Mittwoch, 18. April 2018

Joni Dress von Tilly and the Buttons

Dieses Shirt war eigentlich nur als Testversion gedacht für den Schnitt des Joni-Kleides aus dem neuen Buch Stretch! von Tilly and the Buttons. Aber wie es manchmal so geht bei Testversionen, ist daraus ein absolutes Lieblingsteil geworden.

Der Schnitt des Joni-Dresses gefiel mir sofort, als ich ihn in der Vorschau gesehen hatte. Ich habe bisher wenig von der britischen Schnittdesignerein Tilly Walnes, besser bekannt als Tilly and the Buttons, genäht. Irgendwas hatte mich oft an den Schnitten gestört, manchmal erschienen sie mir auch einfach zu jugendlich. An diesem Schnitt, Joni, mochte ich sofort das Knotendetail im Vorderteil.

Nun gibt es ja auch viele andere Schnitte für  Oberteile mit Verschlingungen, oder Knoten, wie sie in der deutschsprachigen Nähszene genannt werden. Die englische Bezeichnung Twist trifft allerdings die Schnittkonstruktion viel besser, denn es wird ein Schnitteil, meistens im Oberteil, ein oder zweimal um sich selbst gedreht. Hierdurch ergeben sich reizvolle Raffungen im Oberteil.

Ich habe bisher einige Schnitte für Knotenkleider ausprobiert und war nie so ganz glücklich damit geworden. Ich hatte immer zwei Probleme bei diesen Schnitten. Das erste lag in der Schnittkonstruktion: die Verschlingung der Oberteile lag immer zwischen den Brüsten, dadurch wurde der Ausschnitt immer sehr, sehr tief, was zumindest  für mich dann das Tragen nur mit einem untergezogen Top möglich machte. Der tiefe Ausschnitt wurde dann auch noch durch die Ausschnittverarbeitung verstärkt, mein zweites Problem bei diesen Schnitten, denn die Ausschnittkanten wurden nur einfach umgeschlagen und hatten dadurch keinen Halt.

Beide Problem sind beim Joni-Dress vorbildlich gelöst, wie ich finde. Die Verschlingung der Oberteile liegt einige entscheidende cm oberhalb der Brustlinie. Ich trage zwar auch hier lieber ein Top darunter, abert auch ohne halten sich die Einblicke ins Dekollete durchaus in Grenzen.
Die Ausschnittkanten werden mit einem innenliegenden Bündchen versäubert, die Technik wird genau im Buch beschrieben. Ich hatte das bisher noch nicht so gemacht, mir aber immer gedacht, daß das gehen müßte- und es geht hervorragend und gibt einen schönen sauberen Abschluß, der vor allem nicht aufklafft.
Unterhalb der Verschlingung gibt es dann eine kurze senkrechte Naht in der vorderen Mitte. Durch den Knoten wird die Naht leicht nach oben gezogen. Bei gestreiften Stoffen kommt dieses Detail sicher sehr hübsch hervor, mein nächstes Joni nähe ich aus gestreiftem Stoff!
Die Länge der Tunika ergab sich bei mir aus der Menge des vorhanden Stoffes, oder besser gesagt aus der nicht vorhandenen Menge... ich wollte gern den wunderschönen beerenfarbigen Slubjersey von 1000Stoff für diesen Schnitt verwenden, da ich mir das Knotendetail aus diesem superweichen Stoff so gut vorstellen konnte. Ich hatte allerdings definitiv zu wenig Stoff, da ich die schöne Weite des Rockteiles nicht verkleinern wollten. Ich habe daher das Rockteil gekürzt, praktischerweise genau an der Linie, die für Verkürzungen oder Verlängerungen im Schnitt eingezeichnet ist. Als Tunika finde ich die Länge so sehr schön.

Die Taillennaht wird mit Framilonband verstärkt, auch das wird genau im Buch beschrieben, wie man das machen kann. Ich hatte bisher immer das Framilon mit großem Geradstich auf den Stoff aufgeheftet, bevor ich mit der Overlock die Nähte genäht habe. Tilly empfiehlt, das Framilon nur mit einigen Zickzackstichen am Anfang  der Naht zu befestigen und dann direkt mit der Overlock zu nähen. Das habe ich probiert und es ging überraschend gut.
Mit der Paßform des Schnittes war ich sehr zufrieden. Ich habe an den Seitennähten und vor allem unter der Achsel einige mm weggenommen, mein Stoff war aber auch sehr dehnbar. Das ist ja immer die Tücke beim Nähen mit dehnbaren Stoffen, daß man sich nie darauf verlassen kann, wie ein Schnitt paßt.

Die Anleitung im Buch finde ich sehr ausführlich und verständlich. Das Buch enthält Schnittmusterbögen mit (überlappenden) Mehrgrößenschnitten, aber  pro Seite ist nur ein Schnitt, so ist das Abpausen eine reine Freude.
Mein einziger Kritikpunkt an diesem Schnitt ist eigentlich die Nahtzugabe von 1,5 cm- das ist zum Nähen mit der Overlock sehr unpraktisch, und auch beim Nähen mit der normalen Nähmaschine einfach nicht notwendig bei  einem Jerseyschnitt.

