Mittwoch, 18. April 2018

Joni Dress von Tilly and the Buttons

Dieses Shirt war eigentlich nur als Testversion gedacht für den Schnitt des Joni-Kleides aus dem neuen Buch Stretch! von Tilly and the Buttons. Aber wie es manchmal so geht bei Testversionen, ist daraus ein absolutes Lieblingsteil geworden.

Der Schnitt des Joni-Dresses gefiel mir sofort, als ich ihn in der Vorschau gesehen hatte. Ich habe bisher wenig von der britischen Schnittdesignerein Tilly Walnes, besser bekannt als Tilly and the Buttons, genäht. Irgendwas hatte mich oft an den Schnitten gestört, manchmal erschienen sie mir auch einfach zu jugendlich. An diesem Schnitt, Joni, mochte ich sofort das Knotendetail im Vorderteil.

Nun gibt es ja auch viele andere Schnitte für  Oberteile mit Verschlingungen, oder Knoten, wie sie in der deutschsprachigen Nähszene genannt werden. Die englische Bezeichnung Twist trifft allerdings die Schnittkonstruktion viel besser, denn es wird ein Schnitteil, meistens im Oberteil, ein oder zweimal um sich selbst gedreht. Hierdurch ergeben sich reizvolle Raffungen im Oberteil.

Ich habe bisher einige Schnitte für Knotenkleider ausprobiert und war nie so ganz glücklich damit geworden. Ich hatte immer zwei Probleme bei diesen Schnitten. Das erste lag in der Schnittkonstruktion: die Verschlingung der Oberteile lag immer zwischen den Brüsten, dadurch wurde der Ausschnitt immer sehr, sehr tief, was zumindest  für mich dann das Tragen nur mit einem untergezogen Top möglich machte. Der tiefe Ausschnitt wurde dann auch noch durch die Ausschnittverarbeitung verstärkt, mein zweites Problem bei diesen Schnitten, denn die Ausschnittkanten wurden nur einfach umgeschlagen und hatten dadurch keinen Halt.

Beide Problem sind beim Joni-Dress vorbildlich gelöst, wie ich finde. Die Verschlingung der Oberteile liegt einige entscheidende cm oberhalb der Brustlinie. Ich trage zwar auch hier lieber ein Top darunter, abert auch ohne halten sich die Einblicke ins Dekollete durchaus in Grenzen.
Die Ausschnittkanten werden mit einem innenliegenden Bündchen versäubert, die Technik wird genau im Buch beschrieben. Ich hatte das bisher noch nicht so gemacht, mir aber immer gedacht, daß das gehen müßte- und es geht hervorragend und gibt einen schönen sauberen Abschluß, der vor allem nicht aufklafft.
Unterhalb der Verschlingung gibt es dann eine kurze senkrechte Naht in der vorderen Mitte. Durch den Knoten wird die Naht leicht nach oben gezogen. Bei gestreiften Stoffen kommt dieses Detail sicher sehr hübsch hervor, mein nächstes Joni nähe ich aus gestreiftem Stoff!
Die Länge der Tunika ergab sich bei mir aus der Menge des vorhanden Stoffes, oder besser gesagt aus der nicht vorhandenen Menge... ich wollte gern den wunderschönen beerenfarbigen Slubjersey von 1000Stoff für diesen Schnitt verwenden, da ich mir das Knotendetail aus diesem superweichen Stoff so gut vorstellen konnte. Ich hatte allerdings definitiv zu wenig Stoff, da ich die schöne Weite des Rockteiles nicht verkleinern wollten. Ich habe daher das Rockteil gekürzt, praktischerweise genau an der Linie, die für Verkürzungen oder Verlängerungen im Schnitt eingezeichnet ist. Als Tunika finde ich die Länge so sehr schön.

