Mittwoch, 24. Januar 2018

Cheyenne Bluse von Heyjune Handmade




Die Cheyenne Bluse von Hey June Handmade  ist mir im letzten Jahr gefühlt auf jedem zweiten Nähblog begegnet. Das ist nun prinzipiell nichts ungewöhnliches, gibt es doch immer wieder mal Schnitte, die in uns allen den Lemming wecken und gerne nachgenäht werden. Ungewöhnlich fand ich hier, daß es sich eben nicht um einen Schnitt aus Jersey  handelt, sondern um einen ganz seriösen Schnitt aus Webware, eben einen richtigen Blusenschnitt mit Knopfleiste, Kragen und Armmanschetten. Und er wurde genäht, und zwar erfolgreich, auch von Näherinnen, die auf ihrem Blog sonst eher Shirts und Hoodies zeigen, und bei allen schien der Schnitt gut zu gelingen und zu gefallen.

Was ist das Geheimnis hinter diesem Schnitt? Ich wollte es ergründen und nähte mir eine Cheyenne Bluse.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten bei diesem Schnitt. Zwei Kragenvarianten, einmal einen normalen angesetzten Kragen mit Kragensteg, dann aber auch noch eine Variante  nur mit einem Kragensteg, sozusagen mit ohne Kragen. Diese Variante gefiel mir immer schon gut, denn eigentlich mag ich keine Kragen. Abgesehen davon, daß ich die spitzen Ecken beim Nähen nie gut hinbekomme, stört mich der Kragen beim Bratschespielen, und das kann ich schon gar nicht leiden.

Also: Variante ohne Kragen, dafür aber lange Ärmel. Es gibt auch eine Variante mit Dreiviertelärmel, die dann mit einem Riegel angeschoppt werden kann. Auch sehr schick, aber im Augenblick definitiv zu kalt. Bei der Länge kann man  zwischen Blusen- und Tunikalänge wählen. Beide haben schön geschwungene  Saumlinien. Taschen könnte man auch noch aufsetzen.

Die letzten beiden Entscheidungen, also Länge und die Taschenfrage, entschied mein Stoff für mich. Ich hatte einen wunderschönen Double Gauze von  Nani Iro in meinem Vorrat, den wollte ich gerne dafür verwenden. Stofflänge knapp 2 m, Breite 1,10- da kann sich jeder vielleicht die gefühlten Dramen am Zuschneidetisch vorstellen, wenn unbedingt eine Bluse mit langen Ärmeln entstehen soll..

Aber es ist ja auch schön, wenn keine Stoffreste bleiben. Für den inneren Beleg der Schulterpasse hat der Stoff nicht gereicht, oder ich hätte stückeln müssen, wozu ich keine Lust hatte. Ich habe deshalb einen farblich passenden gestreiften Stoff für die innere Passe und Belege von Knopfleiste und Kragen genommen.


 Farblich wie gesagt gut passend, leider ein steifer Patchworkstoff, hat mir bei der Verarbeitung gemeinsam mit meinem superweichen Double Gauze etwas Mühe gekostet, aber beim Tragen stört das nicht weiter.
Ich habe Größe M genäht und nichts geändert. Der Schnitt ist allerdings auch nicht sehr paßformsensibel,  da er ohne Abnäher auskommt. Die Ärmel sind etwas zu lang für mich, ist aber wohl auch so gewollt vom Design her.

Die Anleitung ist hervorragend, wie ich es von den Indie-Schnitterstellerinnen, vor allem den amerikanischen, gewöhnt bin. Es gibt ergänzend auch noch einen Sewalong auf der Website von Heyjune, so bleibt keine Frage unbeantwortet.

Alle Techniken, die fürs Blusenähen notwendig sind, werden ausführlich und mit guten Grafiken gezeigt. Meine Kragenform ist mit einer halben Knopfleiste kombiniert, die unten in eine zierliche Spitze ausläuft.  Sowas habe ich zum ersten Mal genäht, war aber kein Problem mit dieser exzellenten Anleitung. Und auch die Ärmelmanschetten gelangen mir viel besser als bei meiner Bluse   Bruyere  von Deeranddoe, die ich vor fast genau einem Jahr genäht habe, gezeigt im Blog hier. Natürlich ist es auch nicht auszuschliessen, daß ich in diesem Jahr insgesamt meine Nähfertigkeiten verbessert habe...aber die Anleitung von Hey June Handmade ist definitiv besser als die von DeerandDoe.

Der Schnitt enthält bereits die Nahtzugaben, und zwar immer unterschiedliche, variierend zwischen
 1/4 und 5/8 inch. In manchen Schnittmusterbesprechungen wurde das dem Schnitt angekreidet, man müsse ja immer die Anleitung daneben legen und könne nicht auswendig nähen. Aus meiner Sicht ist es aber nur logisch und fachgerecht, denn ein französischer Saum benötigt nun mal mehr Nahtzugabe als ein einfacher Saum.

