Mittwoch, 4. Juli 2018

Jenny Overall von Closet Case

Brauche ich eine Latzhose? Das war mein erster Gedanke, als ich den (vor)letzen Schnitt von ClosetCasePatterns betrachtete. Die Designbeispiele waren hübsch, ohne Frage, aber brauche ich sowas?

Die bessere Frage in diesem Fall wäre sogar gewesen: wer braucht eigentlich eine Latzhose?
Latzhosen haben ja schon manche praktischen Vorteile. Sie finden ihren Halt eben nicht durch einen engen Taillenbund, sondern durch Latz und Träger über den Schultern. Vorteilhaft für Menschen, die viel in den Taschen tragen und/oder wenig Taille haben- spontan fallen mir da natürlich schwangere Frauen ein, oder Kleinkinder, die alle Schätze in ihren Taschen mit sich rum tragen. Oder Handwerker- hier trifft ja meistens das Merkmal fehlende Taille (um nicht zu sagen Bauch) mit den vollgeladenen Taschen zusammen...
Ich gehöre zu keiner der vorgenannten Gruppen, also brauche ich sicher keine Latzhose.
Sind Latzhosen modern? In de 70er Jahren waren sie es mit Sicherheit, da vorzugsweise in lila, von emanzipierten Frauen oder solchen, die sich dafür hielten, getragen.

 Heather, die Designerin von ClosetCase, berichtete  auf Instagram, daß sie sich in der Jenny Latzhose absolut in und modisch fühlte. Das mag für junge Frauen in Großstädten gelten- in meinem Umfeld sehe ich eher selten Latzhosen.

Also, ich brauchte keine Latzhose, und fand sie nicht modern, aber trotzdem hat mich dieser Schnitt unglaublich gereizt, sobald ich ihn gesehen hatte. Ich fand ihn einfach schön.
Ich wollte eine Latzhose.
Ich wollte eine grüne Latzhose.
Ich kann diese Farbwahl auch kaum begründen. Sonst trage ich eher blau, aber ich diesem Fall wollte ich grün, und zwar grünes Leinen. Die Assoziation zum Gärtner-Look hat mein Unbewußtes sicher gern in Kauf genommen!
Ich glaube, mir gefiel an diesem Schnitt der gewollte Kontrast zwischen dem maskulinen Arbeiterhosenlook und der sehr weiblichen Umsetzung. Es ist aber auch einfach ein schöner Schnitt.
Ach so, für die, die den Schnitt nicht kennen und auch keine Lust haben, dem  Link zu folgen, hier die kurze Schnittbeschreibung: Jenny ist ein Hosenschnitt, der mit und ohne Latz genäht werden kann. Im Schnitt sind drei verschiedene Hosenlängen enthalten. Die sehr kurze Shorts- Form hatte ich als Probemodell genäht, hier gezeigt,  dieses Modell wird gerade im Dauereinsatz geprüft.
Heute zeige ich die Latzversion mit dreiviertellangen Hosenbeinen.

Der Latz hat eine aufgesetzte Tasche. Ich hätte sie auch weglassen können, denn diese Tasche hat natürlich keine wirkliche Funktion für mich...ich werde hier nicht regelmäßig Zollstock oder Schraubenzieher verstauen, höchstens mal ein Handmaß oder einen Bleistift.
Aber der Rand der Tasche schliesst so schön in der gleichen Senkrechten wie der Beginn des Tascheneingriffes ab- das mußte ich einfach so nähen.

Der verwendete Stoff ist ein belgischer Feinleinen, bezogen habe ich ihn hier. Ein wunderschöner, kostbarer Stoff, ich habe mich deshalb wieder um sehr sorgfältige Arbeit bemüht, um ein nachhaltig wertvolles Stück zu schaffen.
Die Taschenbeutel sind aus einem farblich passender Baumwollstoff. Eine Kennzeichnung mit dem Closetcase Label konnte ich mir auch nicht verkneifen, das sieht so schön professionell aus. Und mein übliches "mariabarbara"-Label ist blau, das paßte jetzt so gar nicht. Wer weiß, in welchem Altkleidersack diese Hose mal irgendwann landet- vielleicht fischt sie jemand mit Kennerblick auf das Etikett heraus?
Aber soweit sind wir ja noch nicht, die nächsten 20 Jahre wird die Hose noch von mir getragen!
Das Nähen war ein reines Vergnügen. Natürlich benötigt so eine Latzhose etwas Zeit, viele Einzelteile, Taschen, Absteppungen, aber sowas macht mir ja unglaublich Spaß. Die Schnittanleitung ist wie immer bei Close Case hervorragend.