Die Taillennaht wird mit Framilonband verstärkt, auch das wird genau im Buch beschrieben, wie man das machen kann. Ich hatte bisher immer das Framilon mit großem Geradstich auf den Stoff aufgeheftet, bevor ich mit der Overlock die Nähte genäht habe. Tilly empfiehlt, das Framilon nur mit einigen Zickzackstichen am Anfang  der Naht zu befestigen und dann direkt mit der Overlock zu nähen. Das habe ich probiert und es ging überraschend gut.
Mit der Paßform des Schnittes war ich sehr zufrieden. Ich habe an den Seitennähten und vor allem unter der Achsel einige mm weggenommen, mein Stoff war aber auch sehr dehnbar. Das ist ja immer die Tücke beim Nähen mit dehnbaren Stoffen, daß man sich nie darauf verlassen kann, wie ein Schnitt paßt.

Die Anleitung im Buch finde ich sehr ausführlich und verständlich. Das Buch enthält Schnittmusterbögen mit (überlappenden) Mehrgrößenschnitten, aber  pro Seite ist nur ein Schnitt, so ist das Abpausen eine reine Freude.
Mein einziger Kritikpunkt an diesem Schnitt ist eigentlich die Nahtzugabe von 1,5 cm- das ist zum Nähen mit der Overlock sehr unpraktisch, und auch beim Nähen mit der normalen Nähmaschine einfach nicht notwendig bei  einem Jerseyschnitt.

Das Buch Stretch! finde ich insgesamt sehr lohnend und empfehlenswert. Es enthält einen umfangreichen Technikteil über das Nähen von dehnbaren Stoffen mit Materialkunde.Das Nähen mit der Overlock wird sehr ausführlich behandelt. Schade nur, daß das Vorhandensein einer Covermaschine überhaupt nicht erwähnt wird- das hätte ich schon von einem Buch über das Nähen mit dehnbaren Stoffen erwartet.

Das Buch enthält 5 Schnittmuster, von denen Joni sicher das originellste ist, die anderen sind eher Basic-Teile: ein Rock,  ein Shirt mit Raglanärmeln, ein Pulli aus Sweat und ein Hoodie mit Jogginghose. Da aber zu jedem Schnitt sehr viele Variationen gezeigt werden, hat man mit den Schnittmustern des Buches schon eine schöne Basisgarderobe aus dehnbaren Stoffen.  Die Aufmachung des Buches ist absolut hochwertig mit vielen schönen Fotos. Ich denke, daß dieses Buch sowohl für Nähanfänger als auch für Fortgeschrittene gut geeignet ist- ich hatte jedenfalls schon viel Freude daran!
verlinkt: Afterworksewing, RUMS

Mittwoch, 4. April 2018

Moto Sweatshirt von Seamly

Die letzten Wochen waren ja bekanntermassen sehr , sehr kalt in Deutschland. Frühlingsgefühle kamen kaum auf, statt dessen hatten wir immer wieder Temperaturen weit im Minusbereich und mehr Schnee als im ganzen Winter davor. Was soll man denn da nähen? Für Sommerkleidchen hatte ich wirklich keine Lust, aber andererseits, immer nur diese tristen Winterfarben- nein, da musste schon etwas in Frühlingsfarben her. Als ich in Lüneburg an einem wirklich eiskalten Tag durch die schöne Innenstadt spazierte , entschied ich mich in der Tillabox( die ich natürlich nur betreten hatte, weil es draußen so kalt war!) spontan für diesen genialen Doubleface- Sweat in rosa und blau. Genial ist der Stoff deshalb, weil er total kuschelig und warm ist: zwischen den beiden Seiten des Baumwolljerseys befindet sich noch eine Polyesterschicht, die in Karos abgesteppt ist, und das sorgt für eine gute Warmhaltefähigekeit. Eine Seite ist gestreift, eine ganz fein gepunktet.

Beim Kauf des Stoffes hatte ich noch keinen konkreten Plan, ich dachte nur aufgrund der Temperaturen an irgendwas mit Kapuze oder hohem Kragen, Hoodie oder Kleid, da war ich noch nicht entschieden, aber ich nahm dann lieber eine reichliche Menge Stoff mit.