Französisch wird bei diesem Schnitt auch die Ärmeleinsatznaht gearbeitet. Ich dachte immer, das geht nicht gut, habe jetzt aber das Gegenteil gelernt. Es geht!

Das Nähen der Bluse hat mir viel Spaß gemacht. Es gibt etliche Schwierigkeiten zu bewältigen, die aber mit der guten Anleitung kein Problem sind. Das Erfolgserlebnis stellt sich unmittelbar ein,wenn wieder eine scheinbar komplizierte Stelle dann ganz gut zu machen ist. Ich glaube, das ist neben der unkomplizierten Paßform das Geheimnis dieses Schnittes.

Ich habe jedenfalls unmittelbar nach Fertigstellung schon zwei drei neue Cheyennes in Planung.Schliesslich muss der Stoffvorrat abgebaut werden!
verlinkt: RUMS

Mittwoch, 10. Januar 2018

Frau Fannie aus Nosh-Jacquard

Ich habe ja, was Farben geht, absolut meine Favoriten und verlasse meine Komfortzone, die aus blau-grau und bordeauxrot besteht, äußerst ungern. Andererseits gibt es auch immer mal wieder Farbkombinationen, die mich spontan ansprechen. So ging es mir bei diesem Jacquard aus dem Hause Nosh, der finnischen Biostoff-Firma. Es gab diesen Stoff auch noch in anderen Farbzusammenstellungen, aber in diesem Fall mußte dieser grün-rosafarbene sein.

Das Muster heißt Zoo, was wohl auch im Finnischen keine andere Bedeutung als bei  uns hat, und die Giraffen-Assoziation ist sicher gewollt.

Sonst bin ich ja mit der Übersetzung aus dem Finnischen vorsichtig. Auf der Original finnischen Seite von Nosh gibt es einen Menüpunkt Naiset, den ich für mich immer als Nähset übersetzt hatte und fast schon mal etwas bestellen wollte. Google Translator hat mir aber dann mitgeteilt, daß Naiset "Frauen " heißt, also hier gibt es einfach die fertig genähte Damenmode von Nosh zu kaufen- das ist dann doch nicht das, was ich wollte.

Ein auffälliger Stoff benötigt einen schlichten Schnitt, und so ist es eine Frau Fannie geworden, der Klassiker aus dem Hause  Fritzi Schnittreif. Frau Fannie ist ein einfacher Jersey- oder Sweatkleidschnitt mit etwas tiefer gelegter Taille, zwei schrägen Taschen und einer rückwärtigen Teilungsnaht im oberen Rückenteil.

Ich habe Größe S genäht und im Rückenteil auf der Taillenhöhe sowohl am Ober- als auch am Unterteil ca. 1.5 cm entfernt. Die Ärmel habe ich am Handgelenk um ca 1cm enger genäht. Das Bündchen am Halsausschnitt ist einfach die Rückseite des Stoffes.

Das Rockteil habe ich mit elastischem Futterstoff gefüttert, da ich das Kleid natürlich über Strumpfhosen anziehen will. Ich habe mir vorgenommen, jetzt auch die Kleidungsstücke aus dehnbaren Stoffen zu füttern, für mich ist ein Kleid dann einfach kompletter. Und ich finde es so umständlich, immer erst ein passendes Unterkleid zu einem Kleidungsstück rauszusuchen.

Das Taschenfutter ist übrigens ein Jerseyrest, auch dem ich auch schon ein Unterhöschen genäht habe. Jetzt trage ich also meine Unterwäsche passend zum Innenfutter meiner Kleidtasche.
Wie konnte ich früher eigentlich jemals das Haus verlassen, ohne meine Unterhose auf meine Kleidung abgestimmt zu haben? Unmöglich!
 Ich freue mich jedenfalls an diesen trüben Januartagen an diesem bunten Kleid. Auch wenn ich keine konkreten Näh-Vorsätze für 2018 habe, stelle ich mir schon vor, noch mehr Biostoffe als bisher zu vernähen. Das Tragegefühl dieses weichen Jacquards ist jedenfalls herrlich!
verlinkt: RUMS, ichnähbio ,
selbermachenmachtglücklich

