Donnerstag, 24. Mai 2018

Gedanken zum Datenschutz DSGVO- german Angst?


Morgen ist der 25. Mai 2018.
Wenn man der Stimmung mancher Blogs im Internet folgt, ist dieses Datum gleichbedeutend  mit dem Untergang, einer Art digitaler Apokalypse, an dem entweder eine Klagewelle ungeahnten Ausmasses auf Blogger stürzt, Strafzahlung in Millionenhöhe drohen oder der kollektive Untergang des digitalen Abendlandes...
Auch ich als kleine Nähbloggerin bin vor dieser Stimmung nicht ganz gefeit, und so habe ich mal versucht, meine Gedanken dazu zu ordnen und zu Papier zu bringen.
Worum geht es eigentlich? Es geht um die Europäische Datenschutzverordung, genauer gesagt um die Verordnung (EU) 2016/670 des Europäischen Parlamentes und des Rates vom 27. April 2016 zum Schutz natürlicher Personen bei der Verarbeitung personenbezogener Daten.
Ich beziehe mich im folgenden auf einen Text , den ich hier gefunden habe. Gar nicht so einfach , den Originaltext der Verordnung zu finden, denn wenn ich Begriffe wie DSGVO oder Datenschutz bei meinem Freund, dem Herrn Google, eingebe, komme ich auf ganz andere Seiten- auf Seiten von Anwaltskanzleien, die mir genau und gerne auch kostenpflichtig anbieten, was ich jetzt tun soll, auf Seiten von Kommentatoren, die die Originalverordnung genau so wenig wie ich verstehen, oder auch auf journalistische Beiträge, die natürlich mit einem worst-case szenario um Leserschaft buhlen.
Also, nochmal ganz sachlich die Frage: worum geht es eigentlich? Es geht um ein ganz, ganz wichtiges Gut heutzutage, um den Schutz unserer persönlichen Daten im Netz. Diese Daten sind hochsensibel und absolut schutzwürdig, genauso wie der Lebensraum der Bienchen, die  sich trotz Pflanzenschutzmitteln weiter für uns verdient machen sollen, oder des Feldhamsters, der sich mühsam in seinem Überlebenskampf behaupten soll...die Liste der Beispiel liesse sich natürlich endlos fortführen, aber darum geht es in diesem Gesetz, das war der Anlass dafür.
Und nein, es geht nicht darum, kleine Blogger vom Bloggen abzuhalten! Denn in der Verordnung steht doch ganz klar bei den Erwägungsgründen unter Punkt 18: Diese Verordnung gilt nicht für die Verarbeitung von personenbezogenen Daten, die von einer natürlichen Person zur Ausübung ausschließlich persönlicher oder familiärer Tätigkeiten und somit ohne Bezug zu einer beruflichen oder wirtschaftlichen Tätigkeit vorgenommen wird...
Natürlich mögen jetzt Juristen diskutieren, was unter ausschließlich persönlicher Tätigkeit gemeint ist. Wenn ich in meinem Blog jeden Morgen beschreibe, wie ich geschlafen habe, ist das ja wohl persönlich. Wenn ich beschreibe, daß ich jeden Morgen meine Rosen betrachte und den Anblick meines Gartens beschreibe- sicher auch persönlich. Und wenn ich in diesem Blog über das Anfertigen meiner Oberbekleidung (oder auch Unterbekleidung, aber das kann ich noch nicht so gut!) referiere- das ist persönlich!
Natürlich bin ich keine Juristin, ich habe was anderes studiert. Vielleicht irre ich mich auch in dieser Betrachtungsweise? Aber dann darf ich ja ich meinem Blog gar nicht mehr äußern, was ich denke, ohen vorher mit einem Juristen Kontakt aufgenommen zu haben, und das ist dann doch mit dem im Grundgesetz verankertetm Recht auf freie Meinungsäußerung nicht mehr vereinbar!
Gerade wir in Deutschland kennen doch aus unserer düsteren Vergangenheit Zeiten, in denen die Meinungsfreiheit entscheidend eingeschränkt war, und sollten entsprechend sensibel reagieren.
Und da möchte ich dann doch noch mal aus dem o.g. Amtsblatt der Europäischen Union den Paragraphen 4 zitieren:
"Die Verarbeitung personenenbezogener Daten sollte im Dienste der Menschheit stehen. Das Recht auf Schutz der personenbezogenen Daten ist kein uneingeschränktes Recht; es muß im Hinblick auf seine gesellschaftliche Funktion gesehen und unter Wahrung des Verhältnismäßigkeitesprinzipes gegen alle anderen Grundrechte abgewogen werden. Diese Verordnung steht im Einklang mit allen Grundrechten und achtet alle Freiheiten und Grundrechte...insbesondere Achtung des Privat- und Familienlebens, der Wohnung und der Kommunikation....Freiheit der Meinungsäußerung und Informationsfreiheit, unternehmerische Freiheit....Vielfalt der Kulturen.."
Also , dieses Gesetz soll uns helfen, unsere Daten zu schützen vor Molochen wie Facebook und Google, aber es wird uns nicht beim Bloggen behindern, da bin ich mir recht sicher. Vermutlich gibt es bei der Auslegung des Gesetzes einen gewissen Graubereich, der dann erst durch Gesetzesurteile etwas definierter wird, aber das wird seine Zeit dauern.
Mich würde ja doch interessieren, ober die Blogger in anderen Ländern auch so panisch auf dieses Datum morgen reagieren. Ist es vielleicht doch ein Ausdruck der "german Angst" wenn so viele Nähblogs ab heute nacht auf privat gestellt werden oder ganz vom Netz gehen?
Ich werde weiterbloggen wie bisher. Vielleicht werde ich einige kleinere Änderungen am Blog vornehmen, da ich mir jetzt auch Gedanken über den Datenschutz und die Kommunikation mit meinen Lesern gemacht habe, vor allem was die Kommentarfunktion angeht.
Aber Nähblogs muss es weiter geben!


