Dienstag, 31. Dezember 2019

Liebling 2019: Jasika Blazer von Closet Case

Ein neues Jahr, das gleich mit einem Memademittwoch beginnt, kann nur ein gutes Jahr werden!
Ich wünsche allen meinen Lesern ein frohes und gesundes neues Jahr und freue mich, wenn Ihr auch im Jahr 2020 Interesse an meinen genähten und gestrickten Dingen findet.
Der Januar-MMM hat den Liebling des Jahres 2019 zum Thema. Das ist für mich eine ganz einfache Aufgabe, denn der Jasika-Blazer ist ganz klar mein liebstes genähtes Kleidungsstück 2019.
Warum? Dafür gibt es einige Gründe: ich finde ihn natürlich schick, ich denke er steht mir und ich trage ihn sehr gerne. Er ist sicher kein Stück für jeden Tag, aber ich habe ihn im Frühjahr oft an kühlen Morgen als Jackenersatz getragen. Er ist nicht so ganz einfach zu kombinieren, da der mittelblaue Wolltweed gar nicht zu vielen anderen Farben als dunkel- und jeansblau paßt. Aber da das sowieso die Farben sind, die ich gerne trage, stört mich das nicht.
Wenn ich ihn nicht trage, hängt der Blazer gut sichtbar an der Garderobe und ich freue mich jeden Tag aufs Neue, wenn ich ihn sehe. Ich habe so viele schöne Erinnerungen an den Nähprozess, und das ist glaube ich der Hauptgrund, warum ich dieses Stück so liebe. Einzelheiten habe ich hier beschrieben.
Es gibt Nähprojekte, da paßt einfach alles: ein guter Schnitt  gute Anleitung und ein schöner Stoff, und das war alles bei diesem Projekt gegeben. Natürlich war das keine Näherei, die an einem Nachmittag beendet wurde, nein, ich habe viele, viele angenehme Stunden damit verbracht. Immer wieder habe ich mich beim Nähen an diesen wunderbaren Stoffen von Zuleeg und Atelier Brunette erfreut. Es gab viel neues beim Blazer- Nähen zu entdecken, und alles brauchte und bekam seine Zeit. Für mich hat sich diese langsame und sorgfältige Näherei als das herausgestellt, was ich beim Nähen am meisten mag.
Zum Thema langsames und sorgfältiges Arbeiten paßt natürlich auch ein anderes großes Projekt, das mich dieses Jahr begleitet hat. Durch Zufall stieß ich im Internet auf die Aktion 6Köpfe12Blöcke, hier veröffentlichen sechs Patchworkdesignerinnen jeden Monat eine Anleitung für einen Block, der dann am Jahresende zu einem Quilt zusammengefügt wird. 2019 lief die Aktion zum 3. Mal, und aus einer Laune heraus beschloss ich, das mal zu probieren.
Man muß dazu vielleicht wissen, daß sich meine Patchworkkenntnisse bisher auf das gelegentlich Nähen von Tischsets oder Kissen beschränkt hatten. Aber da der diesjährige Quilt als "skill builder" bezeichnet wurde, hoffte ich hier ein paar Patchworktechniken kennen zu lernen. Außderdem hatte ich gar nicht unbedingt vor, das ganze ein Jahr durchzuziehen, ich erhoffte mir maximal ein paar Kissenbezüge aus den Blöcken.
Aber nach den ersten Blöcken war ich völlig fasziniert von der Technik. Man schneidet Stoffe klein, näht sie wieder zusammen, und dann entsteht etwas so völlig neues! Und dann das Spiel mit der Geometrie, mit den vielen Dreiecken, wie sie dann doch zusammenpassen- ich fand das immer wieder aufs neue spannend.
Und die Techniken wurden wirklich so gut erklärt, daß auch Anfänger wie ich mit neuen Techniken wie z.B. dem PaperPiecing zurecht kamen. Das ist nämlich gar nicht schwierig, und man näht auf Papier um einiges genauer als ohne Vorlage.
Ich glaube, daßmeine Nähgenauigkeit von dieser Aktion sehr profitiert hat. Wenn ich mir jetzt die ersten Blöcke des Jahres anschaue und mit den letzten vergleiche, ist die Anzahl der gut zusammenpassenden Ecken und Spitzen doch um einiges höher!

Es handelte sich um einen Mystery Quilt, also keiner wußte am Anfang, wie das fertige Quilttop aussehen würde. Das hat meine Farbwahl etwas erschwert. Ich bin ja sowieso etwas unbedarft an die Sache herangegangen und hatte mit einen  Layer Cake einer Moda-Patchworkserie bestellt. Dabei handelt es sich um 42 vorgeschnittene Quadrate von jeweils 10 x10 inch.Aber schon beim Januarblock habe ich dann gemerkt, daß die vorgeschnittenen Stoffteilchen natürlich völlig ungeeignet für so ein Projekt sind. Ich habe dann einige der Stoffe nachbestellt, soweit das möglich war. Im nachhinein muß ich sagen, daß es besser gewesen wäre, sich vielleicht auf eine Farbe in verschiedenen Schattierungen zu beschränken. So wirkt das fertige Top schon sehr unruhig, da sowohl verschiedene Muster als auch verschiedene Formate vorkommen.
Die Lücken, die noch zu sehen sind, gehören zum November-Block, den hatte ich nicht zeitgerecht geschafft. Auch den September habe ich erst nach Weihnachten genäht- aber auch hier gilt ja, daß alles seine Zeit braucht und bekommen soll.

