Mittwoch, 6. November 2019

Bluse Burda Modell 105 aus 11/2019


Heute zeige ich eine Bluse nach einem Burda-Schnitt.
Ich zeige eine Bluse nach einem Burda-Schnitt! Hej, ich habe mal was aus der Burda genäht! Trommelwirbel für mich, denn für mich ist es absolut ungewöhnlich, nach Burda zu nähen, tatsächlich ist dies der erste Burda-Schnitt, den ich für mich genäht habe.
Der Stil der Burda gefällt mir oft nicht. Ich finde die Modelle in der Zeitschrift schon sehr schick, genau wie ich Modelle ich anderen Modezeitschriften, die ich beim Frisör durchblättere, schick finde. Aber eine Notwendigkeit, diese Modelle in meinem täglichen Leben zu integrieren, sehe ich nicht. Bei vielen Burda-Modellen hätte mich durchaus die technische Umsetzung der Schnitt-Techniken gereizt. Aber wenn ich mir dann wirklich mal ein Heft gekauft und die Anleitung studiert habe, war die Lust zum Nähen gleich null, weil ich die Anleitung nicht verstanden habe.

Ich nähe überwiegend nach Anleitungen der sogenannten Indie-Schnittdesigner, gerne aus dem englischsprachigen Raum. Damit mache ich gute Erfahrungen, und ich gebe auch gerne zu, daß ich absolut verwöhnt bin durch deren ausführliche Anleitungen. Aber mittlerweilse sollte ich mir ja ausreichend Nähfertigkeiten  angeeignet haben , um auch einen Burda-Schnitt zu nähen!
Meine Meinung über die Burda hat sich übrigens nach dem Fernsehfilm über Aenne Burda, der im letzten Jahr ausgestrahlt wurde, doch entscheidend verändert. Mich hat die Unternehmerpersönlichkeit sehr beeindruckt, zumindest so, wie sie dargestellt wurde. Spannend fand ich auch die Rolle, die die Burda-Schnitte für die Frauen der 50er und 60er Jahre gespielt haben müssen. Alles in allem fand ich es an der Zeit, mein Ressentiment gegenüber der Burda aufzugeben.
Und so ergab es sich, daß das Modell 105 aus der November-Burda seinen Weg auf meinen Nähtisch fand.

Es ist allerdings auch ein sehr schlichtes Modell, wahrscheinlich hat es mir deshalb so gut gefallen. Weit geschnitten, aber nicht wirklich oversized, mit weiten Ärmeln, die an den Handgelenken mit Gummibändern gerafft werden. Der Ausschnitt hat einen kleinen Schlitz und wird mit Knopf und Garnschlinge verschlossen.
Um es vorwegzunehmen: ich mag die Bluse, und finde, es ist ein sehr schöner, schlichter Blusenschnitt. Und eigentlich wollte ich auch nicht in das allgemeine Burda-Bashing einstimmen...ich denke, es ist für eine Näh-Zeitschrift auch nicht einfach, auf die verschiedenen Grundkenntnisse ihrer Leserinnen einzugehen. Aber warum, um Himmels willen, wird in der Anleitung der Schlitzbeleg zunächst angenäht, sorgsam untersteppt - und erst dann die Kanten des Beleges versäubert? Viel einfacher ist es doch, zuerst die Belegkanten zu versäubern und ihn erst dann anzuznähen. Der Halsausschnitt wird mit einem Streifen versäubert, braucht deshalb keine Nahtzugabe- klar, aber muß ich dafür die Nahtzugabe erst anzeichnen und sie dann wieder abschneiden? Und etwas mehr Paßzeichen hätte ich mir im Schnitt schon gewünscht, ich weiß nicht, ob ich die Bedeutung eines hinteren Ärmeleinsatzpunktes wirklich überschätze, aber ich nähe Ärmel lieber mit ausreichenden Markierungen ein.

 Ich habe daraus gelernt, daß die Burda-Schnitte eigentlich sehr schön sind und mir auch prizipiell gut passen. Bei diesem  Schnitt habe ich fast nichts geändert, lediglich den vorderen Halsausschnitt um ca 2 cm nach unten gelegt. Dadurch bietet der Schlitz eine gewisse Einsichtmöglichkeit, die ich durch das Tragen eines Tops darunter lieber begrenze. Außerdem ist es dann wärmer.