Genäht habe ich Größe 8. Ich habe die Länge um ca 7 cm gekürzt, die Schrittkurve angepaßt und in der Taille ca 1 cm erweitert. Die Träger waren etwas zu lang, die habe ich dann auch noch um einige cm gekürzt. Den Latz und die Träger habe ich gedoppelt, das fand ich schöner.
Ich kam mit meinen 2m Stoff, die ich hatte, gerade so hin. Übrig sind nur noch minimale Reste, die ich nicht aufheben werde. So liebe ich das,  wenn auch die Stoffrestekiste nicht durch ein Nähprojekt beschwert wird!
Ich zeige die Latzhose in diesem Beitrag mit zwei verschiedenen Oberteilen. Das weiße Top ist gekauft, aber trotzdem schön und paßt natürlich gut unter die grüne Hose.
Sehr gefreut habe ich mich aber, dass auch mein grüngemustertes Addison-Top (Seamwork) so gut dazu passte. Das war nicht beabsichtigt, umso schöner, wenn sich dann diese Kombinationsmöglichkeiten ergeben!

Das Seamwork Top war übrigens vor fast genau 2 Jahren mein erster Post, den ich beim Memademittwoch verlinkt hatte, mein Blog war noch ganz neu. Vieles ist seither geschehen- mein Kleiderschrank hat sich mittlerweile gefüllt mir vielen selbstgenähten Teilen, ich habe die Bloggerwelt (und die Bloggerwelt mich) kennengelernt, es gab tolle Kontakte, virtuell und reell, zu anderen nähenden Frauen. Ich möchte die Erfahrungen der letzten beiden Jahre nicht missen, freue mich an meinem schönen Hobby und der Welt der Nähbloggerinnen!
Das Seamwork-Top trage ich übrigens wirklich gerne, das ist bei mir jetzt den dritten Somme in der Dauerschleife zwischen Anziehen und Waschmaschine.
Das Thema des heutigen Memademittwoch ("Ich packe meinen Koffer") habe ich wohl nicht ganz getroffen, denn mit Urlaubsgarderobe hat diese Latzhose nicht so viel zu tun. Obwohl ich sie sicherlich mitnehmen werde, aber leider dauert es bei mir noch einige Wochen bis zum Ostsee- Urlaub. Trotzdem verlinke ich mich, und schaue mir gern den Kofferinhalt der anderen versierten Selbernäherinnen an!
verlinkt auch bei Afterworksewing 
                            Sewlala

Mittwoch, 20. Juni 2018

Sallie Jumpsuit von ClosetCase

Jumpsuits sind tolle Kleidungsstücke.  Einerseits haben sie die Vorteile eines Kleides: man zeigt ein einheitliches Erscheinungsbild, sieht ausgesprochen komplett angezogen aus und muß nicht extra nach einem Kombipartner suchen. Andererseits hat ein Jumpsuit auch die unbezweifelbaren Vorteile einer Hose: das Kleidungsstück wird alltags - und vor allem fahrradfreundlich, erlaubt beim Gehen große Schritte und gibt auch beim Sitzen keine ungewünschten Einblicke.

Eigentlich überraschend, daß sich der Jumpsuit nicht als das ideale weibliche Kleidungsstück herausgestellt hat. Aber dann doch wieder verständlich, denn einen Nachteil hat so ein Einteiler natürlich: man muß ihn aus naheliegenden Gründen etliche Male  am Tag ausziehen, um der Blase ihre gewohnten Funktionen zu ermöglichen. Die menschliche Physiologie ist nun mal so!

Deshalb ist ein Jumpsuit für mich eindeutig ein Sommer-Kleidungsstück. Die Vorstellung, mich im Winter auf schlecht geheizten Gäste- oder Restauranttoiletten aus dem gesamenten Outfit zu schälen, wird mich mit Sicherheit davon abhalten, einen Winter- Jumpsuit zu nähen.
Aber im Sommer ist es unproblematisch. Allerdings lebt auch die Funktionalität eines Sommerjumpsuits von der Praktikabilität des Verschlusses- furchtbarer Satz, merke ich grade. Also einfacher ausgedrückt: man muß das Ding rasch auf und zu kriegen, wenn man mal aufs Klo muß.