Außerdem glaube ich, daß ich den Januar-Block nochmal in Rot- Blautönen neu nähen werde. Er war ja der erste, und ich hatte mich dann gleich voller Freude auf die gelben Stoffstücke gestürzt- finde ich heute keine gute Idee mehr, mir ist es so zu bunt. Oder vielleicht lasse ich es doch so, und dann ist das eben die ganz persönliche Note dieser Decke.
Beim Zusammennähen und Quilten wird mich sicher auch noch so manches Abenteuer erwarten, das aber dann erst 2020!
Und was war sonst noch los in 2019? In Zahlen: genäht habe ich 7 Kleider, 5 T-Shirts, davon eines für meinen Mann, 4 Hosen, 4 Blusen, 3 Röcke, 2 Blazer, 1 Jacke, 1 Jumpsuit, 1 Sweatshirt, 1 Sonnenhut (für meinen Mann), 1 Tasche und 3 Unterhosen für meinen Mann. Die Unterhosen sind so schön, die muß ich jetzt doch mal zeigen:
Der Schnitt heißt  John (müssen eigentlich alle Herrenunterhosen John heissen?) und ist von Dessous Insider. Er ist wunderbar geeignet, um Viskosereste aufzubrauchen!
Und noch ein bisschen Statistik: ich habe 2019  ca 55m Stoff vernäht, aber auch 61 m gekauft. Nein, ich bin nicht auf Stoffdiät, aber diese Zahlen muß ich im Auge behalten.
Ich weiß die Bilanz jetzt so gut, da ich mittlerweile einen Nähtagebuch habe.  Sowas nennt sich mittlerweile Bullet Diary- eigentlich hätte hier ein einfaches Heft genügt, aber mehr Spaß macht es mit meinem gekauften Buch, das von Freddy Seemannsgarn gestaltet ist.
Auch das Eintragen und -kleben in dieses Buch gehört für mich zum Geniessen eines Nähprojektes dazu. Schliesslich braucht ja auch alles einen guten Abschluss!
Besonder Pläne für 2020 habe ich nicht. Mein Nähverhalten 2019 spiegelt in etwa das wieder, was ich gerne trage, also eher Hosen, Röcke und Oberteile und nicht nur Kleider. Ich freue mich sehr, weiterhin an der monatlichen Linkparty des Memademittwochs teilzunehmen. Den Austausch über die Nähblogs finde ich nach wie vor grandios. Es ist so toll, wie wir uns gegenseitig mit wertschätzenden Kommentaren geradezu überschütten!
Mein Stoffkaufverhalten muß ich sehr im Auge behalten. Die Dinge, die ich dieses Jahr genäht habe, kamen fast überwiegend aus neugekauften Stoffen. Ist ja eigentlich nicht schlimm, aber dann macht der Stoffvorrat natürlich keinen Sinn mehr, wenn man dann doch einen neuen Stoff für ein spannendes neues Projekt kauft. Andererseits ist es schon so, daß die Kombination Stoff-Schnitt sehr sensibel ist, und es macht wenig Sinn, einen nicht so gut passenden Stoff zu wählen, nur weil der halt schon im Stapel lag. Dann macht das Nähen keinen Spaß, und das Ergebnis ist dementsprechend.
Besser ist es dann schon, einen alten Stoff wegzugeben...und noch besser, wenn man dann feststellen darf, daß dieser Stoff bei einer anderen Bloggerin zu neuem Leben erweckt wurde.
So passierte es mir mit einem Bambusjaquard mit Rosenmuster, den ich vor einigen Jahren von der Schnittquelle bezogen hatte. Eigentlich ein schöner Stoff, den ich in anderen Farben auch gerne vernäht hatte, aber diese dunkelbraun-schwarze Version stand mir einfach nicht. Es war ein Onlinekauf, ich hatte mir den Stoff heller vorgestellt. So wanderte der Stoff 2017 auf den Stofftauschtisch beim Bloggertreffen in Köln. Da ich damals eher zum Zug musste, hatte ich den Verbleib des Stoffes nicht mehr im Blickfeld, es hat mich ehrlich gesagt damals auch nicht mehr interessiert. Ich war eigentlich ganz froh, daß der Stoff weg war.
Umso größer meine Überraschung, als ein Kleid aus eben diesem Stoff auf einem Nähblog gezeigt wurde- Gabi aka madewithblümchen hatte ein Kleid daraus genäht. Und nicht irgendein Kleid, sondern Heather von Sewoverit, und die Inspiration zu diesem Kleid kam auch von meinem Blog- ist das nicht lustig? nennen wir es Zufall, Schicksal oder Fügung, ist vielleicht egal...Tatsache ist einfach, daß die Nähbloggerszene eine unglaublich tolle Gemeinschaft ist, die für jede Überraschung gut ist!
Viele Überraschungen gibt es sicher auch bei den anderen Beiträgen des MMM heute, auf denen Lieblingsstücke gezeigt werden, da werde ich mich jetzt auch langsam und mit Genuß durchklicken!

Mittwoch, 25. Dezember 2019

Frida, Gusta und Georgie


Frida, Gusta und Georgie- das könnte ja glatt auch der Titel für einen spannenden Jugendroman sein. Drei junge Mädchen, erste Liebe, ein bisschen was mit Pferden, oder zumindest ein Hund....aber nein, wer hier solche Belustigungen sucht, ist auf meinem Blog fehl am Platz.
Hier geht es um ernste Dinge, nämlich um das Finale des Weihnachtskleid-Sewalong auf dem Memademittwoch!
Dafür, daß ich an dem Sewalong eigentlich nicht teilnehmen wollte, sind in den letzten Wochen ganz schön viele Kleidungsstücke für Weihnachten entstanden. Oder hoffentlich nicht nur für Weinachten, denn mein Wunsch war ja wirklich, mit alltagstauglichen Kleidungsstücken am WKSA teilzunehmen.
Ob mir das gelungen ist? Schaut selber:

Beginnnen möchte ich mit dem Teil, auf das ich am meisten stolz bin, nämlich die Frida-Jacke. Der Schnitt war in der aktuellen FibreMood, und ich wollte diese Jacke nähen, sobald ich die ersten Vorschaubilder davon gesehen hatte. Eigentlich wollte ich sie ja im Originalstoff nähen,  der so schön dunkelrot und plüschig war- nachdem ich gemerkt hatte, daß der aus Polyester bestand, habe ich mich gerne umentschieden und einen Bouclestoff aus einem Wolle/Baumwollgemisch verwendet. Der Stoff ist wunderschön, fusselte allerdings gnadenlos. Ich glaube, meine armen Nähmaschinen brauchen in den nächsten Tagen mal eine ausführlich Wellnessbehandlung mit Reinigung und Ölen!