Die Entscheidung für einen Schnitt fiel mir dann irgendwann ganz leicht. Wie viele andere Nähbloggerinnen bin ich ja mittlerweile schon sehr instagram-affin - zu schön sind die vielen Bilder, und dann die Filmchen! Besonders liebe ich ja die Filme von Allie, der Gründerin von Indiesew.
Indiesew ist eine amerikanische Online-Plattform, auf der Schnitte von individuellen Schnittdesignerinnen vertrieben werden. Es handelt sich überwiegend um Schnitte aus dem englischsprachigen Raum, europäische Designerinnen sind nur vereinzelt vertreten. Viele der Designerinnen sind mir unbekannt und werden es vermutlich auch bleiben, da ich die Schnitte dann doch nicht so toll finde. Aber es sind auch alle bekannten amerikanischen Designerinnen vertreten wie ClosetCase, Hey June, Jennifer Lauren Handmade und andere.

Und die Gründerin von Indiesew dreht gerne Instagram-Filme, meistens aus ihrem Schlafzimmer, man sieht dann das ungemachte Bett im Hintergrund- mag sein, daß das nur eine Masche ist, aber es wirkt schon sehr sympathisch. Und sympathisch ist auch ihre Begeisterung fürs Nähen, für die Schnittdesignerinnen oder auch für Stoffe, und so schaue ich mir ihre Filme immer gerne an.

Auf einigen  dieser Filme trug Allie dann das Moto-Sweatshirt und erwähnte, daß dieser Schnitt bald erscheinen würde. Sie erwähnte auch die Herkunft des Modells, Seamly.co, was ich dann natürlich sofort googeln mußte. Seamly ist keine typische Schnittmuster- Firma, sondern eher  einen Online-Shop, der nachhaltige Mode produziert und vertreibt. Die Schnitte für einzelne  Modelle aus früheren Kollektionen, die nicht mehr über den Seamly Shop vertrieben werden,  werden dann von Indiesew uns Näherinnen zur Verfügung gestellt.

Das Motosweatshirt ein Teil einer kleinen Kollektion, die auch noch ein Poloshirt und eine Sweatshirthose umfasst. Aber das Motoshirt ist schon das originellste dieser Modelle. Es ist ja eigentlich eine Jacke, aber da die Modellbezeichnung Sweatshirt ist, bleibe ich auch bei dieser Bezeichnung.

Das Moto Sweatshirt also hat als typisches Designmerkmal einer Bikerjacke einen schrägen Reissverschluss, der bis zum Ende eines hohen Kragens geht. Zwei seitliche Eingriffstaschen werden ebenfalls mit Reissverschlüssen geschlossen. Ein Taillenbund und Ärmelbündchen bilden den Abschluss.
Bei der Größenwahl lag ich zwischen zwei Größen und habe mich für die größere, nämlich M entschieden. Eine gute Wahl, denn der Schnitt ist schon eher enganliegend. Ich habe die Ärmel am Handgelenk etwas verschmälert, sonst aber keine Änderungen gemacht und mit mit dem Sitz sehr zufrieden.

Die Reißverschlüsse hatte ich bei der Frankfurter Traditionsfirma für Nähbedarf, Wächtershäuser, bestellt. Dort gibt es den Service, daß Reissverschlüsse in allen Längen verkauft werden, also in cm-Schritten. Beim Bestellen war ich etwas voreilig und hatte mich auf die Längenangabe in der Anleitung verlassen. Leider stimmte die nicht ganz, und der Reissverschluss war dann doch um etliche cm zu lang, schade! Kürzen ist natürlich kein Problem, aber mir fehlte dann der Stopper am oberen Ende. Aber da der Kragen so hoch ist, zippe ich eigentlich nie bis zum Ende hoch, und so hat mich das bisher nicht sehr gestört.
Die Anleitung des Schnittes ist knapp, aber völlig ausreichend und mit guten Grafiken. Etwas schwierig fand ich das Einnähen der Taschenreissverschlüsse, das lag aber an meinem dicken Stoff. Ich habe hier mit doppelseitigem Klebeband zum Fixieren gearbeitet, dieser Trick wurde auch in der Anleitung erwähnt .Die Taschenbeutel sind aus Jersey und tragen dadurch weniger auf.
 Leider erwies sich der gewählte Jersey für die Taschen als sehr labberig beim Nähen. Er paßte zwar  farblich gut zum Hauptstoff, trotzdem hatte ich mir die Innenansicht hübscher vorgestellt. Wahrscheinlich hätte ich auch das Differential der Overlock sorgfältiger einstellen müssen.
Für Beleg und Kragen habe ich die gestreifte Seite als rechte Seite genommen, ansonsten fand ich die gepunktete und ruhigere Seite als Außenstoff schöner.
Als die Jacke dann fertig war und mir so gut gefiel, stellte sich natürlich die obligatorische Frage der Kombinationsmöglichkeiten. Klar, Jeans geht immer....aber da lag im Stoffstapel ganz oben, also erst vor kurzem gekauft, ein Cordstoff in wunderschönem altrosa. Ich holte ihn vom Stoffstapel und legte ihn neben die Jacke- ja, das war natürlich farblich perfekt.

