Mittwoch, 6. Mai 2020

Jeansrock und zwei Blusen


Jeansrock und zwei Blusen- ich gebe zu, daß dieser Titel sehr eigenartig und wenig inspirierend klingt. Aber auf diese Art passt er vielleicht ganz gut in diese eigenartige Zeit, in der die normale Routine aufgehoben ist, die Tage verschwimmen und das Alltagsleben sich grundlegend geändert hat.
Ich trage gern Rock und Bluse. Das ist für mich durchaus etwas neues, denn noch vor einigen Jahren bestand meine Alltagsuniform eher aus Jeans und Shirt. Aber durchs Nähen und durch die Beschäftigung mit Schnitten kommt man ja doch irgendwann zu dem Punkt, an dem man erkennt, daß die meisten Frauen mit Rock/Kleid einfach besser aussehen.

Im Kleid fühle ich mich immer noch etwas verkleidet oder einfach "schick" angezogen, das paßt nicht immer in meinen Alltag. Aber einen Rock trage ich mittlerweile richtig gerne. Und gerne auch einen Jeansrock, sozusagen als Remineszenz an mein früheres Jeansleben.
Ich besitze einige Jeansröcke, gekauft, die ich gerne trage. Damit habe ich keine Probleme, die Röcke sind da, passen mir und es gibt keinen Grund, sie auzumustern.Allerdings ist einer der Jeansröcke jetzt schon sehr abgelebt, oft gewaschen und sieht einfach nicht mehr gut aus, den wollte ich gerne ersetzen.
Aber das ist ja kein Problem, wenn man nähen kann. Ich hatte eine Idee, und die war inspiriert von einem Foto von Closetcasepatterns.
Foto: Closet Case Pattern

 Das Bild zeigt eine Version der Jenny-Latzhose von Closetcasepatterns, das Heather mit einer sichtbaren Knopfleiste und tiefen aufgesetzten Taschen variiert hat.
So etwas stellte ich mir vor. Einen Jeansrock, mit aufgesetzten Taschen, mit einer sichtbaren Knopfleiste in der vorderen Mitte. Und das ist mein Ergebnis:

Ich hatte meinen Rockgrundschnitt genommen, einen Formbund und eine hintere Passe konstruiert. Seitlich hatte ich dann noch etwas an Weite herausgenommen, da der verwendete Stoff sehr dehnbar war. Ich habe keine Ahnung mehr, wo der Stoff her war. Vermutlich hatte ich ihn vor einigen Jahren bestellt, als ich einige Ginger Jeans genäht hatte. Er lag jedenfalls im Stoffstapel, ziemlich weit unten...jetzt sollte er das Licht der Welt erblicken.
Mit meinem selbstgemachten Schnitt war ich sehr glücklich. Gut, der rückwärtige Schlitz ist etwas kurz geraten, das sieht eigenartig aus. Aber der Stoff ist so dehnbar, da braucht es eigenlich gar keinen Schlitz.
Radfahren ging ganz gut, und so hatte ich auch keine Bedenken, den Rock bei einer unserer Wanderungen anzuziehen. Es sollte ja schliesslich ein Alltagrock sein, der muss sich ans Wandern gewöhnen!
Die Wanderung war schön und warm, ich geriet ins Schwitzen. Der Rock war bequem, ich fand ihn toll als Wanderrock. Wir machten noch ein paar Bilder, es war einfach alles zu schön-perfektes Wetter, neues Outfit, ich war sehr zufrieden.

Aber abends, als ich dann vorm Spiegel stand, kam die Ernüchterung. Ja, der Rock war bequem, aber er hatte sich auch gnadenlos geweitet. Von dem guten Sitz war keine Spur mehr- er hing jetzt auf der Hüfte. Nun kann man  natürlich auch einen Hüftrock tragen, aber dieser war nun mal für einen Sitz in der Taille konstruiert. Was war passiert? Ein typisches Beispiel für einen Jeansstoff, der zwar eine gute Dehnbarkeit, aber eben keine gute Rücksprungkraft hat. Leider sieht man das den Stoffen nicht an, aber die sind dann für jede Form der angepassten Kleidung eigentlich unbrauchbar. Offensichtlich hatte es seinen guten Grund, daß dieser Stoff ganz nach unten im Stoffstapel gewandert war...

Ich habe meinen Rock dann so gerettet, daß ich im rückwärtigen Bund noch ein Gummiband eingezogen haben. Dadurch habe ich den Sitz wieder in die Taille gebracht. Zusätzlich habe ich noch Gürtelschlaufen angebracht, auf die ich ja eigentlich verzichten wollte, weil ich diesen sehr "cleanen" Eindruck des Bundes so schön fand. Aber es sollten wohl nicht sein.
Von der geänderten Form des Rockes gibt es noch keine Bilder, aber die folgen sicher noch, zumindest auf Instagram im Rahmen des Memademay! Dort bin ich übrigens unter #barbarasewingandviola zu finden- eine Hommage an mein zweites Hobby neben dem Nähen, dem Bratschespielen. Im Corona-Lockdown kommt das Bratschespielen leider viel zu kurz, da Musizieren doch meistens auch Partner benötigt, Nähen kann ich auch alleine.

