Mittwoch, 15. Mai 2019

RosaP Tuch No. 2 , ein Blogpost mal nur übers Stricken



Mein Blog trägt den Untertitel  "ein Blog über die Freude am Selbernähen", und so war er ja auch konzipiert, nämlich als Nähblog. Natürlich war es mir nicht entgangen, daß viele der Näherinnen auch begnadete Strickerinnen sind, aber das Kapitel Stricken hatte ich für mich eigentlich längst abgehakt.
Denn nach meiner Erinnerung hatte ich als Teenager schon mal Zeiten gehabt, in denen ich sehr, sehr viel gestrickt habe. Man schrieb die späten 70er Jahre, und ich glaube, das Stricken war damals durchaus in. Ich erinnere mich an Sonderhefte übers Stricken aus der Zeitschrift " Brigitte", in unserem Kleinstädtchen gab es ein florierendes Wollgeschäft, und überhaupt strickte damals mein ganzer Bekanntenkreis.

Ich hatte auch viel Gelegenheit zum Stricken. Ich war Schülerin, später Studentin, und es gab einfach immer Gelegenheiten zum Stricken. Bahnfahrten, Vorlesungen, Choproben, alles immer gut mit Strickereien zu vereinbaren. Gestrickt habe ich glaube ich viele Pullover, aber ich erinnere auch Handschuhe, Schals, so ganz genau weiß ich das gar nicht mehr. Interessanterweise ist auch nichts von diesen Teilen erhalten- hatte ich damals noch keinen Sinn für den Wert von Selbstgemachten? Oder war es einfach in den Wirren von manchen Umzügen untergegangen? Vielleicht habe ich auch gar nicht so viel gestrickt, wie es meine Erinnerung mir vorgaukelt, aber ich glaube, ich war damals schon eine geübte Strickerin. Die Strickanleitungen damals kamen glaube ich aus besagtem Wollgeschäft in unserem Städtchen, und technische Fragen löste ich vermutlich mit einem Handarbeitsbuch. Auch bei uns stand das Standardbuch von Ruth Zechlin im Bücherschrank : Werken für Mädchen. Ein Titel, der heute jeden Gender- Aktivisten auf die Barrikaden rufen würde!

In den letzten Jahren habe ich mich viel mit der Näherei beschäftigt und dabei glaube ich ein ganz gutes Niveau erreicht, von dem aus ich weiter arbeiten kann. Ich bin ja (leider) so strukturiert, daß ich alle Dinge, die ich mache, auch möglichst perfekt machen möchte. Ich lese dann darüber nach, informiere mich, studiere Originalliteratur und habe einfach den hohen Anspruch, an diesen  Dingen zu wachsen. Ein Anspruch, der mich oft an die Grenzen meiner Leistungsfähigkeit bringt!
Aber andererseits ist es ja auch so schön, irgendetwas gut zu können. Wie schön, daß ich mir jetzt Hosen in einer akzeptablen Paßform selbst nähen kann! In meinem Schrank hängen viele schöne selbstgenähte Dinge (die nicht so schönen werden regelmäßig aussortiert, über das Mengenverhältnis schweigen wir lieber, hmmm...), Nähen ist einfach toll.
Aber stricken? Wie gesagt, so ganz interessant erschien es mir nicht, aber schließlich braucht man auch  gestrickte Dinge, vor allem im Winter. Vor einigen Jahren fing  es an mit einem Schal. Ich hatte eine gekaufte gemusterte Mütze, die ich sehr liebte, dazu aber keinen passenden Schal. Also ging ich ins örtliche Wollgeschäft, wollte fachmännisch oder -frauisch mir Wolle aussuchen  und dann dieses Dingen mal runterstricken.

Ich suchte also ganz souverän meine Wolle aus, und auf die Empfehlung der Inhaberin, ich wolle doch den Schal sicher im Patentmuster stricken, nickte ich nur und nahm dann die empfohlene Menge Wolle mit.
Zuhause mußte ich dann erst mal überlegen , wie das mit dem Patentmuster war, und zum Glück hilft uns das Internet bei diesen Fragen ja so gut weiter. Der Schal wurde fertig, aber das ganze dauerte doch wesentlich länger, als es gedacht war. 
Nach dem Schal folgte eine Jacke, die glaube ich zwei oder drei Jahre Strickdauer hatte. Es war ein einfacher Schnitt, glatt rechts gestrickt aus einer wunderschönen Wolle. Das Problem war einfach die fehlende Gelegenheit zum Stricken.
Aber nach der Fertigstellung der Jacke hatte ich dann schon Blut geleckt. Mittlerweile war mir auch klar geworden, daß das Internet, die Welt der Blogger, auch fürs Stricken spannende und neue Informationen für mich bereithalten würde. Und auch das Equipment fürs Stricken ist ja mittlerweile so schön! Stricknadeln aus Bambus liegen einfach viel besser in der Hand als die Metallnadeln, die wir früher hatten. Und diese bunten Maschnmarkierer sind so praktisch, sowas hatte ich mir schon immer gewünscht. Es folgte ein Mütze nach einem Muster von RosaP, gern und viel getragen, und dann das Tuch, das ich heute zeige.