 Kurz kamen mir noch Bedenken, ob ich als erwachsene Frau wirklich einen rosa Rock nähen und tragen sollte- aber hey,es ist Frühling! Ich war mir sicher, daß ich unbedingt für diesen Frühling einen rosa Rock brauchte, daß eigentlich jede Frau im Frühling einen rosa Rock braucht, und so wurde er dann genäht.

Der Rockschnitt ist selbst konstruiert, was aber in diesem Fall keine Heldentat war. Aus dem Grundschnitt habe ich Bund und hintere Passe abgetrennt, ansonsten die Designelemente der Ginger Jeans von Closet Case angebracht. Der Rock hat auf diese Art das gleiche schöne Innenleben mit Libertystoff wie alle meine Jeans. Man gönnt sich ja sonst nichts!
Ach ja, und einen verdeckten Schlitz hat der Rock auch. So ist er wunderbar fahrradtauglich, wie man auch schon an den entsprechenden Falten sieht.
Und da beim Radfahren im Frühling immer leicht mal ein kalter Wind weht, brauchte ich natürlich auch  noch eine passende Mütze. Zum Glück hatte ich ja reichlich Stoff gekauft! Es wurde dann ein Beanie nach dem Gratis-Schnitt von Pattydoo. Ein schnell genähtes kleines Kleidungsstück mit einem großen praktischen Nutzen, ich denke, diesen Schnitt werde ich noch öfters nähen.
Es ist natürlich eine super Resteverwertung, aber so eine Sweatmütze ist einfach auch sehr angenehm und wärmend. Wollmützen wollen wir jetzt ja alle nicht meht tragen, aber trotzdem ist ein bisschen Wärme um die Ohren an diesen kalten Frühlingstagen so angenehm.

Mit diesem Frühlingsoutfit beteilige ich mich heute am Memademittwoch, der wie immer am ersten Mittwoch des Monats statt findet. Mal sehen, was heute alles gezeigt wird- Sommerkleider, oder auch noch wärmende Jacken und Mützen wie bei mir?

Mittwoch, 7. März 2018

Ginger Jeans - eine unendliche Geschichte



Seit meiner Teenagerzeit trage ich gerne Jeans. Früher natürlich Kaufjeans, jetzt in den letzten Jahren, seit ich das Nähen wieder für mich entdeckt habe, gerne auch selbstgenähte. Ich habe verschiedene Schnitte ausprobiert, überwiegend aber die Ginger Jeans von Closet Case genäht und hier versucht, die Paßform zu verbessern.

Mit der grauen Jeans, die ich vor einem Jahr genäht habe, bin ich nach wie vor recht zufrieden. Sie wurde viel getragen und viel gewaschen. Gewaschen wurde sie natürlich nicht , weil sie schmutzig war, sondern weil sie nach dem Waschen eine deutlich bessere Passform hat...der Stoff neigt sehr zum Ausleiern und hat keine gute Rücksprungkraft.
Die richtige Stoffwahl ist eines der Hauptprobleme bei der Jeansnäherei, vor allem wenn man einen Jeansstoff mit Stretch verwendet. Natürlich gibt es überall Stretchjeansstoffe zu kaufen. Leider hilft die Angabe auf dem Stoffetikett, wieviel Elasthan der Stoff enthält, überhaupt nicht weiter. Ich habe einen Jeansstoff hier liegen, der nur 1% Elasthan enthält, und der ist wunderbar dehnbar, mindestens 15 %. Und die Rücksprungeigenschaften zeigen sich dann sowieso erst beim Tragen.

