Mittwoch, 17. Oktober 2018

Kelly-Anorak: Stoffauswahl/Novemberwettersewalong

Beim 2. Treffen des Novemberwetter-Sewalongs fragt Frau Küstensocke nach unserer Stoffwahl für unsere geplanten Nähwerke im November. Erst der Stoff, dann der Schnitt, oder umgekehrt?
Eine sehr spannende Frage, finde ich. Ich glaube auch, daß es besser ist, zuerst den Stoff zu haben und dann nach einem Schnitt für diesen Stoff zu suchen. Meiner Meinung nach möchte jeder Stoff etwas bestimmtes werden, und das teilt er uns auch gerne mit, wenn wir ihm die Zeit lassen mit uns zu sprechen...
Meistens machen wir es aber anders herum, und auch bei meinem Kelly-Anorak hatte ich diesen Schnitt ja schon lange und ihn auch schon mal genäht.  Ich wollte jetzt eine etwas wetterfestere Version und habe dafür einen Stoff gesucht.

Ich habe mir viele verschiedene Stoffe angeschaut. Die ganz wasserfesten, also richtige Funktionsstoffe, gefielen mir nicht. Zu künstlich, zu sehr nach Plastik vom Anfassen, und die Farben auch meistens nicht nach meinem Geschmack. Und richtig wasserfest muß der Anorak ja auch nicht werden. Ich besitze natürlich eine (gekaufte) wasserfeste Outdoorjacke eines namhaften Herstellers (nein, nicht der mit der Wolfspfote!), die ich gerne auch weiterhin tragen werde, falls Aktivitäten bei Regenwetter geplant sind. Diesen Kellyanorak aber wünsche ich mir für den Alltag im Herbst und Winter, bei Wetterlagen, die windig und neblig sind, vielleicht auch mal ein kurzer Regenschauer. Und da reicht eine wasserabweisende Version natürlich völlig aus. Deshalb habe ich mir auch die Spielereien mit wasserdichtem Reißverschluß und Abdichten der Nähte gespart.
Meine Wahl fiel auf einen sogenannten Bibernylon von Stoff und Stil. Dieses Stoff hatte ich schon bei Frau Küstensocke verarbeitet gesehen, und mit Freude habe ich festgestellt, daß sie auch bei diesem Sewalong einen Mantel aus diesem Stoff näht.
Der Stoff ist angenehm:55% Baumwolle, 45%Nylon, man kann ihn waschen und bügeln. Er hat eine Twill-Bindung (vermute ich jedenfalls), die auf der matten linken Seite deutlich sichtbar ist. Die rechte Seite hat einen leichten Glanz. Übrigens sind beide Seiten wasserabweisend,  das ergab jedenfalls mein Tropfentest über dem  Spülbecken.
Ich habe mich für dunkelgrün entschieden, eine schöne warme Farbe. Und damit das ganze nicht zu sehr nach Jagdbekleidung aussieht, brauchte ich natürlich ein buntes Futter. Wie schön, daß im Stoffvorrat ein Libertybaumwollstoff lag, der auf schwarzem Grund alle möglichen Meerbewohner zeigt, von denen viele im gleichen Grün wie der Hauptstoff sind.