Das Tuch habe ich im Herst 2018 begonnen, fertig wurde es im März 2019, also nach ungefähr 6 Monaten. Für mich ist das eine akzeptable Zeit, da ich über diesen Zeitraum die Vorfreude auf das Tuch aufrecht erhalten konnte. Das Stricken war angenehm- das Lochmuster, in dem ein Großteil des Tuches gearbeitet ist, stellt keine besondere Schwierigkeit dar, aber ist auch keine so ganz tumbe  Strickerei. Und die falschen Zöpfe im letzten Drittel der Strickarbeit stellen nochmal eine besondere Herausforderung dar, über die man die zunehmend länger werdenden Reihen vergißt.
Gestrickt ist das Tuch aus Schachenmmayr Regia Premium , eine Mischung aus Merinowolle, Polyamid und 20% Seide. Das fertige Tuch trage ich sehr, sehr gerne...eigentlich trage ich es immer, seit es fertig ist...etwas Pilling glaube ich zu bemerken am Tuch, aber das gibt dem ganzen vielleicht erst die richtige Patina.

Und jetzt ist wieder eine Jacke an der Reihe, mit der ich mich auch ganz stolz am Sommerjackenknitalong des Memademittwochs beteilige- leider kann ich nach einem verheißungsvollen Beginn noch wenig Fortschritte vorweisen. Zum Finale wird es nicht fertig, aber ich hoffe jetzt einfach mal auf einen verregneten Sommerurlaub !


verlinkt: Dufürdichamdonnerstag
              Thecreativelover

Mittwoch, 1. Mai 2019

Jasika Blazer von Closet Case Pattern

Ich nähe ja gerne und viel und eigentlich alles mögliche. Manche Dinge tauchten aber bisher noch nie in meiner Näh-Wunschliste auf, so wie z.B. Schuhe, Unterwäsche oder Abendkleider. Ich weiß zwar, daß manche Näherinnen sich auch an selbstgenähten Schuhen versuchen, aber das habe ich bisher nicht in die engere Wahl gezogen, das schien mir doch etwas zu speziell. Unterwäsche selbst nähen- gut, Unterhosen habe ich schon mal probiert, geht auch ganz gut, aber das BH-Nähen hebe ich mir für einen späteren Zeitpunkt auf, wenn ich mal ganz viel Zeit habe. Und Abendkleider brauche ich definitv nicht, dafür fehlt mir die Gelegenheit.

Und auch ein Blazer war so fernab meiner täglichen Kleidungsroutine, daß ich hier nie den Wunsch verpürt habe, mich am Selbernähen zu versuchen. Und ich wußte oder ahnte es zumindest, daß so Blazer auch sehr speziell aufgebaut ist, mit Schulterpolstern, diversen Verstärkungen und was so mit dazu gehört.
Natürlich habe ich auch immer wieder mal in meinem früheren Leben einen Blazer gekauft, getragen wurden die glaube ich nie sehr viel und dann irgendwann im Altkleidersack entsorgt.
Jedenfalls brauchte ich keinen Blazer- bis ich die Ankündigung von Heather Lous aka Closet Case neuem Schnittmuster sah: ein Blazer!
Und nicht irgendein Blazer, sondern ein sehr sportliches Modell, das in den Designbeispielen mit aufgekrempelten Ärmeln und mit Ellbogenpatches zu Jeans kombiniert wurde. Ich war hin und weg und wußte sofort: diesen Blazer mußte ich nähen.

Und nicht nur das war mir innerhalb einer halben Stunde klar, sondern auch die Stoffwahl. Normalerweise überlege ich schon länger, welchen Stoff ich für einen Schnitt nehme, denn die Stoffwahl entscheidet ja zum großen Teil über das Gelingen eines genähten Teiles. In diesem Fall erinnerte ich mich sofort an den German Tweed von Zuleeg. Zuleeg ist eine deutsche Stofffirma, residiert in Franken in der Gegend von Bayreuth und beweist durch ihre Firmenpolitik, daß man auch in Deutschland hochwertige Stoffe herstellen kann. Der German Tweed ist ein interessanter Stoff, da er aus der regionaler Wolle hergestellt wird. Die dafür verantwortlichen Schafe leben auf der Schwäbischen Alb, gesponnen wird in Zwickau (also die Wolle wird dort gesponnen!) und der Stoff dann in Franken gewebt.
Ich hatte mir von dem German Tweed Muster schicken lassen. Es ist wirklich ein wunderschöner Stoff, relativ dick, auch etwas kratzig, aber irgendwie eine ganz stabile Angelegenheit. Aus diesem Stoff läßt sich allerdings nicht viel nähen- für Röcke und Kleider ist er viel zu dick. Aber für einen Blazer ideal, und so war die Stoffwahl rasch entschieden. Mein grau-blauer Stoff trägt übrigens den schönen Namen Prinz Eisenherz.
Auch die Stoffwahl fürs Futter war nicht weiter schwierig. Ich hatte verschiedene Stoffproben um meinen schönen graublauen Tweed herum ausgebreitet, und dieser Atelier Brunette Batist "Sparkle Midnight" war so eindeutig gut passend, daß alles andere rasch verworfen wurde.
Zu einem Blazer gehört aber nicht nur der Ober- und Futterstoff, sondern auch viele andere Kleinigkeiten, die das Innenleben von diesem guten Stück ausmachen. Ich hatte mir die Zutatenliste durchgelesen und bin dann zunächst an der Roßhaareinlage  hängen geblieben, denn so etwas hatte ich noch nie verarbeitet oder gekauft. ClosetCase bietet ein Zubehör- Päckchen mit allen notwendigen Einlagen und Schulterpolstern an, das ich mir dann bestellt habe. Mittlerweile habe ich aber auch europäische Quellen entdeckt, die Roßhaareinlage  vertreiben. Bei Inge Szoltysik-Sparrer (besser bekannt als Pingel-Inge) im Shop gibt es z.B. auch sehr viel Zubehör fürs Blazernähen, darunter auch Roßhaareinlage.