Der Jumpsuit-Schnitt von Closet Case, Sallie, löst das Problem mit Bindebändern. Es gibt zwei Versionen, eine mit tiefem V-Ausschnitt vorne und hinten und einem Bindeband im Nacken, die ich genäht habe. Die andere Version hat Bändel an der Schulter und ist nicht ganz so tief ausgeschnitten.
Im Schnitt enthalten sind Versionen für lange Hosen und Hosen in Culottelänge, außerdem auch eine Version für ein langes Kleid mit neckischem Seitenschlitz.
Die Schulter-Bändel-Version habe ich für mich gleich ausgeschlossen, da ich meine BH Träger nicht so demonstrativ zeigen möchte. Und bei der anderen Version fand ich, wie ich zugeben muß, dieses gebundene Nackenband so wenig attraktiv, daß mich der Schnitt bisher nicht so interessiert hatte.


Außerdem ist Sallie ein Schnitt für Jerseystoffe, und da dachte ich gleich an ausgebeulte Knie und einen ausgebeulten Hintern, wenn man das gute Stück mal ein Weilchen getragen  hatte.
Im Netz begegneten mir dann aber doch viele sehr schöne Beispiele, so wie die von Kleidermanie, die diesen Schnitt sofort für sich adoptiert hatte.
Und dann kam die Ankündigung des Memademittwoch, daß es einen Extratermin für Jumpsuits geben sollte. Da mußte ich doch dabei sein, schließlich sind die Blogparties meiner Lieblingslinkaktion durch den monatlichen Rhythmus rar gesät und jede Gelegenheit muß ergriffen werden.
Ich hatte mir dann viele Jumpsuitschnitte angeschaut, und die Wahl fiel auf Sallie. Zu schön fand ich dann doch die vielen genähten Beispiele, und schließlich ist ClosetCase ja eine meiner Lieblings- Schnittdesignerinnen.


Die Stoffwahl war einfach: ich hatte einen hellblau-weiß gestreiften Jersey der dänischen Firma Stof in meinem Lager (bezogen habe ich ihn hier) , der förmlich danach rief, zu einem Sallie-Jumpsuit zu werden. Die Menge war zu wenig- solche Kleinigkeiten halten mich natürlich nicht auf, wenn es gilt, den idealen  Stoff zum idealen Schnitt zu verwenden. Sallie hat ein gedoppeltes Oberteil, und als Futter fand sich ein weißer Jersey in meinem Lager. Die Beinlänge wollte ich sowieso auf die Culotte-Länge beschränken.

Das Problem mit der Stoffmenge konnte ich also gut bewältigen- aber mir kamen beim Zuschneiden andere Bedenken.  Meine Sallieversion hat kleine angeschnittene Kimonoärmel, vorderes und hinteres Oberteil sind komplett identisch. Für jemanden wie mich, der sich gerne mit Spielereien wie Abnäherverlegung und FBA beschäftigt, schon gewöhnungsbedürftig...
Die Hose erschien mir unförmig. Ich hatte meine übliche Anpassung der Schrittkurve versucht, wußte aber nicht, ob das bei dem dehnbaren Stoff überhaupt Sinn machte.
nein, dies ist kein Fall für die Streifenanpassungspolizei- die Streifen in diesem Stoff sind so ungleichmäßig, daß eine Anpassung nicht möglich ist. Das soll so!

Aber es war dann alles so schön zugeschnitten, und so tackerte ich das ganze dann mal zusammen. Die Ausschnittkante habe ich anleitungsgemäß mit Framilon verstärkt, ohne das Band beim Annähen zu dehnen. Im Nachhinein, nach den ersten Wäschen, denke ich, daß ich es besser leicht gedehnt aufgenäht hätte- der Ausschnitt neigt zum Ausleiern, zumal er auch recht tief ist. In der Taille wird ein Gummiband eingezogen, auch das wird in der Anleitung sehr gut beschrieben.

Und dann die erste Anprobe: ich war begeistert! So ein tolles Teil! Ich kann jetzt die Begeisterung für diesen Schnitt gut nachvollziehen. Der Armausschnitt ist bei mir etwas zu hoch, das führt zu verstärkten Falten zwischen Achsel und Schulter, die aber bei dem Kimonoärmel sowieso da sind. Unbequem ist es nicht und verhindert zumindest unwillkommene Einblicke im Brustbereich.
 Ich  habe den Jumpsuit bei verschiedenen Gelegenheiten getragen,  und er paßt einfach immer. Zuhause ist er bequem, beim Radfahren praktisch und beim Einkaufen sieht er gut aus.

