Mittwoch, 1. April 2020

Neues Kleid nach bewährtem Schnitt

Vor 4 Wochen hatte ich über mein Nähcoaching bei Inge Szoltysik-Sparrer berichtet.  Ich hatte ein Hemdblusenkleid nach einem ganz klassischen Schnitt genäht, der aus einem Maßschnitt, dem Etuikleidschnitt von Inge, abgeleitet worden war. Da mit der Schnitt und vor allem die Paßform so gut gefallen hatte, plante ich gleich anschliessend ein (zwei, viele) neue Kleider nach dem gleichen Schnitt und durchforstete meinen Stoffvorrat nach geeigneten Stoffen.

Dieser schöne Viscose Twill, den ich im letzten Jahr gekauft hatte, der mußte jetzt unbedingt dran glauben, seine ruhigen Tage im Stoffstapel waren vorbei!
Ursprünglich hatte ich schon geplant, das Kleid nochmal genau so zu nähen, also als Hemdblusenkleid mit einer Knopfleiste im Vorderteil. Ich hatte mir überlegt, vielleicht einen anderen Kragen an den Schnitt zu konstruieren, vielleicht so einen Schalkragen, wie ich ihn beim Kitty-Dress von Sew-Overit genäht hatte, dieser Kragen gefiel mir gut. 
Aber Kragenkonstruktion ist nicht so einfach, wie ich dann gemerkt habe. Ich hatte eine Weile gemessen, gerechnet, gezeichnet, auch mal ein Probeteil angefangen...insgesamt war dann mein Resumee, daß so eine  Kragenkonstruktion im Augenblick noch zu schwierig ist für mich und ich habe das Problem auf einen späteren Zeitpunkt verschoben.

Außerdem hatte ich mittlerweile festgestellt, daß es nicht so einfach werden würde, passende Knöpfe zu diesem schönen farbenfrohen Stoff zu finden. Die Grundfarbe, dieses dunkelgrün mit etwas petrol, ist schon sehr speziell, und auch die korallroten Blüten entsprechen nicht grade der Knopffarbe, die das örtliche Nähgeschäft in großen Mengen vorhält. Und Knöpfe in speziellen Farben online kaufen,  das funktioniert natürlich noch schlechter.
Also wurde umgeplant, das Kleid erhielt eine runden Ausschnitt ohne Kragen und einen rückwärtigen nahtverdeckten Reißverschluss. Der Reißverschluss ist korallrot, der war problemlos zu erhalten. Außerdem ist er natürlich nicht sitchtbar, ist ja nahtverdeckt, und der korallrote Zipper macht sich ausgsprochen gut im Rücken (wenn man ihn denn sieht, auf den Bildern ist er immer unter den Haaren verborgen)

Die Ärmel hatte ich etwas aufgespreizt, auf Dreiviertellänge gekürzt und mit einem Gummiband im Saum gerafft. Die Bequemlichkeit dieses Kleides im Schulterarmbereich ist für mich immer noch unglaublich. Ich hatte ja lang gedacht, daß ein Webstoffkleid keine freie Beweglichkeit der Arme ermöglichen kann. Jetzt habe ich gelernt, daß bei guter Paßform das kein Problem ist. Der Armausschnitt des Kleides ist eher klein, wenn ich das mit anderen Schnitten vergleiche, das ist vermutlich eines der Geheimnisse.
Und auch wenn die Farben des Kleides etwas speziell sind, fand sich doch ein Kombipartner im Stoffregal. Ein French Terry von Seeyouatsix hat fast den gleichen Grünton, in echt passen die Farben noch besser zusammen als hier auf den Fotos.
Der Schnitt des Pullis ist der Sheridan Sweater von Hey June. Ich mag diesen Schnitt sehr gerne, es ist ein klassisches Sweatshirt, bei dem die Ärmel etwas weiter sind und somit eine Andeutung von den modernen weiten Bischofsärmeln geben, aber eben nur eine Andeutung. Auch vom Sheridan gibt es bereits eine frühere Version bei mir, leider nicht verbloggt, nichtmal verinstagrammt...aber ich denke, man muß auch nicht alles in den sozialen Medien teilen. Eigentlich reicht es ja, wenn ich den Schnitt und den Pulli gerne mag!
Und den Sheridan-Schnitt mag ich wirklich gerne, da könnte mich mir noch mehr Versionen vorstellen.

Überhaupt merke ich, daß ich im Augenblick mehr dazu tendiere, bewährte Schnitte nochmals zu nähen. Letztendlich bringen die meisten neuen Schnitte, die auf den Markt kommen, nicht so viel neues, sondern sind Variationen von altbekannten Schnitten. Und wenn man einen gut passenden Schnitt hat, ist es natürlich effektiver, diesen zu variieren oder einfach aus verschiedenen Stoffen zu nähen.

Also, die Leser meines Blogs müssen sich auf langweilige Monate einstellen, in denen ich nur diesen Kleiderschnitt in verschiedenen Variationen nähen werde, und dazu die passenden Sweatshirts!

Allerdings- eine Hose und ein Rock wäre schon auch noch gut für den Frühling. Vielleicht auch wieder nach bewährten Schnitten?

Alle anderen genähten Kleidungsstücke, ob nach neuen oder bewährten Schnitten, befinden sich auf dem Memademittwoch-Blog!

Dienstag, 3. März 2020

Nähcoaching bei Inge Szoltysik-Sparrer


Das schöne Kleid, das ich heute zeige, hat eine ganz besondere Geschichte- und sicher ist es auch deswegen ganz besonders schön geworden! Entstanden ist es an einem Wochenende, bei dem ich einen Nähcaoaching-Kurs bei Inge Szoltysik-Sparrer gebucht hatte. Inge ist den meisten unter uns sicher bekannt- viele kennen sie aus ihrer Jurorinnen-Aufgabe in der Fernsehsendung "geschickt eingefädelt", die vor einigen Jahren im deutschen Privatfernsehen lief, ein Remake der britischen Erfolgssendung  "the great british sewing bee". Über Instagram wurde ich auch immer mal über die Aktionen von Inges Nähatelier in Kenntnis gesetzt, und so wußte ich auch, daß Inge Kurse für Hobbynäherinnen anbot. Bisher war es immer so gewesen, daß die Kurse ausgebucht waren, bevor ich davon Kenntnis bekommen hatte-Anfang des Jahres entdeckte ich einen Kurs, den ich noch buchen konnte. Nicht viel nachgedacht, und -klick-! war der Kurs im virtuellen Einkaufskorb, und ich war fürs Nähcoaching im Februar eingebucht.