Nun zu den beiden angekündigten Blusen: Bluse Nr. 1 hat einen völlig schlichten Schnitt- einfach ein V-Ausschnitt, die Weite gerade so viel, daß sie ohne Verschluss auskommt aber trotzdem nicht formlos oder "oversized" daherkommt. Der Schnitt erinnert an das Hadley-Top von GrainlinePatterns, wie ja überhaupt Grainline Patterns etliche von diesen ganz schlichten, schnörkellosen Schnitten hat.



In diesem Fall ist es ein Maßschnitt, den Inge Szoltysik-Spranger  nach meinen Massen erstellt hat. Da war die gute Paßform natürlich  vorprogrammiert...und um eine gute Ausführung habe ich mich auch sehr bemüht. Geholfen hat mir dabei ein Videokurs von Inge, in dem sie das Nähen einer Schößchenbluse beschreibt, und das ist in vielen Bereichen  auch auf meinen Tunika-Schnitt anwendbar. Der Stoff ist eine leichte Viskose von Art Gallery. In meinem Stofflager liegen zur Zeit noch einige andere Viskose-Stoffe, ich glaube, da möchten so einige davon gerne auch in diesem Schnitt enden...es ist wirklich ein wunderschöner Basis-Schnitt, paßt zu allem, zu Rock oder Jeans, reingesteckt oder lose überhängend- also einfach das, was man für eine Alltagsgarderobe braucht.Ich bin immer sehr glücklich über solche Schnitte!

Die andere Bluse ist zwar kein Massschnitt, dafür aber ein Schnitt, dem ich vom ersten Anblick her verfallen war. Ich weiß gar nicht mehr, wie ich auf das französische Schnittmusterlabel Annarose Pattern aufmerksam wurden, vermutlich aber über Instagram. Und die Thelma-Bluse, die mußte ich unbedingt nähen, seit ich sie gesen hatte.
Thelma ist ein Blusenschnitt mit einem V-Ausschnitt, der durch interessante Passen auffällt. Die vordere  Passe ist schräg gestellt, die hintere relativ tief angesetzt. Die Ärmel sind recht weit und können entweder mir einer breiten Manschette oder mit einem Bündchen genäht werden.
Ich habe Thelma aus einem zarten Baumwollstoff genäht, der auch schon lange in meinem Vorrat lag. In diesem Fall lag es aber daran, daß ich diesen bildschönen Stoff nicht grundlos anschneiden wollte  und er mir für viele Experimente zu schade war. Aber für Thelma schien er mir absolut geeignet, und das hat sich bestätigt.

Die Anleitung der Bluse gibt es nur auf französisch. Ich habe mch ja redlich bemüht, das zu verstehen, man will ja auch etwas lernen beim nähen, aber alles konnte ich nicht überseztzen. So wichtig ist das ja auch nicht, denn eine französische Bluse näht sich natürlich auch nicht wesentlich anders als eine deutsche oder amerikanische Bluse. Also, hier habe ich kein Problem mir der Globalisierung!

Etwas irritiert war ich im Schnittmuster über die Markierungen der Ärmelpasszeiche- der vordere Ärmeleinsatzpunkt hat zwei Striche, der hintere einen. Das wäre ja nicht so schlimm, aber auch die Länge der Armkugel bis zum Schulterpunkt ist hier vorne länger als hinten, das hat mich schon sehr verwirrt. Aber es hat schon seine Richtigkeit, die Schulternaht ist nach hinten verlagert, deshalb die ungewohnten Proportionen. Und die Schulter sitzt dafür gar nicht schlecht, die Bluse ist sehr bequem, hat natürlich auch einiges an Mehrweite.
Besonders gerne mag ich ja die Rückenansicht mit der tiefen Schulterpasse, und wenn dann beim Fotografieren auch noch grade das richtige Maß an Wind aufkommt, um die Bluse zu bauschen, das ist doch dann einfach Glück!
Soweit mein Bericht zu meiner vielleicht etwas eigenwilligen Mischung aus drei Schnitten- ein Maßschnitt, einer selbstgebastelt und ein Indie-Schnittmuster. Alle anderen selbstgenähten Kombinationen finden sich heute auf dem Memademittwoch-Blog!


Mittwoch, 1. April 2020

Neues Kleid nach bewährtem Schnitt

Vor 4 Wochen hatte ich über mein Nähcoaching bei Inge Szoltysik-Sparrer berichtet.  Ich hatte ein Hemdblusenkleid nach einem ganz klassischen Schnitt genäht, der aus einem Maßschnitt, dem Etuikleidschnitt von Inge, abgeleitet worden war. Da mit der Schnitt und vor allem die Paßform so gut gefallen hatte, plante ich gleich anschliessend ein (zwei, viele) neue Kleider nach dem gleichen Schnitt und durchforstete meinen Stoffvorrat nach geeigneten Stoffen.