Das Buch Stretch! finde ich insgesamt sehr lohnend und empfehlenswert. Es enthält einen umfangreichen Technikteil über das Nähen von dehnbaren Stoffen mit Materialkunde.Das Nähen mit der Overlock wird sehr ausführlich behandelt. Schade nur, daß das Vorhandensein einer Covermaschine überhaupt nicht erwähnt wird- das hätte ich schon von einem Buch über das Nähen mit dehnbaren Stoffen erwartet.

Das Buch enthält 5 Schnittmuster, von denen Joni sicher das originellste ist, die anderen sind eher Basic-Teile: ein Rock,  ein Shirt mit Raglanärmeln, ein Pulli aus Sweat und ein Hoodie mit Jogginghose. Da aber zu jedem Schnitt sehr viele Variationen gezeigt werden, hat man mit den Schnittmustern des Buches schon eine schöne Basisgarderobe aus dehnbaren Stoffen.  Die Aufmachung des Buches ist absolut hochwertig mit vielen schönen Fotos. Ich denke, daß dieses Buch sowohl für Nähanfänger als auch für Fortgeschrittene gut geeignet ist- ich hatte jedenfalls schon viel Freude daran!
verlinkt: Afterworksewing, RUMS

Mittwoch, 4. April 2018

Moto Sweatshirt von Seamly

Die letzten Wochen waren ja bekanntermassen sehr , sehr kalt in Deutschland. Frühlingsgefühle kamen kaum auf, statt dessen hatten wir immer wieder Temperaturen weit im Minusbereich und mehr Schnee als im ganzen Winter davor. Was soll man denn da nähen? Für Sommerkleidchen hatte ich wirklich keine Lust, aber andererseits, immer nur diese tristen Winterfarben- nein, da musste schon etwas in Frühlingsfarben her. Als ich in Lüneburg an einem wirklich eiskalten Tag durch die schöne Innenstadt spazierte , entschied ich mich in der Tillabox( die ich natürlich nur betreten hatte, weil es draußen so kalt war!) spontan für diesen genialen Doubleface- Sweat in rosa und blau. Genial ist der Stoff deshalb, weil er total kuschelig und warm ist: zwischen den beiden Seiten des Baumwolljerseys befindet sich noch eine Polyesterschicht, die in Karos abgesteppt ist, und das sorgt für eine gute Warmhaltefähigekeit. Eine Seite ist gestreift, eine ganz fein gepunktet.

Beim Kauf des Stoffes hatte ich noch keinen konkreten Plan, ich dachte nur aufgrund der Temperaturen an irgendwas mit Kapuze oder hohem Kragen, Hoodie oder Kleid, da war ich noch nicht entschieden, aber ich nahm dann lieber eine reichliche Menge Stoff mit.

Die Entscheidung für einen Schnitt fiel mir dann irgendwann ganz leicht. Wie viele andere Nähbloggerinnen bin ich ja mittlerweile schon sehr instagram-affin - zu schön sind die vielen Bilder, und dann die Filmchen! Besonders liebe ich ja die Filme von Allie, der Gründerin von Indiesew.
Indiesew ist eine amerikanische Online-Plattform, auf der Schnitte von individuellen Schnittdesignerinnen vertrieben werden. Es handelt sich überwiegend um Schnitte aus dem englischsprachigen Raum, europäische Designerinnen sind nur vereinzelt vertreten. Viele der Designerinnen sind mir unbekannt und werden es vermutlich auch bleiben, da ich die Schnitte dann doch nicht so toll finde. Aber es sind auch alle bekannten amerikanischen Designerinnen vertreten wie ClosetCase, Hey June, Jennifer Lauren Handmade und andere.

Und die Gründerin von Indiesew dreht gerne Instagram-Filme, meistens aus ihrem Schlafzimmer, man sieht dann das ungemachte Bett im Hintergrund- mag sein, daß das nur eine Masche ist, aber es wirkt schon sehr sympathisch. Und sympathisch ist auch ihre Begeisterung fürs Nähen, für die Schnittdesignerinnen oder auch für Stoffe, und so schaue ich mir ihre Filme immer gerne an.

Auf einigen  dieser Filme trug Allie dann das Moto-Sweatshirt und erwähnte, daß dieser Schnitt bald erscheinen würde. Sie erwähnte auch die Herkunft des Modells, Seamly.co, was ich dann natürlich sofort googeln mußte. Seamly ist keine typische Schnittmuster- Firma, sondern eher  einen Online-Shop, der nachhaltige Mode produziert und vertreibt. Die Schnitte für einzelne  Modelle aus früheren Kollektionen, die nicht mehr über den Seamly Shop vertrieben werden,  werden dann von Indiesew uns Näherinnen zur Verfügung gestellt.