Beim Zuschneiden des Futter ist mir leider ein blöder Fehler passiert. Ich hatte mir den Stoff nicht genau genug angeschaut und dachte wohl irgendwie, daß die Meeresbewohner mehr oder weniger stilisiert dargestellt werden. Aber nein, wie oft bei den Libertystoffen ist der Druck sehr naturgetreu, und der Stoff hat eindeutig eine Richtung. Ich habe aber alle Teile konsequent verkehrt herum zugeschnitten! Den Seesternen und Muscheln mag das egal sein, aber ich weiß nicht, ob die Fische und die Schildkröten so gerne kopfüber schwimmen...egal, da müßen sie jetzt durch, es ist zugeschnitten und vernäht.
Zwischen Futter und Hauptstoff habe ich eine Schicht Thinsulate zum Wärmen verarbeitet. Thinsulate ist ein Polyestervlies,das sich dadurch auszeichnet, daß es dünn ist, nämlich nur 7mm.
Die Fasern dieses Vlieses sind sehr dünn sein, deshalb kann es dicht gepresst werden und soll eine gute Warmhaltfunktion haben. Es wird von vielen Outdoorherstellern für Bergkleidung, Schlafsäcke  und ähnliches verarbeitet.
Ich fand das Thinsulate angenehm zu verarbeiten. Es ist irgendwie sehr stabil in sich, aber dabei weich. Ich habe es so verarbeitet, daß ich die Futterteile sowohl aus Futterstoff als auch aus Thinsulate zugeschnitten habe, habe dann die beiden Teile zusammengeheftet und im folgenden wie eine Lage verarbeitet. Die Nähte hatte ich dann nochmal mit der Overlock versäubert, um die Nahtzugaben flach zu halten. Ob  das alles so richtig und sinnvoll war, weiß ich nicht...aber es hat bisher ganz gut funktioniert.
Die Ärmel sind übrigens mit normalem Futterstoff gefütter und genauso mit Thinsulate verstärkt.
Mein Kellyanorak hat auch Innentaschen, die sind im Originalschnitt nicht enthalten. Aber irgendein halbwegs wasserfester Aufbewahrungsort fürs Handy oder andere Preziosen musste schon sein.
Ich habe auf beiden Seiten ins Futter kleine Pattentaschen genäht.
Und was wäre ein  Anorak ohne entsprechende Druckknöpfe, Ösen und Kordeln? Bei meinem ersten Kellyanorak fand ich es recht mühsam, mir das ganze einzeln und farblich passend zusammen zu suchen. Diesmal habe ich den einfachen Weg gewählt und mir von Closet Case das Kelly-Anorak Hardware Paket bestellt. Da ist alles drin, was man so braucht. Reißverschluss und Kordel in schwarz, das paßte mir ganz gut. Das beste an diesem Paket sind die Instrumente zum Einschlagen der Knöpfe und Ösen. Bisher kannte ich nur die Prym-Druckknöpfe. Mit denen kam ich ganz gut zurecht, allerdings wird zum Einschlagen ein Plastikwerkzeug mitgeliefert, was bei mir immer schon nach den ersten Hammerschlägen den Geist aufgab.
Hier sind es Metall-Werkzeuge, also Stifte in verschiedenen Größen und ein süßer kleiner Metall-Amboß. Die Anleitung findet man auf dem Blog von Closet Case.
Ich vermute ja, daß man sich diese Metallteile auch irgendwo im Baumarkt zusammensuchen könnte- aber so war es natürlich viel einfacher und  zeitsparender für mich.
Und so macht mein Anorak weiter Fortschritte. Ich habe heute abend mal die Ärmel eingeheftet - die Anprobe war ganz vielversprechend. Ich hatte ja Bedenken, daß die gefütterten Ärmel entweder viel zu eng werden oder mir das Outfit eines Michelinmännchens verleihen- beides scheint nicht einzutreten.

Mittwoch, 10. Oktober 2018

November-Sew-Along mit Kelly Anorak



Frau Küstensocke ruft zum November-Sewalong auf- sie möchte uns den trüben Monat mit gemeinsamem Nähen verschönern. Da bin ich doch gerne dabei!
Traditionell ist der November ein trüber Monat, regnerisch und neblig. Die Feiertage im November beziehen sich entweder aufs Totengedenken oder auf Büßen und Beten, so richtige Fröhlichkeit kommt da nicht auf.
Aber dieses Jahr ist alles anders. Erstens gibt es ein Bloggertreffen im November, und dann auch noch einen November-Sewalong- also was soll da noch schief gehen!
Das Bloggertreffen ist in Hamburg. Im November.
Frau Küstensocke plant einen warmen, wind- und wasserdichten Mantel in diesem Sewalong...oh oh, das läßt ja schon erkennen, was für ein Wetter die Hamburgerinnen für das Bloggertreffen bestellt haben!
Aber zum Glück habe ich ja auch schon ein wetterfestes Teil in Arbeit. Ich nähe gerade an einem zweiten Kelly-Anorak von Closet Case. Kelly hatte ich schon mal genäht, aus einem fliederfarbenen Twill. Ein bezauberndes Teil, mit viel Mühe und Liebe genäht, leider nicht so oft getragen, da überhaupt nicht wetterfest.
Also mein neuer Kelly-Anorak wird wasserabweisend, gefüttert und mit einer wärmenden Schicht aus Thinsulate versehen. Genaueres zu Stoff und Futter muß ich mir wohl für einen späteren Post aufheben, denn heute soll es ja eigentlich nur um die Planung gehen. Ich kann  nur schon so viel verraten, daß mir auch dieser Kelly-Anorak schon ausgesprochen gut gefällt. Es kommt mir allerdings schon merkwürdig vor, ein regendichtes Teil zu nähen, während draußen mein Garten nach Wasser lechzt...und bei der ersten Anprobe der gefütterten Kapuze bekam ich erst mal einen Schweißausbruch, kein Wunder bei 23° draußen.
Aber nun denn, der November wird kommen, und wenn ich im November morgens um 7 Uhr auf dem Hamburger Fischmarkt stehe, bin ich sicher froh über die wärmende  Kapuze!
Meine weitere Nähplanung ist noch nicht ganz abgeschlossen. Eine Hose ist noch geplant für den Herbst, vielleicht die Lander-Pants von True Bias, oder Sasha von Closet Case.
Ein Pulli wäre auch noch schön, da ist doch gerade dieser hübsche Schnitt Elliot von Helens Closet erschienen. Oder doch lieber ein Kleid, z. B. Felix von Grainline?  Oder alles der Reihe nach nähen?
Ich schaue lieber erst mal, was die anderen so nähen, da gibt es sicher wieder viele Inspirationen.
 