Aber das Original-Päckchen von ClosetCase war dann schon bestellt und wurde auch innerhalb von zwei Wochen geliefert. Den Zoll-Betrag kassiert bei mir der DHL-Bote, also alles ganz unproblematisch.
In dem Päckchen waren zwei verschiedene Sorten Einlagen, eine gewebte und eine dehnbare. Die gewebte Einlage entsprach ziemlich genau der Einlage, die ich auch sonst immer verwende und hier beziehe. Aber die dehnbare Einlage war schon interessant, wirklich sehr, sehr dehnbar und dünn, so etwas hatte ich noch nie gesehen. Dann war ein Stück Roßhaareinlage im Paket, das zum Verstärken der oberen Vorderteile gedacht ist, Schulterpolster und Ärmelfische.Außerdem noch ein wunderschönes Leinenband zum Verstärken der Revers-Kante und der Schulternähte. Ein ähnliches Leinenband hatte ich schon mal in Frankfurt bei einem Schneiderbedarfgeschäft gekauft, es wurde dort allerdings erst nach meiner hartnäckigen Nachfrage und Beteuerung, daß ich wirklich nichts aufbügelbares wolle, aus einer hinteren Schublade gezogen.
Aber egal, in meinem kanadischen Päckchen waren nun alle notwendigen Dinge enthalten, und ich hätte gleich mit dem Nähen loslegen können, wenn, ja, wenn da nicht die notwendigen Stoffvorbereitungen gewesen wären.

Ich habe meinen Wollstoff mit reichlich Dampf vorbehandelt und dafür meine Dampf-Bügelstation verwendet. Das Thema der Vorbehandlung von Wollstoffen ist auch in früheren Mantel-Sewalongs auf dem Memademittwoch immer wieder mal diskutiert worden. Ich weiß, daß viele darauf verzichten und trotzdem zu guten Nähergebnissen kommen. Ich habe für mich entschieden, die zeitaufwendige Stoffbedampfung in Kauf zu nehmen, das war mir immer lieber als nachher unliebsame Überraschungen beim Zusammennähen zu erleben. Denn beim Nähen und Bügeln wird der Wollstoff mit Sicherheit viel feuchtem Dampf ausgesetzt- besser, er ist schon vorher eingelaufen und geschrumpft.
Also wurde erst gedämpft, langsam, Stück für Stück.Dann die Einlage aufgebügelt- auch das ein Kapitel für sich, denn teilweise wurden die Stoffteile ganz mit Einlage verstärkt, oder auch verschiedene Einlagen aufeinander, oder nur teilweise Einlage-zum Glück wird das in der Anleitung alles sehr genau beschrieben. Es gibt für jedes Einlagenteil ein eigenes Schnittmusterteil, das macht die Schnittmusterbögen zwar im ersten Augenblick etwas unübersichtlich mit den fast 40 verschiedenen Schnitteilen, aber wenn man das alles systematisch abarbeitet, ist es eigentlich unproblematisch.

Die Anleitung von Closet Case ist wie immer hervorragend. Was ich allerdings vermißt habe bei diesem Blazer, sind die ausführlichen Erklärungen von Arbeitsschritten auf dem Blog. Bei den meisten früheren ClosetCase Schnitten gab es einen Sewalong auf dem Blog, dieser war auch für alle kostenlos einsichtig. Da findet man z.B. die legendäre Anleitung über das Einnähen eines Jeansreißverschlusses, die in meinen Augen unerreicht gut ist. Auch für den Jasika Blazer gab es einen Sewalong, dieser war allerdings eher ein Instagram-Happening, wo jeder seine Fortschritte zeigen konnte und auch regelmäßig Preise verlost wurden, wohl um die Teilnahme zu steigern.
Wer ausführliche Erklärungen zum Nähen benötigte, mußte das Video kaufen, in dem der ganze Nähprozess nochmal besprochen wurde.
Ich habe das gemacht, finde das Video auch sehr gut, wobei ich immer noch besser mit schriftlichen Anleitungen zurecht komme. Wie oft habe ich dann im Video hin und her gespult, um eine bestimmte Stelle noch mal zu sehen.

Der Schnitt ist übrigens ein recht klassischer Blazer-Schnitt, etwas tailliert, mit Paspeltaschen im Vorderteil, fakutativ mit Klappen über den Taschen oder einer Brusttasche.
Ich habe Gr 10 genäht, an der Hüfte zu Gr 8 auslaufend. Ich habe den Brustpunkt ca 3 cm tiefer gesetzt, den Taillenabnäher etwas verringert und die Schultern schräger gestellt.  Den Armausschnitt habe ich etwas nach unten vertieft. Diese Änderungen habe ich größtenteils schon vor dem Nesselmodell gemacht durch Abgleich mit meinem Grundschnitt. Ich habe verschieden hohe Schultern und hatte mir schon überlegt, das durch das Schulterpolster auszugleichen. Aber schon beim Nesselmodell habe ich gemerkt, daß das unter den Schulterpolstern gar nicht mehr auffällt.

