Mittwoch, 26. Dezember 2018

Weihnachtsrock und Weihnachtskleid



Ich hatte große Pläne gehabt für diesen Weihnachtskleid-Sewalong. Einen Rock hatte ich geplant, den Jupe Berlin von Orageuse, dazu ein Blüschen auch der aktuellen LaMaisonVictor. Und dann noch ein legeres Kleid für die gemütlichen Tage nach den Feiertagen, das Kleid Lola von VictoryPatterns. Alles sollten alltagstaugliche Teile werden, so mein Wunsch für den diesjährigen WKSA.
Immerhin kann ich jetzt feststellen, daß zumindest 2 von den 3 Teilen fertig sind und auch gefallen- zwischendurch hatte ich allerdings mal einen ziemlichen Durchhänger, der mich fast am glücklichen Ende dieses Sewalongs zweifeln ließ.

Dabei fing alles so gut an. Ich hatte vom Rock Berlin ein Probeteil genäht, hier gezeigt, das sich dann überraschenderweise als durchaus tragbar erwies. Es war die kurze Version des Rockes, und so stellte ich es mir einfach vor, den langen Rock zu nähen.
Das Problem war dann, daß ich einfach keine Lust mehr auf den Schnitt hatte. Für mich liegt ein Reiz des Nähens darin, einen unbekannten Schnitt auszuprobieren, gerne auch noch von einem mir unbekannten Schnittdesigner. Ich finde es unglaublich spannend, wie sich aus den zugeschnittenen Stoffteilen dann ein Kleidungsstück formt. Dieses Prickeln bei der ersten Anprobe, und dann dieses Hochgefühl, wenn ich merke, das wird was, das paßt und steht mir...wenn ich das so schreibe, habe ich grade Lust, wieder einen neuen Schnitt auszuprobieren...

Dieses Hochgefühl war nun nicht mehr zu erwarten beim Nähen eines bekannten Schnittes, auch wenn die Länge anders war und der Stoff natürlich auch. Für mich blieb es eine Pflichterfüllung, ein Rock, den ich nun nähen "muß". Entsprechend wurde der Beginn immer weiter nach hinten geschoben, zumal auch im Leben 1.0 gerade einiges los war und ich gesundheitlich nicht so auf der Höhe.

Aber genug lamentiert, am Nachmittag des 3. Advent habe ich dann endlich den Rock zugeschnitten und dann immer etappenweise abends genäht. Den Bund, der mir beim Proberock etwas zu eng erschien, habe ich um 1,5 cm erweitert an der oberen Kante, diese Erweiterung habe ich dann bei der ersten Anprobe wieder herausgenommen. Ob es am ungenauen Zuschnitt oder am anderen Stoff liegt, weiß ich nicht, für mich beweist es nur wieder mal, daß sich jedes genähte Kleidungsstück anders verhält . Im Endeffekt blieb ich bei meiner Größenwahl, habe also den Rock in Gr. 40 an der Hüfte genäht und zur Taille hin zur Gr. 42 verblendet.

Die ersten Anproben des Rockes waren zufriedenstellend. Ich hatte Bedenken, ob ich mich in diesem Midi-Teil , das eng geschnitten ist und nach unten noch etwas enger wird, würde bewegen können, aber der Schlitz im Vorderteil erwies sich da als sehr hilfreich, bis ich das Futter eingenäht hatte- dann konnte ich mich plötzlich gar nicht mehr bewegen.

Was war das Problem? Der Rock selbst hat eine Falte im Vorderteil, die natürlich auch eine schöne Beweglichkeitsfreiheit beim Laufen und Sitzen gibt. Das Futter enthält diese Falte nicht, ist also einfach ein eng geschnittener Bleistiftrock mit einer recht geringen Bequemlichkeitszugabe im Hüftbereich. Bei Indie-Schnitten folge ich üblicherweise vertrauensvoll der Anleitung und werde dabei selten enttäuscht. In diesem Fall wäre es besser gewesen, über die Futterkonstruktion nochmal nachzudenken- wenn ich das Rockfutter selbst konstruiert hätte, hätte ich sicher die Falte auch im Futter mit zugeschnitten und dann irgendwie eingehalten oder in kleine Fältchen gelegt.