Genial fand ich ihn bei unserem Streichquartetttermin am Sonntag. Ich spiele Bratsche in verschiedenenen mehr oder weniger ambitionierten Kammermusikformationen. Beim Bratschespielen sitze ich, korrekterweise mit halbgespreizten Beinen. Uns wurde mal auf einem renommierten Kurs erklärt, daß die hohen Streicher, also Geigen und Bratschen, so sitzen sollten, daß sie auch jeden Augenblick aufstehen könnten. Danach habe ich mir diese Haltung angewöhnt, also mit fest aufgestellten Füßen und halb gespreizten Beinen. Da hat natürlich ein kurzes Röckchen nichts verloren, schliesslich will man ja den Mitspielern keine unliebsamen Einblicke vermitteln, die sollen sich ja auf ihre Noten konzentrieren.
Aber der Jumpsuit, der war wirklich ideal fürs Quartettspiel. Auch am Bauch engte nichts ein, die Arme konnten sich schön frei bewegen, also ideale Voraussetzungen für unser anspruchsvolles Programm mit späten Beethovenquartetten
Ich erkläre hiermit den Jumpsuit zum idealen Kleidungsstück für Bratschistinnen  und Geigerinnen- vermutlich aber auch für Cellistinnen, denn die haben ja auch immer das Problem mit den gespreizten Beinen beim Spielen. Wenn ich professionell Musik machen würden, könnte ich mir Sallie, aus edlem schwarzen Jersey, auch gut als Konzertkleidung vorstellen.

Aber zurück zum Alltag. Ich bin jetzt sehr gespannt, welche anderen Jumpsuit-Schnitte auf dem Memademittwoch heute gezeigt werden, denn ich plane auch noch andere Versionen. Gerne nähe ich Sallie nochmal, denn der Schnitt hat mich sehr überzeugt. Aber es gibt sicher auch noch viele andere schöne Jumpsuitschnitte!
Verlinkt: Memademittwoch
Wof
Dufürdichamdonnerstag
Sewlala
Afterworksewing

Mittwoch, 13. Juni 2018

Jenny- Shorts von Closet Case

Eine kurze Hose fehlte schon im letzten Jahr in meiner Sommergarderobe. Ich wußte genau, wie sie ausssehen sollte: eher tiefe Taille, Hosenbeine länger, wie eine Bermuda, als Sonnenschutz beim Radfahren. Der Stoff sollte unempfindlich sein, am besten Jeans, also was zum Strapazieren für die Freizeit.

Genäht habe ich eine kurze Hose mit eher hochsitzender Taille, mit sehr kurzen Beinen, aus einem Leinenstoff, der schon bei normalen Radtouren sofort knitterte, vom Aussehen nach einem Regenguß ganz zu schweigen...na ja, schließlich kann man ja mal seine Pläne ändern, oder?

Diese Sinneswandlung ist dem neuen Schnitt von  Closet Case zu verdanken. Ich bin ja treue Anhängerin von manchen Indie-Schnittdesignerinnen und stehe auch dazu. Closet Case habe ich so viele schöne Schnitte zu verdanken, daß die wenigen Flops ( man möge mich nicht an das Ebony- Shirt erinnern, das war nicht mal zur Gartenarbeit tauglich...) rasch vergessen wurden.
Also es gab einen neuen Schnitt von Closet Case, Jenny, für eine Latzhose. Ja, bisher wußte ich ja auch nicht, daß ich eine Latzhose brauche, aber der Schnitt gefiel mir so gut, daß ich ihn direkt nach dem Erscheinen bestellte und plotten ließ.

Hosenschnitte sind immer eine Herausforderung, was die Anpassung angeht. Man kann vieles nicht mehr nach dem Zuschnitt ändern, so ist ein Probemodell eine gute Option. In diesem Fall wollte ich auch unbedingt ein Probemodell, da ich aus den Kommentaren und den Instagramm-Posts erfahren hatte, daß dieses Schnittmuster nach einem etwas geänderten Grundschnitt im Vergleich zu den früheren Hosenschnitten von ClosetCase entworfen war.