Frida ist eine Kurzjacke im Bomberstil, also mit Bündchen an den Ärmeln und am Taillensaum. Sie hat zwei senkrechte Pattentaschen. Insgesamt also ein sehr schlichter, klassischer Schnitt, deshalb gefiel mir die Jacke sicher auch gleich so gut. Da der Schnitt so klassisch ist, gibt es natürlich auch viele andere Schnitte, die der Frida-Jacke sehr ähnlich sind, sowohl bei den Indie-Designerinnen als auch in den einschlägigen Zeitschriften. Aber dann wäre der Titel des Blogposts doch nur halb so schön gewesen! Und da die Fibremood ja so absolut in und modern ist bei uns allen , mußte es also dieser Schnitt sein.

Ich wollte Zeit sparen und habe mir ein PDF des Schnittes geleistet, um nicht abpausen zu müssen. Ging ja auch alles ganz gut, aber etwas entsetzt war ich ja dann doch, als der Schnitt vom Plotten zurückkam: nur eine Seite, und überlappend gedruckt! Das wars dann mit dem einfachen Ausschneiden, es mußte trotzdem abgepaust werden.

Sonst war ich aber mit Schnitt und Erklärung sehr zufrieden, die Jacke war gut und problemlos zu nähen. Zwei entscheidende Änderungen habe ich aber doch vorgenommen: als erstes habe ich die Jacke gefüttert und ihr noch ein wärmedämmendes Zwischenfutter gegönnt. Das Futter finde ich für diesen Schnitt absolut notwendig. Vielleicht nähen alle anderen ja ihre Pattentaschen so ordentlich, daß die auch von links ansehlich sind, oder tragen die Jacke nie offen. Für mich traf beides jedenfalls nicht zu, deshalb mußte ein Futter sein. Als Zwischenschicht habe ich Meida 120 verwendet, und mit dem Ergebnis bin ich sehr zufrieden, das wärmt richtig schön. Und damit das Nähen nicht zu langweilig wurde, habe ich noch eine Flachpaspel zwischen Futter und Hauptstoff eingefügt. Ach, ich nähe so gerne Jacken und Mäntel!

Meine zweite Änderung am Schnitt betraf die vorgesehenen Bündchen. Es ist ja gar nicht so einfach, passende Bündchen zu einem vorgegebenen Stoff zu finden, insbesondere wenn es sich um einen Webstoff handelt. Ich hatte mir verschiedene Bündchenstoffproben schicken lassen und mich eigentlich schon für einen farblich perfekt passenden terrakottafarbenen Bündchenstoff entschieden...aber als ich den Stoff dann an die halbfertige Jacke mal probeweise angesteckt hatte, war mir der Farbkontrast doch zu groß. Außerdem war der Bündchenstoff natürlich viel dünner als der Bouclestoff. Es gibt durchaus auch kräftigeren Bündchenstoff, der dann eher für solche Art Jacken geeignet ist. Aber den habe ich dann nicht in einer passenden Farbe gefunden.


Ich weiß nicht, wie die anderen Frida-Näherinnen dieses Problem gelöst haben. Leider gibt es ja heutzutage kaum noch ausführliche Blogposts über einen Schnitt, man findet nur die Instagram- Bildchen. Auf den Bildern finde ich bei einigen die Kombination von Hauptstoff mir Bündchenstoff nicht sehr gelungen, bei vielen kann man es nicht so genau erkennen und thematisiert hat es keiner. Also ist es vielleicht mein persönliches Problem, aber ich habe mich dann dazu entschlossen, den Hauptstoff auch als Bündchen zu verwenden und die nötige Spannung durch ein eingezogenes breites Gummiband zu erreichen. Das war beim Nähen zwar etwas unschierig, zumal ich ja auch noch das Futter mit am Bund befestigen mußte, aber mit dem Ergebnis bin ich zufrieden.

Kommen wir zum eigentlichen Weihnachtskleid, also zum Kleid, das ich mir für Weihnachten vorgestellt habe. Genäht habe ich es schon vor einigen Wochen. Es handelt sich um das Gusta-Kleid aus der vorigen Fibremood, das ich in zwei Versionen schon genäht habe und hier vorgestellt habe. 
frisch gebügelt sieht es noch besser aus- aber Weihnachtsfeiern, Radfahren und Wandern hinterlassen ihre Spuren an einem Kleid. Das soll so!

Meine beiden Versionen waren aus dehnbaren Stoffen genäht, und ich wollte gerne auch noch eine Version aus einem Webstoff haben. Nein, nicht aus irgendeinem Webstoff, sondern aus dem tollen Schottenkaro von Zuleeg, den ich schon eine Weile in meinem Stoffvorat hütete. Da der Stoff so schön ist, wollte ich natürlich auch eine gute Paßform, und da war ich mir unsicher, ob ich die aus der Originalversion des Schnittes hinkriegen würde. So habe ich den Schnitt aus meinem Grundschnitt nachkonstruiert, was ja in diesem Fall nicht so schwierig war, da der Schnitt im Grunde auch sehr schlicht ist. Ich habe das Kleid etwas verlängert und einen rückwärtigen verdeckten Saumschlitz ergänzt- so ist es wunderbar wander- und fahrradtauglich!

Für Taschenfutter und die Ärmelabschlüsse hatte ich noch Reste eines farblich passenden Viskosestoffes. Mit den Ärmelabschlüssen bin ich noch nicht so ganz glücklich: ich hatte es mir so vorgestellt, daß die Schrägbandabschlüsse so genau mit den Unterarmen abschliessen, daß sie eben nicht hochrutschen, wenn man eine Jacke über das Kleid anzieht. Das hat auf der einen Seite auch perfekt geklappt, auf der anderen war es nie so ganz optimal, und mittlerweile haben sich beide Bündchen geweitet. Wenn ich jetzt eine Jacke über dem Kleid anziehe, rutschen die Ärmel hoch, und beim Ausziehen der Jacke muß dann wieder mühsam runtergezuppelt werden...vielleicht ein Luxusproblem, aber ich überlege mir , ob ich nicht die Bündchen abmache. Vielleicht wäre ein eingezogenese Gummiband die bessere Lösung.