Mittwoch, 3. Oktober 2018

Berg Heil! Knipjerseykleid mit Blackwood Cardigan


Das Kleid Nr 5 aus der August-Knip resp. Fashion-Style hatte ich in meinem letzten Blog-Beitrag schon mal als Top gezeigt . Da mir das Shirt so gut gefiel, mußte ich natürlich auch noch die Kleiderversion nähen, obwohl mir die Kleider-Beispiele im Heft gar nicht so gut gefielen.
Der Schnitt selbst ist eigentlich sehr simpel und absolut typisch für die Knip: ein Taillenband , darüber ein an verschiedenen Stellen angekraustes Oberteil , darunter ein mäßig weit geschnittenes Rockteil. Man könnte auch noch Rüschen an die Ärmel nähen, oder ein Bändel an den Ausschnitt, der vorne einen kleinen senkrechten Schnitt hat, darauf hatte ich aber verzichtet und mich auf die schlichte Version beschränkt.


Vorderes und hinteres Rockteil werden nicht im Bruch zugeschnitten, sondern haben eine Mittelnaht. Dies soll wohl weniger der Stoffersparnis als vielmehr dem schöneren Fall des Rockes dienen, da der Fadenlauf nicht parallel zur vorderen oder hinteren Mitte ist, sondern um 45° versetzt. Ich weiß allerdings nicht ob das bei Jerseystoffen so die große Rolle spielt, zumal der Rock auch nicht so weit ist. Mich stört die Naht in der vorderen Mitte am fertigen Kleid etwas, vielleicht hätte ich auch einfach besser auf die Musteranpassung achten müssen. Auch in meinem wirren Muster aus Lotusblüten gibt es natürlich einen Rapport, der sich irgendwann wiederholt, aber das hatte ich beim Zuschneiden nicht beachtet.

Der Stoff ist ein Jersey aus Tencel, bezogen habe ich ihn von einer kleinen belgischen Firma, die freundlicherweise nicht nur fertige Kleidungsstücke, sondern auch die Stoffe dazu vertreibt.
Ich dachte ja bisher immer, daß Tencel fast das gleiche wie Modal wäre, ich hatte mir mal gemerkt, daß Tencel aus Eukalyptusholz und Modal aus Buche hergestellt wird.

Aber ganz so einfach ist es dann doch nicht. Tencel ist, genau wie Modal und auch Viskose, eine Regeneratfaser, die aus Holz hergestellt wird. Es handelt sich also absolut nicht um natürliche Fasern wie z.B. Baumwolle oder Seide, sondern um chemisch hergestellte Fasern aus einem natürlichen Ausgangsstoff, nämlich Holz. Der Einsatz der Chemie variiert allerdings beträchtlich zwischen den verschiedenen Fasern.
Die Viskoseherstellung liest sich auf Wikipedia wie ein Auszug aus einem Lehrbuch für organische Chemie, und genauso wenig verstehe ich natürlich die Einzelheiten. Verstanden habe ich allerdings, daß hier neben vielen anderen auch so unappetitliche Substanzen wie Natronlauge und Schwefelwasserstoff eingesetzt werden. Sicher gibt es Firmen, die das alles ganz ordentlich durchführen und die Abwässer korrekt entsorgen- aber ob das für alle Firmen z.B. in Fernost gilt?
Die Viskose ist übrigens schon im 19. Jahrhundert erfunden worden, also wahrlich keine moderne Faser.

Etwas moderner ist Modal, das wurde nämlich erstmals im Jahre 1951 in Japan hergestellt.
Modal wird überwiegend aus Buchenholz hergestellt und unterscheidet sich von Viskose vor allem durch den Faseraufbau, die Modalfaser hat einen höheren Polymersiationsgrad als normale Viskose. Dadurch wird eine erhöhte Stabilität auch im nassen Zustand erreicht, die Faser ist wunderbar weich und daraus gefertigte Stoffe haben einen schönen Fall.