Das Beste am Video fand ich die Erklärungen und Demonstrationen zum Bügeln. Übers Bügeln erfährt man sonst ja eher wenig, wenn es hochkommt, wird es in einer Anleitung überhaupt erwähnt. Aber hier wurden alles Bügelschritte genau erklärt und vorgeführt. Ein umfangreiches Equipment wurde verwendet, von dem ich nur ein großes Bügelei besitze. Großen Wert legte Heather auf die Verwendung eines "clappers" , ein Holzstück, mit dem nach dem Bügeln eines Saumes die Feuchtigkeit festgehalten wird. Man legt das Holzstück unmittelbar nach dem Bügeln auf den Saum und läßt ihn dort einige Sekunden liegen.
Ich habe sowas natürlich nicht und habe deshalb einfach den Holzgriff einer (sauberen!) Schuhbürste zweckentfremdet. Und von dem Effekt war ich wirklich überrascht, die Nähte werden wirklich viel schöner, wenn der Dampf so gleichsam in der Naht "versiegelt" wird.
Viele Teile am Blazer wurden in Form gebügelt, so z.B. der Unterkragen, der auf dem Bügelei festgesteckt  und gedämpft wurde und dann bis zum nächsten Morgen sich an seine neue Form gewöhnen konnte.
Ungewohnt war für mich die Verarbeitung von Schulterpolstern und Ärmelfischen. Aber eigentlich ist das ja ganz unproblematisch, wurde einfach aufgenäht und trug so zur Inneneinrichtung des Blazers bei.
Insgesamt war es ein sehr spannender und abwechslungsreicher Nähprozess. Da alle Schritte so gut beschrieben waren, gab es keine größeren Krisen bei der Näharbeit, sondern die Spannung und die Vorfreude auf das fertige Kleidungsstück wuchs mit jedem Schritt.
Mein Wollstoff erwies sich trotz seiner Dicke als sehr gutmütig beim Nähen. Er ließ sich hervorragend dämpfen, so daß mir die Paspeltaschen recht gut gelungen sind. Musteranpassung bei Fischgrat wird übrigens in meinen Augen eindeutig überbewertet!
Und weil ich dann gerade so schön im Paspel-Modus war, wurde auch noch ein Paspel-Knopfloch eingebaut...eigenlich war ein genähtes Knopfloch vorgesehen, aber ich fand das zu meinem dicken Stoff nicht so passend.
Das Futter wurde fast komplett mit der Maschine eingenäht. Die hellgraue Paspel konnte ich mir dann nicht verkneifen, die paßte zufällig so gut dazu.
Der Tragekomfort des fertigen Blazers ist unglaublich hoch. Der Blazer wärmt richtig schön, und das Baumwollfutter ist angenehm auf der Haut. Über langärmligen Shirts gleitet das Futter allerdings nicht gut, da muß man dann schon etwas zuppeln. Aber ich hatte ihn mir auch eher als Kleidungsstück für die Übergangszeit vorgestellt, oder so für einen kühlen Sommermorgen oder -abend, und da scheint er sich gut zu bewähren.
Besonders freue ich mich über die Bequemlichkeit im Rückenbereich. Der Rücken ist ja eher leger geschnitten, und so kann ich ihn problemlos zum Fahrradfahren anziehen.

So ein Blazer ist natürlich ein aufwendiges Stück, das näht sich nicht mal eben an einem Nachmittag. Aber da das Nähen so spannend war, habe ich die Beschäftigung mit dem Blazer als ausgesprochen angenehm empfunden. Eigentlich war ich enttäuscht, als er fertig war..ich hatte mich so schön an den Rhythmus gewöhnt: Video schauen, Neues lernen, dann ausprobieren, sich am Werden des Kleidungsstückes freuen, nochmals nachschauen, ob auch alles richtig gemacht wurde...von mir aus hätte das noch vier Wochen so weiter gehen können!

Aber vielleicht ist ja nach diesem Blazer auch vor dem nächsten Blazer. Natürlich könnte ich mir auch viele andere Versionen dieses Schnittes vorstellen, und im Rahmen des Instagram-Sewalongs sah man ja auch viele andere schöne Versionen. Vielleicht noch ein Leinen-Blazer für den Sommer?
verlinkt: Memademittwoch
               The creative lovers
              DufürDichamDonnerstag

Mittwoch, 24. April 2019

Sasha Trousers von Closetcase

Es gibt Nähprojekte, das ist von vornherein der Wurm drin. Das muß gar nicht am Schnitt oder am Stoff liegen, nach meiner Erfahrung ist das Problem oft ganz woanders. Und so war es auch in diesem Fall-  das Problem saß eindeutig vor der Nähmaschine...
Genäht habe ich die Sasha Trousers von Closet Case. Ein wunderschöner Schnitt, den ich schon seit seinem Erscheinen nähen wollte. Sasha ist ein klassischer Chino-Schnitt, also eine gerade geschnittene Hose mit schrägen Eingriffstaschen. Die rückwärtigen Taschen sind einseitige Paspeltaschen. Dadurch ahmt der Schnitt die typischen maskulären Elemente einer Anzugshose nach, verbunden allerdings mit einem sehr figurbetonten Schnitt. Sasha ist für Stoffe mit einer hohen Dehnbarkeit ausgelegt, die Dehnbarkeit soll hier 20-25% betragen, da ist man schon  in dem Bereich, den sonst eher gestrickte Stoffe aufweisen. Bei Webstoffen mit so einer hohen Dehnbarkeit ist dann meistens Polyester in der Mischung, zusätzlich zum Elasthan.