Ja, und die Nummer drei, der Georgie-Dress von Sewoverit, der war eigentlich gar nicht eingeplant. Ich will jetzt aber auch nicht sagen daß mir das Kleid von der Nadel gehüpft ist, denn mir hüpft nichts von der Nadel, ich überlege mir schon , was ich nähe.

 Georgie war schon lange eingeplant und lag schon eine Weile als Plot-Ausdruck bei mir, nur mit dem Stoff war ich mir unsicher, da meine Vorräte keine ausreichend großen Stoffstücke von den infragekommenden Jerseys beinhalteten. So dachte ich jedenfalls, bis ich am Vormittag des 4. Adventes mal das Schnittmuster auf dem Tencel von Froy und Dind auslegte. Und siehe da, mit etwas Schieben und Drücken ging es ganz gut, statt den vorgegebenen 2,70 m kam ich mit meinen 1,80 m aus.

Ich habe allerdings den Rock um einiges gekürzt, der geht normalerweise  bis über die Knie, aber im Winter finde ich zu Strumpfhosen sowieso die kürzere Länge schöner. 
Georgie ist ein simpler Schnitt. Es ist ein Fake-Wickelkleid, also nur das Oberteil ist gewickelt. Für den Rock gibt es zwei Varianten, entweder die eingekrauste Version, die ich genäht habe, oder einen dreiviertel Tellerrock.

Auf Instagram sieht man sehr viele sehr schöne Variationen dieses Schnittes, und auch Lisa, die Designerin von Sewoverit, hat in einer ihrer Storys erzählt, daß sie selbst überrascht ist von dem Erfolg, den dieser Schnitt hat. Ich denke, daß es an der geschickten Verarbeitung des Wickelteiles liegt. Mittlerweile haben hoffentlich alles Schnittdesigner gemerkt, daß es keine gute Idee ist, so einen schrägen Wickelausschnitt ohne irgendeine Verstärkung zu lassen. Bei Georgie wird das Oberteil doppelt zugeschnitten und auf die Nahtzugabe eines Teiles ein elastisches Band genäht. Außerdem hat das oberer Wickelteil noch kleine Fältchen, die zusätzlich für Volumen über der Brust sorgen, und wird auch recht weit oben in der Seitennaht befestigt. Und so entsteht wirklich ein Wickelausschnitt, der nicht aufklappt, wunderbar!

Auch im Taillenbereich wird ein Gummiband auf die Nahtzugabe genäht, so daß auch hier die Form stabiliesiert wird. Von der Funktion her finde ich das sehr gut, leider sieht die Innenansicht des Kleides nicht schön aus. Da ich aber nicht vorhabe, das Kleid auf links gedreht zu tragen, ist das vielleicht nicht so schlimm.

Auch Georgie läßt sich gut mit Frida kombinieren und ist fahrradtauglich- und so bin ich mit meiner Weihnachtsgarderobe dieses Jahr rundum zufrieden! Mein Problem in den früheren Jahren war ja immer gewesen, daß ich mir große Mühe für meine Weihnachtsgarderobe gegeben hatte, diese dann aber im folgenden Jahr so gut wie nie mehr getragen habe. Ich bin jetzt schon gespannt, was ich im WKSA 2020 als Einleitung schreiben werde...werden ich wieder berichten, daß auch diese schönen Teile des WKSA 2019 wieder Schrankleichen wurden, oder bereits entsorgt? Ich werde dann berichten...
Jetzt wünsche ich erst mal all meinen Lesern ein wunderschönes Weihnachtsfest. Ich bedanke mich für die vielen, vielen Kommentare, die ich immer hier erhalte. Mir ist dieser Austausch mit Euch sehr wichtig, und ich hoffe und wünsche mir, daß wir diesen regen Austausch auch im nächsten Jahr weiterführen werden.
Mein besonderer Dank geht auch an das Team des MMM- wie schön, daß Ihr uns diese Plattform bereitstellt und auch dieses Jahr wieder den WKSA organisiert habt!