Erst kurz vor dem Termin bekam ich dann richtig Bedenken. Ja, natürlich hatte ich mittlerweile mit Inge telefoniert und meine Pläne mitgeteilt, denn das Thema dieser Nähwochenenden ist völlig offen, jeder kann nähen, was ihm am wichtigsten ist. Und das Telefonat war so super freundlich, daß ich gerne meine Wünsche mitteilte, ein Oberkörperschnitt sollte es sein, gerne eng anliegend, mit einer trotzdem guten Beweglichkeit im Armbereich. Eine Bluse, oder ein Hemdblusenkleid? So ganz genau wußte ich es ja auch nicht, war jedenfalls sehr erleichtert nach diesem Telefongespräch und legte schon mal einige passende Blusenstoffe heraus.
Aber je näher der Termin wurde, umso verzagter wurde ich. Der Kurs war ja nun ausdrücklich als "nicht für Anfänger geeignet" bezeichnet- würde ich da überhaupt hinpassen? Ich habe ja nun schon so einiges genäht, auch eigentlich ganz erfolgreich, aber trotzdem sehe ich mich absolut als Amateur im Nähen. Ich habe niemals einen Nähkurs besucht und mir das meiste autodidaktisch durchs Internet oder Bücher und Zeitschriften angeeigenet. Und dann ein Kurs bei einer so berühmten Massschneiderin- ich bekam Angst vor meiner eigenen Courage. Sicher würde ich bereits nach der ersten Stunde nach Hause geschickt werden- oder mir würde eine einfachere Aufgabe zugeteilt. Überhaupt, was hatte ich mir dabei gedacht, mir eine Bluse vorzunehmen? So was schwieriges, mit Kragen, Knopfleiste, Manschette- hätte ich nicht einfach eine Schürze, oder noch besser einen Kissenbezug nähen können?
Die anderen Teilnehmer würden sicher alle besser sein als ich, ich rechnete fest damit, im Kurs nur auf Supernäherinnen zu treffen, also solche, die schon vor dem Frühstück erst mal zwei Paspelknopflöcher nähen, um wach zu werden.
Solche Gedanken bewegten mich, als ich mich an einem milden Februarwochenende auf die Fahrt nach Hagen in Inges Nähatelier machte.

Wie schön, daß ich so herzlich von Inge empfangen wurde! Es war natürlich alles ganz anders als gedacht oder befürchtet, und nachdem ich gemerkt habe, daß auch die anderen Teilnehmer meine Ängste mehr oder weniger geteilt hatten, konnte ich den Kurs ganz entspannt geniessen.
Es begann mit dem Maßnehmen, denn wir sollten ja mit einem Schnitt arbeiten, der auf unsere Masse abgestimmt war. Ich hatte verschiedene Ideen zu meinem Projekt und vier Stoffe eingepackt. Ganz oben auf meinem Stapel lag ein Chambray, den ich erst in der Woche zuvor gekauft hatte und den ich aber unglaublich schön fand, ein Hanf-Baumwollgemisch. Ich hatte auch früher schon gelegentlich Hanfstoffe gesehen, auch bei Kaufkleidung, und hatte sie eher als derb und rustikal in Erinnerung. Dieser Stoff war ganz weich und hatte einen wunderschönen Fall, also ein idealer Kleiderstoff. Ich glaube ja, daß Inge vor allem das Streifenmuster reizte...jedenfalls wurden wir uns rasch einig, daraus sollte ein Hemdblusenkleid werden. Ich hatte mir einen Schnitt mit einem eng anliegenden Oberteil und einem angekrausten Rock vorgestellt, Inge schlug eine Variation ihres Etuikleidschnittes vor, bei der das Rockteil durch eine tiefe Kellerfalte im Vorderteil  Volumen bekommt. Damit war ich gerne einverstanden.
Der Masschnitt wurde mit ihrem Programm erstellt. Ein Traum für jeden, der sonst Schnitte abpaust, Schnittlinien mit der Hand ändert, Papierstücke an mehr oder weniger passenden Stellen anklebt und dann wieder abreisst, wenn es eben doch nicht so richtig ist. Inge hat natürlich ein professionelles CAD-Programm für ihre Schnitte, was sie dann mal so neben her bedient- ich weiß die Mühe und sicher auch die Kosten zu schätzen, mit denen dann der Plotter so einen Masschnitt nach einigen Minuten ausspuckt.

Dann ging es ans Zuschneiden, und hier gab es schon die ersten gewaltigen Offenbarungen für mich. Ich hätte ja, wenn ich schon so große Änderungen an einem Schnitt plane, mir erst mal einen neuen Schnitt für das Vorderteil gezeichnet. Inge wollte aber alles auf dem Stoff direkt anzeichnen- sehr sinnvoll bei meinem Streifenstoff. Völlig ungewohnt war für mich, daß ich auch die Nahtlinien anzeichnen sollte. Ich kannte das zwar schon aus einem von Inges Videos, hatte das aber bisher nie so gemacht. Meistens nähe ich ja auch nach Fertigschnitten aus dem englischsprachigen Raum, die die Nahtzugabe bereits erhalten, da wäre es dann sehr mühsam, sich auch noch eine Nahtlinie einzuzeichnen.
Schnittmarkierungen wurden entweder mit Kreidestiften eingezeichnet oder mit einem andersfarbigen Faden eingeheftet, das Einknipsen des Stoffrandes war nicht erlaubt. Das Durchschlagen der Markierungen und Nahtlinien auf die unten liegende Stoffhälfte geschah mittels Kopierpapier und Kopierrädchen. Jetzt wußte ich endlich, wozu man so ein Kopierrädchen braucht! Ich besitze nämlich eines schon seit vielen Jahren, aber die Einsatzmöglichkeiten dieses Werkzeuges hatten sich mir bisher nicht so wirklich erschlossen.

Und so ging es eigentlich das ganze Wochenende weiter. Viele Nähschritte, die ich für mich immer irgenwie gelöst hatte, wurden bei Inge anders gehandhabt. Das Schöne war aber, daß es immer plausible Erklärungen dafür gab, warum ich jetzt eine spezielle Technik anwenden sollte. Und wenn wir irgendetwas nicht richtig konnten oder verkehrt gemacht hatten, war es auch nicht schlimm- Inge war immer gern bereit, unsere Fehler zu korrigieren. Die Atmosphäre im Atelier war wunderschön, fand ich, konzentriert und dabei doch unglaublich entspannend, es wurde viel erklärt, erzählt, aber auch gelacht...wer sich das nicht vorstellen kann, für den habe ich mal beispielhaft eine Szene aufgeschrieben...