Der Cordrock dazu ist ein viel getragener und mittlerweile etwas augeleierter Rock nach dem Schnittmuster Sandbridge von HeyJune. Ich habe den Rock hier schon mal gezeigt. Er hat einen gravierenden Fehler beim Einnähen des Reißverschlusses, der ist deshalb sichtbar und nicht verdeckt. Wenn ich nicht gerade Fotos für einen Blogartikel durchschaue, fällt mir dieser Fehler im täglichen Leben nicht auf. Wieder mal ein Beweis, daß wir viel zu pingelig mit unseren Nähwerken sind! Der Gesamteindruck eines Kleidungsstückes wird durch völlig andere Dinge geprägt, in diesem Fall glaube ich, daß Schnitt und Paßform für mich ideal sind, deshalb mag ich den Rock so gerne.
Der Blusenstoff ist eine Viscose aus dem örtlich Stoffgeschäft. Obwohl das Muster und die Farbe so schön herbstlich ist, braucht es natürlich um diese Jahreszeit ein passendes Darüber.

Und wie gut, daß meine Jacke mittlerweile fertig gestrickt ist! Die Rundstrickjacke No. 1 von RosaP hatte ich im Rahmen des Frühjahrsjäckchen-Knitalong des MMM begonnen (ja , im Jahr 2019!) . Mir war schon klar, daß jegliche Finaltermine damals für mich utopisch werden würden, ich stricke nicht so schnell und habe nicht so viele Gelegenheiten zum Stricken.
Aber jetzt ist sie fertig, und ich mag sie total gerne. Sie ist sehr, sehr weich- kein Wunder bei der Garnzusammensetzung. Ich habe mich an die Original-Garnempfehlung gehalten und zweifädig mit Lamana-Garnen gestrickt: einmal Modena, das 30% Kaschmir enthält (der Rest ist Merino), kombiniert mit Milano (10% Kaschmir).
Kaschmirwolle ist einfach ein tolles Material, unvergleichlich weich und leicht und überhaupt nicht kratzig. Aber darf man Kaschmir überhaupt noch kaufen? Früher hatte ich mir darüber überhaupt keine Gedanken gemacht. Was spricht schon dagegen, ein Schaf oder eine Ziege von seiner überdicken Wolle zu befreien? Ich trage im Winter gerne Wolle und freue mich über die guten Wärmeeigenschaften. Im diesjährigen Herbsturlaub hatte ich erstmals ein Merinowollshirt beim Wandern als unterste Schicht getragen und war begeistert. Es wurde nie feucht, egal wie schweißtreibend der Berganstieg war, und der Geruch hielt sich doch über viele Tage in Grenzen.

Aber auch bei der Wolle ist es offensichtlich so, wie bei fast allen tierischen Produkten, daß bei der Vermarktung der Profit im Vordergrund steht und das Tierwohl sehr in den Hintergrund rückt. Kaschmir-Wolle wird durch das Auskämmen des feinen Unterhaares von Kaschmir-Ziegen gewonnen, die überwiegend in China oder der Mongolei leben. Das Auskämmen sollte eigentlich im Frühjahr stattfinden, wenn die Tiere den dicken Pelz nicht mehr benötigen. Pro Ziege und Jahr kann so eine Wollmenge von etwa 140 g gewonnen werden. In meinem Jäckchen steckt eine Kaschmirmenge von 45 g, also weniger als eine halbe Ziege.

Leider bleibt es nicht immer beim Auskämmen der Ziegen, wer sich darüber informieren möchte, dem seien die Videos der einschlägigen Tierschutzorganisationen empfohlen. Kaschmir ist ein auf dem Weltmarkt stark nachgefragtes Garn, und der Tierschutz bleibt dabei auf der Strecke. Manche Hersteller von Naturtextilien haben deshalb Gewebe, das Kaschmir enthält, komplett aus dem Sortiment gestrichen, andere setzen es nur in geringen Prozentsätzen ein. Die Firma Lamana erwähnt auf ihrer Website den Anspruch auf "faire Produktion", arbeitet mit "sorgfältig ausgewählten Partnern" - letztendlich sagt das aber alles nichts aus, ich weiß nicht, wo meine Wolle herkommt. Es gibt meines Wissens auch kein Label für Kaschmir-Wolle, das eine faire und tierschonende Herstellung garantiert. Und wenn es ein Label gäbe, hätte der ordentliche Nomade in der Mongolei, der seine Ziegen vernünftig behandelt, sicher nicht die Möglichkeiten, das Label zu beantragen.