Dienstag, 3. Dezember 2019

Evans-Blazer von Heyjune und andere Herbstmode

In den letzten Wochen habe ich einige Kleidungsstücke in typischen Herbstfarben genäht- rot, gelb, orange, also alle Farben, die uns die Natur auch so schön im Spätherbst zeigt. Ich mag den Herbst, nicht nur den noch sonnigen und warmen September oder Oktober, sondern auch die Tage, wo das Licht dann fahler wird, die Blätter blasser und diese ganz besondere ruhige Stimmung einkehrt, die nur der November hat. Ja, ich oute mich jetzt mal, daß ich den November gerne mag und ganz besonders dieses Jahr den Wechsel der Jahreszeiten sehr genossen habe.
Natürlich gab es auch trübe und regnerische Tage, aber über Regen freuen wir uns doch alle nach dieser extremen Hitze und Dürre, die wir auch diesen Sommer wieder hatten. Und umso mehr genießt man dann die Sonnenstrahlen, die auch im November vorhanden sind!
Aber zurück zu den Kleidungsstücken, die ich heute zeigen möchte. Mein Lieblingsteil ist ja der Blazer, den ich nach dem Schnittmuster Evans von Hey June genäht habe. Ich halte das für einen wirklich guten Schnitt, wieder mal ein Beispiel, warum ich so gerne die Indieschnittmuster nähe. Überraschenderweise taucht der Evansblazer in den sozialen Netzwerken, zumindest soweit ich sie überblicke, kaum auf. Vielleicht eher ein Schnitt für Kenner?
Der Evans-Blazer wird aus dehnbaren Stoffen, also Sweat, Romanit oder ähnlichem genäht. Es gibt auf dem Blog von Heyjune einen kleinen Sewalong, da wird auch ausführlich auf die Stoffwahl eingegangen.
Der Schnitt enthält viele Elemente, die auch beim Schneidern eines klassischen Blazers aus Webstoff auftauchen. So sind die Ärmel zweigeteilt, und es gibt sogar kleine Schulterabnäher. Rückennaht und Seitenteile formen eine schöne Silhouette.
Der Schnitt hat zwei Variationen- einmal eine ganz klassischen Blazerform mit Reverskragen und Paspeltaschen, und eine eher legere Form mit einem herunterhängenden offenen Kragen. Die zweite Version habe ich genäht, da ich das passender zu meinem Stoff fand.
Genäht habe ich meinen Blazer aus dem Organic Nep Sweat von Mindthemaker, die Farbe ist , wie unschwer erkennbar. currygelb. Das mag ich auch so gerne an den Herbstfarben, daß die Bezeichnungen so appetitlich sind- currygelb! senffarben!
Der Stoff enthält kein Elasthan, ist auch nur begrenzt dehnbar und hat eine mäßige Rücksprungkraft, das spielt aber für diesen Schnitt keine große Rolle. Dafür ist er schön weich und hat eine interessante linke Seit mit kleinen Schlingen, die ich für den großen Kragen nach außen gelegt habe.
Die Säume sind mit einem Schrägstreifen versäubert, den Stoff dafür zeige ich gleich noch bei der Bluse, die ich daraus genäht habe, näher. Natürlich wäre es jetzt schön gewesen, wenn ich alle Nahtzugaben mit Stoff eingefaßt hätte- schließlich sieht man die ja bei einem ungefütterten Blazer durchaus. Aber irgendwo hört auch für mich die Freude mit dem Schrägband auf (..wobei ich wirklich gerne so bunte Einfassungen mache, ich finde das macht richtig Spaß zu nähen!)
Deshalb sind die Nahtzugaben mit der Overlock versäubert, den Stich habe ich etwas dichter eingestellt und finde das so auch ganz attraktiv.
Und das passende Label durfte natürlich auch nicht fehlen!
Auf meinen Bildern sieht man das Problem des Schnittes, denn der Kragen mit dem großen Revers (ist das überhaupt noch ein Reverskragen? ) fällt oft nicht so ganz schön, da der Beleg ein Eigenleben entwickelt. Dieses Problem haben aber wohl alle ähnlichen Schnitte, ich erinnere mich jedenfalls an Diskussionen zum Morris-Blazer von Grainline, wo auch diese Frage behandelt wurde. Ich sehe es eigentlich nicht als Problem, da es mich beim Tragen nicht stört. Wenn ich allerdings vorm Spiegel stehe, fange ich oft an, den Kragen zurecht zu zuppeln.
Abhilfe würde es bringen, den Beleg am Hauptteil festzunähen- würde man aber sicher von der rechten Seite aus sehen und würde mir nicht gefallen. Oder den Blazer füttern, mit einem glatten Jersey- das habe ich mir tagsächlich schon überlegt für eine nächste Variante, dann hätte man auch nicht mehr das Problem mit den sichtbaren Nähten.
Die Bluse, die ich dazu trage, ist eines meiner Lieblingskleidungsstücke zur Zeit.  Der Schnitt ist ein Mix aus zwei anderen Schnittmustern von HeyJune. Da ich die Ausschnittlösung der Biscayne-Bluse  so gerne mochte, habe ich sie mit den langen Ärmeln der Cheyenne- Bluse kombiniert .
Das geht natürlich nicht so ohne weiteres, ich mußte vorher den Armausschnitt der Biscayne -Bluse anpassen. Bei der Gelegenheit habe ich dann auch gleich den Schulterpunkt nach außen geschoben und die Schulternaht etwas nach vorne rotiert, so sitzt die Schulterpartie besser bei mir. Da der Cheyenne-Ärmel recht weit ist, gelang die Einpassung des Ärmels  gut und probemlos.
Der Stoff ist eine Viskose von Seeyouatsix, ein wunderschöner Stoff, recht stabil und doch weich. Ich finde es ja toll, daß es mittlerweile so wunderbare Viskosequalitäten gibt. Noch vor zwei Jahren dachte ich, jede Viskose ist dünn und flutschig und führt zum Nervenzusammenbruch beim Zuschneiden. Dieser Stoff ist dagegen ein Traum. Ich hatte ohne großen Plan 2m bestellt, sobald er  erhältlich war.  Natürlich habe ich für das Blüschen nicht alles verbraucht, die Reste verarbeite ich jetzt genußvoll zu kleinen Finessen anderer Kleidungsstücke, so z.B. die eingefaßten Nähte des Blazers. Auch in meinem Weihnachtskleid wird der Stoff wieder auftauchen!
Und das dritte Teil meiner kleinen Herbstkollektion ist ein Rock, nämlich der Reed Skirt von Grainline Patterns. Wieder mal ein so schlichter Schnitt, daß man ihn leicht übersieht.  Es handelt sich um einen A-Linien Rock mit Prinzessnähten und verschiedenen Taschenoptionen. Ich habe mich für die Version mit durchgehender Knopfleiste vorne und schrägen Eingrifftaschen entschieden.
 Die Grainline Anleitungen und Schnitte sind immer so perfekt, daß es eine reine Freude ist, danach zu nähen. So ein Rock näht sich dann sozusagen von selbst!