Eine französische Bloggerin, die eine sehr schöne Version dieses Schnittes zeigt, beschreibt das gleiche Problem mit dem Futter. Leider habe ich ihren Bericht erst zu spät genauer gelesen und versucht, mit meinen rudimentären Französisch-Kenntnissen zu übersetzen. Ich hatte anfangs immer nur verstanden, daß sie zum Toilettengang den Rock nicht hochziehen , sondern den Reißverschluß öffnen muß. Aber das Problem war wohl auch bei ihr das Futter- klar,"doubleur" ist das Futter, und "plis" die Falte.

Eine korrekte Lösung meines Problemes wäre wohl gewesen, den Bund wieder abzutrennen und ein neues, weiteres Futter einzunähen. Das war mir zu viel Arbeit, zumal ja auch der Reißverschluß schon eingenäht war. Ich habe mich deshalb zu einer etwas unkonventionellen Problemlösung entschieden und einfach die Futternaht in der hinteren Mitte unter dem Reißverschluss um ca 20 cm geöfffnet. Das schafft mir Bewegungsfreiheit in der Hüfte und stört die Funktion des Futters überraschenderweise überhaupt nicht. Quick and dirty, aber erfolgreich! Längerfristig plane ich aber doch noch eine Erweiterung des Futterrockes, ich denke daran, einfach Keile oder Godets in die Seitennaht des Futterrockes einzufügen.

Ich habe den Rock mit verschiedenen Kombipartnern probiert, und am besten gefällt er mir mit einem schlichten Shirt. Die Bluse aus der LaMaisonVictor, die mal in der engeren Wahl gewesen war, habe ich wieder verworfen- das wäre mir zu overdressed mit dem Rock gewesen. Aber eine sportlich Bluse, vielleicht die Cheyenne von HeyJune, würde sicher gut zum Berlin-Rock passen. Mal sehen, ob ich nach Weihnachten Lust aufs Blusen-Nähen bekomme!
Nach dem etwas schleppenden Nähprozess am Rock brauchte ich dringend Entspannung, und die fand ich im Nähen des Kleides Lola von VictoryPattern. Ein schlichtes Kleid auf den ersten Blick, mit den Stilelementen eines Sweatshirtes, also Bündchen überall und dem kleinen V unter dem Ausschnitt.
Der Schnitt ist aber durchaus raffiniert, er hat im Vorder- und Rückenteil Prinzessnähte und Raglanärmel, diese Kombination findet man nicht so oft. Die horizontale Teilungsnaht in der Taillengegend verläuft geschwungen.
Markant sind die übergroßen Taschen, die über die gesamte Breite der Seitenteile laufen. Bei mir sehen sie etwas labberig aus, das liegt aber auch an meiner Stoffwahl. Ich habe einen Jaquard von Albstoffe vernäht, den ich hier bezogen habe, und der ist einfach sehr weich. Aus einem festen Sweat liegt die Tasche vermutlich schöner an.

Lola ist übrigens kein neuer Schnitt, sonder schon etliche Jahre alt. Wenn ich es richtig verstanden habe, war dieses Kleid der erste Schnitt des kanadischen Schnittmusterlabels VictoryPattern.
Vor kurzem wurde der Schnitt überarbeitet, dadurch wurde ich auf den Schnitt auch (wieder) aufmerksam.

Bei der neuen Version wurde der Ausschnitt überarbeitet, der jetzt perfekt anliegt. Außerdem wurden Ärmel und Saum verlängert. Die Ärmel haben jetzt eine Dreiviertel- Länge, ich trage auf den Bildern noch ein langärmeliges Shirt darunter.

Die Länge des Kleides empfinde ich als fast zu lang. Wenn ich den Schnitt nochmal nähe, werde ich den Saum um 2-3 cm kürzen, das wäre glaube ich schicker. Das Bündchen am Saum könnte auch noch etwas enger sein.
Das Nähen des Kleides war ein reines Vergnügen. Der Schnitt enthält viele Paßzeichen, die das Nähen der Prinzessnähte erleichtern. Die Anleitung ist super ausführlich, da bleibt kein Wunsch offen.
Mit diesem Kleid habe ich meinen Wunsch, ein alltagstaugliches Weihnachtskleid zu nähen, voll erfüllt, denn ich liebe dieses Kleid seit seiner Fertigstellung und trage es fast täglich. Ob ich den Rock nach Weihnachten noch viel anziehen werde, weiß ich nicht.Ich finde ihn ausgesprochen schick, aber er ist nicht fahrradtauglich, schon das spricht gegen seinen häufigen Einsatz. In dem Lola-Kleid kann ich alles machen- Radfahren, laufen, Streichquartett-Spielen...eben alles, was ich gerne mache.