Mittwoch, 2. Mai 2018

Frühling im Jonidress von Tillyandthebuttons


Heute zeige ich meine zweite Version des Jonikleides aus dem neuen Buch "Stretch" von Tilly and the Buttons. Als erste Version hatte ich den Schnitt auf Tunikalänge gekürzt, den Blogpost darüber sowie meine Erfahrungen mit dem Buch könnt Ihr hier nachlesen.

Nachdem mir die Tunika so gut gefallen hatte, mußte ich unbedingt noch eine Version nähen, diesmal aber als Kleid, so wie es ja auch im Original vorgeshen ist. Joni ist ein Jerseykleidschnitt mit einer Verknotung im Vorderteil. Diese Verknotungen wirken immer gut aus einem gestreiften Stoff, und so mußte es diesmal ein Streifenjersey sein.
Meine Wahl fiel auf einen butterweichen Modaljersey, den ich hier bezogen habe. Die Farben dunkelblau/weiß sind nicht unbedingt originell, dafür aber gut mit meiner übrigen Garderobe kombinierbar.

Ich trage schon gerne gestreifte Kleidungsstücke, aber leider steht ja am Anfang immer das Zuschneiden und die Streifenanpassung beim Nähen. Allzu pingelig bin ich  ehrlich gesagt nicht, was die genaue Streifenanpassung angeht. Bei Kaufkleidung achtet auch kein Mensch darauf, wenn die Streifen nicht genau aufeinander treffen.

Größere Mühe verwende ich bei gestreiften Stoffen vor allem auf das Zuschneiden. Früher habe ich oft versucht, auch gestreiften Stoff im Bruch zuzuschneiden. Ich hatte dann die Streifen mit vielen Stecknadeln aufeinander gesteckt, aber trotzdem war das Ergebnis  nicht gut. Jetzt schneide ich den Streifenstoff immer in einfacher Lage zu, das klappt wesentlich besser und ist nicht so mühsam. Ich versuche schon, die Streifen an prominenten Stellen aufeinander treffen zu lassen, aber nachdem ich dann irgendwann mal begriffen hatte, daß das einfach nicht immer geht, bin ich da wesentlich gelassener geworden.

Da ich die Erfahrung gemacht habe, daß sich die Stofflagen beim Nähen mit der Overlock immer leicht etwas verschieben, hefte ich die Nähte, bei denen es mir darauf ankommt, vorher mit der Nähmaschine. Auf diese Art entsteht eine zumindest für mich akzeptable Anpassung der Streifen. Und wenn dann wirklich mal ein kleiner Versatz eines Streifens ist, stört mich das nicht. Und ich bin mir sicher, daß das außer diversen Nähnerds  auch kein anderer sieht.