Dieser schöne Viscose Twill, den ich im letzten Jahr gekauft hatte, der mußte jetzt unbedingt dran glauben, seine ruhigen Tage im Stoffstapel waren vorbei!
Ursprünglich hatte ich schon geplant, das Kleid nochmal genau so zu nähen, also als Hemdblusenkleid mit einer Knopfleiste im Vorderteil. Ich hatte mir überlegt, vielleicht einen anderen Kragen an den Schnitt zu konstruieren, vielleicht so einen Schalkragen, wie ich ihn beim Kitty-Dress von Sew-Overit genäht hatte, dieser Kragen gefiel mir gut. 
Aber Kragenkonstruktion ist nicht so einfach, wie ich dann gemerkt habe. Ich hatte eine Weile gemessen, gerechnet, gezeichnet, auch mal ein Probeteil angefangen...insgesamt war dann mein Resumee, daß so eine  Kragenkonstruktion im Augenblick noch zu schwierig ist für mich und ich habe das Problem auf einen späteren Zeitpunkt verschoben.

Außerdem hatte ich mittlerweile festgestellt, daß es nicht so einfach werden würde, passende Knöpfe zu diesem schönen farbenfrohen Stoff zu finden. Die Grundfarbe, dieses dunkelgrün mit etwas petrol, ist schon sehr speziell, und auch die korallroten Blüten entsprechen nicht grade der Knopffarbe, die das örtliche Nähgeschäft in großen Mengen vorhält. Und Knöpfe in speziellen Farben online kaufen,  das funktioniert natürlich noch schlechter.
Also wurde umgeplant, das Kleid erhielt eine runden Ausschnitt ohne Kragen und einen rückwärtigen nahtverdeckten Reißverschluss. Der Reißverschluss ist korallrot, der war problemlos zu erhalten. Außerdem ist er natürlich nicht sitchtbar, ist ja nahtverdeckt, und der korallrote Zipper macht sich ausgsprochen gut im Rücken (wenn man ihn denn sieht, auf den Bildern ist er immer unter den Haaren verborgen)

Die Ärmel hatte ich etwas aufgespreizt, auf Dreiviertellänge gekürzt und mit einem Gummiband im Saum gerafft. Die Bequemlichkeit dieses Kleides im Schulterarmbereich ist für mich immer noch unglaublich. Ich hatte ja lang gedacht, daß ein Webstoffkleid keine freie Beweglichkeit der Arme ermöglichen kann. Jetzt habe ich gelernt, daß bei guter Paßform das kein Problem ist. Der Armausschnitt des Kleides ist eher klein, wenn ich das mit anderen Schnitten vergleiche, das ist vermutlich eines der Geheimnisse.
Und auch wenn die Farben des Kleides etwas speziell sind, fand sich doch ein Kombipartner im Stoffregal. Ein French Terry von Seeyouatsix hat fast den gleichen Grünton, in echt passen die Farben noch besser zusammen als hier auf den Fotos.
Der Schnitt des Pullis ist der Sheridan Sweater von Hey June. Ich mag diesen Schnitt sehr gerne, es ist ein klassisches Sweatshirt, bei dem die Ärmel etwas weiter sind und somit eine Andeutung von den modernen weiten Bischofsärmeln geben, aber eben nur eine Andeutung. Auch vom Sheridan gibt es bereits eine frühere Version bei mir, leider nicht verbloggt, nichtmal verinstagrammt...aber ich denke, man muß auch nicht alles in den sozialen Medien teilen. Eigentlich reicht es ja, wenn ich den Schnitt und den Pulli gerne mag!
Und den Sheridan-Schnitt mag ich wirklich gerne, da könnte mich mir noch mehr Versionen vorstellen.

Überhaupt merke ich, daß ich im Augenblick mehr dazu tendiere, bewährte Schnitte nochmals zu nähen. Letztendlich bringen die meisten neuen Schnitte, die auf den Markt kommen, nicht so viel neues, sondern sind Variationen von altbekannten Schnitten. Und wenn man einen gut passenden Schnitt hat, ist es natürlich effektiver, diesen zu variieren oder einfach aus verschiedenen Stoffen zu nähen.

Also, die Leser meines Blogs müssen sich auf langweilige Monate einstellen, in denen ich nur diesen Kleiderschnitt in verschiedenen Variationen nähen werde, und dazu die passenden Sweatshirts!

Allerdings- eine Hose und ein Rock wäre schon auch noch gut für den Frühling. Vielleicht auch wieder nach bewährten Schnitten?

Alle anderen genähten Kleidungsstücke, ob nach neuen oder bewährten Schnitten, befinden sich auf dem Memademittwoch-Blog!

Dienstag, 3. März 2020

Nähcoaching bei Inge Szoltysik-Sparrer


Das schöne Kleid, das ich heute zeige, hat eine ganz besondere Geschichte- und sicher ist es auch deswegen ganz besonders schön geworden! Entstanden ist es an einem Wochenende, bei dem ich einen Nähcaoaching-Kurs bei Inge Szoltysik-Sparrer gebucht hatte. Inge ist den meisten unter uns sicher bekannt- viele kennen sie aus ihrer Jurorinnen-Aufgabe in der Fernsehsendung "geschickt eingefädelt", die vor einigen Jahren im deutschen Privatfernsehen lief, ein Remake der britischen Erfolgssendung  "the great british sewing bee". Über Instagram wurde ich auch immer mal über die Aktionen von Inges Nähatelier in Kenntnis gesetzt, und so wußte ich auch, daß Inge Kurse für Hobbynäherinnen anbot. Bisher war es immer so gewesen, daß die Kurse ausgebucht waren, bevor ich davon Kenntnis bekommen hatte-Anfang des Jahres entdeckte ich einen Kurs, den ich noch buchen konnte. Nicht viel nachgedacht, und -klick-! war der Kurs im virtuellen Einkaufskorb, und ich war fürs Nähcoaching im Februar eingebucht.

