Mittwoch, 4. Juli 2018

Jenny Overall von Closet Case

Brauche ich eine Latzhose? Das war mein erster Gedanke, als ich den (vor)letzen Schnitt von ClosetCasePatterns betrachtete. Die Designbeispiele waren hübsch, ohne Frage, aber brauche ich sowas?

Die bessere Frage in diesem Fall wäre sogar gewesen: wer braucht eigentlich eine Latzhose?
Latzhosen haben ja schon manche praktischen Vorteile. Sie finden ihren Halt eben nicht durch einen engen Taillenbund, sondern durch Latz und Träger über den Schultern. Vorteilhaft für Menschen, die viel in den Taschen tragen und/oder wenig Taille haben- spontan fallen mir da natürlich schwangere Frauen ein, oder Kleinkinder, die alle Schätze in ihren Taschen mit sich rum tragen. Oder Handwerker- hier trifft ja meistens das Merkmal fehlende Taille (um nicht zu sagen Bauch) mit den vollgeladenen Taschen zusammen...
Ich gehöre zu keiner der vorgenannten Gruppen, also brauche ich sicher keine Latzhose.
Sind Latzhosen modern? In de 70er Jahren waren sie es mit Sicherheit, da vorzugsweise in lila, von emanzipierten Frauen oder solchen, die sich dafür hielten, getragen.

 Heather, die Designerin von ClosetCase, berichtete  auf Instagram, daß sie sich in der Jenny Latzhose absolut in und modisch fühlte. Das mag für junge Frauen in Großstädten gelten- in meinem Umfeld sehe ich eher selten Latzhosen.

Also, ich brauchte keine Latzhose, und fand sie nicht modern, aber trotzdem hat mich dieser Schnitt unglaublich gereizt, sobald ich ihn gesehen hatte. Ich fand ihn einfach schön.
Ich wollte eine Latzhose.
Ich wollte eine grüne Latzhose.
Ich kann diese Farbwahl auch kaum begründen. Sonst trage ich eher blau, aber ich diesem Fall wollte ich grün, und zwar grünes Leinen. Die Assoziation zum Gärtner-Look hat mein Unbewußtes sicher gern in Kauf genommen!
Ich glaube, mir gefiel an diesem Schnitt der gewollte Kontrast zwischen dem maskulinen Arbeiterhosenlook und der sehr weiblichen Umsetzung. Es ist aber auch einfach ein schöner Schnitt.
Ach so, für die, die den Schnitt nicht kennen und auch keine Lust haben, dem  Link zu folgen, hier die kurze Schnittbeschreibung: Jenny ist ein Hosenschnitt, der mit und ohne Latz genäht werden kann. Im Schnitt sind drei verschiedene Hosenlängen enthalten. Die sehr kurze Shorts- Form hatte ich als Probemodell genäht, hier gezeigt,  dieses Modell wird gerade im Dauereinsatz geprüft.
Heute zeige ich die Latzversion mit dreiviertellangen Hosenbeinen.

Der Latz hat eine aufgesetzte Tasche. Ich hätte sie auch weglassen können, denn diese Tasche hat natürlich keine wirkliche Funktion für mich...ich werde hier nicht regelmäßig Zollstock oder Schraubenzieher verstauen, höchstens mal ein Handmaß oder einen Bleistift.
Aber der Rand der Tasche schliesst so schön in der gleichen Senkrechten wie der Beginn des Tascheneingriffes ab- das mußte ich einfach so nähen.

Der verwendete Stoff ist ein belgischer Feinleinen, bezogen habe ich ihn hier. Ein wunderschöner, kostbarer Stoff, ich habe mich deshalb wieder um sehr sorgfältige Arbeit bemüht, um ein nachhaltig wertvolles Stück zu schaffen.
Die Taschenbeutel sind aus einem farblich passender Baumwollstoff. Eine Kennzeichnung mit dem Closetcase Label konnte ich mir auch nicht verkneifen, das sieht so schön professionell aus. Und mein übliches "mariabarbara"-Label ist blau, das paßte jetzt so gar nicht. Wer weiß, in welchem Altkleidersack diese Hose mal irgendwann landet- vielleicht fischt sie jemand mit Kennerblick auf das Etikett heraus?
Aber soweit sind wir ja noch nicht, die nächsten 20 Jahre wird die Hose noch von mir getragen!
Das Nähen war ein reines Vergnügen. Natürlich benötigt so eine Latzhose etwas Zeit, viele Einzelteile, Taschen, Absteppungen, aber sowas macht mir ja unglaublich Spaß. Die Schnittanleitung ist wie immer bei Close Case hervorragend.


Genäht habe ich Größe 8. Ich habe die Länge um ca 7 cm gekürzt, die Schrittkurve angepaßt und in der Taille ca 1 cm erweitert. Die Träger waren etwas zu lang, die habe ich dann auch noch um einige cm gekürzt. Den Latz und die Träger habe ich gedoppelt, das fand ich schöner.
Ich kam mit meinen 2m Stoff, die ich hatte, gerade so hin. Übrig sind nur noch minimale Reste, die ich nicht aufheben werde. So liebe ich das,  wenn auch die Stoffrestekiste nicht durch ein Nähprojekt beschwert wird!
Ich zeige die Latzhose in diesem Beitrag mit zwei verschiedenen Oberteilen. Das weiße Top ist gekauft, aber trotzdem schön und paßt natürlich gut unter die grüne Hose.
Sehr gefreut habe ich mich aber, dass auch mein grüngemustertes Addison-Top (Seamwork) so gut dazu passte. Das war nicht beabsichtigt, umso schöner, wenn sich dann diese Kombinationsmöglichkeiten ergeben!

Das Seamwork Top war übrigens vor fast genau 2 Jahren mein erster Post, den ich beim Memademittwoch verlinkt hatte, mein Blog war noch ganz neu. Vieles ist seither geschehen- mein Kleiderschrank hat sich mittlerweile gefüllt mir vielen selbstgenähten Teilen, ich habe die Bloggerwelt (und die Bloggerwelt mich) kennengelernt, es gab tolle Kontakte, virtuell und reell, zu anderen nähenden Frauen. Ich möchte die Erfahrungen der letzten beiden Jahre nicht missen, freue mich an meinem schönen Hobby und der Welt der Nähbloggerinnen!
Das Seamwork-Top trage ich übrigens wirklich gerne, das ist bei mir jetzt den dritten Somme in der Dauerschleife zwischen Anziehen und Waschmaschine.
Das Thema des heutigen Memademittwoch ("Ich packe meinen Koffer") habe ich wohl nicht ganz getroffen, denn mit Urlaubsgarderobe hat diese Latzhose nicht so viel zu tun. Obwohl ich sie sicherlich mitnehmen werde, aber leider dauert es bei mir noch einige Wochen bis zum Ostsee- Urlaub. Trotzdem verlinke ich mich, und schaue mir gern den Kofferinhalt der anderen versierten Selbernäherinnen an!
verlinkt auch bei Afterworksewing 
                            Sewlala