aufgehalten hatte. In diesem Fall nicht, weil er mir nicht gefiel, sondern weil ich ihn mir immer für ein besonderes Projekt aufheben wollte. Er kam aus einem Outlet-Verkauf einer kleinen deutschen Firma, die sich schon seit vielen Jahren der nachhaltigen Mode verschrieben hat. Der Outlet-Verkauf befindet sich mitten im Pfälzerwald, und wir hatten damals den Besuch dort mit einer Wanderung verbunden, die, wenn ich mich recht erinnere, sehr kalt und sehr windig war....egal, dieser Stoff hatte es mir gleich angetan und wanderte so in meinen Einkaufskorb. Es ist eine interessante Webart mit einem leichten Krepp-Effekt, der Stoff ist wohl überwiegend Baumwolle, hat aber auch einen Wollanteil, jedenfalls roch es so bei der Brennprobe.
Der Stoff ist selbst fast  durchsichtig, hat aber durch die Crinkle- Struktur doch wieder Halt in sich. Ich habe ihn gefüttert,  da ich ihn natürlich  als Winterrock über Strumpfhosen tragen wollte. Der Futterstoff kam vom Stoffmarkt, er changiert dramatisch in verschiedenen Rottönen. Mein Mann war begeistert, als ich beim Foto-Shooting auf der Wiese im Spessart den Rock etwas nach oben lüpfte!
Das Futter ist auch relativ steif und hat viel Stand, so daß fast ein leichter Petticoateffekt für den Rock erreicht wird, das paßt aber ganz gut zu diesem Schnitt.
Zum Rock trage ich einen Pulli nach dem Schnitt Ondee von Deer-and-doe. Das ist ja einer meiner absoluten Lieblingsschnitte. Ich finde es immer wieder schwierig, einen in der Taille sitzenden Rock, der etwas weiter ist, mit einem Oberteil zu kombinieren. Gut, man kann Bluse oder Shirt in den Rockbund stecken, dann wird das Outfit aber sehr figurbetont, was ich nicht immer möchte. Ondee ist ein taillenkurzer Pulli, "cropped", wie es so schön im englischen Sprachraum heißt, und der paßt einfach gut über weite Röcke. Ich habe den Pulli in einigen Farben und in Kurz- und Langarm schon genäht, wird alles immer gerne getragen.

Und meine Ondees sind überwiegend aus dem gleichen Stoff genäht, nämlich aus einer Art Sweat oder French Terry von Lillestoff. Leider gibt es diesen Stoff nicht mehr- der nannte sich Soft Touch und fühlt sich auch genau so an, nämlich genial weich auf der linken Seite. Die rechte Seite ist so einen normale French Terry Oberfläche. Das Weiche ist vermutlich auf einen nicht geringen Anteil von Polyester im Stoff zurückzuführen, was mich aber bei dieser Qualität nie gestört hat. Leider gibt es diesen Stoff nicht mehr bei Lillestoff...schade!
Ich habe hier die Größe 38 im Brustbereich genäht, zu Taille hin erweitert auf die Gr. 40 und in der Länge um 4 cm erweitert- das hat sich für mich als die ideale Länge für einen Pulli herausgestellt, den ich zu Röcken tragen möchte. Die Bündchen sind aus dem gleichen Stoff, der freundlicherweise recht dehnbar ist.
Auch hier hat der Stoff eigentlich eine besondere Struktur und kam aus dem Stoffregal- also Grund genug, diesen Beitrag mit der neuen Challenge von Tweed and Greet zu verlinken "12ausdem Stoffregal"! Im Januar wurde als Thema "Struktur" vorgegeben. Das kann man sicher auf ganz viele Arten verstehen. Ich dachte zuerst an die Struktur eines Stoffes, wie z.B. die Crinkle-Struktur meines Rock-Stoffes, oder eben diese FrenchTerry-Oberfläche des Pullis. Man könnte Struktur aber auch auf einen Schnitt beziehen- mein Rock ahmt eine Tulpe nach, genauso gut könnte er aber auch eine Dreiecksform oder einen Ballon ähneln, auch das ganz verschiedene Strukturen.

Und natürlich könnte man Struktur auch ganz anders verstehen und auf den Inhalt des Kleiderschrankes oder das Nähverhalten anwenden. Die Blogs und sozialen Medien waren ja auch in diesem Januar wieder voll von Bekenntnissen zum minimalistischen Nähverhalten, ob man es jetzt capsule wardrobe, vernetzte Garderobe oder Stoffdiät nennt. Ich glaube, das ist auch so ein jahreszeitlicher Einfluß...am Jahresanfang habe wir den Wunsch nach Erneuerung, zum Abwerfen von Überflüssigem, Konzentration auf das Wesentliche.. Schließlich steht ja auch das Winterende bald bevor und die religiösen oder zumindest spirituell interessierten unter uns bereiten sich auf die Fastenzeit vor.