Die letzten Treffen des WKSA habe ich ja geschwänzt, und jetzt freue ich mich sehr, wieder dabei zu sein und die vielen tollen Kleider zu bewundern, die entstanden sind. Claudia verabschiedet sich vom MMM Team in einer traumhaften Weihnachtshose, und Carola macht ihren Einstand ins Team mit gleich drei (!) Weihnachtskleidern, eines schöner als das andere. Zur Galerie der gut angezogenen Frauen auf dem MMM bitte hier entlang!

Mittwoch, 5. Dezember 2018

Jupe Berlin von Orageuse als Proberock

Erster Mittwoch im Dezember, und wieder ein Memademittwoch! Zum letzten Mal wird unsere Mittwochs-Nähparty von einem Mitglied des "alten" Teams moderiert. Mit einem weinenden Auge, weil wir uns vom bewährten Team verabschieden müssen, aber auch mit einem lachenden, weil es mit den " Neuen" so nahtlos weitergeht - tschüss Sybille, danke für Deine langjährige Tätigkeit für den MMM, und herzlich willkommen, Sylvia!

Heute zeige ich einen Rock nach dem Schnittmuster Jupe Berlin des französischen Schnittmuster-Labels Orageuse. Ich möchte diesen Rock als Weihnachtsrock nähen, über die Gründe dafür und meine Stoffauswahl habe ich hier berichtet.

Ich habe mir den Schnitt wie immer plotten lassen- zum Ausdrucken von drölfzig PDF-Seiten fehlt mir die Zeit und vor allem die Geduld. Die Größenwahl war nicht weiter schwierig, nach meinen Massen passe ich recht gut in die Gr 40 des französischen Labels. Leider sind in der Schnittbeschreibung  nicht die Maße des fertigen Kleidungsstückes angegeben, es heißt nur, daß der Rock "fitted" wäre im Taillen- und Hüftbereich, also eng geschnitten.

Wie eng, ahnte ich, als ich zur Orientierung den Schnitt ausgemessen habe. Es war etwas schwierig mit dem Ausmessen, da der Formbund wirklich sehr rund geschnitten ist, aber ich kam auf eine Bequemlichkeitszugabe von maximal 1-2 cm im Taillenbereich- hm, ob das mit genußvollem Weihnachtsessen so gut vereinbar ist?
Und die Form des Bundes fand ich auch sehr ungewöhnlich, sehr rund- ich erinnerte mich aber dann, daß ich auch mal versucht hatte, einen Formbund aus meinem Grundschnitt zu konstruieren. Das Ergebnis sah auch so ähnlich aus, sehr rund- ich hatte damals meinem Entwurf nicht getraut und ihn wieder verworfen, weil er in meinen Augen so ungewöhnlich aussah und ich das nicht so kannte von den fertigen Schnittmustern.

Ich hatte mir dann überlegt, den Schnitt in der Taille in Gr. 42 zu nähen und zur Hüfte hin zur Gr. 40 zu gradieren. Da ich mir aber dann doch unsicher war mit der Paßform, wollte ich ein Probemodell nähen.
Ich nähe sonst nicht so oft Probemodelle. Meistens hilft mir der Abgleich mit meinem Grundschnitt und das Ausmessen der Schnittmusterteile, die gröbsten Fehler zu vermeiden. Das übrige versuche ich dann bei den Anproben zu ändern- gelingt mir mal mehr, mal weniger. Sicher wäre es besser, konsequent mit Probeteilen zu arbeiten, diese anzupassen und dann erst die endgültigen Stoffe anzuschneiden...im nächsten Leben werde ich eine ganz ordentliche Näherin, versprochen!
Suchbild: wo ist die Katze?

Aber in diesem Fall sollte es einen Proberock geben. Und da das Schnittmuster auch noch eine kurze Version beinhaltet, bot sich das für das Musterstück an. Nur aus welchem Stoff? Ich musterte mein Stofflager...natürlich gab es da genug Webstoffe, die in Frage kamen, aber das sind eigentlich alles sehr schöne Stoffe, die ich für so ein Experiment mit ungewissem Ausgang nicht opfern wollte.