Die richtige Stoffwahl war auch das, was mich lange vom Nähen der Sasha-Hose abhielt. Ich kaufe nicht so gerne Stoffe mit hohem Kunstfaseranteil, wobei ich da sicher nicht dogmatisch bin. Sehr froh war ich dann, als einer meiner Lieblings-Stoffdealerinnen (Lara von 1000Stoff ) einen typischen Hosenstoff anbot. 94% Baumwolle, 6%Elasthan, das ganze in einer Köperbindung mit zartem Glanz. Dieser Stoff mußte zu meiner Traum-Chino werden  nach dem Sasha-Schnitt!
Also Stoff bestellt, vorgewaschen, Schnitt plotten lassen und zugeschnitten.

Ich habe die Größe 8 zugeschnitten, die Schrittkurve begradigt und steiler gestellt, wie ich es immer bei Hosenschnitten mache, das habe ich mittlerweile ganz gut im Gefühl. Als Taschenfutter hatte ich einen kleinen Stoffschatz angeschnitten: der Stoff heißt Sprinkled Peonies von Art Gallery und war ein Mitbringsel von einem Ostseeurlaub. Der Stoff ist natürlich nicht ostseetypisch sondern amerikanisch, eigentlich wohl als Patchworkstoff gedacht, es ist feste Baumwolle. Aber ich hatte ihn mir sofort als Rock vorgestellt, so in A-Form, oder ein paar Falten...der Stoff hat übrigens Glitzer!
Aber bei meiner Suche nach einem Taschenfutter für diese Hose drängte er sich immer wieder in den Vordergrund, also mußte er es sein. Ich vernähe ja schon gerne besondere und teure Stoffe für die Inneneinrichtung meiner Kleidungsstücke. Das mach ich mittlerweile auch voller Überzeugung und (meistens) ohne schlechtes Gewissen. Schließlich sind die schönen Innenstoffe mir auf diese Art viel näher am Körper!

Also, Schnitt geändert, Futter rausgesucht und zugeschnitten, alles völlig problemlos. Und die Taschen und die zugeschnittenen Teile, das sah so schön aus! Da mußte ich doch einfach auch gleich anfangen zu nähen..schnell noch Einlage aufgebügelt, und nur noch die ersten Nähte der Paspeltasche, danach wollte ich Pause machen mit der Näharbeit und mich zwangsweise wieder dem Leben außerhalb meines Nähtisches widmen.

Paspeltaschen hatte ich schon einige im letzten Jahr genäht und gut verstanden, wie das geht. Es gibt verschiedene Anleitungen dafür, ich hatte mich an die von ClosetCase gehalten, die ausführlich auf dem Blog erklärt ist  Man macht dabei zuerst eine Art Stoff-Sandwich, aus Hosenrückteil, Tasche und der Paspel, die mit einer Einlage verstärkt ist. Alles nicht weiter schwierig, man muß nur genau zuschneiden und ein paar Markierungen berücksichtigen. Das hatte ich alles auch ganz ordentlich gemacht, die Stoffe waren auch super zu markieren und zuzuschneiden.

Also alles ganz easy, mein genähtes Rechteck um die Paspel wurde superordentlich, ich hatte ja wie gesagt auch schon einige Paspeltaschen genäht. Jetzt schnell noch den Tascheneingriff einschneiden, schön ordentlich an den Ecken bis ganz genau zur Nahtlinie, einmal durchziehen, und dann würde ich schon sehen, wie toll das wird! Nicht umsonst wird dieser Teil des Nähens in der Anleitung von Closet Case als "fun part" bezeichnet, denn eigentlich macht es unglaublich Spaß, so eine Paspeltasche zu nähen. Wenn nicht- ja, wenn nicht das Problem vor der Nähmaschine  den Sandwich verkehrt zusammen gesteckt hätte, so daß jetzt die linke, mit heller Einlage verstärkter Stoffseite nach außen gekehrt wurde. Oh nein!! Mir war die Dimension meines Fehlers sofort klar. Man kann viel auftrennen, aber diese Naht- mit extra kleinen Stichen genäht, und der Tascheneingriff bereits eingeschnitten, bis EXAKT an die Nahtecke...das schien mir unmöglich zum auftrennen.
In meiner Verzweiflung schien mir nur ein Weg richtig-das rückwärtige Hosenteil noch mal neu zuschneiden und neu nähen. Natürlich hatte ich nicht mehr genug Stoff, aber der war rasch nachbestellt. Zum Glück gab es ihn im Online-Shop noch! Bis zum Eintreffen des Stoffes nähte ich dann fröhlich an der Hose weiter. Die Innenverarbeitung gelang mir besonders gut mit meinem glitzrigen Stoff. In der Anleitung ist beschrieben, wie die Taschenbeutel mit französischen Nähten gearbeitet werden. Die Bundunterkante wird mit einem Schrägstreifen aus dem Taschenstoff versäubert. Diese Einzelheiten aus der Anleitung kannte ich schon und hatte sie auch für meine letzten Hosenprojekte verwendet- für mich ist das die schönste Art der Bundverabeitung.