Erst kurz vor dem Termin bekam ich dann richtig Bedenken. Ja, natürlich hatte ich mittlerweile mit Inge telefoniert und meine Pläne mitgeteilt, denn das Thema dieser Nähwochenenden ist völlig offen, jeder kann nähen, was ihm am wichtigsten ist. Und das Telefonat war so super freundlich, daß ich gerne meine Wünsche mitteilte, ein Oberkörperschnitt sollte es sein, gerne eng anliegend, mit einer trotzdem guten Beweglichkeit im Armbereich. Eine Bluse, oder ein Hemdblusenkleid? So ganz genau wußte ich es ja auch nicht, war jedenfalls sehr erleichtert nach diesem Telefongespräch und legte schon mal einige passende Blusenstoffe heraus.
Aber je näher der Termin wurde, umso verzagter wurde ich. Der Kurs war ja nun ausdrücklich als "nicht für Anfänger geeignet" bezeichnet- würde ich da überhaupt hinpassen? Ich habe ja nun schon so einiges genäht, auch eigentlich ganz erfolgreich, aber trotzdem sehe ich mich absolut als Amateur im Nähen. Ich habe niemals einen Nähkurs besucht und mir das meiste autodidaktisch durchs Internet oder Bücher und Zeitschriften angeeigenet. Und dann ein Kurs bei einer so berühmten Massschneiderin- ich bekam Angst vor meiner eigenen Courage. Sicher würde ich bereits nach der ersten Stunde nach Hause geschickt werden- oder mir würde eine einfachere Aufgabe zugeteilt. Überhaupt, was hatte ich mir dabei gedacht, mir eine Bluse vorzunehmen? So was schwieriges, mit Kragen, Knopfleiste, Manschette- hätte ich nicht einfach eine Schürze, oder noch besser einen Kissenbezug nähen können?
Die anderen Teilnehmer würden sicher alle besser sein als ich, ich rechnete fest damit, im Kurs nur auf Supernäherinnen zu treffen, also solche, die schon vor dem Frühstück erst mal zwei Paspelknopflöcher nähen, um wach zu werden.
Solche Gedanken bewegten mich, als ich mich an einem milden Februarwochenende auf die Fahrt nach Hagen in Inges Nähatelier machte.

Wie schön, daß ich so herzlich von Inge empfangen wurde! Es war natürlich alles ganz anders als gedacht oder befürchtet, und nachdem ich gemerkt habe, daß auch die anderen Teilnehmer meine Ängste mehr oder weniger geteilt hatten, konnte ich den Kurs ganz entspannt geniessen.
Es begann mit dem Maßnehmen, denn wir sollten ja mit einem Schnitt arbeiten, der auf unsere Masse abgestimmt war. Ich hatte verschiedene Ideen zu meinem Projekt und vier Stoffe eingepackt. Ganz oben auf meinem Stapel lag ein Chambray, den ich erst in der Woche zuvor gekauft hatte und den ich aber unglaublich schön fand, ein Hanf-Baumwollgemisch. Ich hatte auch früher schon gelegentlich Hanfstoffe gesehen, auch bei Kaufkleidung, und hatte sie eher als derb und rustikal in Erinnerung. Dieser Stoff war ganz weich und hatte einen wunderschönen Fall, also ein idealer Kleiderstoff. Ich glaube ja, daß Inge vor allem das Streifenmuster reizte...jedenfalls wurden wir uns rasch einig, daraus sollte ein Hemdblusenkleid werden. Ich hatte mir einen Schnitt mit einem eng anliegenden Oberteil und einem angekrausten Rock vorgestellt, Inge schlug eine Variation ihres Etuikleidschnittes vor, bei der das Rockteil durch eine tiefe Kellerfalte im Vorderteil  Volumen bekommt. Damit war ich gerne einverstanden.
Der Masschnitt wurde mit ihrem Programm erstellt. Ein Traum für jeden, der sonst Schnitte abpaust, Schnittlinien mit der Hand ändert, Papierstücke an mehr oder weniger passenden Stellen anklebt und dann wieder abreisst, wenn es eben doch nicht so richtig ist. Inge hat natürlich ein professionelles CAD-Programm für ihre Schnitte, was sie dann mal so neben her bedient- ich weiß die Mühe und sicher auch die Kosten zu schätzen, mit denen dann der Plotter so einen Masschnitt nach einigen Minuten ausspuckt.