Für meine neue Ginger habe ich mir das Leben etwas einfacher gemacht und habe einen Stoff gewählt, der von Heather Lou, der Designerin von Closet Case, selbst häufig verwendet wurde.
Es handelt sich um einen Stoff der amerikanischen Denimweberei Cone, deren Tradition bis 1891 zurückreicht. Durch eine spezielle Technik (" S-Gene") soll eben dieses Ausleiern der Jeans verhindert werden . Wenn ich es recht verstanden hatte, liegt das Geheimnis dieser guten Dehneigenschaften des Stoffes in der verwendeten Faser des Stoffes selbst. Die Zusammensetzung besteht aus 93% Baumwolle, 6% Polyester und 1% Lycra.
Ich habe den Stoff zusammen mit der Hardware, also Reißverschluss, Knöpfe, Nieten und Garn, direkt bei Closet Case bestellt. Die bieten immer wieder mal diese Sets an, die aber nach einigen Stunden wieder ausverkauft sind. Ich hatte  Glück und hatte eines ergattert.
Leider habe ich keinen europäischen Stoffhändler gefunden, der diesen Cone Denim vertreibt. Und auch in Amerika habe ich nur einen Online Shop entdeckt, wo man ihn als Endverbraucher in kleinen Mengen beziehen kann.

Lohnt sich der Hype um den den Cone Denim, ist er wirklich besser als andere Jeansstoffe? Das kann ich natürlich nicht sagen, da ich zuwenig andere Denims vernäht habe. Aber ich kann schon sagen, daß dieser Jeansstoff sehr, sehr gut ist. Die Dehnbarkeit ist super, sicher 15%. Ich habe meine Jeans jetzt seit 2 Wochen in Gebrauch. Sie hat sich etwas ausgedehnt, vor allem im Bundbereich, da würde ich sie mir jetzt etwas enger wünschen. Ich hatte allerdings auch eine Bügeleinlage verwendet, die etwas dehnbar ist. Eine gewisse Dehnbarkeit des Jeansstoffes ergibt sich  auch aus der Webart des Stoffes. Sehr gespannt bin ich jetzt, was nach den nächsten Waschvorgängen meiner Jeans passiert. Sicher wird der Stoff noch weiter ausbluten. Ich hatte ihn einmal vorgewaschen, wie ich es immer mache, aber trotzdem hat der Stoff beim Nähen wunderbar meine Hände gefärbt.
Auf den einschlägigen Blogs wird berichtet, daß manche diesen Cone Denim einige Male vorwaschen, auch weil er bei jedem Waschvorgang noch etwas weiter schrumpfen würde. Da bin ich mal gespannt, was bei mir passiert. Vor weiterem Schrumpfen habe ich keine Angst, da meine Hose nicht so knalleng sitzt.

Bei der Passform habe ich mich etwas weiter vorgearbeitet, im Vergleich zur letzten Ginger. Ich habe die Schrittkurve etwas verkürzt, ca 0,7 cm , und an der rückwärtigen Mitte etwa 0,5 cm Höhe am rückwärtigen Teil entfernt. Wirklich keine großen Änderungen, aber der Sitz ist jetzt noch mal besser, wie ich finde. Das ist ja wahrscheinlich ein Teil der Schwierigkeiten bei der Hosenanpassung, daß so kleine Änderungen schon viel am Sitz bewirken.
Geändert habe ich auch die Form der Hosenbeine und diesmal die "stovepipe" , also die gerade Form der Beine genäht. Das ist jetzt so eine ganz klassische Form der Jeans, mittlere Höhe und gerade Beine, ich hoffe, daß mir diese Form auch über die nächsten Jahre noch gefällt.

Denn auch sonst habe ich mich beim Nähen um Qualität und Langlebigkeit bemüht. Das Schöne am Jeansnähen sind ja die Möglichkeiten, eine Hose zu personalisieren und eben zu einem ganz besonderen Stück zu machen.

Das beginnt schon mit der Auswahl des Stoffes für die Taschenbeutel. Hier habe ich einen Batist von Atelier Brunette geopfert, der aber farblich so schön zum Hosenstoff paßt. Der Taschenbeutel wird bei diesem Schnitt übrigens bis vorne zum Reißverschluss gezogen und dort festgenäht. Das gibt eine schöne Paßform im Bauchbereich. Auch die Kanten des Untertrittes sowie die untere Bundkante habe ich mit dem gleichen Stoff  versäubert.