Aber zurück zu meiner Jacke: ich hoffe sehr, daß ich mit diesem Stück, das so klassisch geschnitten ist und eine kombinationsfreudige Farbe hat, ein Kleidungsstück geschaffen habe, das ich viele Jahre tragen kann. Beim heutigen Memademittwoch findet man ganz viele andere Kleidungsstücke, an denen ihre Trägerinnen große Freude haben, bitte hier entlang zur Galerie!
Auch donnerstags gibt es schöne Sachen zu entdecken, bei Sewlala und DDD

Mittwoch, 2. Oktober 2019

Fibre Mood Gusta

Die belgische Zeitschrift Fibre Mood habe ich schon einige Male gekauft, bisher aber nichts draus genäht. Mir gefielen  immer einige Modelle in den Heften, das ergab dann ja auch die Kaufentscheidung, aber so den letzten Kick, daß ich dachte, so ein Kleidungsstück unbedingt und jezt haben zu müssen, so ging es mir bisher mit keinem Modell. Es gibt ja nun auch so viel anderes zu nähen, und die innere to-sew-Liste ist üppig gefüllt.
Das änderte sich mit der aktuellen FibreMood und dem Gusta-Kleid, das dort gezeigt wurde. Hier wußte ich, dieses Kleid brauche ich, und zwar sofort.

Gusta ist ein schlichtes Kleid. Im Vorderteil hat es französische Abnäher, in die praktischerweise Taschen eingearbeitet sind. Über der Brust verläuft eine Teilungslinie, die aber wohl nur dekorativen Zweck hat- dazu mehr später. Der Schnitt ist sehr figurumspielend um nicht zu sagen oversized, und der eher kurze Rock etwas eingestellt.Die Ärmel sind gerade geschnitten, mit einer schön hohen Armkugel und gehen bis knapp über den Ellbogen.

Es gibt eine gewisse Ähnlichkeit dieses Schnittes mit dem Schnitt Raven aus der LaMaisonVictor. Auch hier ist die Gesamtsilhouette so etwas eiförmig, dabei aber durchaus proportioniert. Bei Raven hatte der Schnitt allerdings vertikale Teilungsnähte, in die die Taschen eingearbeitet werden. Diese schräge Version von Gusta finde ich um einiges eleganter.
Mich hat der Schnitt sehr an Heather von Sewoverit erinnert. Auch hier eine ähnliche Silhouette, wobe bei Heather die Teilungsnähte geschwungen verlaufen und dadurch das ganze Kleid etwas figurbetonter wird.

Zurück zu Gusta: Gusta mußte also ziemlich gleich genäht werden, sobald ich das Heft in den Händen hielt. Das ist ja nun das schöne an den Nähzeitschriften, daß man den Schnitt sich einfach abpausen und dann auch gleich loslegen kann. Bei manchen Zeitschriften ist dieses Abpausen aber so furchtbar, daß dadurch der Nähflow sicher und nachhaltig gebremst wird.
Den Schnittmusterbogen aus der Fibre Mood fand ich erfreulich übersichtlich. Nicht nur, daß ich auf Anhieb die richtigen Teile auf den richtigen Bögen gefunden habe , auch die Linien selbst fand ich zumindest in meiner Größe so gut zu differenzieren, daß mir das Abpausen wenig Mühe gemacht hat. Allerdings waren es auch nur wenig Schnittteile, und die waren auch von der Geometrie her nicht so schwierig.

Die Nähanleitung findet sich bei der Fibre Mood im Heft, allerdings nur in einer rudimentären Kurzfassung, die fast nur aus Zeichnungen besteht. Wer sich damit nicht zufrieden geben möchte, findet auf der Website von Fibre Mood die ausführliche Nähanleitung. Das ist alles kostenlos, man müßte dazu also weder Heft noch Schnitt gekauft haben, muß sich allerdings dafür anmelden- irgendwas ist immer.
Die Fibre Mood Seite ist auch sonst interessant und bemüht sich sehr, weitere Informationen zu geben. So gibt es auch einen Punkt Stilempfehlung zu jedem Schnitt. Hier geht es nicht darum, wie ich ursprünglich dachte, die richtigen Assessoires oder Schuhe zu einem genähten Teil zu empfehlen. Nein, es gibt ganz praktische Empfehlungen, welchem Figurtyp der Schnitt steht und welchem nicht. Die weiblichen Figuren werden hier durch Großbuchstaben katalogisiert- eine Einteilung, die ich immer schon mal am Rande registriert, aber nie für wichtig gehalten hatte. Ich empfand es immer als unangebrachte Vereinfachung, etwas so Persönliches und Individuelles wie die Figur einer Frau in Schubladen zu stecken, ob sie jetzt Buchstaben tragen oder nicht. Wie auch immer, ich las diese Stilempfehlungen, machte auch den angegebenen Test und fand mich als X-Typ wieder. Oder doch eher V-Typ? So ganz sicher war ich mir dann doch nicht, denn so eindeutig scheint die Typisierung nicht zu sein.