Ort: Inges Nähatelier
handelnde Personen: vier Kursteilnehmerinnen und Inge 
später Nachmittag bei Inges Nähcoaching. Alle Teilnehmerinnen sind konzentriert bei der Arbeit, heften, stecken, nähen mit der Hand. Die Ruhe im Atelier wird nur durch das gelegentliche Zischen der Dampfbügelstationen unterbrochen.
Teilnehmerin A eilt zu Inge , um neue Anweisungen für ihr Nähprojekt zu erhalten. 
Inge: "bügel doch erst mal diese Naht richtig aus"
Teilnehmerin A strebt zum Bügelbrett. Diesmal will sie alles richtig machen, hingebungsvoll bügelt sie die Naht (gefühlte ) 30 Minuten und bringt sie dann zu Inge- in Erwartung eines großen Lobes.
Inge, nach flüchtigem Blick auf das Werkstück  "ist das schon gebügelt??" , ergreift dann selbst das Bügeleisen, und nach zwei gezielten Dampfstössen erstrahlt das Werkstück in ungeahntem Glanz.

Ende der Szene, Vorhang!
Alle Agierenden treten vor den Vorhang, verneigen sich unter dem anhaltendem Applaus und beschliessen , erst mal gemeinsam zum Abendessen zu gehen.

Aus: Inges Nähcoaching, Drama Lustspiel in vier Akten



Ich hatte ja ein spezielles Problem, was ich an diesem Wochenende lösen wollte, das war die Anpassung  im Schulter-Armbereich. Ich habe schon einige Kleidungsstücke aus Webstoffen genäht, und immer war ich mit dem Schulterbereich unzufrieden. Entweder saß es nicht richtig, oder ich konnte mich nicht gut darin bewegen, oft auch beides. Ich hatte ja schon die Schuld bei mir und meiner Schulterform gesucht, aber genau das sollte man ja beim Selbstnähen irgendwie berücksichtigen können. Nach diesem Wochenende bin ich mir aber sicher,  aber daß mein Hauptproblem in meiner fehlerhaften Technik des Ärmeleinsetzes lag. Natürlich wußte ich, daß man die Armkugel einreiht, das hatte ich schon immer so gemacht, und mich dann bemüht, die Paßzeichen übereinander zu bekommen. Ich hatte immer viel gesteckt und  versucht, den Ärmel ins Armloch zu bekommen, ging mal besser, oft schlechter. Oh, wie ich Ärmeleinnähen haßte! Aber da die klimatischen Bedingungen in Deutschland nicht nur ärmellose Oberteile erfordern, mußte ich mich irgendwie damit arrangieren.
Dabei geht es doch viel einfacher: die Armkugel wird eingereiht, und dann mit viel Dampf erst mal in Form gebügelt. Diesen Vorgang hatte ich schon kennengelernt, als ich meinen Blazer genäht habe, da fand ich es faszinierend, wie schön man einen Wollstoff in Form bügeln kann. Aber ich hätte nie daran gedacht, das auf andere Stoffe anzuwenden...dabei geht das so gut! Mein Hanf-Baumwollstoff nahm beim Bügeln willig die Schulterform an, und flutschte im Endeffekt wie von selbst ins Armloch. Na ja , nicht ganz, ein paar Stecknadeln halfen ihm dabei.
Dann wurde mit der Hand, auf der prospektiven Nahtlinie, geheftet und der Fall des Ärmels überprüft. Wenn das in Ordnung war, wurde genäht. So einfach, und so effektiv - ich liebe Ärmeleinsetzen!

Und so ging es weiter am Wochenende, es gab ganz viele von diesen "aha!!" Ereignissen,  bei denen sich Nähprobleme, die ich immer schon  hatte, lösen liessen. Manchmal waren die Lösungen so einfach, daß ich mich heute noch frage, warum man uns Hobbynäherinnen mit solchen Problemen alleine läßt oder sogar immer wieder falsch anleitet.
Als Beispiel will ich nur meinen zierlichen Stehkragen nennen. Ich will jetzt nicht darauf hinaus, daß man diese Kragenform nicht so oft sieht, aber mir steht dieser Kragen einfach besser als so ein hohes Teil mit Kragensteg, das ist aber einfach meiner Anatomie geschuldet.
Ist ja auch egal, wie der Kragen aussieht, in jedem Fall muß der Unterkragen irgendwie mit dem Rücken auf der Innenseite verbunden werden...und da wird in den meisten Anleitungen, die ich so kenne, mit der Maschine gesteppt, sei es im Nahtschatten oder als Absteppung in einem gewissen Abstand  zur Naht. Das ist schwierig, weil es sich um Rundungen handelt, und mir ist das nie gut gelungen. Jetzt habe ich gelernt, diese Naht mit der Hand zu machen, das ist so viel einfacher und wird viel schöner, da unsichtbar. Und es ist natürlich nicht zeitaufwendiger, da es sich ja wirklich nur um ein kurzes Nahtstück handelt.
Wir waren vier Teilnehmerinnen, die sich alle verschiedene Nähprojekte vorgenommen hatten. Im nachhinein finde ich es sehr überraschend, wie Inge es geschafft hat, uns alle so gut und umfassend anzuleiten. Denn wir wurden alle mündlich angeleitet, es gab ja keine schriftlichen Arbeisanweisungen, wie ich es sonst von meinen Schnitten gewohnt war. Wir erhielten also alle unsere sehr detaillierten Anweisungen und Hilfestellungen direkt von Inge, und sie wußte auch immer genau, wo jeder der Teilnehmer gerade war. Es gab fast keinen Leerlauf, wo man dann mal auf neue Anweisungen warten mußte- das fand ich wiederum sehr schade, denn ich hätte auch zu gerne den Anleitungen der anderen mehr gelauscht, so interessant war das alles. Die Zeit verging wie im Flug, wir waren voll im Flow, wie es so schön auf Neudeutsch heißt.
Für unser leibliches Wohl wurde gut gesorgt..wäre gesorgt worden, wenn wir mehr darauf geachtet hätten, aber zumindest ich habe völlig vergessen zu essen und zu trinken, weil ich so konzentriert beim Nähen war. Und die äußeren Umstände des Kurses waren natürlich ideal, da wir in Inges Modeatelier arbeiten und die professionelle Ausstattung nutzen durften.
Es gabe moderne computergesteuerte Nähmaschinen eines bekannten Anbieters, mir wurde allerdings ein etwas älteres Modell zugewiesen,,,
...eine Industrienähmaschine, mit der ich am Anfang sehr fremdelte, zu ungewohnt war die Bedienung, die überwiegend über das Fußpedal stattfand. Aber am zweiten Tag wurden wir gute Freunde, die Maschine und ich, denn dann hatte ich ihr Bedienprinzip verstanden und freute mich über ihre ruhigen Laufeigenschaften und das stabile Stichbild auch auf der linken Stoffseite.
Viel zu schnell war das Wochenende vorbei, und ich befand mich wieder auf dem Heimweg. Im Gepäck ein neues Kleid, den dazu passenden Schnitt und -das Beste!- vielen neuen Fertigkeiten und Erkenntnissen.
Was habe ich jetzt denn gelernt in diesen beiden Tagen? Die Hauptsache ist sicher, daß es sich beim Nähen lohnt, sehr genau zu arbeiten. Das war ja auch schon meine Erkenntnis im letzen Jahr, daß dieses Schielen nach einem schnellen Nähergebnis, das einem dann "von der Maschine hüpft", das ist nicht meines, ich möchte auch den Nähprozess geniessen.
Die andere Erkenntnis ist aber auch, daß die professionelle Schneiderkunst natürlich meilenweit entfernt ist für uns Hobbynäherinnen. Das ist aber nicht schlimm, finde ich, denn die Schneiderinnen lernen das und üben ihren Beruf jahrelang aus- wie schlimm wäre es denn, wenn wir so ohne weiteres das gleiche könnten! Und Schneidern ist absolut eine Profession, eine Kunst, das merke ich immer mehr, je länger ich mich damit beschäftige. Und ich finde, wir dürfen uns dabei auch helfen lassen von den Profis.
Ich hätte dieses Kleid alleine nie so gut hinbekommen. Die Schnittanpassung wäre mir nie so gut gelungen, mal ganz abgesehen davon, daß ich so einen Kleiderschnitt auch nicht kenne, jedenfalls nicht bei den mir bekannten Indie-Schnittmustererstellerinnnen. Dabei ist der Schnitt ganz einfach: ein Kleider-Schnitt mit Wiener Nähten im Oberteil,  die im Rockteil in eine tiefe Kellerfalte übergehen, vorne eine Knopfleiste und ein kleiner Stehkragen. Die Ärmel sind gerade geschnitten und werden hochgekrempelt.