Aber da war dann dieser Stoff, ungeliebt, ganz unten im Stapel. Ein wirklich eigenartiger Stoff, er ist nämlich Patchwork, also echt aus Quadraten zusammengesetzt. Gekauft hatte ich ihn mal in einem kleinen Stoffgeschäft mit einer sehr netten Inhaberin, mit der ich mich gut und nett unterhalten hatte. So nett, daß ich irgendwann das Gefühl hatte, den Laden nicht ohne einen Stoffkauf verlassen zu können. Nun ist es ja für mich meistens kein Problem, einen Stoff in einem Stoffladen zu finden (das Problem ist dann eher, nur einen Stoff mitzunehmen...) aber in diesem Fall war die Auswahl des Ladens so eigenartig, daß nur dieser Stoff in Frage kam. Er gefiel mir wegen der Farben, über die eigenartige Machart habe ich dann hinweggesehen. Und ich dachte wohl schon beim Kauf an einen Rock, jedenfalls habe ich nur einen guten Meter mitgenommen.
wie war das nochmal mit dem Segel?

Ich habe dann den Bund zugeschnitten, genäht und mit den Rockteilen zusammengeheftet,  das schien mir ausreichend für eine Paßformkontrolle. Das Zuschneiden war mit dem Stoff schon schwierig, da mir die abgesteppten Nähte ständig im Weg waren. Die Karos stellten sich auch als nicht so ganz symmetrisch heraus- aber egal, es sollte ja nur ein Probeteil werden.
Also zusammengeheftet, Reißverschlußschlitz mit Stecknadeln gesteckt und vor den Spiegel gestellt. Und- der Rock gefiel mir! Mir gefiel das Muster, die Farben, zufälligerweise hatte ich auch bei der Anprobe ein türkisfarbenes Top an, ich fand das alles richtig toll. Damit war die Entscheidung klar, ich wollte  diesen Rock fertig nähen und tragen.
Zum Glück fand sich auch noch passendes Futter und ein Reißverschluß im Vorrat, und so war der Rock dann bald fertiggestellt.

Wer diese lange Vorrede zur Entstehungsgeschichte des Rockes bis hierhin geschafft hat, wird jetzt noch mit einigen Informationen über den Schnitt belohnt:
der Berlinrock ist vom Schnitt her ein Bleistiftrock, der in der natürlichen Taille sitzt. Er hat eine markante Taschenkonstruktion, bei der der Eingriff teilweise von einer schräg verlaufenden Falte verdeckt wird. Die Taschen stehen beutelartig etwas nach außen ab, so daß fast eine Tulpenform des Rockes erreicht wird. Der Schnitt enthält zwei Längenvariationen, von denen ich heute die kurze zeige. Der Originalschnitt enthält auch noch Gürtelschlaufen und eine breite Schärpe, das habe ich für diesen Rock weggelassen. Verschlossen wird der Rock mit einem nahtverdeckten Reißverschluss in der hinteren Mitte. Er ist gefüttert, es gibt einen extra Futterschnitt im Schnittmuster.

Das Nähen des Rockes war unproblematisch, die Beschreibung gut und ausreichend. Die Arbeitsanleitung gibt es auf französisch und englisch.
Der Rock ist kurz- so wie ich es zeige, ist es die Originallänge des Rockes, denn ich bin wie im Schnitt auch angegeben 1,68m groß. Mit Strumpfhose darunter habe ich mit der Länge oder besser gesagt Kürze keine Probleme. Der Rock hat keinen Schlitz und ist eng, da er so kurz ist, kann man sich aber halbwegs darin bewegen. Fahrradfahren habe ich noch nicht probiert, könnte aber schwierig werden.

Der Bund sitzt gut, dürfte aber nicht enger sein. Im Sitzen schneidet die obere Bundkante in den Bauch ein. Vermutlich wird sich das aber noch beim Tragen weiten, so jedenfalls meine Erfahrung auch mit den verstärkten Bünden.
es immer gut, eine Assistentin beim Fotografieren dabei zu haben!

Trotzdem habe ich beschlossen, bei meinem Weihnachtsrock den Bund an der oberen Kante um 1 cm zu erweitern. Es soll ja schließlich auch noch das Weihnachtsessen rein passen!
Ich freue mich jetzt schon sehr, die wadenlange Version für Weihnachten zu nähen, und bin sehr gespannt auf meinen Weihnachtsrock!
Alle anderen Teilnehmer des Memademittwochs finden sich hier !

verlinkt: Sewlala

Sonntag, 2. Dezember 2018

WKSA 2018 Projektvorstellung - mein Weihnachtsrock!