Für den X-Typ, las ich weiter, sei dieser Schnitt völlig ungeeignet. Und für den V-Typ sei er auch nicht günstig. Zum Glück hatte ich diese Erkenntnis erst gewonnen, als ich das Kleid schon zugeschnitten hatte, und ich habe das ganze erst mal ignoriert und frohgemut weiter genäht. Ich hatte übrigens die Größe 38 gewählt. Da ich mich mit dem Schnitt aus der ungewohnten Zeitschrift doch etwas im Neuland bewegte, habe ich einen Stoff gewählt, der mir zwar gefiel, aber in meinen Augen nicht so hochwertig war wie manche Schätze aus meinem Stoffvorrat.

Meine neue Nähassistentin war sehr bemüht, mir beim Zuschnitt zu helfen. Man beachte, wie sie mit iher linken Pfote perfekt den Papierschnitt fixiert!
Es ist ein Jaquard von Swafing, der als Besonderheit seinen eigenen Bündchenstoff in Form von Streifen am Stoffrand mitbringt- gute Idee, aber dann doch nicht gut genug, denn das Bündchen wird dann natürlich nicht in der besten Dehnrichtung des Stoffes zugeschnitten, sondern im rechten Winkel dazu. Aber es hat trotzdem funktioniert, ich mußte nur etwas mit der Bündchenlänge experimentieren.

Also , das Kleid wurde genäht, anprobiert- und war unmöglich an mir. Viel zu weit, sackförmig...ich erkannte, die Fibre Mood hatte recht, dieser Schnitt war nichts für mich. Aber sollte ich deshalb dieses Kleid gleich dem Altkleidersack überantworten? Das konnte doch nicht sein, immerhin hatte ich mir zumindest mit dem Bündchen so große Mühe gegeben. Ich zuppelte und drapierte das Kleid etwas an mir herum vor dem Spiegel, und siehe da, es fehlte eigentlich nur etwas Kontur im Taillenbereich. Kurz überlegte ich, ob ich die Seitennähte etwas enger nähen sollte, das ergab aber eine sehr eigenartige Form. Die rettende Idee waren Taillenabnäher im Rücken, das sah gleich viel besser aus, als ich die mal probeweise abgeheftet hatte.

Und so ergänzte ich dieses Kleid durch Rückenabnäher, mit einem relativ großen Abnäherinhalt, nämlich pro Abnäher 2x 1,5 cm, insgesamt habe ich also 6 cm in der Tailleinweite herausgenommen. Mir kam das eigentlich als ein recht gewaltsamer Eingriff in die Schnittkonstruktion vor, vor allem dieses nachträglich Einfügen der Abnäher, aber das Ergebnis fand ich für mich sehr überzeugend. Das Kleid saß deutlich besser, und plötzlich gefiel mir die Schnittführung mit den hübschen französischen Nähten im Vorderteil, die sonst völlig im "Zelt" untergegangen waren.

Für mich ist das Kleid kein Lieblingskleid, sondern eher ein Alltagskleid, also eines, was ich nach seiner Fertigstellung ständig getragen habe. Deshalb hatte ich auch keine Hemmung, es zum Fahrradfahren anzuziehen. Ich mußte ja nicht drauf aufpassen, war ja nur ein Prototyp, und der Stoff nicht so sehr geliebt! Die Umwelt sah das anders, ich bekam ständig Komplimente dafür, die ich natürlich auch gerne entgegen genommen habe .