Aber ich bin so froh und so dankbar, daß ich das Kleid mit professioneller Hilfe  nähen konnte! Ich habe jetzt schon das nächste Kleid nach diesem Schnitt in Arbeit, einfach damit ich mir die Arbeitsschritte noch besser einprägen kann. Und dann gibt es natürlich noch viele Ideen, wie ich diesen Schnitt abwandeln könnte...
Und wer sich wundert, warum auf allen Bildern oben keine Schuhe zu sehen sind- hier noch ein Bild des gesamten Outfits mit (natürlich nicht) passenden Wanderschuhen! Wie so oft haben wir eine unserer Sonntags-Wanderung zum Bildermachen genutzt. Das Kleid habe ich gerne im Rucksack getragen, passende Schuhe auch mit zu schleppen war mir dann doch zu umständlich. Aber so habe ich mich dann rasch an diesem schönen Teich umgezogen und kurzfristig die Kälte ertragen. Ehrlich gesagt war ich aber dann schon froh, als ich wieder in Jeans und Pulli schlüpfen konnte- das Kleid ist zwar sehr schön, aber für die Temperaturen am 1. März war es nicht geeignet.
Wer noch andere Frauen in selbstgenähter Kleidung sehen möchte, der schaue bitte hier auf dem virtuellen Laufsteg des Memademittwoch!

Dienstag, 4. Februar 2020

Orageuse Berlin Rock der Dritte und Somersetshirt von Maven Pattern

Den Berlin-Rock von Orageuse hatte ich schon zweimal genäht, beide Versionen wurden keine Lieblingsteile.
Beim ersten Rock lag es sicher an der Stoffauswahl. Gedacht war er auch nur als Proberock, und ich hatte einen sehr ungeliebten Stoff verarbeitet. Erwartungsgemäß paßten die Farben wenig in meine Garderobe und der Rock wurde selten getragen. Wenn ich ihn dann doch mal anhatte, erhielt ich allerdings oft Komplimente dafür, aber wahrscheinlich auch wegen der an mir so ungewohnten Farben.
Die zweite Version war der Weihnachtsrock 2018. Ein schöner Stoff, aber die Midiversion, die ich dann genäht hatte, offenbarte ein entscheidendes Problem im Schnitt: der Futterrock ist in meinen Augen zu eng konstruiert und enthält nicht die Mehrweite, die sich durch die Falte im Vorderteil ergibt. Der Weihnachtsrock wurde jedenfalls auch kaum getragen, weil ich mich in dem Rock nicht gut bewegen kann. Das enge Futter ermöglicht nur damenhaft kleine Schritte, das ist nichts für mich.
Also wurde es eindeutig Zeit für eine dritte Version des Jupe Berlin, die hoffentlich mehr Potential zum Lieblingsrock hat. Ob mir das gelungen ist? Seht selbst, bisher bin ich sehr gücklich mit dem Rock!

Der Schnitt ist aber auch zu schön. Schlicht, mit einer kleinen Falte im Vorderteil, die in den leicht ausladenden Taschenbeutel überleitet. Eigentlich gibt es noch Gürtelschlaufen und einen breiten Bindegürtel mit einer Schluppe vor dem Bauch, aber ich finde, für das kurze Röckchen ist das zuviel.

Die kurze Version benötigt keinen Saumschlitz, da die Saumweite in dieser Länge ausreichend ist, um normal große Schritte zu machen. Fahrradfahren...hmm, ist möglich, aber nicht komfortabel. Entweder schiebt man den Rock ganz hoch, was keinen sehr großen öffentlichen Aufruhr erregt, wenn man wie ich eine Strumpfhose drunter trägt, oder man bewegt die Beine beim Treten der Pedale sorgsam nach innen, das geht auch...also egal wie, es ist kein Rock für eine Fahrradtour, das muß man glaube ich akzeptieren.

Der Stoff dieses Rockes ist ein Tweed-Wollstoff, der von der Schweizer Firma Hello Heidi designt und dann im Fränkischen von Zuleeg gewebt wurde. Der Stoff wurde eigentlich als Mantelstoff beworben, wobei er mir dafür fast zu dünn vorkommt. Aber der Stoff ist natürlich ein Traum, wie alle Stoffe, die ich bisher von Zuleeg gesehen udn vernäht habe.
Der Stoff trägt den schönen Namen Check Country, und das trifft es auch genau...ein Stoff fürs (britische) Landleben, man denkt an Fuchsjagden, abgetragene Tweedjackets vor Kaminfeuer oder zumindest Rosamunde-Pilcher-Romantik....wobei ich finde, daß der Stoff sich auch in der Februar-Tristesse der deutschen Rheinebene  ganz gut macht!
Mit der Karo-Anpassung habe ich mir große Mühe gegeben, und war teilweise auch erfolgreich. Die Karos passten nicht überall, was aber auch schwierig war durch die Form der Hüftrundung und der Taschen.
Der Rock ist natürlich gefüttert, und diesmal habe ich das Futter schön weit geschnitten. Ich habe die Mehrweite, die der Vorderteilschnitt durch die Falte erreicht, auch im Futterrock dazu gegeben und zusammen mit der Abnähermehrweite in kleine Fältchen verteilt. Also, an der Bequemlichkeit wird es nicht liegen, wenn dieser Rock kein Lieblingsteil wird!

