Mittwoch, 13. Juni 2018

Jenny- Shorts von Closet Case

Eine kurze Hose fehlte schon im letzten Jahr in meiner Sommergarderobe. Ich wußte genau, wie sie ausssehen sollte: eher tiefe Taille, Hosenbeine länger, wie eine Bermuda, als Sonnenschutz beim Radfahren. Der Stoff sollte unempfindlich sein, am besten Jeans, also was zum Strapazieren für die Freizeit.

Genäht habe ich eine kurze Hose mit eher hochsitzender Taille, mit sehr kurzen Beinen, aus einem Leinenstoff, der schon bei normalen Radtouren sofort knitterte, vom Aussehen nach einem Regenguß ganz zu schweigen...na ja, schließlich kann man ja mal seine Pläne ändern, oder?

Diese Sinneswandlung ist dem neuen Schnitt von  Closet Case zu verdanken. Ich bin ja treue Anhängerin von manchen Indie-Schnittdesignerinnen und stehe auch dazu. Closet Case habe ich so viele schöne Schnitte zu verdanken, daß die wenigen Flops ( man möge mich nicht an das Ebony- Shirt erinnern, das war nicht mal zur Gartenarbeit tauglich...) rasch vergessen wurden.
Also es gab einen neuen Schnitt von Closet Case, Jenny, für eine Latzhose. Ja, bisher wußte ich ja auch nicht, daß ich eine Latzhose brauche, aber der Schnitt gefiel mir so gut, daß ich ihn direkt nach dem Erscheinen bestellte und plotten ließ.

Hosenschnitte sind immer eine Herausforderung, was die Anpassung angeht. Man kann vieles nicht mehr nach dem Zuschnitt ändern, so ist ein Probemodell eine gute Option. In diesem Fall wollte ich auch unbedingt ein Probemodell, da ich aus den Kommentaren und den Instagramm-Posts erfahren hatte, daß dieses Schnittmuster nach einem etwas geänderten Grundschnitt im Vergleich zu den früheren Hosenschnitten von ClosetCase entworfen war.

Und da in dem Schnitt ganz viele andere Versionen auch enthalten sind, unter anderem auch Hosen in verschiedenen Längen, entschied ich mich für eine Shorts als Testmodell.
Ich habe dafür einen Leinenstoff verwendet, der schon lange in meinem Stoffstapel auf seinen verdienten Auftritt wartet.. Ich weiß nicht mehr ganz genau, woher der Stoff stammt, aber es war ein Reststück von knapp einem Meter, den ich nur wegen der schönen Farbe dann doch mitgenommen hatte. Es ist ein Crash-Leinen mit einer sehr schönen Struktur. Ich wollte den Stoff schon lange verarbeiten, aber immer wenn er in der engeren Wahl war, war die Menge dann doch nicht ausreichend.
Für die Jenny-Shorts hat  der Stoff aber dann gereicht!

Das Nähen war eine reine Freude, wie immer bei den ClosetCase Schnitten, da die Anleitung so hervorragend ist. Und wie immer gibt es was zu lernen, in diesem Fall das Einnähen eines verdeckten Reißverschlusses an der Seite. Für diejenigen, denen die Anleitung zu kurz gefaßt ist, gibt es noch ein Blog-Tutorial.
Genäht habe ich Größe 8. Ich hatte am Schnitt die Schrittkurve steiler gestellt, nach Gefühl, und an der hinteren Mitte ca 10-15 mm gekürzt. Die Paßform gefällt mir so recht gut!
Ich habe den Reißverschluss anleitungsgemäß auf der rechten Seite eingesetzt, ist ja auch für einen Rechtshänder durchaus komfortabel. Warum haben eigentlich alle Kaufklamotten ihre Reißverschlüsse auf der linken Seite?

Die Bluse , die ich dazu trage, ist die Biscayne-Bluse von HeyJune Patterns. Sie paßt nicht nur farblich gut dazu, sondern auch deswegen, weil die Innentaschen der Hose aus dem gleichen Stoff gemacht sind. Leider gibt es so wenig Gelegenheiten, wo man sowohl das Innenfutter der Taschen als auch die dazu passende Bluse zeigen kann...gehört also eher in die Kategorie der geheimen Freuden!