Nachdem der Gusta-Schnitt sich bei diesem Kleid so bewährt hatte, trotz mancher Holpereien, griff ich mir dann doch noch ein Schätzchen aus dem Stoffregal für Gusta No 2. Es handelt sich hier um einen French Terry der belgischen Firma Seeyouatsix, die sich durch hohe Stoffqualität und witzige Designs auszeichnen. Bei den Stoffdesigns bin ich mir oft nicht sicher, ob das Muster wirklich als ernsthaftes Damenmuster oder eher als Witz für Teenager gedacht ist...egal, diesen Stoff fand ich schön, sobald er im letzten Frühjahr auf den Markt kam und habe ihn lange und immer wieder mal im Regal gestreichelt.  Ach, Stoffesammeln ist auch so ein schönes Hobby!

Er heißt übrigens Darkest SpruceGreen Flower Garden, ich weiß nicht, ob er noch in irgendeinem Onlineshop erhältlich ist. Ich hatte ihn direkt in Belgien bestellt, das ist unproblematisch.
Genäht habe ich diesmal Gr 36, da ich die erste Fassung doch etwas zu groß fand und der belgische French Terry auch noch dehnbarer als der Jaquard war. Die horizontale Teilungsnaht im Vorderteil habe ich weggelassen, die hätten nur meine hübschen rosa Blümchen zerstört. Obwohl ich auch einen passenden Bündchenstoff gehabt hätte, habe ich diesmal den Ausschnitt mit Belegen gearbeitet, wie es der Schnitt auch vorsieht. Und das gibt doch einen etwas eleganteren Touch, wie ich finde.

 Beim zweitenmal Nähen ist mir dann aufgefallen, daß ich bei der ersten Version die Taschen verkehrt zugeschnitten hatte. Die Fibremood-Schnitt haben nämlich keine Nahtzugaben, die fügt man dann beim Zuschneiden dazu. Ausnahmen bestätigen die Regel, denn der Taschenschnitt hatte bereits Nahtzugaben, das stand auch in der Anleitung so. Und ich hatte mich beim ersten Kleid schon etwas gewundert, warum die Taschen so schlecht einzupassen waren. Also auch gilt eindeutig: wer lesen kann, ist klar im Vorteil!
Obwohl mir die Gr. 36 besser passte als die 38, habe ich auch hier Rückenabnäher eingefügt für den besseren Sitz. Diesmal allerdings ordentlich in den Schnitt eingezeichnet, mit einem Abnäher-Inhalt von 1,4 cm pro  Abnäher. So finde ich den Sitz für mich ideal.

Und nein, es gibt kaum Fotos, wo ich nicht die Hände in den Taschen habe. Diese Taschen sind so genial, da muß man einfach die Hände drin versenken!

Ich habe jetzt mit dem Gusta-Kleid einen neuen Lieblings-Schnitt gefunden und könnte mir gut auch noch weitere Versionen vorstellen. Der Schnitt kann übrigens auch aus Webware genäht werden , wie Madebyminouki mit ihrer Version sehr schön zeigt. Da hätte ich hier auch noch einige geeignete Stoffe liegen!

verlinkt: Memademittwoch
DufürDicham Donnerstag
Sewlala

Dienstag, 3. September 2019

Pietra Pants von Closet Case



"Wer Jogginghosen trägt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren..." dieser bekannte Spruch von Karl Lagerfeld geht mir immer durch den Kopf, wenn ich eine Hose mit Gummizug in der Taille sehe. Auch wenn dieser Hosenstil zur Zeit durchaus gesellschaftsfähig ist, habe ich um solche Schnittmuster eher einen Bogen gemacht. Ich hatte mal eine Hose mit Gummibandbund genäht, die Alexandria Peg Trousers von Named , das Ergebnis war so schlafanzugmäßig, daß diese Hose fast nie getragen wurde.

Deswegen war ich auch eher enttäuscht vom neuen Schnittmuster von Closet Case, den Pietra Pants. Ein Hosenschnitt, eher für Anfänger gedacht, mit rückwärtigem Gummizug in der Taille. Andererseits haben mich alle anderen Hosenschnittmuster von Closet Case so überzeugt, daß ich auch diesem Schnitt eine Chance geben wollte.

Der Pietra-Schnitt ist wirklich simpel. In der vorderen Mitte jeden Hosenbeines verläuft eine Naht, dies ermöglicht eine sehr einfache Taschenkonstruktion mit geraden Nähten, bei der das Taschenteil einfach einmal gefaltet wird.Die Vorderhose hat am Bund Belege, die rückwärtige Hose einen Tunnel, durch den ein breites Gummiband gezogen wird.

Der Schnitt enthält verschiedene Hosenformen und -längen. Sehr gut gefiel mir bei den Designbeispielen die Shorts-Version, aber die Zeit für Shorts ist für dieses Jahr weitgehend vorbei, das hebe ich mir für den nächsten Sommer auf.