Quelle: Orageuse

Das erste Treffen des Weihnachtskleid-Sewalongs habe ich geschwänzt. Nicht nur aus Zeitmangel, sondern weil ich mich einfach nicht entscheiden konnte, welche Kleider in die engere Wahl kommen sollten.
Es ist jetzt für mich das dritte Mal, daß ich mit meinem Blog am kollektiven Weihnachtskleidernähen teilnehme, und in den letzten beiden Jahren habe ich jeweils für mich aufwendige Projekte genäht, Webstoffkleider mit schwieriger Schnittanpassung (Dahlia von Colette) oder im letzten Jahr zwei selbstkonstruierte Kleider.
Das ist mir auch alles halbwegs gelungen, aber eines hatten diese Weihnachtskleider gemeinsam: sie wurden nach Weihnachten nicht mehr getragen. Nun könnte man natürlich argumentieren, daß sie ja  deswegen Weihnachtskleider heissen, weil sie an Weihnachten getragen werden und damit ihr Verfallsdatum erreicht haben.Weihnachtsplätzchen werden ja schliesslich auch nur in der Weihnachtszeit gegessen. Kein Mensch käme auf die Idee, an Ostern Zimtsterne zu backen.
Aber von so einem Kleid, in dem ja viel Arbeit steckt, würde ich mir halt doch wünschen, daß ich es auch nach den Festtagen noch gerne trage. Ich glaube, das Problem liegt vor allem darin, daß Webstoffkleider im Winter nicht in mein Leben passen. Im Sommer trage ich gerne ärmellose Kleider aus gewebten Stoffen, aber im Winter sind es überwiegend Kleider aus dehnbaren Stoffen wie Sweat oder Jaquard, in denen ich mich wohlfühle. Ein Webstoffkleid mit langem Arm engt mich in meiner Bewegungsfreiheit ein. Vielleicht  habe ich auch einfach den idealen Schnitt für mich noch nicht gefunden.
Sehr gerne trage ich aber auch in der kalten Jahreszeit Röcke, gern mit Shirt oder auch einem Sweatshirt kombiniert. Und so habe ich micht entschieden- dieses Jahr nähe ich mir einen Weihnachts-Rock!
Quelle: Orageuse

Die Schnittauswahl war dann gar nicht so schwierig, denn seit dem letzten Jahr wartet hier der Rock Berlin von Orageuse auf seine Fertigstellung.
Berlin ist von der Form her ein enganliegender Rock, fast wie ein Bleistiftrock, wobei aber die enge Form durch zwei etwas nach außen aufstehende Taschen gemildert wird. Der Tascheneingriff wird jeweils duch eine Falte verdeckt. Das Schnittmuster sieht zwei Längenvariationen vor, einmal eine Midilänge mit Schlitz im Vorderteil, zum anderen eine Minilänge.

Ich wollte den Rock schon im letzten Jahr nähen und hatte dafür einen braun-blau gemusterten feinen Tweed beim örtlichen Stoffgeschäft gekauft. Der Stoff hat einen Wollanteil, auch etwas Seide,wenn ich mich recht erinnere, und wohl auch Polyester. Jedenfalls ist er schön weich und fällt gut. Im letzten Jahr habe ich den Nähplan nicht umgesetzt, kamen wohl andere Projekte dazwischen, die mich dann mehr interessierten. Aber jetzt ist die Gelegenheit da,  jetzt wird ein Weihnachtsrock genäht!
Schön wäre dazu natürlich auch eine passende Bluse. Vielleicht die aus der neuen La Maison Victor, mit der spannenden Knopfleiste?
Quelle: La Maison Victor

Aber wahrscheinlich nähe ich mir dann doch noch ein Kleid, allerdings aus Baumwolljaquard. Ich würde gerne das Kleid Lola von Victory Pattern nähen und habe dafür einen Baumwolljaquard von Albstoffe (hier bezogen). Das ist ein traumhafter Stoff, so weich und kuschelig, daß ich fürchte, ich werde dieses Kleid nie wieder ausziehen, wenn ich es dann mal fertig gestellt habe..

Quelle: Victory Patterns

Ich gebe zu, daß Lola jetzt nicht gerade ein festliches Kleid ist. Aber Weihnachten hat doch  so viele Tage, an denen man dann eher zu Hause rumschlumpft...dafür kann ich mir diesen Schnitt gut vorstellen. Und vielleicht nähe ich ja noch ein Glitzerbündchen an, für den Weihnachts-Touch!

Jetzt schaue ich aber erst mal, für welche Projekte sich die anderen entschieden haben. Meine Nichte Katharina vernäht einen Traumstoff zu einem wunderschönen Knipkleid, und wie schön, daß jetzt Elke im Memadeteam ist!
Alle anderen Projektvorstellungen des  WKSA finden sich hier !