Also, Struktur ist ein absolut spannendes Thema für den Januar, und ich war sehr dankbar für den Gedankenanstoß von Selmin über die Struktur bei meiner selbstgenähten Kleidung. Ich freue mich schon sehr auf die weiteren Themen dieser Jahres-Challenge, und wenn ich dann jeweils ein bis zwei Stoffe aus dem Stoffregal vernähe, gibt das viel Platz für neuen Stoff im Stoffregal!
Alle anderen genähten Dinge, ob aus dem Stoffregal oder aus neu gekauften Stoffen gibt es heute im Blog des Memademittwoch zu sehen.
verlinkt: AfterWorkSewing 12ausdemStoffregal  Sewlala

Mittwoch, 26. Dezember 2018

Weihnachtsrock und Weihnachtskleid



Ich hatte große Pläne gehabt für diesen Weihnachtskleid-Sewalong. Einen Rock hatte ich geplant, den Jupe Berlin von Orageuse, dazu ein Blüschen auch der aktuellen LaMaisonVictor. Und dann noch ein legeres Kleid für die gemütlichen Tage nach den Feiertagen, das Kleid Lola von VictoryPatterns. Alles sollten alltagstaugliche Teile werden, so mein Wunsch für den diesjährigen WKSA.
Immerhin kann ich jetzt feststellen, daß zumindest 2 von den 3 Teilen fertig sind und auch gefallen- zwischendurch hatte ich allerdings mal einen ziemlichen Durchhänger, der mich fast am glücklichen Ende dieses Sewalongs zweifeln ließ.

Dabei fing alles so gut an. Ich hatte vom Rock Berlin ein Probeteil genäht, hier gezeigt, das sich dann überraschenderweise als durchaus tragbar erwies. Es war die kurze Version des Rockes, und so stellte ich es mir einfach vor, den langen Rock zu nähen.
Das Problem war dann, daß ich einfach keine Lust mehr auf den Schnitt hatte. Für mich liegt ein Reiz des Nähens darin, einen unbekannten Schnitt auszuprobieren, gerne auch noch von einem mir unbekannten Schnittdesigner. Ich finde es unglaublich spannend, wie sich aus den zugeschnittenen Stoffteilen dann ein Kleidungsstück formt. Dieses Prickeln bei der ersten Anprobe, und dann dieses Hochgefühl, wenn ich merke, das wird was, das paßt und steht mir...wenn ich das so schreibe, habe ich grade Lust, wieder einen neuen Schnitt auszuprobieren...

Dieses Hochgefühl war nun nicht mehr zu erwarten beim Nähen eines bekannten Schnittes, auch wenn die Länge anders war und der Stoff natürlich auch. Für mich blieb es eine Pflichterfüllung, ein Rock, den ich nun nähen "muß". Entsprechend wurde der Beginn immer weiter nach hinten geschoben, zumal auch im Leben 1.0 gerade einiges los war und ich gesundheitlich nicht so auf der Höhe.

Aber genug lamentiert, am Nachmittag des 3. Advent habe ich dann endlich den Rock zugeschnitten und dann immer etappenweise abends genäht. Den Bund, der mir beim Proberock etwas zu eng erschien, habe ich um 1,5 cm erweitert an der oberen Kante, diese Erweiterung habe ich dann bei der ersten Anprobe wieder herausgenommen. Ob es am ungenauen Zuschnitt oder am anderen Stoff liegt, weiß ich nicht, für mich beweist es nur wieder mal, daß sich jedes genähte Kleidungsstück anders verhält . Im Endeffekt blieb ich bei meiner Größenwahl, habe also den Rock in Gr. 40 an der Hüfte genäht und zur Taille hin zur Gr. 42 verblendet.

Die ersten Anproben des Rockes waren zufriedenstellend. Ich hatte Bedenken, ob ich mich in diesem Midi-Teil , das eng geschnitten ist und nach unten noch etwas enger wird, würde bewegen können, aber der Schlitz im Vorderteil erwies sich da als sehr hilfreich, bis ich das Futter eingenäht hatte- dann konnte ich mich plötzlich gar nicht mehr bewegen.

Was war das Problem? Der Rock selbst hat eine Falte im Vorderteil, die natürlich auch eine schöne Beweglichkeitsfreiheit beim Laufen und Sitzen gibt. Das Futter enthält diese Falte nicht, ist also einfach ein eng geschnittener Bleistiftrock mit einer recht geringen Bequemlichkeitszugabe im Hüftbereich. Bei Indie-Schnitten folge ich üblicherweise vertrauensvoll der Anleitung und werde dabei selten enttäuscht. In diesem Fall wäre es besser gewesen, über die Futterkonstruktion nochmal nachzudenken- wenn ich das Rockfutter selbst konstruiert hätte, hätte ich sicher die Falte auch im Futter mit zugeschnitten und dann irgendwie eingehalten oder in kleine Fältchen gelegt.