Und auch am fehlenden Kombipartner wird es nicht scheitern. Der Rock ist natürlich gut mit hellen, naturfarbenen Shirts kombinierbar. Aber ein besonders schönes Shirt passt auch dazu, das ich heute zeige.
Den Stoff dafür, ein sogenannter Winterjersey, hatte ich auch diesen Herbst bestellt, als ich meine Vorliebe für Rost-Töne entdeckte. Die Winterjerseys zeichnen sich meistens durch einen Polyester-Anteil aus, der für das Kuschelige verantwortlich ist, und so enthält auch dieser Stoff 20% vom bösen Polyester. Das finde ich nur deshalb nicht verwerflich, weil ich aus dem Stoff ein (jetzt schon erkennbares) Lieblingsteil genäht habe, das ich sicher oft tragen werde.
Der Schnitt kommt von Maven Pattern, einem britischen Schnittmuster-Label, das mir bisher noch nicht begegnet war. Die Politik von Maven Pattern gefällt mir sehr gut, es handelt sich zumindest nach dem Online-Auftritt um ein Unternehmen, das Sinn für Nachhaltigkeit und Ökologie hat. Die Schnittdesignerin hat eine professionelle Ausbildung und bemüht sich um zeitlose Modelle.
Von ihren Schnitten gefällt mir allerdings bisher nur dieses Somerset-Shirt , das allerdings dafür ausgesprochen gut.
Somerset hat zwei typische Designmerkmale, die gekonnt kombiniert sind: die weiten Bischofs-Ärmel und einen U-Boot-Halsausschnitt. Die Ärmel gibt es in verschiedenen Längen und Versionen, ich zeige die Langarmversion mit extra langem Bündchen. Die Mehrweite der Ärmel wird am Handgelenk zunächst eingekraust, bevor das Bündchen angenäht wird, dies geschieht durch das Nähen mit elastischem Unterfaden. Diese Technik wird in der Anleitung genau beschrieben- ich war ja etwas skeptisch, ob es funktionieren würde, aber es ging problemlos. Der elastische Faden wurde auf die Unterfadenspule unter leichter Spannung aufgewickelt, die Oberfadenspannung deutlich erhöht und dann mit Geradstich zwei parallele Reihen am Saum genäht. Schon das ergab eine schöne Kräuselung des Ärmelabschlusses, die durch einen kurzen Dampfstoss mit dem Bügeleisen noch verstärkt wurde. Danach liess sich das recht enge Bündchen problemlos annähen.

Der U-Boot-Ausschnitt ist das einzige, mit dem ich bei diesem Schnitt nicht ganz glücklich bin. Das mag daran liegen, daß ich nicht den notwendigen Schwanenhals habe, mit dem so ein U-Boot-Ausschnitt gut aussieht, aber das wußte ich schon vorher und war mit dem Ergebnis eigenlich doch ganz zufrieden.

Das Problem bei den U-Boot-Ausschnitten liegt  meiner Meinung nach in der Art der Saumverarbeitung. Es handelt sich ja meistens um Jerseystoffe, und natürlich kann man die einfach umschlagen und festnähen, der dehnbare Stoff macht das  mit.
So ist es auch bei diesem Schnitt beschrieben, und zwar sehr umfassend und korrekt erklärt. Die ganze Anleitung für das Shirt ist sehr ausführlich und, wie ich finde, irgendwie liebevoll, sowohl den Schnitt als auch vermutlich die prospektive Näherin betreffend. Ich habe selten bei einem Jerseyschnitt so viele Paßzeichen gesehen, und die ausgeformte Armkugel ist wunderschön.
Auch der Ausschnitt ist sehr genau beschrieben, und man kann das genauso und gut nachnähen.
Allerdings klafft der Ausschnitt etwas, auf manchen meiner Bilder kann man es erahnen. Im normalen Leben fällt es zugegebenermassen nicht auf. Aber ich bin ja immer auf der Suche nach der Optimierung meiner Nähtechniken- was wäre denn hier die richtige Technik der Ausschnittversäuberung gewesen? Ein Bündchen kommt logischerweise für diese Ausschnittform nicht in Frage. Vielleicht doch ein Beleg, etwas kleiner zugeschnitten, und unter Spannung aufgenäht? Oder hätte man irgenwie ein Framilon-Band im Ausschnitt mitfassen können? Ich mache mir weiter Gedanken und werde sicher noch weitere Somerset-Varationen zeigen, denn der Schnitt ist einfach zu schön.
Das Schildchen mit der Markierung der Rückseite hatte ich schon früh im Nähprozess eingenäht und war wiederholt sehr dankbar dafür, denn so ganz eindeutig war es für mich beim Nähen oft nicht, was vorne und hinten war.
Die Bilder entstanden an einem ziemlich verregneten Februar-Sonntag, in einer kurzen Lücke zwschen zwei Regenschauern. Ich denke, damit haben Rock und Shirt ihren Test auf Outdoor-Tauglichkeit durchaus bestanden. Danke auch an den Fotografen, der alles wieder gut in Szene gesetzt hat!
Alle anderen genähten und fotografierten Modelle finden sich heute in der Galerie des Memademittwoch.