Dann ging es ans Zuschneiden, und hier gab es schon die ersten gewaltigen Offenbarungen für mich. Ich hätte ja, wenn ich schon so große Änderungen an einem Schnitt plane, mir erst mal einen neuen Schnitt für das Vorderteil gezeichnet. Inge wollte aber alles auf dem Stoff direkt anzeichnen- sehr sinnvoll bei meinem Streifenstoff. Völlig ungewohnt war für mich, daß ich auch die Nahtlinien anzeichnen sollte. Ich kannte das zwar schon aus einem von Inges Videos, hatte das aber bisher nie so gemacht. Meistens nähe ich ja auch nach Fertigschnitten aus dem englischsprachigen Raum, die die Nahtzugabe bereits erhalten, da wäre es dann sehr mühsam, sich auch noch eine Nahtlinie einzuzeichnen.
Schnittmarkierungen wurden entweder mit Kreidestiften eingezeichnet oder mit einem andersfarbigen Faden eingeheftet, das Einknipsen des Stoffrandes war nicht erlaubt. Das Durchschlagen der Markierungen und Nahtlinien auf die unten liegende Stoffhälfte geschah mittels Kopierpapier und Kopierrädchen. Jetzt wußte ich endlich, wozu man so ein Kopierrädchen braucht! Ich besitze nämlich eines schon seit vielen Jahren, aber die Einsatzmöglichkeiten dieses Werkzeuges hatten sich mir bisher nicht so wirklich erschlossen.

Und so ging es eigentlich das ganze Wochenende weiter. Viele Nähschritte, die ich für mich immer irgenwie gelöst hatte, wurden bei Inge anders gehandhabt. Das Schöne war aber, daß es immer plausible Erklärungen dafür gab, warum ich jetzt eine spezielle Technik anwenden sollte. Und wenn wir irgendetwas nicht richtig konnten oder verkehrt gemacht hatten, war es auch nicht schlimm- Inge war immer gern bereit, unsere Fehler zu korrigieren. Die Atmosphäre im Atelier war wunderschön, fand ich, konzentriert und dabei doch unglaublich entspannend, es wurde viel erklärt, erzählt, aber auch gelacht...wer sich das nicht vorstellen kann, für den habe ich mal beispielhaft eine Szene aufgeschrieben...

Ort: Inges Nähatelier
handelnde Personen: vier Kursteilnehmerinnen und Inge 
später Nachmittag bei Inges Nähcoaching. Alle Teilnehmerinnen sind konzentriert bei der Arbeit, heften, stecken, nähen mit der Hand. Die Ruhe im Atelier wird nur durch das gelegentliche Zischen der Dampfbügelstationen unterbrochen.
Teilnehmerin A eilt zu Inge , um neue Anweisungen für ihr Nähprojekt zu erhalten. 
Inge: "bügel doch erst mal diese Naht richtig aus"
Teilnehmerin A strebt zum Bügelbrett. Diesmal will sie alles richtig machen, hingebungsvoll bügelt sie die Naht (gefühlte ) 30 Minuten und bringt sie dann zu Inge- in Erwartung eines großen Lobes.
Inge, nach flüchtigem Blick auf das Werkstück  "ist das schon gebügelt??" , ergreift dann selbst das Bügeleisen, und nach zwei gezielten Dampfstössen erstrahlt das Werkstück in ungeahntem Glanz.

Ende der Szene, Vorhang!
Alle Agierenden treten vor den Vorhang, verneigen sich unter dem anhaltendem Applaus und beschliessen , erst mal gemeinsam zum Abendessen zu gehen.

Aus: Inges Nähcoaching, Drama Lustspiel in vier Akten



Ich hatte ja ein spezielles Problem, was ich an diesem Wochenende lösen wollte, das war die Anpassung  im Schulter-Armbereich. Ich habe schon einige Kleidungsstücke aus Webstoffen genäht, und immer war ich mit dem Schulterbereich unzufrieden. Entweder saß es nicht richtig, oder ich konnte mich nicht gut darin bewegen, oft auch beides. Ich hatte ja schon die Schuld bei mir und meiner Schulterform gesucht, aber genau das sollte man ja beim Selbstnähen irgendwie berücksichtigen können. Nach diesem Wochenende bin ich mir aber sicher,  aber daß mein Hauptproblem in meiner fehlerhaften Technik des Ärmeleinsetzes lag. Natürlich wußte ich, daß man die Armkugel einreiht, das hatte ich schon immer so gemacht, und mich dann bemüht, die Paßzeichen übereinander zu bekommen. Ich hatte immer viel gesteckt und  versucht, den Ärmel ins Armloch zu bekommen, ging mal besser, oft schlechter. Oh, wie ich Ärmeleinnähen haßte! Aber da die klimatischen Bedingungen in Deutschland nicht nur ärmellose Oberteile erfordern, mußte ich mich irgendwie damit arrangieren.
Dabei geht es doch viel einfacher: die Armkugel wird eingereiht, und dann mit viel Dampf erst mal in Form gebügelt. Diesen Vorgang hatte ich schon kennengelernt, als ich meinen Blazer genäht habe, da fand ich es faszinierend, wie schön man einen Wollstoff in Form bügeln kann. Aber ich hätte nie daran gedacht, das auf andere Stoffe anzuwenden...dabei geht das so gut! Mein Hanf-Baumwollstoff nahm beim Bügeln willig die Schulterform an, und flutschte im Endeffekt wie von selbst ins Armloch. Na ja , nicht ganz, ein paar Stecknadeln halfen ihm dabei.
Dann wurde mit der Hand, auf der prospektiven Nahtlinie, geheftet und der Fall des Ärmels überprüft. Wenn das in Ordnung war, wurde genäht. So einfach, und so effektiv - ich liebe Ärmeleinsetzen!