Ich habe zwischen den Größen 6 und 8 gradiert und bin mit der Paßform so zufrieden. Der Rockbund hat eine leichte Krümmung und sitzt sehr gut.
Der Stoff ist von Merchant and Mills und nennt sich Brick Sanded Twill. Ein wunderbarer stabiler Stoff und für eine Herbstwanderung gut geeignet.  Die vielen Falten, die er dann irgendwann machte, haben weder mich noch andere Wanderer an diesem traumhaften Herbsttag gestört!
Mit diesen Oktober-Impressionen beende ich meinen kleinen Rückblick auf meine Herbstgarderobe. Jetzt geht es ja mit der Weihnachts- und Wintergarderobe weiter...mal sehen, was auf dem Memademittwoch im Dezember gezeigt wird!
verlinkt: DDD, 
thecreativelover

Sonntag, 1. Dezember 2019

WKSA 2019: Kleid a la Gusta

Den ersten Teil des WKSA 2019 habe ich geschwänzt und bin aber nun sehr froh, jedenfalls zum 2. Teil einen Beitrag zu leisten. Es ist so eine wunderbare Tradition, und ich freue mich sehr und bin dem Team sehr dankbar, daß wir diese Linkparty auch dieses Jahr veranstalten.
Den ersten Teil habe ich wie gesagt geschwänzt- könnte ich jetzt einfach mit Zeitmangel und Vergessen ("Weihnachten kommt immer so plötzlich!") entschuldigen, aber das trifft die Wahrheit nur begrenzt. Natürlich habe ich keine Zeit zum Bloggen, aber wenn ich mir etwas vornehme und das wichtig finde, dann nehme ich mir auch die Zeit dafür.
Aber die Themen des ersten Treffens berühren durchaus wunde Punkte in meinem Nähverhalten, und um diese nicht bearbeiten zu müssen, ist natürlich die Vermeidung die naheliegende Strategie. Tatsache ist, daß ich alle bisher genähten und gezeigten Weihnachtskleider im nachweihnachtlichen Leben kaum getragen habe. Manchmal lag es am Schnitt, manchmal am Stoff, manchmal an meinen Nähfertigkeiten- der rote Faden, der sich durchzieht, ist aber einfach erkennbar - die Kleider passten einfach nicht in mein Leben.
Ich habe das ja schon im letzten Jahr erkannt und deshalb einen Weihnachtsrock (Berlin von Orageuse) und ein Sweatshirtkleid  (Lola vonVictorypattern) genäht und erhoffte mir von beiden Teilen eine gewisse Alltagstauglichkeit.
Den Rock finde ich immer noch schön, aber ich müßte immer noch das Futter reparieren, das zu eng ist. Das Kleid war zu lang- schon auf den Bildern sieht man das, und nach einigen Tagen auf dem Bügel hing sich der weiche Stoff immer mehr aus. Ich habe es dann gekürzt, mit dem Erfolg, daß die Proportionen des Kleides gar nicht mehr stimmten und vor allem die großen Taschen noch unmotivierter in der Gegend hingen. Ich trage das Kleid nur noch zuhause, wie zum Beispiel heute.
Soweit mein kurzer und ernüchternder Rückblick auf meine bisherigen Weihnachtskleider. Zu allen früheren Jahren und Ergebnissen der WKSAs könnte ich ähnliche Geschichten erzählen- die meisten Kleidungsstücke, die so entstanden sind, habe ich bereits entsorgt.
Und dann ist da natürlich die Sache mit der Nachhaltigkeit- ich glaube, an diesen Gedanken kommt heutzutage keiner mehr vorbei. Sicher, selber nähen ist nachhaltiger als jede Woche beim Klamottenschweden  einzukaufen. Aber wenn ich mir überlege, was ich brauche, dann brauche ich  bestimmt keine neuen Kleidungsstücke für Weihnachten. Der Schrank ist voll, und das naheliegende wäre, den Berlinrock vom letzten Jahr zu reparieren und nochmal zu tragen. Denn schick ist der!
Aber jetzt kommt natürlich der Spaßfaktor ins Spiel. Ich nähe ja nicht nur, um mich zu bekleiden, sondern auch und vor allem weil es mir unglaublich Freude macht, mit den Händen  etwas zu gestalten. Und ich denke, auf diesem Weg kann ich auch guten Gewissens meinen Stoffkonsum verantworten. Ich habe übrigens in diesem Jahr erstmals einen Nähplaner geführt und Stoffkauf und -verbrauch dokumentiert. Ich habe es noch nicht ausgewertet und bin selber sehr auf meinen Jahresrückblick im Januar gespannt.

Aber zurück zum Weihnachtskleid: ja, natürlich möchte ich an Weihnachten etwas Neues tragen. Allerdings ist dieses Kleid gar nicht als Weihnachtskleid gedacht gewesen, sondern entstand sozusagen "ganz normal" im Rahmen meiner Herbst-Nähpläne. Ich hatte vom Gusta-Kleid aus der Fibre-Mood zwei Exemplare aus Sweatstoff genäht und war von dem Schnitt so angetan, daß ich mir auch noch eine Version aus Webstoff vorgenommen hatte. Der Schnitt sieht beides vor, aber tatsächlich wurden die meisten Versionen, die in den sozialen Medien gezeigt wurden, aus dehnbaren Stoffen genäht.
Mit dem Sitz meiner Gusta-Kleider war ich nicht unzufrieden, zumal ich ja auch noch Rückenabnäher ergänzt hatte, aber so ein dehnbarer Stoff zieht sich ja immer irgendwie zurecht. Für eine Webstoffvariante hätte ich entweder nach Probemodell viel anpassen müssen- oder gleich neu konstruieren.
Für diesen Weg habe ich mich entschieden, da das Prizip des Gusta-Kleides sehr einfach ist. Ich habe in meinem Grundschnitt die Brustabnäher schräg nach unten gedreht als französische Abnäher und die Taschen darin eingepaßt. Statt Taillenabnäher habe ich die seitlichen Nähte etwas nach innen gestellt, der Rest des Taillenabnähers verschwindet in der Mehrweite des Kleides. Den Halsausschnitt habe ich etwas vertieft und das Kleid um ca 3 cm verlängert im Vergleich zur Miniversion des Originalschnittes. So reicht das Kleid bei mir bis knapp über das Knie, das ist für mich eine schöne Länge über Strumpfhosen.
Apropo Strumpfhose: natürlich braucht ein Winterkleid auch ein Futter, das habe ich dann ergänzt. Ergänzt habe ich auch einen rückwärtigen verdeckten Gehschlitz, um ausreichen Bewegungsfreiheit zum Laufen und Radfahren zu haben. Und besonders stolz bin ich ja, daß ich die Verbindung vom Futter mit dem Schlitz jetzt endlich begriffen habe.