Tencel, also das Material, aus dem ich das heutige Kleid zeige, ist ein eingetragenes Warenzeichen der Firma Lenzing in Österreich. Der Name der Faser ist Lyozell, entwickelt wurde sie zwischen 1990 und 1997. Als Lösungmittel für die Zellulose wird eine Substanz namens N-Methylmorpholin-N-Oxid verwendet- da das keiner aussprechen kann, wird meistens die Abkürzung NMMO verwendet. NMMO gilt als nicht umweltschädlich, und die Firma Lenzing hat ein Verfahren mit einem geschlossenen Kreislauf entwickelt, bei dem wohl wirklich so gut wie nichts von diesem NMMO in die Umwelt gelangt. Für dieses Verfahren erhielt Lenzing im Jahr 2000 den Europäischen Umweltpreis der Europäischen Union.


Wenn man sich über Tencel im Internet beliest, stößt man eigentlich nur auf Lobeshymnen dieses Materials. Das hat mich natürlich skeptisch gemacht, insbesondere da die Firma Lenzing ja wohl ein Monopol auf diese Faser besitzt. Aber man findet wirklich nichts negatives. Selbst Greenpeace äußert sich durchaus wohwollend über Tencel, lobt die nachhaltige Herstellung und die guten Trageeigenschaften. Die Eukalyptusbäume, aus denen die Zellulose für die Herstellung gewonnen wird, wachsen auf Plantagen in Südafrika, angelblich auf Gebieten, auf denen sonst nichts anderes wachsen würde. Zumindest benötigt die Herstellung von Tencel deutlich weniger Wasser als die von Baumwolle, und das ist ja auch schon mal gut.


Von den Trageeigenschaften würde ich mir nicht zutrauen, Tencel von Modal oder Viskose zu unterscheiden. Es sind ja alles wunderschön fließende und weiche Stoffe. Der Tenceljersey, den ich für mein Kleid vernäht habe, ist einfach ein genialer Stoff und fühlt sich an wie Seide.

Angeblich schwitzt man in Tencel deutlich weniger als in anderen Stoffen, da die Faser mehr Feuchtigkeit aufnehmen kann und unmittelbar wieder an die Umgebung abgibt. Das hätte ich jetzt auf der durchaus schweißtreibenden Bergtour testen können, auf der diese Bilder entstanden sind. Die Wahrheit ist aber, daß ich für Anstieg und Abstieg zu diesem hübschen Plätzchen doch lieber eine Hose angezogen hatte, da der Weg mit etlichen Klettereien über Felsen verbunden war. Dafür war mir mein neues Kleid dann doch zu schade, und ich wollte auch nicht unbedingt die Reißfestigkeit von Tencel bei dieser Tour testen..

Auch die Jacke, die ich zu meinem Kleid genäht habe, fällt nicht so unbedingt unter die Kategorie der bergtauglichen Kleidungsstücke. Der Stoff, ein Polyester/Baumwollgemisch, war ein typischer Spontankauf im örtlichen Stoffgeschäft. Ich war von der Farbe, einem nude-rosa-meliert, und der Haptik des Stoffes begeistert. Ja, die bösen Polyesterfasern sind auch so schön weich und plustrig, diesem Stoff konnte ich einfach nicht widerstehen.

Genäht habe ich den Blackwood-Cardigan von Helens Closet, der schon ganz lange auch meiner to-sew-Liste stand. Und es ist wirklich ein schöner Schnitt: ein ganz schlichter Cardigan, eng geschnitten, mit Vorderteilen, die sich nicht überlappen und offen getragen werden. Ich mag den Schnitt gerne, der ruft direkt nach einer Wiederholung!

Die Kombination mit dem Kleid fand ich dann aber doch nicht so ganz gelungen. Ich glaube , der Cardigan ist zu lang für das Kleid, und so hat die Kombination für mich etwas Trutschiges. Besser gefällt mir der Blackwood, wenn ich ihn zu einer Jeans kombiniere, wie hier zur   Pinda- Jeans von Waffel Pattern (hier schon mal gezeigt)

Wie auch immer, sicher werden sich noch viele andere Kombinationsmöglichkeiten sowohl für Kleid als auch noch für die Jacke finden.
Katharina zeigt uns heute eine sehr gelungene Kombination ihrer Herbstgarderobe, bei der alles vertreten ist, vom Konzertkleid bis zum passenden BH. Und alle anderen Kombinationen finden sich auf der Galerie des Memademittwoch, bitte hier entlang!
verlinkt : Afterworksewing