Freitag, 5. Januar 2018

Liebling 2017



Eigentlich wollte ich diesen Memademittwoch ja schwänzen... das Thema sagte mir so gar nicht zu.
Lieblingsstück des Jahres 2017- was soll man da denn schreiben? Natürlich habe ich nur Lieblingsstücke genäht, abgesehen natürlich davon, daß ich 2017 eigentlich überhaupt nichts genäht habe, ich nichts anzuziehen habe und daher dringend etwas neues nähen müßte!
Aber ich gebe ja zu, ich habe genäht im letzten Jahr. Ich habe viel genäht, in Zahlen:
13 Oberteile, 12 Kleider, 3 Hosen, 3 Röcke, 1 Hosenrock und 1 Anorak. Bei den Zahlen hat mich ja doch die geringe Anzahl von Röcken überrascht, denn Röcke trage ich eigentlich gerne .
Das wäre also etwas, das ich in diesem Jahr angehen müßte- ich brauche dringend mehr Röcke!
Meine Kleider werden gerne getragen, manche mehr, manche weniger. Die ärmellosen Kleider habe ich dieses Jahr nicht so oft getragen, das war eine Frage des Wetters.

Wenn ich mich für einen Liebling entscheiden muß, fallen mir zwei Dinge ein:
zuerst meine genähten Jeans. Das sind wirklich die Teile, die ich dieses Jahr sehr, sehr oft getragen habe. Sie passen mir besser als alle gekauften Modelle, wurden strapaziert, häufig gewaschen und sind trotzdem noch ansehlich.
Ich habe zwei Modelle von Closet Case genäht, die Ginger und die Morgan Jeans, hier und hier habe ich ausführlich darüber geschrieben. Aber auch die Jeans von Waffle Pattern, die Pinda Jeans
habe ich gerne genäht und viel getragen. Dieser Jeansschnitt hat wenig Verbreitung in den Blogs gefunden, schade eigentlich, mir gefällt er immer noch gut. Hier geht es zum entsprechenden Blogbeitrag.

Also, meine drei genähten Jeans sind eindeutig meine Lieblinge des Jahres 2017. Es waren alles drei sehr gute Schnitte mit einer guten Anleitung, ich konnte das Nähen geniessen und das Produkt wird viel getragen.

Diese Kriterien treffen aber auch für meinen zweiten Liebling, den Kelly Anorak von Closet Case , zu, ich habe mein Modell hier beschrieben.
Hier war auch eine technische Herausforderung für mich dabei: würde ich es wirklich schaffen, alle Nahtzugaben mit einem Hongkong Finishing einzufassen? Ja, ich habe es geschafft, und so habe ich hier wirklich ein Kleidungsstück genäht, auf das ich unglaublich stolz bin.

Dafür läßt bei diesem Anorak die Alltagstauglichkeit etwas zu wünschen übrig, denn er ist weder wind-  noch wasserdicht. Aber er ist so wunderschön, also auch ein Liebling!
Ach ja, und meine selbstkonstruierten Kleider sind doch auch Lieblinge. Vor allem das türkisfarbene Leinenkleid gefällt mir gut, und ich freue mich schon auf den ersten warmen Tag,  an dem ich es wieder anziehen kann. Vielleicht schon im April? da gibt es doch oft schon warme Tage!

Und die vielen genähten Shirts trage ich auch gerne. Ich trage ja mittlerweile überwiegend memade, wenn auch nicht ausschliesslich. Es gibt wirklich Tage, an denen ich nur Kaufkleidung trage, das fällt mir dann aber irgenwann tagsüber auf...es ist nicht schlimm, aber ich denke dann immer, es wäre doch besser, wenn irgendetwas selbst gemacht wäre.
Neue Dimensionen erschliessen sich jetzt aber, nachdem ich mit dem Unterwäschenähvirus infiziert wurde. Der Unterhosenschnitt  "Nixie Briefs" von  Jennifer Lauren war die Einstiegsdroge:

Mit dem Schnitt Acacia von  Megan Nielsen könnte ich jetzt aber in die Massenproduktion gehen, der paßt mir noch besser und ist bequemer. Und mal einen BH nähen, das müßte doch zu schaffen sein!

Vielleicht wird der Liebling 2018 dann ein BH Schnitt?
Jetzt muß ich mich erst mal mit den veränderten Bedingungen des Memademittwoch arrangieren. Ich habe mich schon bei dem Gedanken ertappt, daß ich ja erst wieder in 4 Wochen bloggen "muß" und mir also viel Zeit zum Nähen und Blogschreiben lassen kann. Andererseits ist das erste Kleid für 2018 schon fertig und heute auch fotografiert, wäre doch schade, wenn das so lange ungebloggt auf der Festplatte liegen würde....
Jetzt reihe ich mich fast auf den letzten Drücker in die Galerie des Memademittwochs ein, in der schon so viele andere Jahreslieblinge 2017 zu finden sind, angeführt von Claudias traumhaften Urlaubsimpressionen. Danke an das Team des Memademittwoch, das diese erste Linkparty des Jahres 2018 organisiert hat!