Und so ging es weiter am Wochenende, es gab ganz viele von diesen "aha!!" Ereignissen,  bei denen sich Nähprobleme, die ich immer schon  hatte, lösen liessen. Manchmal waren die Lösungen so einfach, daß ich mich heute noch frage, warum man uns Hobbynäherinnen mit solchen Problemen alleine läßt oder sogar immer wieder falsch anleitet.
Als Beispiel will ich nur meinen zierlichen Stehkragen nennen. Ich will jetzt nicht darauf hinaus, daß man diese Kragenform nicht so oft sieht, aber mir steht dieser Kragen einfach besser als so ein hohes Teil mit Kragensteg, das ist aber einfach meiner Anatomie geschuldet.
Ist ja auch egal, wie der Kragen aussieht, in jedem Fall muß der Unterkragen irgendwie mit dem Rücken auf der Innenseite verbunden werden...und da wird in den meisten Anleitungen, die ich so kenne, mit der Maschine gesteppt, sei es im Nahtschatten oder als Absteppung in einem gewissen Abstand  zur Naht. Das ist schwierig, weil es sich um Rundungen handelt, und mir ist das nie gut gelungen. Jetzt habe ich gelernt, diese Naht mit der Hand zu machen, das ist so viel einfacher und wird viel schöner, da unsichtbar. Und es ist natürlich nicht zeitaufwendiger, da es sich ja wirklich nur um ein kurzes Nahtstück handelt.
Wir waren vier Teilnehmerinnen, die sich alle verschiedene Nähprojekte vorgenommen hatten. Im nachhinein finde ich es sehr überraschend, wie Inge es geschafft hat, uns alle so gut und umfassend anzuleiten. Denn wir wurden alle mündlich angeleitet, es gab ja keine schriftlichen Arbeisanweisungen, wie ich es sonst von meinen Schnitten gewohnt war. Wir erhielten also alle unsere sehr detaillierten Anweisungen und Hilfestellungen direkt von Inge, und sie wußte auch immer genau, wo jeder der Teilnehmer gerade war. Es gab fast keinen Leerlauf, wo man dann mal auf neue Anweisungen warten mußte- das fand ich wiederum sehr schade, denn ich hätte auch zu gerne den Anleitungen der anderen mehr gelauscht, so interessant war das alles. Die Zeit verging wie im Flug, wir waren voll im Flow, wie es so schön auf Neudeutsch heißt.
Für unser leibliches Wohl wurde gut gesorgt..wäre gesorgt worden, wenn wir mehr darauf geachtet hätten, aber zumindest ich habe völlig vergessen zu essen und zu trinken, weil ich so konzentriert beim Nähen war. Und die äußeren Umstände des Kurses waren natürlich ideal, da wir in Inges Modeatelier arbeiten und die professionelle Ausstattung nutzen durften.
Es gabe moderne computergesteuerte Nähmaschinen eines bekannten Anbieters, mir wurde allerdings ein etwas älteres Modell zugewiesen,,,
...eine Industrienähmaschine, mit der ich am Anfang sehr fremdelte, zu ungewohnt war die Bedienung, die überwiegend über das Fußpedal stattfand. Aber am zweiten Tag wurden wir gute Freunde, die Maschine und ich, denn dann hatte ich ihr Bedienprinzip verstanden und freute mich über ihre ruhigen Laufeigenschaften und das stabile Stichbild auch auf der linken Stoffseite.
Viel zu schnell war das Wochenende vorbei, und ich befand mich wieder auf dem Heimweg. Im Gepäck ein neues Kleid, den dazu passenden Schnitt und -das Beste!- vielen neuen Fertigkeiten und Erkenntnissen.
Was habe ich jetzt denn gelernt in diesen beiden Tagen? Die Hauptsache ist sicher, daß es sich beim Nähen lohnt, sehr genau zu arbeiten. Das war ja auch schon meine Erkenntnis im letzen Jahr, daß dieses Schielen nach einem schnellen Nähergebnis, das einem dann "von der Maschine hüpft", das ist nicht meines, ich möchte auch den Nähprozess geniessen.
Die andere Erkenntnis ist aber auch, daß die professionelle Schneiderkunst natürlich meilenweit entfernt ist für uns Hobbynäherinnen. Das ist aber nicht schlimm, finde ich, denn die Schneiderinnen lernen das und üben ihren Beruf jahrelang aus- wie schlimm wäre es denn, wenn wir so ohne weiteres das gleiche könnten! Und Schneidern ist absolut eine Profession, eine Kunst, das merke ich immer mehr, je länger ich mich damit beschäftige. Und ich finde, wir dürfen uns dabei auch helfen lassen von den Profis.
Ich hätte dieses Kleid alleine nie so gut hinbekommen. Die Schnittanpassung wäre mir nie so gut gelungen, mal ganz abgesehen davon, daß ich so einen Kleiderschnitt auch nicht kenne, jedenfalls nicht bei den mir bekannten Indie-Schnittmustererstellerinnnen. Dabei ist der Schnitt ganz einfach: ein Kleider-Schnitt mit Wiener Nähten im Oberteil,  die im Rockteil in eine tiefe Kellerfalte übergehen, vorne eine Knopfleiste und ein kleiner Stehkragen. Die Ärmel sind gerade geschnitten und werden hochgekrempelt.