Biscayne wird oft als die ärmellose Cheyenne-Bluse bezeichnet, und so sehe ich sie auch. Ein absolut schöner Schnitt, nicht ganz so bekannt wie die Cheyenne von HeyJune, aber genau so durchdacht und alltagstauglich. Auch bei der Biscayne lernt man übrigens etwas, in dem Fall das Nähen einer halben verdeckten Knopfleiste.

Mein Exemplar gefällt mir im Nachhinein doch nicht so gut, aber das liegt an meiner Stoffwahl. Ich hatte einen Viscosestoff mit einer seitlichen Bordüre verarbeitet, und diese Bordüre als Saumabschluss genommen. Prizipiell ja keine schlechte Idee, aber wenn dann die geschwungenen Säume die Bordüre durchbrechen, kommt weder Saum noch Bordüre zur rechten Geltung. Aber es wird sicher noch eine weitere Biscayne folgen!


Und der Jenny-Overall ist natürlich auch in Planung, diesmal als richtige Latzhose, mit den Culotte- Hosen. Wie schön, daß es jetzt so viele neue Link-Parties gibt, da muß man ja unbedingt neue Dinge nähen!

Ach ja, vielleicht möchte jemand noch wissen, wie unsere Fahrradtour, auf der wir die Bilder gemacht hatten, weiter ging? Es war ja eine schwüle Gewitterstimmung, als wir los fuhren. Der Himmer wurde immer dunkler, und dann kam es , wie es kommen mußte: ein Gewitterschutt, der mich mit meinem schönen Outfit komplett durchnäßte.


 Zum Glück war es ja warm- aber so naß war ich lange nicht gewesen. Soll ich jetzt die Shorts und das Top als wetterfest bezeichnen? Die Bluse war ja dank ihres leichten Viscosestoffes rasch wieder trocken, aber die Jenny-Shorts brauchten dafür bis zum nächsten Morgen...ist also eher keine Funktionskleidung.
So, jetzt geht es ans Verlinken mit den neuen Donnerstags-Aktionen:
Sewlala
DufürDichamDonnerstag
Wof

Mittwoch, 6. Juni 2018

Myosotis von Deer and Doe und Gedanken zum Memademay

Ich nähe sehr gerne die Modelle des französischen Labels Deer and Doe. Für mich sind diese Entwürfe sehr klassisch und feminin, ohne dabei langweilig zu sein. Es gibt viele verspielte Elemente, aber keine billige Effekthascherei. Kurz: es sind einfach tragbare Kleidungsstücke,  an denen man lange Freude hat. Deswegen habe ich mich auch auf die diesjährige Frühjahrskollekton von Deer and Doe so wie immer sehr gefreut. Und ich wurde nicht enttäuscht: eine Hose, weit geschnitten, mit interessantem Seitendetail könnte ich mir gut an mir vorstellen. Die Jacke ist ein Traum, wobei ich noch nicht den passenden Kombipartner in meiner Gardereobe gefunden habe...und das Kleid Myosotis, das ich heute zeige.

Mit Myosotis und mir, das war Liebe auf den ersten Blick. Ein Hemdblusenkleid, mit einem kleinen Stehkragen, V-Ausschnitt- sobald ich das realisiert hatte, war es völlig um mich geschehen. Und wie es so ist in der ersten Verliebtheit, leidet darunter die Kritikfähigkeit. So übersah ich völlig, daß dieser Schnitt schon sehr oversized gedacht ist...

Aber der Reihe nach. Ich bestellte den Schnitt, ein passender Stoff, eine Leinenviscosegemisch in einer traumhaften Farbe war auch rasch gefunden, bezogen habe ich ihn hier. Die Farbe ist ein weiches Korallenrot, oder eher ein orangenes pink? wie auch immer, diese Farbe ist unglaublich. Und dass meine Hortensie farblich so gut dazu paßt, das war wirklich Zufall!


Das Nähen der Deer and Doe Schnitte ist immer eine reine Freude. Sie sind handwerklich perfekt, die Anleitung ist korrekt und ausreichend. Das Oberteil war rasch genäht und anprobiert. Es gefiel mir gut, der überschnittene Stil war bequem und saß gut.