Und da in dem Schnitt ganz viele andere Versionen auch enthalten sind, unter anderem auch Hosen in verschiedenen Längen, entschied ich mich für eine Shorts als Testmodell.
Ich habe dafür einen Leinenstoff verwendet, der schon lange in meinem Stoffstapel auf seinen verdienten Auftritt wartet.. Ich weiß nicht mehr ganz genau, woher der Stoff stammt, aber es war ein Reststück von knapp einem Meter, den ich nur wegen der schönen Farbe dann doch mitgenommen hatte. Es ist ein Crash-Leinen mit einer sehr schönen Struktur. Ich wollte den Stoff schon lange verarbeiten, aber immer wenn er in der engeren Wahl war, war die Menge dann doch nicht ausreichend.
Für die Jenny-Shorts hat  der Stoff aber dann gereicht!

Das Nähen war eine reine Freude, wie immer bei den ClosetCase Schnitten, da die Anleitung so hervorragend ist. Und wie immer gibt es was zu lernen, in diesem Fall das Einnähen eines verdeckten Reißverschlusses an der Seite. Für diejenigen, denen die Anleitung zu kurz gefaßt ist, gibt es noch ein Blog-Tutorial.
Genäht habe ich Größe 8. Ich hatte am Schnitt die Schrittkurve steiler gestellt, nach Gefühl, und an der hinteren Mitte ca 10-15 mm gekürzt. Die Paßform gefällt mir so recht gut!
Ich habe den Reißverschluss anleitungsgemäß auf der rechten Seite eingesetzt, ist ja auch für einen Rechtshänder durchaus komfortabel. Warum haben eigentlich alle Kaufklamotten ihre Reißverschlüsse auf der linken Seite?

Die Bluse , die ich dazu trage, ist die Biscayne-Bluse von HeyJune Patterns. Sie paßt nicht nur farblich gut dazu, sondern auch deswegen, weil die Innentaschen der Hose aus dem gleichen Stoff gemacht sind. Leider gibt es so wenig Gelegenheiten, wo man sowohl das Innenfutter der Taschen als auch die dazu passende Bluse zeigen kann...gehört also eher in die Kategorie der geheimen Freuden!

Biscayne wird oft als die ärmellose Cheyenne-Bluse bezeichnet, und so sehe ich sie auch. Ein absolut schöner Schnitt, nicht ganz so bekannt wie die Cheyenne von HeyJune, aber genau so durchdacht und alltagstauglich. Auch bei der Biscayne lernt man übrigens etwas, in dem Fall das Nähen einer halben verdeckten Knopfleiste.

Mein Exemplar gefällt mir im Nachhinein doch nicht so gut, aber das liegt an meiner Stoffwahl. Ich hatte einen Viscosestoff mit einer seitlichen Bordüre verarbeitet, und diese Bordüre als Saumabschluss genommen. Prizipiell ja keine schlechte Idee, aber wenn dann die geschwungenen Säume die Bordüre durchbrechen, kommt weder Saum noch Bordüre zur rechten Geltung. Aber es wird sicher noch eine weitere Biscayne folgen!


Und der Jenny-Overall ist natürlich auch in Planung, diesmal als richtige Latzhose, mit den Culotte- Hosen. Wie schön, daß es jetzt so viele neue Link-Parties gibt, da muß man ja unbedingt neue Dinge nähen!

Ach ja, vielleicht möchte jemand noch wissen, wie unsere Fahrradtour, auf der wir die Bilder gemacht hatten, weiter ging? Es war ja eine schwüle Gewitterstimmung, als wir los fuhren. Der Himmer wurde immer dunkler, und dann kam es , wie es kommen mußte: ein Gewitterschutt, der mich mit meinem schönen Outfit komplett durchnäßte.