Für die parallelen Absteppungen habe ich entdeckt, daß das Zubehörkästchen meiner Nähmaschine dafür großartige Hilfsmittel bereit hält. Die äußere Absteppung, 2-3 mm von der Kante entfernt, mache ich jetzt mit einem Nähmaschinenfuß, der wohl eigentlich für den Blindstich gedacht ist. Er hat jedenfalls eine Führungsschiene und eignet sich, bei verstellter Nadelposition, hervorragend für die äußere Naht.

Die innere Absteppung soll 1/4 Inch innerhalb der ersten Naht liegen- klar, dafür gibt es das Patchworkfüßchen! Mit diesen beiden Nähfüßen gelangen mir die Absteppungen deutlich exakter als bei meinen früheren Versuchen, wo ich immer noch dachte, mit dem Universalnähfüßchen alles nähen zu können. Wieder was gelernt!
Bei den Stickereien auf der Gesäßtasche halte ich mich bisher zurück. Bei anderen finde ich die Kunstwerke auf dem Po toll, aber ich denke, daß mir das nicht unbedingt steht. Den kleinen Schnörkel konnte ich mir allerdings dann doch nicht verkneifen.

Besonders gefreut habe ich mich ja, daß mir bei dieser Jeans auch die Bartacks, die Verstärkungsstiche, recht gut gelungen sind. Insbesondere bei den Gürtelschlaufen, wo dann der enggestellte Zickzackstich wirklich durch 5 - 6 Lagen Jeansstoff durchgehen muß, hatte ich bei allen früheren Jeans meine Probleme. Ich hatte diesmal alle verfügbaren Tips aus diversen Näh-Foren durchprobiert und teilweise beherzigt, also die Oberfadenspannung reduziert, den Nähfußdruck etwas verringert und vor allem konsequent den Humper-Dumper eingesetzt. Kennt Ihr den Humper-Dumper? Leider weiß ich dafür kein deutsches Wort, vielleicht Höhenausgleichsplättchen? ich meine jedenfalls dieses kleine Teile mit ausklappbaren Plastikarmen, das man zum Höhenausgleich unter das Nähfüßchen schieben kann, wenn sehr dicke Kanten zu überwinden sind. Ein unschätzbares Hilfsmittel beim Jeansnähen, auch gerade bei den Gürtelschlaufen. Bis auf kleinere Garnknäuel auf der linken Seite hat jedenfalls alles geklappt.

Die Jeansknöpfe und Nieten waren auch in dem Set von Closet Case enthalten. Der Jeansknopf ist sehr schön, nämlich ganz schlicht und glatt, also ohne dieses Wappen, was auf dem Prym-Jeansknöpfen ist. Die Nieten waren passend dazu, gefielen mir eigentlich auch sehr gut. Im Sewalong der Gingerjeans wird ja auch genau beschrieben, wie man diese Nieten einschlagen soll, zunächst mit der Zange die überstehende Länge abzwacken, dann einhämmern...mir kam das gleich so handwerklich vor, daß ich diese Aufgabe lieber meinem Mann übertragen habe, der dafür mit Sicherheit besser geeignet ist als ich.