Samstag, 24. November 2018

Novemberwettersewalong: Finale mit Heather von Sewoverit


Bei Novemberwetter stellt man sich ja eher trübes Wetter vor, neblig, kühl, Regen, Tristesse überall...davon war in diesem November nichts zu spüren. Rein wettertechnisch waren wir ja lange auch mit milden Temperaturen verwöhnt (oder mit Trockenheit gestraft, je nach Blickpunkt...) - und die Tristesse kam nicht auf, da es einen Sewalong gab, den Frau Küstensocke dankenswerterweise organisiert hat.

Höhepunkt des Sewalongs war das Bloggerinnnen-Treffen am letzten Wochenende in Hamburg, zu dem ich im Nachrückverfahren noch ein Plätzchen ergattert hatte. Auch ich  bin noch etwas ermattet ("geflasht", wie es so schön auf neudeutsch heißt) von den vielen Eindrücken des Wochenendes. Was war denn jetzt am Schönsten an diesen beiden Tagen, was war so besonders? War es das tolle Wetter mit viel Sonnenschein, mit dem uns die Hansestadt empfangen hat? Die vielen lokalen Eindrücke, die ein absolut sympathischer Stadtführer uns über das Hamburger Schanzenviertel vermittelt hat? der informative Fotoworkshop von Frau Küstensocke? oder doch das tolle Essen?
Ich könnte diese Aufzählung noch etwas fortführen, aber für mich hat sich im Nachhinein ein absoluter Höhepunkt heraus kristallisiert, der aber ganz unspektakulär daherkam...für mich war das schönste am Bloggertreffen die erste halbe Stunde, die Begrüßung.

Wie viele andere hatte ich eine längere Anfahrt nach Hamburg, erschwert durch die wohl unvermeidlichen Verspätungen der Bahn. Das nächtliche Hamburg empfing mich mit eisigen Winden, und ich war froh, als ich die richtige Buslinie in mein Hotel  gefunden hatte. Am nächsten Morgen ging dann die Reise ins Unbekannte weiter, wieder Busfahrt, dann ein Fußmarsch zur angegebenen Adresse...ich befand mich jetzt mitten in der alternativen Szene im Schanzenviertel. Die  angegebene Hausnummer gehörte zu einem Cafe neben der Roten Flora- ich gebe zu, daß ich als normaler Hamburg-Tourist dieses Cafe vermutlich nicht betreten hatte.

Aber dann: aus dem ersten Stock des Cafes kam Stimmengewirr- viel Stimmengewirr. Ich ging hinauf, und wurde gleich von warmer Atmosphäre umfangen. Ich kannte durchaus nicht alle der Anwesenden, aber einige- und war sofort mit so netten Gesprächen umfangen, daß ich gar nicht wußte , wo ich mich als nächstes hinwenden sollte. Und dieses Gefühl der Gemeinsamkeit ließ mich sofort alle Unbillen der Herfahrt und auch den Stress der Arbeitswoche vergessen. Natürlich ist es immer toll, wenn man Menschen trifft, mit denen man gemeinsame Interessen hat. Ich vermute mal, daß es genau so toll gewesen wäre, wenn ich ein Treffen der Kaninchenzüchter in Buxtehude besucht hätte- vorausgesetzt, daß ich auch voller Begeisterung Kaninchen züchten würde. Aber da ich das eben nicht tue, sondern nähe, war diese wohlige Gemeinschaft der Näherinnen das , was mich wieder unglaublich gefreut und auch beeindruckt hat. Dieses Gemeinschaftsgefühl war dann das, was sich für mich wie ein roter Faden durchs Wochenende durchzog. Leider konnte ich dann doch nicht mit allen ausführlicher reden, wie ich es ursprünglich mal vorgehabt habe, dafür hat die Zeit dann doch nicht gereicht. Aber es war einfach ein tolles Wochenende, danke an die Organisatorinnen Küstensocke und die fesche Lola!

Ich hatte im Rahmen des Novemberwetter-Sewalongs schon zwei Kleidungsstücke genäht. Einmal den Kelly-Anorak von Closet Case, den ich hier im Blog gezeigt habe. Der Anorak ist eines der schönsten Teile , die ich bisher genäht habe. Ich trage ihn jeden Tag, wobei die Temperaturen jetzt doch fast zu kalt dafür werden. Mit einer Wolljacke oder einem Wollpulli darunter geht es aber.
Mit dem Eliott-Sweater von Helens Closet, hier im Blog besprochen, fremdele ich immer noch etwas. Der Wollstoff ist für drinnen zu warm, draußen ist der Schnitt mit dem langen Seitenschlitz nicht winddicht genug. Ich hoffe, es ergibt sich noch ein Temperaturfenster, bei dem ich den Pulli gerne trage!