Den Rock hatte ich ja schon etliche Größen kleiner zugeschnitten. Eigentlich nähe ich bei Deer and Doe Gr 40, das paßt mir gut und so hatte ich auch das Oberteil genäht. Den Rock hatte ich aber in der kleinsten Größe zugeschnitten. Das Schnitteil ist allerdings nur ein Rechteck, das oben eingekraust wird, mit seitlichen Nahttaschen. Die vorgesehene Länge hatte ich  um einiges verlängert. Im Originalentwurf ist das Kleid recht kurz, bis ungefähr Mitte der Oberschenkel. Nun habe ich nichts dagegen meine Beine zu zeigen, z.B. im Bikini oder beim Sport...aber ein Sommerkleid, das ich natürlich ohne Leggins oder Strumpfhose darunter tragen möchte, das habe ich lieber etwas länger. Ich will mich ja auch mal hinsetzen können im Kleid, ohne allzu viel Einblicke zu bieten. Ein Kleid, nur um damit herumzustehen, das brauche ich nicht.

Der Rock wurde an der oberen Kante planmäßig eingekraust, ans Oberteil angehalten und -gesteckt...hmm, war nicht überzeugend. Aber angesteckte Röcke sind nie überzeugend, und so nähte ich dann Rock und Oberteil beherzt zusammen und stellte mich gespannt vor den Spiegel.
Das Ergebnis war von vorne hübsch, von hinten akzeptal und von seitlich den Eindruck erweckend, daß ich ein Zelt mit mir herum trage. Im Nachhinein bereue ich es ja doch, daß ich davon kein Bild gemacht habe, aber das ganze war mir dann zu eindeutig nicht tragbar, als daß ich mir die Mühe eines Fotos machen wollte.
Was war das Problem? Ganz einfach, die Silhouette des Kleides stimmte nicht an mir.
Ich habe durch die Näherei ja doch einiges gelertn, was die Silhoutte meiner Kleidung angeht. Vieles macht man ja automatisch. Wenn ich Klamotten kaufe, gehe ich in die Kabine, ziehe fünf Stücke an, behalte eines. Dann kommt die Verkäuferin, reicht mir in die Kabine drei dazu passende Teile, und wieder kann ich ausprobieren, was mir gefällt. Beim Selbernähen ist dieses Ausprobieren um einiges mühsamer, da jedes neue Teil mit einiger Arbeit verbunden war. Das ist dann doch schade, wenn es wieder verworfen wird. Besser ist, sich vorher zu überlegen, was gut und stimmig aussieht.

Ich trage durchaus gerne Kleidungsschnitte, die etwas oversized sind, es muß nicht immer alles hauteng sitzen. Aber zu einem überschnittenen Oberteil brauche ich dann eine enge Hose, oder eine weite Hose muß für mich mit einem engen Oberteil kombiniert werden. Bei diesem Kleid sind sowohl Oberteil als auch Rock weit geschnitten, das kann für mich nicht gut gehen.
Die Lösung ist eine definierte Taille. Schon bei der Anprobe vorm Spiegel hatte ich das dringende Bedürfnis, die Taille irgendwie zu raffen. Mir fiel dazu ein Gürtel ein, aus dem gleichen Stoff, mit stoffbezogener Schnalle...die Idee finde ich immer noch gut, aber ich habe zunächst die "quick and dirty" Version gewählt und einen Gummizug in die Taille gebastelt.

Dazu habe ich ganz pragmatisch die mit der Overlock versäuberte Nahtzugabe des Saumes zwischen Oberteil und Rock auf dem Oberteil an der Kante der Nahtzugabe festgesteppt. Der entstandene Tunnel war gerade so ausreichend für ein Gummiband.
Für mich stimmen jetzt die Proportionen, es gibt einen definierten engen Bereich in der Taille und die Länge des Kleides paßt zur Gesamtform. Wieder was gelernt!
So bin ich wieder sehr glücklich mit meinem neuen Kleid und dem Schnitt, die Verliebheit war gleich wieder hergestellt. Ja, wahre Liebe überdauert eben kleine Fehler des anderen!
Der Schnitt heißt Myosotis, ein Blumenname wie alle Deeranddoe-Schnitte. Myosotis ist das Vergißmeinnicht, zufällig auch eine meiner Lieblingsblumen, die im Frühjahr in einem ganz zauberhaften Blau blüht.
Über die Blühzeit des Vergißmeinnicht hoffte ich jetzt, einen eleganten Schnörkel zum Mai, zum Memademay , zu schlagen- klappt nicht ganz, da meine Vergißmeinnicht im Mai schon verblüht waren. Also muß es ohne Schnörkel gehen!