Mein Mann betrachtete sich Nieten und Gegenstück kurz und erklärte mir dann, daß das ganze ein technische Fehlkonstruktion sei. Und er hatte Recht- die Nieten haben auf der Unterseite, die also dem Stoff zugewandt ist, ein kugelförmige Ausbuchtung. Entweder macht man das Loch im Stoff so groß, daß die Kugel hineinpaßt, dann liegt die Niete flach auf dem Stoff. Oder man akzeptiert einen kleinen Abstand zwischen Stoff und Niete, das ist aber auch nicht schön. Und bei der berühmten Ecke an der Münztasche, die ja traditionell auch eine Niete erhalten muß, gelang es ihm gar nicht, die Niete einzuschlagen, da der Dorn für diese 3 Lagen Jeansstoff plus Futterstoff zu kurz war.
Wir haben deshalb wieder die bewährten Prym-Nieten verwendet, die dann zwar farblich nicht mehr ganz zum Jeansknopf paßten, dafür aber gut und problemlos einzuschlagen waren. An den Gesäßtaschen habe ich statt Nieten Bartacks genäht, nach meinen guten Erfahrungen mit den Gürtelschlaufen.
 Insgesamt bin ich mit dieser Jeans sehr zufrieden. Etwas gewöhnungsbedürtig fand ich die Form der Hosenbeine. Auch wenn sie nur etwas weiter sind als ein Skinny-Jeans, verändern sie doch komplett die Silhouette der Jeans. Hüftlange Oberteile passen nicht mehr dazu, besser sind taillenkurze Pullis oder Shirtss, die in den Bund gesteckt werden. Aber wenn man nähen kann, ist das ja alles kein Problem, da werden die passenden Kombipartner längengenau hergestellt!
Was mir bei dieser Jeans noch nicht ganz gefällt, ist die Bundweite. Der Bund ist etwas zu weit, vor allem jetzt nach einigen Tagen die die Hose getragen wurde. Ich habe den Bund mit einer elastischen Einlage verstärkt, und das gibt so wenig Halt, daß ich die Hose lieber mit Gürtel trage.
Bei der nächsten Ginger werde ich den Bund noch etwas verkürzen, vor allem im Rückenbereich. Man könnte sicher eine etwas stabilere Einlage verwenden, oder den Beleg aus Webware zuschneiden. Also, die Anpassung einer Jeans ist wirklich eine unendliche Geschichte!

Verlinkt wird dieser Beitrag mit dem Memademittwoch, an dem am ersten Märzmittwoch sicher auch viele Frühlingsmodelle vorgeführt werden.  Katharina empfängt uns heute in einem traumhaften Jerseykleid- da kann der Frühling wirklich kommen!

Dienstag, 27. Februar 2018

Knotenshirt Mahe von Elle Puls und Knip-Rock Klaske

Der neue Shirtschnitt von Elle Puls hat mich sofort interessiert, als ich die ersten Exemplare in der Vorschau gesehen hatte. Das Shirt hat ein Knotendetail im rechten unteren Vorderteil und soll dadurch den Anschein erwecken, als sei es teilweise in Hose oder Rock gesteckt. Modekundige kennen diesen Look offensichtlich unter dem Begriff "side tuck". Ich hatte bisher zwar noch nie das Verlangen, ein Shirt oder eine Bluse nur teilweise in den Bund zu stecken, aber die Form des Shirts fand ich einfach schön.

Auch dieser Knoten ist natürlich wie alle Knoten, die wir in Kleidern oder Shirts kennen, kein richtiger Knoten, sondern eine Verschlingung verschiedener Stoffpartien. Ich finde dieses Thema sehr interessant, seit ich bei einem kopierten Kleid mal versucht hatte, einen solchen Knoten selbst zu konstruieren, das Ergebnis meiner Bemühungen ist hier zu finden.
Im Shirt Mahe von Elle Puls ist das Problem so gelöst, daß das Vorderteil im unteren Bereich aufgespreizt ist. Der mittlere Bereich wird schlauchförmig zusammengenäht, am Ende in Falten gelegt und wie eine Schlaufe um den Saum des Vorderteils geschlungen. Dadurch bilden sich etliche dekorative Falten im Vorderteil, vor allem bei weich fließenden Stoffen.

Ich habe einen Modaljersey von Lillestoff ("Anicara") verwendet und glaube, daß die Stoffwahl ganz gut war.
Der Schnitt hat verschiedene Ärmelvarianten, vom Langarm bis zum Kurzarm mit Cut-offs. Aus naheliegenden klimatischen Gründen habe ich die Langarmversion gewählt.

