Mittwoch, 1. Februar 2017

Knip-Tunika aus Wolljersey




Dieser Winter ist kalt, und ich hatte ein Bedürfnis nach warmer Kleidung, nach Wolle. So lag es nahe, einen Wolljersey zu bestellen, in diesem Fall von Lillestoff. Ich hatte vorher auch schon Wolljersey verarbeitet, dann meistens mit 40-50% Wolle. Das waren dann Stoffe, die sich deutlich nach Wolle angefühlt haben, durchaus auch etwas kratzig waren . Da ich nicht sehr wollempfindlich bin, empfand ich das immer als eher angenehm.
Dieser Stoff ist etwas völlig anderes. 10% Wolle, der Rest Baumwolle, alles Bio und GOTS zertifiziert, also schon ein toller Stoff. Dabei ganz leicht und fluffig, ich war sehr begeistert, als ich mein Stoffpäckchen auspackte (aber ich bin, ehrlich gesagt, immer begeistert, wenn ich ein Stoffpäckchen auspacke...)
Also , ausgepackt, vorgewaschen, natürlich im Wollwaschgang, gebügelt- aber was daraus nähen? Für ein normales Shirt schien mir der Stoff viel zu weich.
Beim Blättern in meinen alten Schnittheften stiess ich auf diesen alten Knip-Schnitt. Das ist nun wirklich ein Knip-Schnitt , Januar 2013, da gab es die deutsche Übersetzung als Fashion-Style noch nicht. Ich hatte mir den Schnitt irgendwann als Papierschnitt bestellt, aber noch nicht genäht. Das sollte jetzt geändert werden.

Es handelt sich um einen Jerseyschnitt mit Wickeloberteil. Die Schulternähte sind etwas nach vorne verlegt und die Oberteile an der Schulter angekraust. Die Wickeloberteil sind im Spitzenbereich ebenfalls angekraust, und knip-typisch für diese Jahrgänge gibt es ein breites Taillenband. Das Rockteil soll eigentlich auch noch mit einem Wickelteil überdeckt werden, das habe ich mir dann mangels Stoff geschenkt, ich hatte nur 1,50m zur Verfügung.
Meine Hauptkritik an diesem Schnitt sind die Kräuselungen an den Vorderteilen. Vielleicht habe ich sie auch nicht ordentlich genäht, oder der Stoff war dafür einfach zu weich, aber nach Schnitt sind sie wirklich im Bereich von der Mitte bis zur Spitze des Wickeloberteiles. Kräuselungen sollen  nach meinem Wissensstand einen Abnäher ersetzen oder für zusätzliche Weite an Rundungen sorgen- in diesem Fall schaffen sie eine unwillkommene Rundung in der Mitte des Bauches,
Oder handelt es sich um landestypische Eigenheiten, vielleicht hat die Holländerin einfach doch eine andere Oberweite als  ich? Aber die Knipschnitte sind doch angeblich für B-Körbchen konzipiert...
Wenn ich den Schnitt nochmal nähen sollte, würde ich die Kräuselungen in die Mitte des Wickelteiles setzen, also da, wo der Taillenabnäher normalerweise sitzt. Oder das Wickelteil von vornherein kürzen, oder einen Abnäher einnähen.
Überhaupt fand ich den ganzen Schnitt zu weit für mich, ich habe Gr. 38 genäht und an den Seitennähten nachträglich noch 2cm weggenommen. Notiz an mich: bei Knip-Schnitten, vor allem den älteren, lieber auf die kleinere Größe gehen.
Zum Absteppen der Kanten habe wieder mal den Zierstich der Cover eingesetzt, also den Greiferfaden auf der rechten Stoffseite  laufen lassen. Covern macht so unglaublich Spaß...ich vermute ja mittlerweile, daß irgendwelche niederen Triebe dabei angesprochen werden, aber es ist einfach zu schön. Die Cover läuft so leicht, man rattert die Nähte entlang,  dann dreht man das Werk um und hat diese schönen Raupen vor sich. Ich finde die Coverraupen manchmal zu penetrant sportlich, aber bei diesem Stoff gefiel es mir gut.


Der Jersey ist zwar schön dehnbar, hat aber dafür keine optimale Rücksprungkraft, was ihn für die Bündchen nur bedingt brauchbar machte. Bei normalen Halsbündchen wäre das wohl kein so großes Problem, aber der Ausschnitt am Wickeloberteil klafft dadurch und liegt nicht schön an. Solange ich ein Top darunter trage, ist das aber kein Problem.

Insgesamt war ich also nach der Fertigstellung nicht so ganz zufrieden mit der Tunika- ich fand sie zwar tragbar, war mir aber sicher, daß sie nicht zum Lieblingsstück avancieren würde.  So geriet sie dann auch in die normale Wäsche, das ist bei mir ein Feinwaschprogramm bei 40°...
Das Ergebnis war toll: der Stoff lief natürlich ein, aber nicht sehr viel, gerade so viel, daß die Schultern jetzt besser passten. Insgesamt wurde der Stoff auch etwas fester und filziger, was mir bei diesem Schnitt auch gut gefällt. Und so ist die Tunika jetzt doch zu einem Kleidungsstück geworden, was ich jetzt gerne trage und am heutigen Memademittwoch zeige!
Was andere gut angezogene, weil selbst nähende Frauen heute tragen, das sieht man auf dem aktuellen Post des MemadeMittwoch.
Verlinkt bei MMM, ichnähbio, LLL

Kommentare:

  1. Danke für den Tipp mit dem Stoff, ich finde es sehr schwer hochwertige Jerseys zu finden, da kann man jede Empfehlung gut gebrauchen. Deine Tunika steht Dir gut zu Gesicht. Kann mir vorstellen, dass es auch zu Jeans sehr cool aussieht. LG Kuestensocke

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  2. Liebe Küstensocke, vielen Dank! Ja, es ist bei Jerseys schon schwierig mit der Qualität. Die Lillestoff-Jerseys finde ich (überwiegend) sehr gut, aber auch da hatte ich schon Stoffe, die nach einigen Wäschen nacht nichts mehr aussahen.
    LG Barbara

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  3. Diese Tunika steht dir gut und ich finde auch nicht, dass die Fältchen zu sehr auftragen.
    Grüßle Bellana

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    1. Liebe Bellana, vielen Dank! Natürlich habe ich auch die günstigsten Bilder ausgewählt, in echt tragen die Kräuselungen doch etwas auf.
      LG Barbara

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  4. Ein tolles Kleid! So richtig schön farbenfroh!
    Alles Liebe,
    Marianne

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    1. Liebe Marianne, vielen Dank! Ja, diese Farben braucht man doch bei trübem Wetter!
      LG Barbara

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  5. Ist schon interessant, welche Erfahrungen man mit verschiedenen Stoffarten machen kann. Hier muss man die Dehnbarkeit mit einbeziehen, wie wir gesehen haben. Sehr hübsch, würde ich auch so tragen! Regina

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    1. Liebe Regina, vielen Dank! Ja die Dehnbarkeit ist bei den Jerseys schon wichtig, aber auch die Rücksprungkraft, und die Wascheigenschaften...ich finde die Jersey-Näherei schon aus diesen Gründen nicht so banal, wie sie manchmal gesehen wird!
      LG Barbara

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