Aber ich bin so froh und so dankbar, daß ich das Kleid mit professioneller Hilfe  nähen konnte! Ich habe jetzt schon das nächste Kleid nach diesem Schnitt in Arbeit, einfach damit ich mir die Arbeitsschritte noch besser einprägen kann. Und dann gibt es natürlich noch viele Ideen, wie ich diesen Schnitt abwandeln könnte...
Und wer sich wundert, warum auf allen Bildern oben keine Schuhe zu sehen sind- hier noch ein Bild des gesamten Outfits mit (natürlich nicht) passenden Wanderschuhen! Wie so oft haben wir eine unserer Sonntags-Wanderung zum Bildermachen genutzt. Das Kleid habe ich gerne im Rucksack getragen, passende Schuhe auch mit zu schleppen war mir dann doch zu umständlich. Aber so habe ich mich dann rasch an diesem schönen Teich umgezogen und kurzfristig die Kälte ertragen. Ehrlich gesagt war ich aber dann schon froh, als ich wieder in Jeans und Pulli schlüpfen konnte- das Kleid ist zwar sehr schön, aber für die Temperaturen am 1. März war es nicht geeignet.
Wer noch andere Frauen in selbstgenähter Kleidung sehen möchte, der schaue bitte hier auf dem virtuellen Laufsteg des Memademittwoch!

Dienstag, 4. Februar 2020

Orageuse Berlin Rock der Dritte und Somersetshirt von Maven Pattern

Den Berlin-Rock von Orageuse hatte ich schon zweimal genäht, beide Versionen wurden keine Lieblingsteile.
Beim ersten Rock lag es sicher an der Stoffauswahl. Gedacht war er auch nur als Proberock, und ich hatte einen sehr ungeliebten Stoff verarbeitet. Erwartungsgemäß paßten die Farben wenig in meine Garderobe und der Rock wurde selten getragen. Wenn ich ihn dann doch mal anhatte, erhielt ich allerdings oft Komplimente dafür, aber wahrscheinlich auch wegen der an mir so ungewohnten Farben.
Die zweite Version war der Weihnachtsrock 2018. Ein schöner Stoff, aber die Midiversion, die ich dann genäht hatte, offenbarte ein entscheidendes Problem im Schnitt: der Futterrock ist in meinen Augen zu eng konstruiert und enthält nicht die Mehrweite, die sich durch die Falte im Vorderteil ergibt. Der Weihnachtsrock wurde jedenfalls auch kaum getragen, weil ich mich in dem Rock nicht gut bewegen kann. Das enge Futter ermöglicht nur damenhaft kleine Schritte, das ist nichts für mich.
Also wurde es eindeutig Zeit für eine dritte Version des Jupe Berlin, die hoffentlich mehr Potential zum Lieblingsrock hat. Ob mir das gelungen ist? Seht selbst, bisher bin ich sehr gücklich mit dem Rock!

Der Schnitt ist aber auch zu schön. Schlicht, mit einer kleinen Falte im Vorderteil, die in den leicht ausladenden Taschenbeutel überleitet. Eigentlich gibt es noch Gürtelschlaufen und einen breiten Bindegürtel mit einer Schluppe vor dem Bauch, aber ich finde, für das kurze Röckchen ist das zuviel.

Die kurze Version benötigt keinen Saumschlitz, da die Saumweite in dieser Länge ausreichend ist, um normal große Schritte zu machen. Fahrradfahren...hmm, ist möglich, aber nicht komfortabel. Entweder schiebt man den Rock ganz hoch, was keinen sehr großen öffentlichen Aufruhr erregt, wenn man wie ich eine Strumpfhose drunter trägt, oder man bewegt die Beine beim Treten der Pedale sorgsam nach innen, das geht auch...also egal wie, es ist kein Rock für eine Fahrradtour, das muß man glaube ich akzeptieren.

Der Stoff dieses Rockes ist ein Tweed-Wollstoff, der von der Schweizer Firma Hello Heidi designt und dann im Fränkischen von Zuleeg gewebt wurde. Der Stoff wurde eigentlich als Mantelstoff beworben, wobei er mir dafür fast zu dünn vorkommt. Aber der Stoff ist natürlich ein Traum, wie alle Stoffe, die ich bisher von Zuleeg gesehen udn vernäht habe.
Der Stoff trägt den schönen Namen Check Country, und das trifft es auch genau...ein Stoff fürs (britische) Landleben, man denkt an Fuchsjagden, abgetragene Tweedjackets vor Kaminfeuer oder zumindest Rosamunde-Pilcher-Romantik....wobei ich finde, daß der Stoff sich auch in der Februar-Tristesse der deutschen Rheinebene  ganz gut macht!
Mit der Karo-Anpassung habe ich mir große Mühe gegeben, und war teilweise auch erfolgreich. Die Karos passten nicht überall, was aber auch schwierig war durch die Form der Hüftrundung und der Taschen.
Der Rock ist natürlich gefüttert, und diesmal habe ich das Futter schön weit geschnitten. Ich habe die Mehrweite, die der Vorderteilschnitt durch die Falte erreicht, auch im Futterrock dazu gegeben und zusammen mit der Abnähermehrweite in kleine Fältchen verteilt. Also, an der Bequemlichkeit wird es nicht liegen, wenn dieser Rock kein Lieblingsteil wird!