Und heute zeige ich noch ein Kleid, das ich mir fürs Bloggertreffen genäht habe. Natürlich hatte ich nichts anzuziehen für Hamburg, das habe ich aber leider erst zwei Tage vor der Abreise gemerkt. Da war die Auswahl an möglichen Modellen nicht mehr sehr groß, aber so ein Sweatkleid geht ja immer, das näht sich wirklich ganz rasch.

Ich zeige heute meine neue Version von Heather von Sewoverit. Heather hatte ich schon zweimal genäht. Die erste Version trage ich immer noch sehr gerne, auch wenn ich mit der Paßform nicht so ganz zufrieden bin. Meine zweite Heather war ein Versuch, die Paßform zu verbessern, das war mir damals wenig gelungen und dieses Kleid ist mir zu eng, wurde deshalb auch wenig getragen.
Jetzt hatte ich mir den Schnitt nochmal rausgesucht und etwas gebastelt. Das Hauptproblem mit der Paßform war , wie so oft bei mir, die Schulterpartie. Ich habe die Schultern etwas schräger und höher gestellt, der Originalschnitt hat sehr gerade Schultern. Den Schulterpunkt habe ich nach innen gerückt und Vorder- und Rückenteil etwas verschmälert. Die Ärmel habe ich etwas erweitert, dann paßte auch der Umfang der Armkugel wieder in den Armausschnitt. Am Rücken habe ich das Mittelteil um ca 2cm in der Taille gekürzt und die äußeren Rückenteile entsprechend angepaßt. Alles eigentlich keine großartigen Veränderungen, aber mit dem Ergebnis bin ich doch recht zufrieden, so kann ich mit dem Schnitt gut leben (wobei sicher immer noch nach oben Luft für die Anpassung ist).

Ich finde den Schnitt immer noch sehr gelungen. Mir gefällt, wie die Taschen in den geschwungenen Teilungsnähten integriert sind, und wie sich die Rundung der Teilungsnähte an der Seite verbindet.
Mein Stoff ist ein Sweat von Seeyouatsix, eine von diesen sympathischen belgischen Stofffirmen. Ich war mir beim Nähen nicht sicher, ob mein Design nicht doch zu sehr an eine Kittelschürze erinnert, mit den Karos...Melanie von 500daysof sewing hatte den gleichen Stoff in grün beim letzten MMM zu einem Sweatshirt vernäht, da kam dann die Assoziation mit dem YPS-Känguruh auf...vielleicht gibt es noch andere Meinungen zu dem Karomuster??

Diese Pose habe ich auf dem Fotoworkshop von Frau Küstensocke gelernt. Motto: sei ein Segel, keine Säule! Wir hatten zumindest Spaß damit beim Foto-Shooting.
Alle anderen Finalisten des Novemberwettersewalongs könnt Ihr hier bewundern. Mir hat der Sewalong viel Freude bereitet, danke an Frau Küstensocke für die Organisation und die Idee!

zwar nicht Hamburg, sondern Hessen...trotzdem schöne Novemberstimmung!
verlinkt: AWS Sewlala

Montag, 12. November 2018

Elliot Sweater von Helens Closet

"Auf der Zielgeraden- Hamburg wir kommen!" so ist das Motto des aktuellen Treffens des Novemberwetter-Sewalongs von Frau Küstensocke.
Ich hatte ja große Pläne gehabt für diesen Sewalong. Neben dem Kelly-Anorak wollte ich mir noch eine Hose nähen, ein Kleid, einen warmen Pulli...so war meine optimistische Ankündigung vor einigen Wochen. Natürlich habe ich davon nur einen Bruchteil verwirklicht, wie das immer so ist mit den guten Vorsätzen.

Der Anorak ist fertig und ja wirklich schön geworden, der wird mich auf meine Reise nach Hamburg begleiten. Für die geplante Hose habe ich immerhin schon zwei Stoffe hier liegen, auch schon zwei Schnitte. Also es sollen dann wohl eigentlich zwei Hosen werden- irgendwann.
Das Kleid Felix von Grainline habe ich gedanklich auf den nächsten Sewalong geschoben, den Weihnachtskleid-Sewalong, da paßt es irgendwie besser hin.
Aber einen Erfolg kann ich heute noch vorweisen, der Pulli ist fertig! Ich habe den neuen Schnitt von Helens Closet genäht, den Elliot Sweater.