Die Versionen mit weitem Hosenbein, egal ob 7/8 oder ganz lang, fand ich in allen gezeigten Beispielen sehr unförmig und nicht gut proportioniert. Aber es gibt auch eine Version mit am Knöchel  engem Bein ("tapered"), und die habe ich genäht.

Wie immer bei Closet Case habe ich die Hose in Gr 8 genäht und zur Taille hin zu 10 gradiert. Das Gradieren zwischen den Größen ist in der Anleitung sehr ausführlich erklärt. Überhaupt ist die ganze Anleitung noch gründlicher, als man es von den ClosetCase Anleitungen sowieso schon gewohnt ist. Viele Nähtechniken wie" understitching" oder" stitch in the ditch" werden nochmal extra erklärt, das ist schon ein schöner Service für einen Nähanfänger.

Die Schrittkurve habe ich angepaßt und steiler gestellt und in der hinteren Mitte um ca 3 cm gekürzt. Wenn schon Jogginghose, dann jedenfalls eine gut sitzende!
Das Nähen ging erwartungsgemäß schnell und war sehr angenehm. Keine schwierigen Stellen, kein Reißverschluß, bei dem man immer wieder über die Sache mit dem rechts und links sinnieren muß...das Schwierigste war noch das Einnähen und Absteppen des Gummibandes, denn das muß schon sehr stark gedehnt eingenäht werden. Ich glaube, das hätte ich als Nähanfänger nicht so gut hinbekommen. Ich habe die Hose an zwei Abenden genäht, ohne mich groß davon gestresst zu fühlen.

Der Stoff ist ein Leinen, den ich vom Atelier Goldfaden bezogen habe. Das ist ein Stoffgeschäft in Bern mit einem sehr interessanten Angebot. Viel Leinen, viele Naturfasern, das sprach mich alles sehr an. Bei der Bestellung hatte ich einen sehr netten Kontakt mit der Inhaberin Miriam, da die Lieferung der Stoffe außerhalb der Schweiz eigentlich nicht vorgesehen ist. Es fiel auch einiges an Nebenkosten an, Porto, Kosten für den Transfer meiner Euros in den Nicht-EU Staat Schweiz...und zuguterletzt landete das Päckli dann auf dem Hauptzollamt, da natürlich auch noch Einfuhrsteuer zu entrichten war.

Ich habe wirklich nichts gegen einen Besuch auf unserem Zollamt, das ist immer eine amüsante Erfahrung. Und das meine ich gar nicht ironisch! Aber es ist eine Behörde, die sich offensichtlich nicht überarbeitet, und die entspannten Mitarbeiter nehmen ihre Arbeit anscheinend sehr ernst. Warten mußte ich noch nie, und meine Erklärung, daß das Päckchen Stoff enthält, sorgt jedesmal für allgemeine Erheiterung im Amtsraum. Sonst befassen sie sich wohl überwiegend mit Elektronik aus Fernost, und da ist so Päckchen mit Leinenstoffen aus der Schweiz sicher eine willkommene Abwechslung. Wenn ich aber die ganzen Nebenkosten zusammenrechne, komme ich  doch auf erhebliche Kosten für meinen Leinenstoff...und leider bekommt das nicht der  litauischen Weber, der meinen Stoff hergestellt hat, sondern der Staat, die Post und irgendwelche Finanzdienstleister...beim nächsten Mal fahre ich lieber mit der Bahn nach Bern, geneiße ein Wochenende in der Schweiz und mache hemmungslos Shopping im Atelier Goldfaden!

Aber egal, der Stoff ist wunderschön, und ich finde ihn auch sehr geeignet für die Pietra- Hose. Er ist unglaublich  weich für einen Leinenstoff, so daß auch die Kräuselung im Rücken noch akzeptabel fällt.
Insgesamt bin ich mit der Hose nicht unzufrieden. Sie ist bequem, vor allem für eine Hose, die so hoch in der Taille sitzt. Die Kombination mit passenden Oberteilen finde ich nicht ganz so einfach, den mit weiten Blusen oder Shirts wird das Outfit an mir sehr unförmig. Ich habe es hier mit der Biscayne Bluse von Hey June kombiniert.