 Zum Glück war es ja warm- aber so naß war ich lange nicht gewesen. Soll ich jetzt die Shorts und das Top als wetterfest bezeichnen? Die Bluse war ja dank ihres leichten Viscosestoffes rasch wieder trocken, aber die Jenny-Shorts brauchten dafür bis zum nächsten Morgen...ist also eher keine Funktionskleidung.
So, jetzt geht es ans Verlinken mit den neuen Donnerstags-Aktionen:
Sewlala
DufürDichamDonnerstag
Wof

Mittwoch, 6. Juni 2018

Myosotis von Deer and Doe und Gedanken zum Memademay

Ich nähe sehr gerne die Modelle des französischen Labels Deer and Doe. Für mich sind diese Entwürfe sehr klassisch und feminin, ohne dabei langweilig zu sein. Es gibt viele verspielte Elemente, aber keine billige Effekthascherei. Kurz: es sind einfach tragbare Kleidungsstücke,  an denen man lange Freude hat. Deswegen habe ich mich auch auf die diesjährige Frühjahrskollekton von Deer and Doe so wie immer sehr gefreut. Und ich wurde nicht enttäuscht: eine Hose, weit geschnitten, mit interessantem Seitendetail könnte ich mir gut an mir vorstellen. Die Jacke ist ein Traum, wobei ich noch nicht den passenden Kombipartner in meiner Gardereobe gefunden habe...und das Kleid Myosotis, das ich heute zeige.

Mit Myosotis und mir, das war Liebe auf den ersten Blick. Ein Hemdblusenkleid, mit einem kleinen Stehkragen, V-Ausschnitt- sobald ich das realisiert hatte, war es völlig um mich geschehen. Und wie es so ist in der ersten Verliebtheit, leidet darunter die Kritikfähigkeit. So übersah ich völlig, daß dieser Schnitt schon sehr oversized gedacht ist...

Aber der Reihe nach. Ich bestellte den Schnitt, ein passender Stoff, eine Leinenviscosegemisch in einer traumhaften Farbe war auch rasch gefunden, bezogen habe ich ihn hier. Die Farbe ist ein weiches Korallenrot, oder eher ein orangenes pink? wie auch immer, diese Farbe ist unglaublich. Und dass meine Hortensie farblich so gut dazu paßt, das war wirklich Zufall!


Das Nähen der Deer and Doe Schnitte ist immer eine reine Freude. Sie sind handwerklich perfekt, die Anleitung ist korrekt und ausreichend. Das Oberteil war rasch genäht und anprobiert. Es gefiel mir gut, der überschnittene Stil war bequem und saß gut.

Den Rock hatte ich ja schon etliche Größen kleiner zugeschnitten. Eigentlich nähe ich bei Deer and Doe Gr 40, das paßt mir gut und so hatte ich auch das Oberteil genäht. Den Rock hatte ich aber in der kleinsten Größe zugeschnitten. Das Schnitteil ist allerdings nur ein Rechteck, das oben eingekraust wird, mit seitlichen Nahttaschen. Die vorgesehene Länge hatte ich  um einiges verlängert. Im Originalentwurf ist das Kleid recht kurz, bis ungefähr Mitte der Oberschenkel. Nun habe ich nichts dagegen meine Beine zu zeigen, z.B. im Bikini oder beim Sport...aber ein Sommerkleid, das ich natürlich ohne Leggins oder Strumpfhose darunter tragen möchte, das habe ich lieber etwas länger. Ich will mich ja auch mal hinsetzen können im Kleid, ohne allzu viel Einblicke zu bieten. Ein Kleid, nur um damit herumzustehen, das brauche ich nicht.

Der Rock wurde an der oberen Kante planmäßig eingekraust, ans Oberteil angehalten und -gesteckt...hmm, war nicht überzeugend. Aber angesteckte Röcke sind nie überzeugend, und so nähte ich dann Rock und Oberteil beherzt zusammen und stellte mich gespannt vor den Spiegel.
Das Ergebnis war von vorne hübsch, von hinten akzeptal und von seitlich den Eindruck erweckend, daß ich ein Zelt mit mir herum trage. Im Nachhinein bereue ich es ja doch, daß ich davon kein Bild gemacht habe, aber das ganze war mir dann zu eindeutig nicht tragbar, als daß ich mir die Mühe eines Fotos machen wollte.
Was war das Problem? Ganz einfach, die Silhouette des Kleides stimmte nicht an mir.
Ich habe durch die Näherei ja doch einiges gelertn, was die Silhoutte meiner Kleidung angeht. Vieles macht man ja automatisch. Wenn ich Klamotten kaufe, gehe ich in die Kabine, ziehe fünf Stücke an, behalte eines. Dann kommt die Verkäuferin, reicht mir in die Kabine drei dazu passende Teile, und wieder kann ich ausprobieren, was mir gefällt. Beim Selbernähen ist dieses Ausprobieren um einiges mühsamer, da jedes neue Teil mit einiger Arbeit verbunden war. Das ist dann doch schade, wenn es wieder verworfen wird. Besser ist, sich vorher zu überlegen, was gut und stimmig aussieht.