Elliot ist ein Raglanschnitt, der in verschiedenen Variationen genäht werden kann: als kurzer Pulli, als Shirt und als Pulli mit Seitenschlitz und einem deutlich verlängerten Rückenteil, sozusagen Vokuhila extrem. Diese Version fand ich auf den Bildern der Designerin am schönsten, und so habe ich diese genäht.

Mein Stoff ist ein weicher Strickstoff, halb Wolle, halb Baumwolle. Bezogen habe ich ihn hier, aktuell gibt es ihn aber offensichtlich nicht mehr. Er ist marine-weiß gestreift, das fand ich so passend für Hamburg im November.

Der Plan war ja auch gut, allerdings hat mir das diesjährige Wetter einen Strich durch die Rechnung gemacht. Schon beim Zuschneiden des Pullis letzte Woche kamen mir Bedenken, ob der Stoff nicht etwas zu warm werden würde. Ich habe mich deshalb auch nur für den halbhohen Rollkragen entschieden, es gibt auch noch eine Version mit einem doppelt so hohen Kragen, in den man sich dann so richtig einkuscheln kann.

Aber wer will sich in einen Rollkragen mit hohem Wollanteil einkuscheln, wenn draußen das Thermometer fast 20° anzeigt?
Das war eines meiner Probleme, als wir die Bilder für diesen Blogbeitrag am Sonntag aufgenommen haben. Bei Beginn der Wanderung hatte ich zwar noch Pull , Schal und Anorak getragen, mich aber dann rasch aller möglichen Schichten entledigt- es war einfach zu warm. Den Pulli habe ich ausgezogen, nachdem die Bilder gemacht waren.

Das andere Problem war, daß mir eine Schafherde, auf die wir bei der Wanderung trafen, absolut die Show gestohlen hat. Ich hatte den vierbeinigen Wolllieferanten ja nur eine Statistenrolle beim Foto-Shooting zugedacht, mein Fotograf aka Ehemann sah das anders, fokussierte lieber die Schafe und hatte am Ende viel mehr Bilder von den Tieren als von mir gemacht. Er hatte allerdings auch schon vorher angekündigt, daß ihm der Pulli überhaupt nicht gefallen würde.
Ich muß aber auch zugeben, daß die Schafe schon süß waren. Mittendrin ein Esel- ist das nicht ein wunderschöner Kerl?

Meine Meinung über den Pulli ist noch nicht so eindeutig. Einerseits finde ich den Stil mit dem langen Rückenteil ganz witzig- andererseits paßt es nur zu engen Hosen, und durch den Schlitz zieht der Wind ganz schön rein. Bei Kälte wird mich das sicher stören. Die Ärmel habe ich übrigens verlängert, die sind im Original nur Dreiviertel-Ärmel.
Aber es wäre auch kein Problem, den Schnitt so zu ändern, daß er etwas klassischer wird. Der Schnitt sieht ja auch noch eine kurze Version vor, die über Röcken und taillenhohen Hosen sicher gut aussieht. Und das lange Rückenteil und der Schlitz läßt sich nach Belieben kürzen.

In jedem Fall ist Elliott ein sehr gelungener Pulloverschnitt mit einer schön geschwungenen Raglannaht. Im Vergleich zum Linden-Sweatshirt von Grainline ist der Halsausschnitt deutlich höher, die Weite ist ähnlich.

Genäht habe ich Elliott übrigens in der Größe M. Die Arbeitsanleitung ist wunderbar ausführlich, ich habe sie aber kaum gebraucht, da der Schnitt keine besonderen Anforderungen stellt und an einem Nachmittag gut genäht werden kann. Genäht habe ich größtenteils mit einem Elastikstich meiner Nähmaschine anstatt der Overlock, weil ich an der Nähmaschine den Obertransportfuß einsetzen kann. Bei dickeren Stoffen mache ich damit gute Erfahrungen, insbesonder wenn auch noch Streifen halbwegs passend zusammen genäht werden sollen.

Jetzt bin ich aber doch gespannt, wie weit die anderen Teilnehmer des Sewalongs sind. Sicher gibt es viele tolle fertige und fast fertige Teile zu bestaunen- der blaue Mantel von Frau Küstensocke ist jedenfalls absolut genial!
verlinkt: Novemberwettersewalong, Afterworksewing, Sewlala