Mittlerweile war dann auch der nachbestellte Stoff eingetroffen. Er wurde gleich vorgewaschen und ich freute mich auf eine entspannte Näh-Session am Wochenende mit Fertigstellen der Hose. Denn mittlerweile hatte ich auch schon mal die Teile zusammengeheftet, etwas Fein-Tuning bei der Anpassung betrieben, und die Hose gefiel mir ausgesprochen gut. Nur noch den Stoff bügeln- aber was war das??? die Farbe, das war doch nicht...nein, es war nicht die gleiche Farbe. Der Stoff hat die Farbe, die man als schlamm oder khaki bezeichnet, also diese etwas undefinierbare Mischung zwischen braun, grün und weiß, die sich aber immer gut kombinieren läßt. Und mein nachbestellter Stoff war narürlich immer noch schlammfarben, aber diesmal ein kleines bißchen mehr ins grünliche- wahrscheinlich war ein anderer Ballen angeschnitten worden. Die Farbunterschiede waren bei Lampenlicht deutlich erkennbar, bei Tageslicht nicht ganz so- aber egal, man konnte die beiden Stoffe nicht zusammen verarbeiten.

Was also tun? Aus dem neuen Stoff alles noch mal neu zuschneiden, und die sorgsam genähten Taschen und die Bundverarbeitung verwerfen? Das war für mich undenkbar.
Also trat doch Plan B in Kraft, den ich mir auch zwischendurch überlegt hatte. Ich wollte die mißlungenen Taschen in der rückwärtigen Hose durch Klappen verdecken. Dazu mußte allerdings auch die verstärkte Paspel abgetrennt werden.
Ich sah ein, daß ich an dieser Arbeit nicht vorbeikommen würde, und so setzte ich mich dann Sonntags vormittags an diese Arbeit, mit ausgeruhten Augen, gutem Licht und ganz viel Ergebenheit in mein Nähschicksal...und irgendwie war das wohl eine gute Mischung, denn das Auftrennen gelang so problemlos, daß ich dann doch noch mal einen Versuch mit der Paspeltasche wagen wollte. Also wurde die Paspel endlich richtig rum gedreht und nochmal das Rechteck abgesteppt. Und es hat funktioniert...zwar nicht ganz so exakt, wie ich es mir vorgestellt hatte, aber mit dem Ergebnis kann ich leben.

Ich hatte dann noch Knöpfe auf die Taschen genäht in der Hoffnung, durch die Knöpfe vielleicht optisch etwas von der nicht perfekten Paspel abzulenken...ist mir vermutlich nicht gelungen.
Die Taschenbeutel der rückwärtigen Hose sind übrigens nicht mehr mit französischen Nähten versäubert, sonder einfach mit der Overlock. Ich hatte festgestellt, daß die französischen Nähte bei den vorderen Taschen durch meinen dicken Stoff ganz schön knubbelig wurden und auf der rechten Seite sich durchdrückten.
Ähnlich holprig wie der ganze Nähprozess verlief übrigens auch das Fotografieren und Bloggen bei dieser Hose. Bei unserer Fotosession war es schon relativ dunkel, so daß die Belichtungsautomatik der Kamera ihre Probleme ständig durch Blitzlicht lösen wollte.  Da half auch ein beherzter Sprung vom Baumstamm nichts...mir gefielen die meisten Bilder nicht.


Und rechtzeitig zum April- Memademittwoch wurde der Beitrag auch nicht mehr fertig, da ich genau zu diesem Zeitpunkt meinen Fortbildungspflichten nachkam und fern vom heimischen Computer weilte.
Nach diesem ganzen Genörgel muß ich jedoch sagen, daß ich die Hose mittlerweile sehr gerne mag und sie schon oft getragen habe. Durch die hohe Dehnbarkeit des Stoffes ist sie genial bequem- der berühmte Ausdruck mit dem "geheimen Schlafanzug" trifft hier unbedingt zu .
Die Rücksprungkraft des Stoffes ist nicht ganz so gut, daß heißt daß die Hose doch relativ rasch sich ausweitete. Ich trage sie deshalb lieber mit Gürtel, aber das mache ich eigentlich bei fast allen Hosen so. Der Sitz meiner Hose ist daher nicht ganz so knackig wie es auf dem Produktfoto von ClosetCase, ein mehr lässiger Sitz ist mir persönlich aber auch lieber.
Meine letzte Ginger Jeans, bei der ich mich ja sehr um die "perfekte" Anpassung bemüht habe, trage ich gar nicht so gerne, habe ich festgestellt. Meine Lieblings-Jeans zur Zeit ist die Pinda von WafflePattern, die so leicht boyfriendmäßig sitzt, das ist mir im Alltag viel lieber.
Mein Fazit nach dem Projekt Sasha: ein schöner Schnitt, der aber gar nicht so figurbetont sitzen muß wie von der Designerin angegeben. Und ich könnte mir diesen Schnitt auch sehr gut aus einem weniger dehnbaren Stoff vorstellen, dann muß man halt in der Weite etwas zugeben oder eine größere Größe wählen.