Der Modaljersey war sehr angenehm zu verarbeiten , da sich die Kanten nicht nach innen einrollten und er schön seine Form behielt. Die Dehnbarkeit war allerdings  geringer als die des Viskosejerseys, aus dem ich mein erstes Joni genäht hatte. Beim Nähen war ich dann doch dankbar für die üppige Nahtzugabe von 15 mm, die dieser Schnitt hat, denn an den Seitennähten konnte ich so die Nahtzugabe etwas verringern. Sonst wäre das Kleid etwas zu eng geworden.
Der Rock ist schön weit und schwingend, die Länge habe ich um ca 3 cm verlängert.
 Leider hat der brütende Storch im Hintergrund uns nicht den Gefallen getan, sich mal während unserer Fotosession aufzusetzen. Na gut, er musste ja auch die Eier warm halten...aber jedenfalls der Partner hätte ja mal dekorativ anfliegen können!
Die Knotenkonstruktion des Kleides ist schon interessant. Beim zweiten Nähen eines Schnittes macht man sich ja doch noch mehr Gedanken als bei der Premiere, bei der es mehr um das Zustandebringen eines tragbaren Teiles geht.

Der Knoten, oder eher die Verschlingung, liegt deutlich über der Brustlinie, das ist ja das, was mir an diesem Schnitt so gut gefällt. Dadurch klafft das Vorderteil nicht auf und ich kann das Kleid auch ohne Unterziehtop tragen. Die Konsequenz aus dieser Schnittvariante ist aber natürlich, daß die durch die Verschlingung drapierten Falten nicht da liegen, wo Volumen gebraucht wird, nämlich über der Brust, sondern höher. Das stört bei diesem Schnitt überraschenderweise überhaupt nicht, finde ich. Man könnte natürlich auch immer, vor allem vor den Fotos, die Drapierungen über die Brust runter ziehen. Im Internet gibt es einzelne Beispiele von Joni, die so gezeigt werden- ich glaube aber nicht, daß der Schnitt so gedacht ist.
Die Ausschnittverarbeitung würde ich gern noch optimieren. Gut finde ich immer noch, daß die seitlichen Ausschnittkanten mit einem inneliegenden Bündchen stabilisiert werden. Aber in der vorderen Mitte, also da , wo die Verschlingung ist, ist ein ca 3cm langer Bereich, in dem die Nahtzugabe nur einfach umgeschlagen  und dann seitlich  und in der Mitte eingeschnitten wird. Die Kante wird schon vorher ordentlich mit einer Stütznaht gesichert, und  der Jersey franst natürlich auch nicht aus. Trotzdem ist das ein Bereich, der für mich einfach unsauber aussieht. Auf den Bildern kann man das nur erahnen. Ich habe noch versucht, ein Bild von links zu machen, aber das ist auch nicht besser erkennbar...ist vielleicht auch nicht so wichtig, aber ich habe es einfach gerne, wenn die Verarbeitung auch von links gut aussieht, gerade bei einem so einfachen Schnitt.

Vielleicht wäre es besser, das innenliegende Bündchen über die gesamte Kante zu führen und dann erst die Verschlingung zu machen. Möglicherweise wird dann aber der Knoten  zu knubbelig, oder bekommt er  erst das richtige Volumen? Joni III wird es zeigen!
Was trägt frau denn auf einer Fahrradtour im Frühling, wenn das Joni-Kleid irgendwann  zu kalt wird? Klar, einen Kelly-Anorak von Closet Case Pattern! Dieses fliederfarbene Prachtstück habe ich im letzten Frühling genäht. Ich liebe den Anorak sehr und finde ihn immer noch wunderschön. Allerdings muß ich zugeben, daß die praktische Einsatzfähigkeit gering ist..der Stoff ist weder wind- noch regendicht, auch nicht ein kleines bisschen...
Aber es gibt Tage, da ist sowohl farblich als auch wettertechnisch alles optimal, und bei der Fahrradtour, auf der diese Bilder entstanden sind, passte das alles. Ich liebe meinen fliederfarbenen Kellyanorak!
Zuletzt sollen aber auch die anderen Akteure dieser Radtour nicht unerwähnt bleiben. Damit meine ich zuerst den besten Ehemann aller Zeiten, der nicht müde wird, die Ehefrau in immer wieder neuen genähten Kleidern zu fotografieren (wobei er bei dem Anorak schon etwas irritiert war: "den hatten wir doch schon fotografiert?") . Und nicht vergessen sollten wir auch die vielen hunderte Bienen, die den Apfelbaum der ersten Fotos belebt hatten. So viele Apfelblüten, so viele Bienen- ich freue mich jetzt schon auf die reifen Äpfel im Herbst!
Dieser Beitrag wird verlinkt mit dem Memademittwoch sowie Afterworksewing