Eine französische Bloggerin, die eine sehr schöne Version dieses Schnittes zeigt, beschreibt das gleiche Problem mit dem Futter. Leider habe ich ihren Bericht erst zu spät genauer gelesen und versucht, mit meinen rudimentären Französisch-Kenntnissen zu übersetzen. Ich hatte anfangs immer nur verstanden, daß sie zum Toilettengang den Rock nicht hochziehen , sondern den Reißverschluß öffnen muß. Aber das Problem war wohl auch bei ihr das Futter- klar,"doubleur" ist das Futter, und "plis" die Falte.

Eine korrekte Lösung meines Problemes wäre wohl gewesen, den Bund wieder abzutrennen und ein neues, weiteres Futter einzunähen. Das war mir zu viel Arbeit, zumal ja auch der Reißverschluß schon eingenäht war. Ich habe mich deshalb zu einer etwas unkonventionellen Problemlösung entschieden und einfach die Futternaht in der hinteren Mitte unter dem Reißverschluss um ca 20 cm geöfffnet. Das schafft mir Bewegungsfreiheit in der Hüfte und stört die Funktion des Futters überraschenderweise überhaupt nicht. Quick and dirty, aber erfolgreich! Längerfristig plane ich aber doch noch eine Erweiterung des Futterrockes, ich denke daran, einfach Keile oder Godets in die Seitennaht des Futterrockes einzufügen.

Ich habe den Rock mit verschiedenen Kombipartnern probiert, und am besten gefällt er mir mit einem schlichten Shirt. Die Bluse aus der LaMaisonVictor, die mal in der engeren Wahl gewesen war, habe ich wieder verworfen- das wäre mir zu overdressed mit dem Rock gewesen. Aber eine sportlich Bluse, vielleicht die Cheyenne von HeyJune, würde sicher gut zum Berlin-Rock passen. Mal sehen, ob ich nach Weihnachten Lust aufs Blusen-Nähen bekomme!
Nach dem etwas schleppenden Nähprozess am Rock brauchte ich dringend Entspannung, und die fand ich im Nähen des Kleides Lola von VictoryPattern. Ein schlichtes Kleid auf den ersten Blick, mit den Stilelementen eines Sweatshirtes, also Bündchen überall und dem kleinen V unter dem Ausschnitt.
Der Schnitt ist aber durchaus raffiniert, er hat im Vorder- und Rückenteil Prinzessnähte und Raglanärmel, diese Kombination findet man nicht so oft. Die horizontale Teilungsnaht in der Taillengegend verläuft geschwungen.
Markant sind die übergroßen Taschen, die über die gesamte Breite der Seitenteile laufen. Bei mir sehen sie etwas labberig aus, das liegt aber auch an meiner Stoffwahl. Ich habe einen Jaquard von Albstoffe vernäht, den ich hier bezogen habe, und der ist einfach sehr weich. Aus einem festen Sweat liegt die Tasche vermutlich schöner an.

Lola ist übrigens kein neuer Schnitt, sonder schon etliche Jahre alt. Wenn ich es richtig verstanden habe, war dieses Kleid der erste Schnitt des kanadischen Schnittmusterlabels VictoryPattern.
Vor kurzem wurde der Schnitt überarbeitet, dadurch wurde ich auf den Schnitt auch (wieder) aufmerksam.

Bei der neuen Version wurde der Ausschnitt überarbeitet, der jetzt perfekt anliegt. Außerdem wurden Ärmel und Saum verlängert. Die Ärmel haben jetzt eine Dreiviertel- Länge, ich trage auf den Bildern noch ein langärmeliges Shirt darunter.

Die Länge des Kleides empfinde ich als fast zu lang. Wenn ich den Schnitt nochmal nähe, werde ich den Saum um 2-3 cm kürzen, das wäre glaube ich schicker. Das Bündchen am Saum könnte auch noch etwas enger sein.
Das Nähen des Kleides war ein reines Vergnügen. Der Schnitt enthält viele Paßzeichen, die das Nähen der Prinzessnähte erleichtern. Die Anleitung ist super ausführlich, da bleibt kein Wunsch offen.
Mit diesem Kleid habe ich meinen Wunsch, ein alltagstaugliches Weihnachtskleid zu nähen, voll erfüllt, denn ich liebe dieses Kleid seit seiner Fertigstellung und trage es fast täglich. Ob ich den Rock nach Weihnachten noch viel anziehen werde, weiß ich nicht.Ich finde ihn ausgesprochen schick, aber er ist nicht fahrradtauglich, schon das spricht gegen seinen häufigen Einsatz. In dem Lola-Kleid kann ich alles machen- Radfahren, laufen, Streichquartett-Spielen...eben alles, was ich gerne mache.

Die letzten Treffen des WKSA habe ich ja geschwänzt, und jetzt freue ich mich sehr, wieder dabei zu sein und die vielen tollen Kleider zu bewundern, die entstanden sind. Claudia verabschiedet sich vom MMM Team in einer traumhaften Weihnachtshose, und Carola macht ihren Einstand ins Team mit gleich drei (!) Weihnachtskleidern, eines schöner als das andere. Zur Galerie der gut angezogenen Frauen auf dem MMM bitte hier entlang!