Ich hatte dafür eine Anleitung in einem der schönen Bücher von Harumi Maruyama, in dem sie die Grundschnittvariationen von Röcken beschreibt. In dem Buch könnte ich ja stundenlang schmökern...aber abgesehen davon gibt es in diesem Buch einen Anhang, in dem auf ca 20 Seiten alle wichtigen Nähtechniken rund ums Rocknähen beschrieben werden. Ich habe bisher nicht begriffen, welchen Schatz ich da in meinem Bücherregal habe, aber ein Schatz, der erst entdeckt werden will.
Die Anleitung für einen verdeckten Schlitz mit Futter ist grandios, aber sehr, sehr kurz gefasst...ich würde sagen, eine Burda-Anleitung ist ein Unterhaltungsroman dagegen...
aus: Harumi Maruyama: Rock-Grundschnittvariationen, Stiebnerverlag

Ich saß jedenfalls lange vor der Anleitung, habe Rock und Futter immer wieder verzweifelt hin und her gewendet, bis der Nähgroschen dann doch irgendwann fiel. Jetzt bin ich sehr froh über diese Erkenntnisse- wieder was gelernt!
Das Kleid ist fertig, gestern abend wurden die letzten Handstiche gemacht. Das finale Bügeln steht noch aus, aber die Anproben waren schon sehr vielversprechend. Das Kleid paßt und gefällt mir sehr gut, und ich denke schon, daß ich das zumindest an einem Weihnachtstag anziehen werde. Also, Weihnachtskleid fertig! Bilder vom Kleid und Tragefotos folgen dann später zum Finale, ich verrate nur schon mal so viel, daß ich einen Zuleegstoff (Der Schotte) etwas aufgelockert habe mit Resten eines rotgeblümten Blusenstoffes.
Und was nähe ich jetzt in den Wochen bis Weihnachten? Natürlich gibt es ein neues Projekt, und die Reparatur des Berlinrockes muss noch ein bisschen warten...
Ich plane eine Jacke, und zwar die Frida Jacke aus der neuen FibreMood. Den Schnitt wollte ich nähen, seit die ersten Bilder vom FibreMood Cover in den sozialen Medien aufpoppten. Eine Bomberjacke, aus einem dicken plüschigen Stoff, und dann in diesem schönen rostrot- das war genau mein Beuteschema.
Allerdings nähe ich die Jacke nicht aus einem Plastikstoff wie die Originalvorlage, sondern aus einem Alpaka-Baumwollgemisch in nicht minder schönen Farben. Die Jacke bekommt bei mir auch noch ein Futter und eine wärmeisolierende Zwischenschicht.

Und so mache ich aus dem Weihnachtskleid-Sewalong kurzerhand einen Weihnachtsjackensewalong und bin schon sehr gespannt, ob ich diese beiden Teile dann auch in das Alltagsleben 2020 integrieren kann!
Und Ihr so? Alle anderen Weihnachtsnäherinnen finden sich auf dem Blog des Memademittwoch!

Mittwoch, 6. November 2019

Bluse Burda Modell 105 aus 11/2019


Heute zeige ich eine Bluse nach einem Burda-Schnitt.
Ich zeige eine Bluse nach einem Burda-Schnitt! Hej, ich habe mal was aus der Burda genäht! Trommelwirbel für mich, denn für mich ist es absolut ungewöhnlich, nach Burda zu nähen, tatsächlich ist dies der erste Burda-Schnitt, den ich für mich genäht habe.
Der Stil der Burda gefällt mir oft nicht. Ich finde die Modelle in der Zeitschrift schon sehr schick, genau wie ich Modelle ich anderen Modezeitschriften, die ich beim Frisör durchblättere, schick finde. Aber eine Notwendigkeit, diese Modelle in meinem täglichen Leben zu integrieren, sehe ich nicht. Bei vielen Burda-Modellen hätte mich durchaus die technische Umsetzung der Schnitt-Techniken gereizt. Aber wenn ich mir dann wirklich mal ein Heft gekauft und die Anleitung studiert habe, war die Lust zum Nähen gleich null, weil ich die Anleitung nicht verstanden habe.

Ich nähe überwiegend nach Anleitungen der sogenannten Indie-Schnittdesigner, gerne aus dem englischsprachigen Raum. Damit mache ich gute Erfahrungen, und ich gebe auch gerne zu, daß ich absolut verwöhnt bin durch deren ausführliche Anleitungen. Aber mittlerweilse sollte ich mir ja ausreichend Nähfertigkeiten  angeeignet haben , um auch einen Burda-Schnitt zu nähen!
Meine Meinung über die Burda hat sich übrigens nach dem Fernsehfilm über Aenne Burda, der im letzten Jahr ausgestrahlt wurde, doch entscheidend verändert. Mich hat die Unternehmerpersönlichkeit sehr beeindruckt, zumindest so, wie sie dargestellt wurde. Spannend fand ich auch die Rolle, die die Burda-Schnitte für die Frauen der 50er und 60er Jahre gespielt haben müssen. Alles in allem fand ich es an der Zeit, mein Ressentiment gegenüber der Burda aufzugeben.
Und so ergab es sich, daß das Modell 105 aus der November-Burda seinen Weg auf meinen Nähtisch fand.

Es ist allerdings auch ein sehr schlichtes Modell, wahrscheinlich hat es mir deshalb so gut gefallen. Weit geschnitten, aber nicht wirklich oversized, mit weiten Ärmeln, die an den Handgelenken mit Gummibändern gerafft werden. Der Ausschnitt hat einen kleinen Schlitz und wird mit Knopf und Garnschlinge verschlossen.
Um es vorwegzunehmen: ich mag die Bluse, und finde, es ist ein sehr schöner, schlichter Blusenschnitt. Und eigentlich wollte ich auch nicht in das allgemeine Burda-Bashing einstimmen...ich denke, es ist für eine Näh-Zeitschrift auch nicht einfach, auf die verschiedenen Grundkenntnisse ihrer Leserinnen einzugehen. Aber warum, um Himmels willen, wird in der Anleitung der Schlitzbeleg zunächst angenäht, sorgsam untersteppt - und erst dann die Kanten des Beleges versäubert? Viel einfacher ist es doch, zuerst die Belegkanten zu versäubern und ihn erst dann anzuznähen. Der Halsausschnitt wird mit einem Streifen versäubert, braucht deshalb keine Nahtzugabe- klar, aber muß ich dafür die Nahtzugabe erst anzeichnen und sie dann wieder abschneiden? Und etwas mehr Paßzeichen hätte ich mir im Schnitt schon gewünscht, ich weiß nicht, ob ich die Bedeutung eines hinteren Ärmeleinsatzpunktes wirklich überschätze, aber ich nähe Ärmel lieber mit ausreichenden Markierungen ein.