Biscayne ist sozusagen die kleine Schwester der bekannteren Cheyenne-Bluse, die ja vor einigen Jahren auf den Blogs so gern gezeigt wurde. Biscayne hat einen ähnlich hübschen kleinen Stehkragen, der mir auch an der Cheyenne Bluse so gut gefällt. Im Gegensatz zu ihrer bekannten Schwester hat sie eine verdeckte Knopfleiste in der vorderen Mitte. Beim Nähen habe ich dieses schöne Detail allerdings in eine Fake-Knopfleiste verwandelt, da ich die Knopflöcher zu nahe an die Bruchkante positioniert hatte. Diesen Fehler hatte ich bei meiner ersten Biscayne auch schon gemacht- aber wenn man schon Fehler macht, soll man sie doch auch konsequent durchziehen, oder? Letztendlich ist das kein größeres Problem, da man die Knopfleiste einfach  zunähen und Knöpfe aufnähen kann- der Ausschnitt ist weit genug.

Die Pietra-Hose ist Teil einer Kollektion, die Closet Case unter dem Namen Rome-Kollektion vermarktet. Gedacht ist es als  kleine Grundgarderobe, neudeutsch "capsule wardrobe" , wie man sie z.B. auf einer Reise mitnimmt und bei der alle Teile kombinierbar sind.
Ich habe die Schnitte als Bündel gekauft, weil der Preis dann sehr günstig war und ich mir davon gut sitzende Basisteile erhofft habe. Es gibt noch ein Oberteil, das Cielo-Top, das auch als Kleid genäht werden kann, und einen Rockschnitt mit verschiedenen Variationen.

Genäht habe ich -außer den Pietra Pants- bisher nur das Cielo-Top. Der Schnitt ist weit und kastig - sehr weit und sehr kastig. Ich habe ihn aus einer Viskose genäht, da fällt die Weite nicht so sehr auf.
Natürlich habe ich auch die Kombination Pietra-Hose und Cielo zuhause anprobiert- davon habe ich keine Bilder gemacht, die wollte ich dem geneigten Leser ersparen.... 


Wenn ich das Top aber zu einem engen Rock kombiniere, finde ich die Form ganz akzeptabel. Allerdings ich habe immer das Verlangen, es in den Rockbund reinzustecken, damit es nicht gar so unförmig ist.
Da das Top aber auch recht kurz ist, rutscht es immer wieder aus dem Rockbund raus, sobald ich mal die Arme über die Horizontale hebe. Außerdem rutscht das ganze Teil immer über die Schultern nach hinten oder zur Seite. Ich müßte wahrscheinlich noch die Schulter anpassen und die Schulternaht etwas nach vorn rotieren, und den hinteren Ausschnitt etwas enger nähen. Vielleicht mache ich diese Änderungen noch, wenn ich die Kleiderversion nähe- das könnte ich mir tatsächlich ganz gut vorstellen, vielleicht aus Leinen- im nächsten Sommer!

Jetzt trage ich erst mal in diesem Herbst meine Pietra-Hosen und schaue, wie ich mich mit dem jogginghosen-mäßigen Outfit anfreunden kann. Bei Gelegenheit werde ich darüber berichten, ob ich wirklich dadurch die Kontrolle über mein Leben verliere...aber nach den bisherigen Trageerfahrungen kann ich nur sagen: Karl Lagerfeld hat in diesem Punkt nicht recht!
verlinkt: memademittwoch
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              Sewlala
              DufürDichamDonnerstag

Mittwoch, 7. August 2019

Lizzie-Skirt von Sewoverit

"Der ist ja gar nicht blau!" Das war die erste Reaktion meines Mannes, als ich ihm voller Stolz meinen neuen Rock , den Lizzie-Skirt des britischen Schnittmuster-Labels Sewoverit vorführte. Nein, blau ist der Rock wirklich nicht, aber das ist so ziemlich das einzige, was man ihm vorwerfen kann.
Das Besondere an diesem Rock ist sicher der Stoff. Große korallfarbene Blüten tummeln sich etwas unkoordiniert auf tannengrünem Grund, das ist kein Design, was in mein sonstiges diskretes Farbschema von grau-blau und ein bisschen dunkelrot   passt. Ich hatte mir mit der Wahl des Stoffes auch  schwer getan und lange hin und her überlegt- zu schön fand ich alle Stoff-Designs und Farbkombinationen der dänischen Stoff-Firma "Mindthemaker". Die naheliegende Idee, alle Stoffe zu kaufen, mußte ich leider wieder verwerfen (die Vernunft und so..), wobei ich trotzdem gerne zugebe, daß noch ein weiteres Stoff-Schätzchen dieser Firma in meinem Stofflager auf seine Bestimmung wartet.