Dienstag, 31. Dezember 2019

Liebling 2019: Jasika Blazer von Closet Case

Ein neues Jahr, das gleich mit einem Memademittwoch beginnt, kann nur ein gutes Jahr werden!
Ich wünsche allen meinen Lesern ein frohes und gesundes neues Jahr und freue mich, wenn Ihr auch im Jahr 2020 Interesse an meinen genähten und gestrickten Dingen findet.
Der Januar-MMM hat den Liebling des Jahres 2019 zum Thema. Das ist für mich eine ganz einfache Aufgabe, denn der Jasika-Blazer ist ganz klar mein liebstes genähtes Kleidungsstück 2019.
Warum? Dafür gibt es einige Gründe: ich finde ihn natürlich schick, ich denke er steht mir und ich trage ihn sehr gerne. Er ist sicher kein Stück für jeden Tag, aber ich habe ihn im Frühjahr oft an kühlen Morgen als Jackenersatz getragen. Er ist nicht so ganz einfach zu kombinieren, da der mittelblaue Wolltweed gar nicht zu vielen anderen Farben als dunkel- und jeansblau paßt. Aber da das sowieso die Farben sind, die ich gerne trage, stört mich das nicht.
Wenn ich ihn nicht trage, hängt der Blazer gut sichtbar an der Garderobe und ich freue mich jeden Tag aufs Neue, wenn ich ihn sehe. Ich habe so viele schöne Erinnerungen an den Nähprozess, und das ist glaube ich der Hauptgrund, warum ich dieses Stück so liebe. Einzelheiten habe ich hier beschrieben.
Es gibt Nähprojekte, da paßt einfach alles: ein guter Schnitt  gute Anleitung und ein schöner Stoff, und das war alles bei diesem Projekt gegeben. Natürlich war das keine Näherei, die an einem Nachmittag beendet wurde, nein, ich habe viele, viele angenehme Stunden damit verbracht. Immer wieder habe ich mich beim Nähen an diesen wunderbaren Stoffen von Zuleeg und Atelier Brunette erfreut. Es gab viel neues beim Blazer- Nähen zu entdecken, und alles brauchte und bekam seine Zeit. Für mich hat sich diese langsame und sorgfältige Näherei als das herausgestellt, was ich beim Nähen am meisten mag.
Zum Thema langsames und sorgfältiges Arbeiten paßt natürlich auch ein anderes großes Projekt, das mich dieses Jahr begleitet hat. Durch Zufall stieß ich im Internet auf die Aktion 6Köpfe12Blöcke, hier veröffentlichen sechs Patchworkdesignerinnen jeden Monat eine Anleitung für einen Block, der dann am Jahresende zu einem Quilt zusammengefügt wird. 2019 lief die Aktion zum 3. Mal, und aus einer Laune heraus beschloss ich, das mal zu probieren.
Man muß dazu vielleicht wissen, daß sich meine Patchworkkenntnisse bisher auf das gelegentlich Nähen von Tischsets oder Kissen beschränkt hatten. Aber da der diesjährige Quilt als "skill builder" bezeichnet wurde, hoffte ich hier ein paar Patchworktechniken kennen zu lernen. Außderdem hatte ich gar nicht unbedingt vor, das ganze ein Jahr durchzuziehen, ich erhoffte mir maximal ein paar Kissenbezüge aus den Blöcken.
Aber nach den ersten Blöcken war ich völlig fasziniert von der Technik. Man schneidet Stoffe klein, näht sie wieder zusammen, und dann entsteht etwas so völlig neues! Und dann das Spiel mit der Geometrie, mit den vielen Dreiecken, wie sie dann doch zusammenpassen- ich fand das immer wieder aufs neue spannend.
Und die Techniken wurden wirklich so gut erklärt, daß auch Anfänger wie ich mit neuen Techniken wie z.B. dem PaperPiecing zurecht kamen. Das ist nämlich gar nicht schwierig, und man näht auf Papier um einiges genauer als ohne Vorlage.
Ich glaube, daßmeine Nähgenauigkeit von dieser Aktion sehr profitiert hat. Wenn ich mir jetzt die ersten Blöcke des Jahres anschaue und mit den letzten vergleiche, ist die Anzahl der gut zusammenpassenden Ecken und Spitzen doch um einiges höher!

Es handelte sich um einen Mystery Quilt, also keiner wußte am Anfang, wie das fertige Quilttop aussehen würde. Das hat meine Farbwahl etwas erschwert. Ich bin ja sowieso etwas unbedarft an die Sache herangegangen und hatte mit einen  Layer Cake einer Moda-Patchworkserie bestellt. Dabei handelt es sich um 42 vorgeschnittene Quadrate von jeweils 10 x10 inch.Aber schon beim Januarblock habe ich dann gemerkt, daß die vorgeschnittenen Stoffteilchen natürlich völlig ungeeignet für so ein Projekt sind. Ich habe dann einige der Stoffe nachbestellt, soweit das möglich war. Im nachhinein muß ich sagen, daß es besser gewesen wäre, sich vielleicht auf eine Farbe in verschiedenen Schattierungen zu beschränken. So wirkt das fertige Top schon sehr unruhig, da sowohl verschiedene Muster als auch verschiedene Formate vorkommen.
Die Lücken, die noch zu sehen sind, gehören zum November-Block, den hatte ich nicht zeitgerecht geschafft. Auch den September habe ich erst nach Weihnachten genäht- aber auch hier gilt ja, daß alles seine Zeit braucht und bekommen soll.

Außerdem glaube ich, daß ich den Januar-Block nochmal in Rot- Blautönen neu nähen werde. Er war ja der erste, und ich hatte mich dann gleich voller Freude auf die gelben Stoffstücke gestürzt- finde ich heute keine gute Idee mehr, mir ist es so zu bunt. Oder vielleicht lasse ich es doch so, und dann ist das eben die ganz persönliche Note dieser Decke.
Beim Zusammennähen und Quilten wird mich sicher auch noch so manches Abenteuer erwarten, das aber dann erst 2020!
Und was war sonst noch los in 2019? In Zahlen: genäht habe ich 7 Kleider, 5 T-Shirts, davon eines für meinen Mann, 4 Hosen, 4 Blusen, 3 Röcke, 2 Blazer, 1 Jacke, 1 Jumpsuit, 1 Sweatshirt, 1 Sonnenhut (für meinen Mann), 1 Tasche und 3 Unterhosen für meinen Mann. Die Unterhosen sind so schön, die muß ich jetzt doch mal zeigen:
Der Schnitt heißt  John (müssen eigentlich alle Herrenunterhosen John heissen?) und ist von Dessous Insider. Er ist wunderbar geeignet, um Viskosereste aufzubrauchen!
Und noch ein bisschen Statistik: ich habe 2019  ca 55m Stoff vernäht, aber auch 61 m gekauft. Nein, ich bin nicht auf Stoffdiät, aber diese Zahlen muß ich im Auge behalten.
Ich weiß die Bilanz jetzt so gut, da ich mittlerweile einen Nähtagebuch habe.  Sowas nennt sich mittlerweile Bullet Diary- eigentlich hätte hier ein einfaches Heft genügt, aber mehr Spaß macht es mit meinem gekauften Buch, das von Freddy Seemannsgarn gestaltet ist.
Auch das Eintragen und -kleben in dieses Buch gehört für mich zum Geniessen eines Nähprojektes dazu. Schliesslich braucht ja auch alles einen guten Abschluss!
Besonder Pläne für 2020 habe ich nicht. Mein Nähverhalten 2019 spiegelt in etwa das wieder, was ich gerne trage, also eher Hosen, Röcke und Oberteile und nicht nur Kleider. Ich freue mich sehr, weiterhin an der monatlichen Linkparty des Memademittwochs teilzunehmen. Den Austausch über die Nähblogs finde ich nach wie vor grandios. Es ist so toll, wie wir uns gegenseitig mit wertschätzenden Kommentaren geradezu überschütten!
Mein Stoffkaufverhalten muß ich sehr im Auge behalten. Die Dinge, die ich dieses Jahr genäht habe, kamen fast überwiegend aus neugekauften Stoffen. Ist ja eigentlich nicht schlimm, aber dann macht der Stoffvorrat natürlich keinen Sinn mehr, wenn man dann doch einen neuen Stoff für ein spannendes neues Projekt kauft. Andererseits ist es schon so, daß die Kombination Stoff-Schnitt sehr sensibel ist, und es macht wenig Sinn, einen nicht so gut passenden Stoff zu wählen, nur weil der halt schon im Stapel lag. Dann macht das Nähen keinen Spaß, und das Ergebnis ist dementsprechend.
Besser ist es dann schon, einen alten Stoff wegzugeben...und noch besser, wenn man dann feststellen darf, daß dieser Stoff bei einer anderen Bloggerin zu neuem Leben erweckt wurde.
So passierte es mir mit einem Bambusjaquard mit Rosenmuster, den ich vor einigen Jahren von der Schnittquelle bezogen hatte. Eigentlich ein schöner Stoff, den ich in anderen Farben auch gerne vernäht hatte, aber diese dunkelbraun-schwarze Version stand mir einfach nicht. Es war ein Onlinekauf, ich hatte mir den Stoff heller vorgestellt. So wanderte der Stoff 2017 auf den Stofftauschtisch beim Bloggertreffen in Köln. Da ich damals eher zum Zug musste, hatte ich den Verbleib des Stoffes nicht mehr im Blickfeld, es hat mich ehrlich gesagt damals auch nicht mehr interessiert. Ich war eigentlich ganz froh, daß der Stoff weg war.
Umso größer meine Überraschung, als ein Kleid aus eben diesem Stoff auf einem Nähblog gezeigt wurde- Gabi aka madewithblümchen hatte ein Kleid daraus genäht. Und nicht irgendein Kleid, sondern Heather von Sewoverit, und die Inspiration zu diesem Kleid kam auch von meinem Blog- ist das nicht lustig? nennen wir es Zufall, Schicksal oder Fügung, ist vielleicht egal...Tatsache ist einfach, daß die Nähbloggerszene eine unglaublich tolle Gemeinschaft ist, die für jede Überraschung gut ist!
Viele Überraschungen gibt es sicher auch bei den anderen Beiträgen des MMM heute, auf denen Lieblingsstücke gezeigt werden, da werde ich mich jetzt auch langsam und mit Genuß durchklicken!