Die Anleitung enthält einen ausführlichen Maßsatz zur Größenwahl sowie die Masse des fertigen Kleidungsstückes. Hier fand ich allerdings sehr irritierend, daß als einziges Längenmaß des fertigen Shirts eine Rückenlänge angegeben war, die aber offensichtlich nur die Länge vom Halssausschnitt bis zur Taille meint. Das hilft nicht weiter, zumal ja die Taille bei diesem Schnitt nicht definiert ist. Ich hätte mir eine Längenangabe bis zum Knoten, oder auch eine Längenangabe des gesamten Shirts gewünscht.
Die Anleitung ist knapp, aber mit guten Fotos und enthält auch einen Link zu einer Videoanleitung.
Ich habe Größe 38 genäht und nichts geändert. Beim nächsten Mal würde ich aber das Shirt um 3-4 cm kürzen, damit der Knoten höher sitzt. Ansonsten halte ich den Schnitt für sehr gelungen und für eine wirklich interessante Bereicherung des deutschen Schnittmustermarktes.

Der Modaljersey ist ja nicht wirklich dick, und aufgrund der derzeitigen eisigen Temperaturen suchte ich nach einer wärmenden Ergänzung. Ich hatte noch genug Stoff, um einen Schlauchschal zu nähen, den ich mit einem Rest dicken Sweatshirtstoff gefüttert habe.
So wurde das Shirt gleich etwas wintertauglicher, was beim Fotoshooting im kalten Ostwind auch nötig war.

Der Rock, den ich dazu trage, ist ein Modell aus der Januar-Knip 2018. Auch in der Knip haben die Modelle ja mittlerweile Eigennamen, und dieser Rock heißt Klaske.

Im Heft ist mir dieser Rock ehrlich gesagt zunächst überhaupt nicht aufgefallen, erst die technische Zeichnung habe ich wahrgenommen. Es ist ein wirklich schlichtes Modell aus dehnbaren Stoffen mit einer breiten Passe, Gummiband in der Taille und zwei tiefen Taschen seitlich.

Ich habe diesen Rock eigenlich als Freizeitkleidung geplant, da ich schon lange einen Sweatrock nähen wollte, mit dem ich dann zuhause auf der Couch rumlümmeln kann. Dieser Schnitt schien mir dafür geeignet. Der Stoff, den ich verwendet hatte, ist ein sogenannter Denim-Sweat von Nosh. Wobei die Bezeichung Sweat für diesen Stoff sehr irreführend ist, und ich war zunächst etwas enttäuscht, als ich den Stoff aus dem Päckchen von Nosh auspackte. Es ist ein ganz glatter Stoff, auch die linke Seite ist glatt und überhaupt nicht angerauht. Ich würde ihn eher als Romanit oder so etwas ähnliches bezeichnen. Aber er ist angenehm zu verarbeiten und hat wirklich eine gewisse Jeansoptik. So habe ich dann auch Säume und Taschen mit weißem Kontrastgarn abgesteppt, um diesen Jeanstouch noch zu verstärken. Das ganze Röckchen war schnell genäht und bietet keine besonderen Schwierigkeiten. Die rückwärtige Passe sowie das Rückenteil habe ich in der Mitte um jeweils einen cm gekürzt und die Naht dadurch etwas bogenförmig laufen lassen, sonst habe ich keine Änderungen am Schnitt vorgenommen.

Und als der Rock fertig war, gefiel er mir so gut, daß er sofort in meine Alltagskleidung übernommen wurde. Tatsächlich ist er zur Zeit mein Lieblingsrock, mit dicken Wollstrumpfhosen kombiniert auch ein bequemes und sehr wintertaugliches Kleidungsstück. Der Rock ist gefüttert, so daß er nicht an der Strumpfhose hängen bleibt. Leider habe ich kein dehnbares Futter genommen, und so spannt das Futter jetzt manchmal bei Bewegungen. Vielleicht muß ich noch einen Schlitz in eine Seitennaht machen.
Mit dieser Kombination aus Shirt, Rock und Schlauchschal bin ich im Augenblick ganz zufrieden, vor allem wenn die Sonne scheint. Bei kälteren Temperaturen kommt noch eine Strickjacke obendrüber.
Bei Sandra gibt es so eine schöne kleine Linkparty mit Modellen aus der aktuellen Burda oder Knip bzw Fashion-Style.  Sandra zeigt interessanterweise das Oberteil, das in der Zeitschrift zu meinem Röckchen kombiniert wird. Das sieht so toll aus- ich glaube dieses Oberteil brauche ich auch noch!
 verlinkt: Handmade on Tuesday
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