 Ich habe daraus gelernt, daß die Burda-Schnitte eigentlich sehr schön sind und mir auch prizipiell gut passen. Bei diesem  Schnitt habe ich fast nichts geändert, lediglich den vorderen Halsausschnitt um ca 2 cm nach unten gelegt. Dadurch bietet der Schlitz eine gewisse Einsichtmöglichkeit, die ich durch das Tragen eines Tops darunter lieber begrenze. Außerdem ist es dann wärmer.

Der Cordrock dazu ist ein viel getragener und mittlerweile etwas augeleierter Rock nach dem Schnittmuster Sandbridge von HeyJune. Ich habe den Rock hier schon mal gezeigt. Er hat einen gravierenden Fehler beim Einnähen des Reißverschlusses, der ist deshalb sichtbar und nicht verdeckt. Wenn ich nicht gerade Fotos für einen Blogartikel durchschaue, fällt mir dieser Fehler im täglichen Leben nicht auf. Wieder mal ein Beweis, daß wir viel zu pingelig mit unseren Nähwerken sind! Der Gesamteindruck eines Kleidungsstückes wird durch völlig andere Dinge geprägt, in diesem Fall glaube ich, daß Schnitt und Paßform für mich ideal sind, deshalb mag ich den Rock so gerne.
Der Blusenstoff ist eine Viscose aus dem örtlich Stoffgeschäft. Obwohl das Muster und die Farbe so schön herbstlich ist, braucht es natürlich um diese Jahreszeit ein passendes Darüber.

Und wie gut, daß meine Jacke mittlerweile fertig gestrickt ist! Die Rundstrickjacke No. 1 von RosaP hatte ich im Rahmen des Frühjahrsjäckchen-Knitalong des MMM begonnen (ja , im Jahr 2019!) . Mir war schon klar, daß jegliche Finaltermine damals für mich utopisch werden würden, ich stricke nicht so schnell und habe nicht so viele Gelegenheiten zum Stricken.
Aber jetzt ist sie fertig, und ich mag sie total gerne. Sie ist sehr, sehr weich- kein Wunder bei der Garnzusammensetzung. Ich habe mich an die Original-Garnempfehlung gehalten und zweifädig mit Lamana-Garnen gestrickt: einmal Modena, das 30% Kaschmir enthält (der Rest ist Merino), kombiniert mit Milano (10% Kaschmir).
Kaschmirwolle ist einfach ein tolles Material, unvergleichlich weich und leicht und überhaupt nicht kratzig. Aber darf man Kaschmir überhaupt noch kaufen? Früher hatte ich mir darüber überhaupt keine Gedanken gemacht. Was spricht schon dagegen, ein Schaf oder eine Ziege von seiner überdicken Wolle zu befreien? Ich trage im Winter gerne Wolle und freue mich über die guten Wärmeeigenschaften. Im diesjährigen Herbsturlaub hatte ich erstmals ein Merinowollshirt beim Wandern als unterste Schicht getragen und war begeistert. Es wurde nie feucht, egal wie schweißtreibend der Berganstieg war, und der Geruch hielt sich doch über viele Tage in Grenzen.

Aber auch bei der Wolle ist es offensichtlich so, wie bei fast allen tierischen Produkten, daß bei der Vermarktung der Profit im Vordergrund steht und das Tierwohl sehr in den Hintergrund rückt. Kaschmir-Wolle wird durch das Auskämmen des feinen Unterhaares von Kaschmir-Ziegen gewonnen, die überwiegend in China oder der Mongolei leben. Das Auskämmen sollte eigentlich im Frühjahr stattfinden, wenn die Tiere den dicken Pelz nicht mehr benötigen. Pro Ziege und Jahr kann so eine Wollmenge von etwa 140 g gewonnen werden. In meinem Jäckchen steckt eine Kaschmirmenge von 45 g, also weniger als eine halbe Ziege.

Leider bleibt es nicht immer beim Auskämmen der Ziegen, wer sich darüber informieren möchte, dem seien die Videos der einschlägigen Tierschutzorganisationen empfohlen. Kaschmir ist ein auf dem Weltmarkt stark nachgefragtes Garn, und der Tierschutz bleibt dabei auf der Strecke. Manche Hersteller von Naturtextilien haben deshalb Gewebe, das Kaschmir enthält, komplett aus dem Sortiment gestrichen, andere setzen es nur in geringen Prozentsätzen ein. Die Firma Lamana erwähnt auf ihrer Website den Anspruch auf "faire Produktion", arbeitet mit "sorgfältig ausgewählten Partnern" - letztendlich sagt das aber alles nichts aus, ich weiß nicht, wo meine Wolle herkommt. Es gibt meines Wissens auch kein Label für Kaschmir-Wolle, das eine faire und tierschonende Herstellung garantiert. Und wenn es ein Label gäbe, hätte der ordentliche Nomade in der Mongolei, der seine Ziegen vernünftig behandelt, sicher nicht die Möglichkeiten, das Label zu beantragen.

Aber zurück zu meiner Jacke: ich hoffe sehr, daß ich mit diesem Stück, das so klassisch geschnitten ist und eine kombinationsfreudige Farbe hat, ein Kleidungsstück geschaffen habe, das ich viele Jahre tragen kann. Beim heutigen Memademittwoch findet man ganz viele andere Kleidungsstücke, an denen ihre Trägerinnen große Freude haben, bitte hier entlang zur Galerie!
Auch donnerstags gibt es schöne Sachen zu entdecken, bei Sewlala und DDD