Mittwoch, 25. Dezember 2019

Frida, Gusta und Georgie


Frida, Gusta und Georgie- das könnte ja glatt auch der Titel für einen spannenden Jugendroman sein. Drei junge Mädchen, erste Liebe, ein bisschen was mit Pferden, oder zumindest ein Hund....aber nein, wer hier solche Belustigungen sucht, ist auf meinem Blog fehl am Platz.
Hier geht es um ernste Dinge, nämlich um das Finale des Weihnachtskleid-Sewalong auf dem Memademittwoch!
Dafür, daß ich an dem Sewalong eigentlich nicht teilnehmen wollte, sind in den letzten Wochen ganz schön viele Kleidungsstücke für Weihnachten entstanden. Oder hoffentlich nicht nur für Weinachten, denn mein Wunsch war ja wirklich, mit alltagstauglichen Kleidungsstücken am WKSA teilzunehmen.
Ob mir das gelungen ist? Schaut selber:

Beginnnen möchte ich mit dem Teil, auf das ich am meisten stolz bin, nämlich die Frida-Jacke. Der Schnitt war in der aktuellen FibreMood, und ich wollte diese Jacke nähen, sobald ich die ersten Vorschaubilder davon gesehen hatte. Eigentlich wollte ich sie ja im Originalstoff nähen,  der so schön dunkelrot und plüschig war- nachdem ich gemerkt hatte, daß der aus Polyester bestand, habe ich mich gerne umentschieden und einen Bouclestoff aus einem Wolle/Baumwollgemisch verwendet. Der Stoff ist wunderschön, fusselte allerdings gnadenlos. Ich glaube, meine armen Nähmaschinen brauchen in den nächsten Tagen mal eine ausführlich Wellnessbehandlung mit Reinigung und Ölen!

Frida ist eine Kurzjacke im Bomberstil, also mit Bündchen an den Ärmeln und am Taillensaum. Sie hat zwei senkrechte Pattentaschen. Insgesamt also ein sehr schlichter, klassischer Schnitt, deshalb gefiel mir die Jacke sicher auch gleich so gut. Da der Schnitt so klassisch ist, gibt es natürlich auch viele andere Schnitte, die der Frida-Jacke sehr ähnlich sind, sowohl bei den Indie-Designerinnen als auch in den einschlägigen Zeitschriften. Aber dann wäre der Titel des Blogposts doch nur halb so schön gewesen! Und da die Fibremood ja so absolut in und modern ist bei uns allen , mußte es also dieser Schnitt sein.

Ich wollte Zeit sparen und habe mir ein PDF des Schnittes geleistet, um nicht abpausen zu müssen. Ging ja auch alles ganz gut, aber etwas entsetzt war ich ja dann doch, als der Schnitt vom Plotten zurückkam: nur eine Seite, und überlappend gedruckt! Das wars dann mit dem einfachen Ausschneiden, es mußte trotzdem abgepaust werden.

Sonst war ich aber mit Schnitt und Erklärung sehr zufrieden, die Jacke war gut und problemlos zu nähen. Zwei entscheidende Änderungen habe ich aber doch vorgenommen: als erstes habe ich die Jacke gefüttert und ihr noch ein wärmedämmendes Zwischenfutter gegönnt. Das Futter finde ich für diesen Schnitt absolut notwendig. Vielleicht nähen alle anderen ja ihre Pattentaschen so ordentlich, daß die auch von links ansehlich sind, oder tragen die Jacke nie offen. Für mich traf beides jedenfalls nicht zu, deshalb mußte ein Futter sein. Als Zwischenschicht habe ich Meida 120 verwendet, und mit dem Ergebnis bin ich sehr zufrieden, das wärmt richtig schön. Und damit das Nähen nicht zu langweilig wurde, habe ich noch eine Flachpaspel zwischen Futter und Hauptstoff eingefügt. Ach, ich nähe so gerne Jacken und Mäntel!

Meine zweite Änderung am Schnitt betraf die vorgesehenen Bündchen. Es ist ja gar nicht so einfach, passende Bündchen zu einem vorgegebenen Stoff zu finden, insbesondere wenn es sich um einen Webstoff handelt. Ich hatte mir verschiedene Bündchenstoffproben schicken lassen und mich eigentlich schon für einen farblich perfekt passenden terrakottafarbenen Bündchenstoff entschieden...aber als ich den Stoff dann an die halbfertige Jacke mal probeweise angesteckt hatte, war mir der Farbkontrast doch zu groß. Außerdem war der Bündchenstoff natürlich viel dünner als der Bouclestoff. Es gibt durchaus auch kräftigeren Bündchenstoff, der dann eher für solche Art Jacken geeignet ist. Aber den habe ich dann nicht in einer passenden Farbe gefunden.