Das Material ist aber auch zu toll. Eine feste Viskose, gut zu vernähen und ein traumhafter Fall, wie man vielleicht auch an den Bildern dieses Rockes sieht. Mindthemaker hängt wohl auch irgendwie mit den Herstellern des MeetMilk-Tencels zusammen, oder ist es die gleiche Firma? So ganz werde ich aus den Websites der beiden Firmen ja nicht schlau, zumal beide Websites kein Impressum haben. Aber das ist bei der Qualität der Stoffe vielleicht nicht so wichtig. Vertrieben werden die Mindthemaker-Stoffe über diverse deutsche und europäische Online-Shops, da muß ich hier keinen speziell verlinken.
Als ich den Stoff in den Händen hielt, war mir sofort klar, daß daraus ein Rock werden sollte. Manche Stoffe sprechen ja sofort zu mir, oder spätestens wenn ich sie um mich herum drapiere, merke ich, was sie werden wollen. Diese Viskose wollte ein Faltenrock werden.

Nun gibt es ja ganz viele Schnitte für Faltenröcke, man könnte den Schnitt auch selber machen, das ist nicht weiter schwierig, so eine Falte zu berechnen. Aber in diesem Fall hat sich der Kauf des Schnittmusters gelohnt, da der Lizzie-Rock eben nicht irgendein Faltenrock ist, sondern die Falten sehr gekonnt und mit Überlegung angeordnet sind.

Die Falten sind rechts und links von der vorderen und hinteren Mitte angeordnet, so daß an den Seiten  ein Bereich ohne Falten bleibt. Die Faltentiefe ist auch diskret unterschiedlich, die Falten an den Seiten sind etwas tiefer als die in der Mitte. Ich dachte ja zuerst, daß ich die Markierungen meiner Größe falsch übertragen hätte, aber das wirklich so gemeint. Der Unterschied ist nicht groß, macht etwa einen cm in meiner Größe aus und ist am fertigen Rock natürlich nicht zu erkennen. In der vorderen und hinteren Mitte des Rockes ist eine Naht, und beide Mitten sind nicht ganz parallel zum Fadenlauf.

Ich glaube, daß all diese kleinen Finessen dazu beitragen, daß der Rock einfach unglaublich gut und schmal fällt, trotz seiner objektiven Weite. Für mich war das wieder mal die Bestätigung, daß es sich lohnen kann, auch für einen anscheinend simplen Schnitt ein professionell erstelltes Schnittmuster zu verwenden.

Der Schnitt enthält übrigens auch noch einen Futterschnitt, der aber  glatt ohne Falten und nur in A-Form geschnitten ist. Auf das Rockfutter habe ich bei diesem Sommerrock natürlich verzichtet, aber ich könnte mir tatsächlich auch eine Version für den Herbst vorstellen, vielleicht aus einem karierten Stoff, dann zu Stiefeln und über eine Strumpfhose.

Ich habe den Rock in der Größe 12 genäht nach meiner Taillenweite, das war dann eigentlich doch etwas zu weit. Aber ich hatte so Angst, einen zu engen Taillenbund bei Hitze tragen zu müssen und habe mich deshalb für die weitere Version entschieden. Dadurch rutscht der Rock etwas unter meine natürliche Taille, was aber überhaupt nicht stört. Er ist wunderbar bequem, auch im Sitzen engt nichts ein.
 Der Rock hat natürlich Taschen, nämlich einfache Nahttaschen in der Seitennaht. Verschlossen wird er mit einem nahtverdeckten Reißverschluß in der hinteren Mitte.
die Pflaumen waren reif-ich konnte ihnen nicht widerstehen
Vielmehr kann ich über den Rock  nicht schreiben, denn es ist wirklich nur ein schlichter Faltenrock, der vor allem durch diesen wunderbaren Stoff wirkt. Aber ist das nicht die Aufgabe eines guten Schnittmusters, einen schönen Stoff wirken zu lassen?
lecker, so ein Pflaume vom Baum!
Ich freue mich sehr, heute wieder durch die Galerie des Memade-Mittwoch zu flanieren- es ist immer wieder schön zu sehen, welche Schätze durch unsere Handarbeit entstehen!
Und auch bei Sewlala gibt es schönes zu entdecken...