Und gelernt habe ich wieder viel dabei...nicht zuletzt, daß man zumindest beim Nähen fast jeden Fehler korrigieren kann!
Verlinkt wird der Beitrag natürlich auch. Aus der Landschaft der sich ständig änderden Linkparties habe ich DufürDicham Donnerstag ausgewählt, das ist eine stabile Angelegenheit. Sewlala scheint zur Zeit nicht  zu funktionieren- schade, das war eine mir sehr sympathische Aktion. Afterworksewing wurde eingestellt. Aber eine neue Blogparty habe ich entdeckt, mit dem schönen Namen The creative Lover. Organisiert wird diese wöchentliche Blogparty von der Schweizerin Susanne Schaetti Ballif, besser bekannt als Muckelie. Mir war sie ein Begriff als Designerin der Powpowjuna-Jacke, eine Sweatjacke mit vielen Teilungsnähten. Ich hatte mir diesen Schnitt schon lange mal vorgenommen, um Sweatreste zu verarbeiten- eines meiner vielen Kopfprojekte. Aber diese neue Linkparty gefällt mir auch, denn sie scheint auch weitgehend werbungsfrei zu sein. Auch Instagram -Beiträge werden nicht verlinkt, das gefällt mir gut. Wie oft hatte ich jetzt schon bei diversen Beiträgen auf dem Memademittwoch Beiträge, die ich vom Bild her interessant fand, vergebens angeklickt- nur ein Instagram-Beitrag ohne viel Informationen!
Nichts gegen Instagram, ich bin da durchaus auch aktiv (übrigens unter barbarasewingandviola, wen es interessiert). Schön für die rasche Kontaktaufnahme, und vor allem auch für die Kontaktaufnahme mit Näherinnen aus dem englischsprachigen Raum. Aber den Informationsgehalt eines Blogpostes erreichen die Instagram-Posts nie, egal wie lang sie sind. Deshalb möchte ich hier nochmals eine Lanze für die Nähblogs brechen, und freue mich und unterstütze diese neue Linkaktion im deutschsprachigen Raum. Ich würde mich sehr freuen, wenn viele meiner Leserinnen auch bei The creative Lover verlinken würden!

Montag, 15. April 2019

SJKA- Rundpassenjacke von RosaP


Soll ich oder soll ich nicht? vielleicht wäre es besser, diesen Beitrag nicht zu schreiben....oder ihn zu schreiben aber erst in einem Jahr zu veröffentlichen? Andererseits: heute geht es nur um einen Zwischenstand, und da habe ich durchaus etwas vorzuweisen.
Quelle: rosaP

Ich stricke die Rundpassenjacke von RosaP,  ein schönes klassisches Modell. Das Muster stellt keine besonderen Anforderungen. Die Jacke wird von oben nach unten gestrickt, und ich bin jetzt schon an dem Punkt, wo die Passe fertig ist und es glatt rechts gestrickt bis unten weiter geht.
Leider bin ich keine schnelle Strickerin, oder besser gesagt, mein Stricktempo ist vermutlich ganz normal, aber mir fehlt einfach die Gelegenheit zum Stricken. Und meine bisherigen Fortschritte an dieser Jacke sind einer Fortbildungsveranstaltung zu verdanken, die eine lange Bahn-Anfahrt erforderte. Aber das war so toll, auf dieser langen Bahnfahrt zu stricken, sogar die obligatorischen Zugverspätungen konnte ich geniessen...ich hatte ja mein Strickzeug dabei!
Die Wolle ist aber auch zu schön. Ich verarbeite zwei Schurwolle/Kaschmirmischungen, Lamana Milano und Modena. Das ist die Originalwolle der Strickanleitung, ich glaube auch die Farben entsprechen dem Beispiel, das RosaP gezeigt hat. Vielleicht etwas langweilig, aber ich fand dieses Strickbeispiel einfach so schön, daß ich es genau so nachstricken wollte. Da die beiden Fäden zusammen verarbeitet werden, arbeite ich mit Nadeln in der freundlichen Stärke 4 1/2.
Tja, und wie geht es jetzt weiter? In den nächsten Wochen ist keine längere Bahnfahrt in Sicht, und so kann ich den Stichtermin fürs Finale am 26. Mai mit Sicherheit nicht einhalten. Auch das Finale der Herzen am 16. Juni ist für diese Jacke völlig utopisch. Aber vielleicht gibt es ja im Winter einen neuen Knitalong, und ich könnte mich dann einfach unauffällig in ein Finale im Januar/Februar 2020 unter die Massen mischen. Oder sogar im Frühjahrsjäckchen-Knitalong 2020?
Irgendwann jedenfalls wird diese Jacke fertig, und bis dahin freue ich mich einfach an meinem schönen Strickzeug und an dem Prozess des Strickens

verlinkt: memademittwoch

Mittwoch, 6. März 2019

Petrouchka Peblum Top von Papercutpatterns


Heute  zeige ich mal einen richtig alten Schnitt. Nein, keinen Schnitt aus den modisch so interessanten 20er, 30er oder 40 Jahren des letzten Jahrhunderts, keinen Vintageschnitt. Der Schnitt den ich heute zeige, das Petrouchka Top von Papercut Patterns  ist gerade mal 6 Jahre alt, er ist im Jahr 2013 erschienen.  Uralt in unseren schnelllebigen Zeiten! 2013 hieß das aktuelle iphone noch 5s, US Präsident Obama startete in seine zweite Amtszeit, Sewaholic hatte gerade den Hollyburn-Rock veröffentlicht, und Papercut Patterns   eine Schnittkollektion mit dem Namen Covent Garden. Alle Schnitte dieser schönen Papercut-Kollektion hatten den Namen eines Balletts, so gibt es Coppelia, Sylphide, Peter und der  Wolf, und eben  das Top Petrouchka, das ich heute zeige.

Weil der Schnitt  so alt ist, gibt es ihn nicht als PDF, das war damals wohl noch nicht so üblich. Es gab ihn als Papierschnitt, und den gibt es eben nicht mehr, da Papercut Patterns diesen Schnitt nicht mehr im Sortiment hat.

Daß ich ihn trotzdem nähen konnte, ist nur unserer wundervollen Näh- und Bloggergemeinschaft zu verdanken.  PaislyPirouette zeigte ein wunderschönes Beispiel des Schnittes im Rahmen des Memademittwochs. Da mir der Schnitt bei PaislyPirouette so gut gefiel, kommentierte ich ihren Beitrag und erfuhr bei dieser Gelegenheit, wo es den Papierschnitt noch gibt, nämlich bei dem britischen Stoff- und Schnittmustervertrieb Sewbox.