Das Motosweatshirt ein Teil einer kleinen Kollektion, die auch noch ein Poloshirt und eine Sweatshirthose umfasst. Aber das Motoshirt ist schon das originellste dieser Modelle. Es ist ja eigentlich eine Jacke, aber da die Modellbezeichnung Sweatshirt ist, bleibe ich auch bei dieser Bezeichnung.

Das Moto Sweatshirt also hat als typisches Designmerkmal einer Bikerjacke einen schrägen Reissverschluss, der bis zum Ende eines hohen Kragens geht. Zwei seitliche Eingriffstaschen werden ebenfalls mit Reissverschlüssen geschlossen. Ein Taillenbund und Ärmelbündchen bilden den Abschluss.
Bei der Größenwahl lag ich zwischen zwei Größen und habe mich für die größere, nämlich M entschieden. Eine gute Wahl, denn der Schnitt ist schon eher enganliegend. Ich habe die Ärmel am Handgelenk etwas verschmälert, sonst aber keine Änderungen gemacht und mit mit dem Sitz sehr zufrieden.

Die Reißverschlüsse hatte ich bei der Frankfurter Traditionsfirma für Nähbedarf, Wächtershäuser, bestellt. Dort gibt es den Service, daß Reissverschlüsse in allen Längen verkauft werden, also in cm-Schritten. Beim Bestellen war ich etwas voreilig und hatte mich auf die Längenangabe in der Anleitung verlassen. Leider stimmte die nicht ganz, und der Reissverschluss war dann doch um etliche cm zu lang, schade! Kürzen ist natürlich kein Problem, aber mir fehlte dann der Stopper am oberen Ende. Aber da der Kragen so hoch ist, zippe ich eigentlich nie bis zum Ende hoch, und so hat mich das bisher nicht sehr gestört.
Die Anleitung des Schnittes ist knapp, aber völlig ausreichend und mit guten Grafiken. Etwas schwierig fand ich das Einnähen der Taschenreissverschlüsse, das lag aber an meinem dicken Stoff. Ich habe hier mit doppelseitigem Klebeband zum Fixieren gearbeitet, dieser Trick wurde auch in der Anleitung erwähnt .Die Taschenbeutel sind aus Jersey und tragen dadurch weniger auf.
 Leider erwies sich der gewählte Jersey für die Taschen als sehr labberig beim Nähen. Er paßte zwar  farblich gut zum Hauptstoff, trotzdem hatte ich mir die Innenansicht hübscher vorgestellt. Wahrscheinlich hätte ich auch das Differential der Overlock sorgfältiger einstellen müssen.
Für Beleg und Kragen habe ich die gestreifte Seite als rechte Seite genommen, ansonsten fand ich die gepunktete und ruhigere Seite als Außenstoff schöner.
Als die Jacke dann fertig war und mir so gut gefiel, stellte sich natürlich die obligatorische Frage der Kombinationsmöglichkeiten. Klar, Jeans geht immer....aber da lag im Stoffstapel ganz oben, also erst vor kurzem gekauft, ein Cordstoff in wunderschönem altrosa. Ich holte ihn vom Stoffstapel und legte ihn neben die Jacke- ja, das war natürlich farblich perfekt.

 Kurz kamen mir noch Bedenken, ob ich als erwachsene Frau wirklich einen rosa Rock nähen und tragen sollte- aber hey,es ist Frühling! Ich war mir sicher, daß ich unbedingt für diesen Frühling einen rosa Rock brauchte, daß eigentlich jede Frau im Frühling einen rosa Rock braucht, und so wurde er dann genäht.

Der Rockschnitt ist selbst konstruiert, was aber in diesem Fall keine Heldentat war. Aus dem Grundschnitt habe ich Bund und hintere Passe abgetrennt, ansonsten die Designelemente der Ginger Jeans von Closet Case angebracht. Der Rock hat auf diese Art das gleiche schöne Innenleben mit Libertystoff wie alle meine Jeans. Man gönnt sich ja sonst nichts!
Ach ja, und einen verdeckten Schlitz hat der Rock auch. So ist er wunderbar fahrradtauglich, wie man auch schon an den entsprechenden Falten sieht.
Und da beim Radfahren im Frühling immer leicht mal ein kalter Wind weht, brauchte ich natürlich auch  noch eine passende Mütze. Zum Glück hatte ich ja reichlich Stoff gekauft! Es wurde dann ein Beanie nach dem Gratis-Schnitt von Pattydoo. Ein schnell genähtes kleines Kleidungsstück mit einem großen praktischen Nutzen, ich denke, diesen Schnitt werde ich noch öfters nähen.
Es ist natürlich eine super Resteverwertung, aber so eine Sweatmütze ist einfach auch sehr angenehm und wärmend. Wollmützen wollen wir jetzt ja alle nicht meht tragen, aber trotzdem ist ein bisschen Wärme um die Ohren an diesen kalten Frühlingstagen so angenehm.

Mit diesem Frühlingsoutfit beteilige ich mich heute am Memademittwoch, der wie immer am ersten Mittwoch des Monats statt findet. Mal sehen, was heute alles gezeigt wird- Sommerkleider, oder auch noch wärmende Jacken und Mützen wie bei mir?