Ich weiß nicht, wie die anderen Frida-Näherinnen dieses Problem gelöst haben. Leider gibt es ja heutzutage kaum noch ausführliche Blogposts über einen Schnitt, man findet nur die Instagram- Bildchen. Auf den Bildern finde ich bei einigen die Kombination von Hauptstoff mir Bündchenstoff nicht sehr gelungen, bei vielen kann man es nicht so genau erkennen und thematisiert hat es keiner. Also ist es vielleicht mein persönliches Problem, aber ich habe mich dann dazu entschlossen, den Hauptstoff auch als Bündchen zu verwenden und die nötige Spannung durch ein eingezogenes breites Gummiband zu erreichen. Das war beim Nähen zwar etwas unschierig, zumal ich ja auch noch das Futter mit am Bund befestigen mußte, aber mit dem Ergebnis bin ich zufrieden.

Kommen wir zum eigentlichen Weihnachtskleid, also zum Kleid, das ich mir für Weihnachten vorgestellt habe. Genäht habe ich es schon vor einigen Wochen. Es handelt sich um das Gusta-Kleid aus der vorigen Fibremood, das ich in zwei Versionen schon genäht habe und hier vorgestellt habe. 
frisch gebügelt sieht es noch besser aus- aber Weihnachtsfeiern, Radfahren und Wandern hinterlassen ihre Spuren an einem Kleid. Das soll so!

Meine beiden Versionen waren aus dehnbaren Stoffen genäht, und ich wollte gerne auch noch eine Version aus einem Webstoff haben. Nein, nicht aus irgendeinem Webstoff, sondern aus dem tollen Schottenkaro von Zuleeg, den ich schon eine Weile in meinem Stoffvorat hütete. Da der Stoff so schön ist, wollte ich natürlich auch eine gute Paßform, und da war ich mir unsicher, ob ich die aus der Originalversion des Schnittes hinkriegen würde. So habe ich den Schnitt aus meinem Grundschnitt nachkonstruiert, was ja in diesem Fall nicht so schwierig war, da der Schnitt im Grunde auch sehr schlicht ist. Ich habe das Kleid etwas verlängert und einen rückwärtigen verdeckten Saumschlitz ergänzt- so ist es wunderbar wander- und fahrradtauglich!

Für Taschenfutter und die Ärmelabschlüsse hatte ich noch Reste eines farblich passenden Viskosestoffes. Mit den Ärmelabschlüssen bin ich noch nicht so ganz glücklich: ich hatte es mir so vorgestellt, daß die Schrägbandabschlüsse so genau mit den Unterarmen abschliessen, daß sie eben nicht hochrutschen, wenn man eine Jacke über das Kleid anzieht. Das hat auf der einen Seite auch perfekt geklappt, auf der anderen war es nie so ganz optimal, und mittlerweile haben sich beide Bündchen geweitet. Wenn ich jetzt eine Jacke über dem Kleid anziehe, rutschen die Ärmel hoch, und beim Ausziehen der Jacke muß dann wieder mühsam runtergezuppelt werden...vielleicht ein Luxusproblem, aber ich überlege mir , ob ich nicht die Bündchen abmache. Vielleicht wäre ein eingezogenese Gummiband die bessere Lösung.

Ja, und die Nummer drei, der Georgie-Dress von Sewoverit, der war eigentlich gar nicht eingeplant. Ich will jetzt aber auch nicht sagen daß mir das Kleid von der Nadel gehüpft ist, denn mir hüpft nichts von der Nadel, ich überlege mir schon , was ich nähe.

 Georgie war schon lange eingeplant und lag schon eine Weile als Plot-Ausdruck bei mir, nur mit dem Stoff war ich mir unsicher, da meine Vorräte keine ausreichend großen Stoffstücke von den infragekommenden Jerseys beinhalteten. So dachte ich jedenfalls, bis ich am Vormittag des 4. Adventes mal das Schnittmuster auf dem Tencel von Froy und Dind auslegte. Und siehe da, mit etwas Schieben und Drücken ging es ganz gut, statt den vorgegebenen 2,70 m kam ich mit meinen 1,80 m aus.

Ich habe allerdings den Rock um einiges gekürzt, der geht normalerweise  bis über die Knie, aber im Winter finde ich zu Strumpfhosen sowieso die kürzere Länge schöner. 
Georgie ist ein simpler Schnitt. Es ist ein Fake-Wickelkleid, also nur das Oberteil ist gewickelt. Für den Rock gibt es zwei Varianten, entweder die eingekrauste Version, die ich genäht habe, oder einen dreiviertel Tellerrock.

Auf Instagram sieht man sehr viele sehr schöne Variationen dieses Schnittes, und auch Lisa, die Designerin von Sewoverit, hat in einer ihrer Storys erzählt, daß sie selbst überrascht ist von dem Erfolg, den dieser Schnitt hat. Ich denke, daß es an der geschickten Verarbeitung des Wickelteiles liegt. Mittlerweile haben hoffentlich alles Schnittdesigner gemerkt, daß es keine gute Idee ist, so einen schrägen Wickelausschnitt ohne irgendeine Verstärkung zu lassen. Bei Georgie wird das Oberteil doppelt zugeschnitten und auf die Nahtzugabe eines Teiles ein elastisches Band genäht. Außerdem hat das oberer Wickelteil noch kleine Fältchen, die zusätzlich für Volumen über der Brust sorgen, und wird auch recht weit oben in der Seitennaht befestigt. Und so entsteht wirklich ein Wickelausschnitt, der nicht aufklappt, wunderbar!

Auch im Taillenbereich wird ein Gummiband auf die Nahtzugabe genäht, so daß auch hier die Form stabiliesiert wird. Von der Funktion her finde ich das sehr gut, leider sieht die Innenansicht des Kleides nicht schön aus. Da ich aber nicht vorhabe, das Kleid auf links gedreht zu tragen, ist das vielleicht nicht so schlimm.

Auch Georgie läßt sich gut mit Frida kombinieren und ist fahrradtauglich- und so bin ich mit meiner Weihnachtsgarderobe dieses Jahr rundum zufrieden! Mein Problem in den früheren Jahren war ja immer gewesen, daß ich mir große Mühe für meine Weihnachtsgarderobe gegeben hatte, diese dann aber im folgenden Jahr so gut wie nie mehr getragen habe. Ich bin jetzt schon gespannt, was ich im WKSA 2020 als Einleitung schreiben werde...werden ich wieder berichten, daß auch diese schönen Teile des WKSA 2019 wieder Schrankleichen wurden, oder bereits entsorgt? Ich werde dann berichten...
Jetzt wünsche ich erst mal all meinen Lesern ein wunderschönes Weihnachtsfest. Ich bedanke mich für die vielen, vielen Kommentare, die ich immer hier erhalte. Mir ist dieser Austausch mit Euch sehr wichtig, und ich hoffe und wünsche mir, daß wir diesen regen Austausch auch im nächsten Jahr weiterführen werden.
Mein besonderer Dank geht auch an das Team des MMM- wie schön, daß Ihr uns diese Plattform bereitstellt und auch dieses Jahr wieder den WKSA organisiert habt!