So gelangte der Papierschnitt  in meinen Besitz. Die Papierschnittmuster von Papercut sind übrigens wirklich sehenswert: auf festem Recyclingpapier gedruckt, werden sie in  einem stabilen Karton geliefert. Der Karton bringt seinen Haken zum Aufhängen gleich mit, und auch die Schnittteile haben eine Lochung, damit man sie auf eine Stange aufhängen kann. Der Bindfaden dazu liegt auch im Päckchen...da kommt wirklich kein noch so praktisches PDF mit!

Ich habe den Schnitt in meiner Größe ausgeschnitten, wie ich das bei einfachen Schnitten, die ich nicht groß bearbeiten oder anpaßen will, immer mache- Bequemlichkeit und so. Im Nachhinein bedaure ich das, denn der Schnitt ist wirklich schön, erschließt sein Potential aber nicht gleich.

Petoruchka ist ein T-Shirtschnitt mit Raglanärmeln und  einem Peblum, einem Schößchen. Das Vorderteil ist kürzer und die Ansatzlinie des Schößchens nach oben gebogen, im Rückenteil ist die Verbindungsnaht zwischen Oberteil und Peblum gerade. Das Oberteil ist weit, sehr weit. Das ist wohl auch ein Problem des Schnittes und vielleicht auch der Grund, warum Petrouchka aus dem Sortiment genommen wurde, die Gradierung ist vielleicht nicht ganz optimal. In den meisten Schnittbesprechungen liest man, daß der Schnitt zu groß ausfällt. Ich habe die Größe XS genäht, von meinen Maßen her hätte ich eher  eine S oder M nähen sollen, aber ich habe den Schnitt ausgemessen und mich für die kleinere Größe entschieden. 

Der Schnitt ist immer noch etwas weit im Brustbereich, aber mittlerweile glaube ich, daß das der Witz des Schnittes ist: es soll einen Kontrast geben zwischen dem überweiten Oberteil, das etwas blusig fallen soll,  der engen Taille, die sich dann wieder zu dem sehr weiten Peblum öffnet. Und die gerundete Ansatznaht des Peblums unterstreicht diesen Effekt wunderschön.

Das Peblum soll eigentlich gedoppelt werden, sehr sinnvoll, damit man die eventuell weiße Unterseite des Jerseys nicht sieht. Ich habe das nicht gemacht und das Schößchen in einfacher Lage genäht, da ich nicht genug Stoff hatte.

Meine erste Version ist aus einem Liberty-Viscosejersey. Diesen Stoff halte ich für ideal für diesen Schnitt, denn er hat einen wunderschönen Fall. Da es den Stoff nicht mehr gibt, nenne ich auch keine Bezugsquelle.

Der Jersey ist etwas dicker als die anderen Liberty-Jerseys, die ich schon vernäht habe, nannte sich glaube ich auch Winterjersey. Warm ist er nicht gerade, aber fällt wie gesagt ganz weich, und mir gefällt das sehr gut bei diesem Schnitt.
 Auf der Wanderung, als diese Bilder entstanden, trug ich zu dem Shirt ein Jäckchen nach einem Schnitt aus der gleichen Kollektion, Coppelia von Papercutpatterns. Coppelia (übrigens ein Ballett von Leo Delibes, kannte ich vorher auch nicht) ist ein hübscher Wickeljackenschnitt, ebenfalls mit Raglanärmeln und paßte daher so gut über das Shirt. Dieses Jäckchen, genäht aus einem Rippstrick von Lillestoff, trage ich eigentlich ganz gerne- es hat nur das Problem, daß die Bändel, die man sich um den Leib schlingt, sehr lang sind- beim An- und Ausziehen schleifen sie immer irgendwann auf dem Boden- muß man akzeptieren bei dieser Jacke.
Der Rock ist ein Jerseyrock nach einem Knipschnitt, hier schon mal gezeigt und besprochen.

Und weil der Schnitt so gut gefiel, entstand direkt danach noch eine zweite Version, so nach dem Motto: wenn der Schnitt schon mal auf dem Nähtisch liegt, soll sich das ganze ja auch rentieren, bevor ich ihn wegsortiere...Meine zweite Version ist aus einem festen Baumwolljersey von Art  Gallery. Ich hatte ja erst Bedenken, ob Schnitt und Stoff so gut zueinander passen würden, aber ich wollte unbedingt den Jersey verarbeiten, der mich schon so lange von meinem Stoffstapel aus anlachte.

Auch in diesem Fall habe ich das Peblum einfach verarbeitet, und es ging ohne Probleme, man sieht die helle Innenseite nicht beim Tragen. Das Peblum fällt erwartungsgemäß völlig anders, steifer - aber auch schön! Störend finde ich bei dieser Version nur, daß die Mehrweite im Oberteil hier wirklich feste Falten schlägt und zu groß erscheint.
Ich mag auch diese Version des Schnittes gerne. Beide Shirts trage ich auch gerne zu Jeans, wobei sie mir zu einem engen Rock besser gefallen. Wenn ich sie zu Hosen trage, habe ich immer das Gefühl, daß der Schitt dafür  zu kurz ist. Vielleicht nähe ich noch eine Hosenversion, die etwas verlängert ist?

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