Und auch am fehlenden Kombipartner wird es nicht scheitern. Der Rock ist natürlich gut mit hellen, naturfarbenen Shirts kombinierbar. Aber ein besonders schönes Shirt passt auch dazu, das ich heute zeige.
Den Stoff dafür, ein sogenannter Winterjersey, hatte ich auch diesen Herbst bestellt, als ich meine Vorliebe für Rost-Töne entdeckte. Die Winterjerseys zeichnen sich meistens durch einen Polyester-Anteil aus, der für das Kuschelige verantwortlich ist, und so enthält auch dieser Stoff 20% vom bösen Polyester. Das finde ich nur deshalb nicht verwerflich, weil ich aus dem Stoff ein (jetzt schon erkennbares) Lieblingsteil genäht habe, das ich sicher oft tragen werde.
Der Schnitt kommt von Maven Pattern, einem britischen Schnittmuster-Label, das mir bisher noch nicht begegnet war. Die Politik von Maven Pattern gefällt mir sehr gut, es handelt sich zumindest nach dem Online-Auftritt um ein Unternehmen, das Sinn für Nachhaltigkeit und Ökologie hat. Die Schnittdesignerin hat eine professionelle Ausbildung und bemüht sich um zeitlose Modelle.
Von ihren Schnitten gefällt mir allerdings bisher nur dieses Somerset-Shirt , das allerdings dafür ausgesprochen gut.
Somerset hat zwei typische Designmerkmale, die gekonnt kombiniert sind: die weiten Bischofs-Ärmel und einen U-Boot-Halsausschnitt. Die Ärmel gibt es in verschiedenen Längen und Versionen, ich zeige die Langarmversion mit extra langem Bündchen. Die Mehrweite der Ärmel wird am Handgelenk zunächst eingekraust, bevor das Bündchen angenäht wird, dies geschieht durch das Nähen mit elastischem Unterfaden. Diese Technik wird in der Anleitung genau beschrieben- ich war ja etwas skeptisch, ob es funktionieren würde, aber es ging problemlos. Der elastische Faden wurde auf die Unterfadenspule unter leichter Spannung aufgewickelt, die Oberfadenspannung deutlich erhöht und dann mit Geradstich zwei parallele Reihen am Saum genäht. Schon das ergab eine schöne Kräuselung des Ärmelabschlusses, die durch einen kurzen Dampfstoss mit dem Bügeleisen noch verstärkt wurde. Danach liess sich das recht enge Bündchen problemlos annähen.

Der U-Boot-Ausschnitt ist das einzige, mit dem ich bei diesem Schnitt nicht ganz glücklich bin. Das mag daran liegen, daß ich nicht den notwendigen Schwanenhals habe, mit dem so ein U-Boot-Ausschnitt gut aussieht, aber das wußte ich schon vorher und war mit dem Ergebnis eigenlich doch ganz zufrieden.

Das Problem bei den U-Boot-Ausschnitten liegt  meiner Meinung nach in der Art der Saumverarbeitung. Es handelt sich ja meistens um Jerseystoffe, und natürlich kann man die einfach umschlagen und festnähen, der dehnbare Stoff macht das  mit.
So ist es auch bei diesem Schnitt beschrieben, und zwar sehr umfassend und korrekt erklärt. Die ganze Anleitung für das Shirt ist sehr ausführlich und, wie ich finde, irgendwie liebevoll, sowohl den Schnitt als auch vermutlich die prospektive Näherin betreffend. Ich habe selten bei einem Jerseyschnitt so viele Paßzeichen gesehen, und die ausgeformte Armkugel ist wunderschön.
Auch der Ausschnitt ist sehr genau beschrieben, und man kann das genauso und gut nachnähen.
Allerdings klafft der Ausschnitt etwas, auf manchen meiner Bilder kann man es erahnen. Im normalen Leben fällt es zugegebenermassen nicht auf. Aber ich bin ja immer auf der Suche nach der Optimierung meiner Nähtechniken- was wäre denn hier die richtige Technik der Ausschnittversäuberung gewesen? Ein Bündchen kommt logischerweise für diese Ausschnittform nicht in Frage. Vielleicht doch ein Beleg, etwas kleiner zugeschnitten, und unter Spannung aufgenäht? Oder hätte man irgenwie ein Framilon-Band im Ausschnitt mitfassen können? Ich mache mir weiter Gedanken und werde sicher noch weitere Somerset-Varationen zeigen, denn der Schnitt ist einfach zu schön.
Das Schildchen mit der Markierung der Rückseite hatte ich schon früh im Nähprozess eingenäht und war wiederholt sehr dankbar dafür, denn so ganz eindeutig war es für mich beim Nähen oft nicht, was vorne und hinten war.
Die Bilder entstanden an einem ziemlich verregneten Februar-Sonntag, in einer kurzen Lücke zwschen zwei Regenschauern. Ich denke, damit haben Rock und Shirt ihren Test auf Outdoor-Tauglichkeit durchaus bestanden. Danke auch an den Fotografen, der alles wieder gut in Szene gesetzt hat!
Alle anderen genähten und fotografierten Modelle finden sich heute in der Galerie des Memademittwoch.