Ich trage durchaus gerne Kleidungsschnitte, die etwas oversized sind, es muß nicht immer alles hauteng sitzen. Aber zu einem überschnittenen Oberteil brauche ich dann eine enge Hose, oder eine weite Hose muß für mich mit einem engen Oberteil kombiniert werden. Bei diesem Kleid sind sowohl Oberteil als auch Rock weit geschnitten, das kann für mich nicht gut gehen.
Die Lösung ist eine definierte Taille. Schon bei der Anprobe vorm Spiegel hatte ich das dringende Bedürfnis, die Taille irgendwie zu raffen. Mir fiel dazu ein Gürtel ein, aus dem gleichen Stoff, mit stoffbezogener Schnalle...die Idee finde ich immer noch gut, aber ich habe zunächst die "quick and dirty" Version gewählt und einen Gummizug in die Taille gebastelt.

Dazu habe ich ganz pragmatisch die mit der Overlock versäuberte Nahtzugabe des Saumes zwischen Oberteil und Rock auf dem Oberteil an der Kante der Nahtzugabe festgesteppt. Der entstandene Tunnel war gerade so ausreichend für ein Gummiband.
Für mich stimmen jetzt die Proportionen, es gibt einen definierten engen Bereich in der Taille und die Länge des Kleides paßt zur Gesamtform. Wieder was gelernt!
So bin ich wieder sehr glücklich mit meinem neuen Kleid und dem Schnitt, die Verliebheit war gleich wieder hergestellt. Ja, wahre Liebe überdauert eben kleine Fehler des anderen!
Der Schnitt heißt Myosotis, ein Blumenname wie alle Deeranddoe-Schnitte. Myosotis ist das Vergißmeinnicht, zufällig auch eine meiner Lieblingsblumen, die im Frühjahr in einem ganz zauberhaften Blau blüht.
Über die Blühzeit des Vergißmeinnicht hoffte ich jetzt, einen eleganten Schnörkel zum Mai, zum Memademay , zu schlagen- klappt nicht ganz, da meine Vergißmeinnicht im Mai schon verblüht waren. Also muß es ohne Schnörkel gehen!

Der Memademay ist eine Aktion, die von der englischen Nähbloggering Sozo vor einigen Jahren ins Leben gerufen wurde. Wer daran teilnimmt, "verpflichtet" sich,, im Mai Selbstgenähtes zu tragen. Natürlich ohne Zwang, jeder kann sich seine Aufgabe für den Mai selbst wählen- jeden Tag mindestens ein selbgenähtes Stück, oder jeden Tag einen Rock, oder ein umgearbeitetes Stück...wenn man sich die Einschreibekommentare bei Sozo auf dem Blog anschaut, ist alles dabei.
Dieses Jahr waren es über 1000 Frauen, die teilgenommen haben!
Ich finde das unglaublich. Über 1000 Frauen, die gerne nähen, die im Alltag selbstgenähtes tragen und dies auch gerne zeigen- so eine schöne Bewegung in einer Welt, in der sonst eher Hektik und Eile, Hass und auch Krieg im Vordergrund stehen.
Ich habe dieses Jahr zum erstenmal teilgenommen. Ich hatte mir keine besondere Aufgabe vorgenommen, wollte nur dabei sein und versuchen, möglichst viele meiner Outfits zu dokumentieren. Das war einfacher als gedacht: dank Stativ und Handy-App für die Kamera war es recht wenig zeitaufwendig, abends noch ein paar Bilder im Garten zu machen. Und so ist ein schöner Nebeneffekt dieser Dokumentation, daß ich auch das Auf- und Verblühen mancher Stauden und Büsche im Garten so dokumetiert habe.

Es war eine schöne Zeit im Mai. So spannend jeden Tag, die Outfits der anderen Näherinnen zu betrachten, oft mit einem Einblick in die fremden Gärten, Wohn - oder auch Schlafzimmer verbunden. Ich habe viele neue Schnitte kennengelernt und ganz viel neue Inspirationen für weitere Nähprojekte. Ich freue mich schon sehr auf den Memademay 2019, da bin ich wieder dabei.
Alle anderen Inspirationen des heutigen Memademittwoch findet man hier!