Der Memademay ist eine Aktion, die von der englischen Nähbloggering Sozo vor einigen Jahren ins Leben gerufen wurde. Wer daran teilnimmt, "verpflichtet" sich,, im Mai Selbstgenähtes zu tragen. Natürlich ohne Zwang, jeder kann sich seine Aufgabe für den Mai selbst wählen- jeden Tag mindestens ein selbgenähtes Stück, oder jeden Tag einen Rock, oder ein umgearbeitetes Stück...wenn man sich die Einschreibekommentare bei Sozo auf dem Blog anschaut, ist alles dabei.
Dieses Jahr waren es über 1000 Frauen, die teilgenommen haben!
Ich finde das unglaublich. Über 1000 Frauen, die gerne nähen, die im Alltag selbstgenähtes tragen und dies auch gerne zeigen- so eine schöne Bewegung in einer Welt, in der sonst eher Hektik und Eile, Hass und auch Krieg im Vordergrund stehen.
Ich habe dieses Jahr zum erstenmal teilgenommen. Ich hatte mir keine besondere Aufgabe vorgenommen, wollte nur dabei sein und versuchen, möglichst viele meiner Outfits zu dokumentieren. Das war einfacher als gedacht: dank Stativ und Handy-App für die Kamera war es recht wenig zeitaufwendig, abends noch ein paar Bilder im Garten zu machen. Und so ist ein schöner Nebeneffekt dieser Dokumentation, daß ich auch das Auf- und Verblühen mancher Stauden und Büsche im Garten so dokumetiert habe.

Es war eine schöne Zeit im Mai. So spannend jeden Tag, die Outfits der anderen Näherinnen zu betrachten, oft mit einem Einblick in die fremden Gärten, Wohn - oder auch Schlafzimmer verbunden. Ich habe viele neue Schnitte kennengelernt und ganz viel neue Inspirationen für weitere Nähprojekte. Ich freue mich schon sehr auf den Memademay 2019, da bin ich wieder dabei.
Alle anderen Inspirationen des heutigen Memademittwoch findet man hier!

Donnerstag, 24. Mai 2018

Gedanken zum Datenschutz DSGVO- german Angst?


Morgen ist der 25. Mai 2018.
Wenn man der Stimmung mancher Blogs im Internet folgt, ist dieses Datum gleichbedeutend  mit dem Untergang, einer Art digitaler Apokalypse, an dem entweder eine Klagewelle ungeahnten Ausmasses auf Blogger stürzt, Strafzahlung in Millionenhöhe drohen oder der kollektive Untergang des digitalen Abendlandes...
Auch ich als kleine Nähbloggerin bin vor dieser Stimmung nicht ganz gefeit, und so habe ich mal versucht, meine Gedanken dazu zu ordnen und zu Papier zu bringen.
Worum geht es eigentlich? Es geht um die Europäische Datenschutzverordung, genauer gesagt um die Verordnung (EU) 2016/670 des Europäischen Parlamentes und des Rates vom 27. April 2016 zum Schutz natürlicher Personen bei der Verarbeitung personenbezogener Daten.
Ich beziehe mich im folgenden auf einen Text , den ich hier gefunden habe. Gar nicht so einfach , den Originaltext der Verordnung zu finden, denn wenn ich Begriffe wie DSGVO oder Datenschutz bei meinem Freund, dem Herrn Google, eingebe, komme ich auf ganz andere Seiten- auf Seiten von Anwaltskanzleien, die mir genau und gerne auch kostenpflichtig anbieten, was ich jetzt tun soll, auf Seiten von Kommentatoren, die die Originalverordnung genau so wenig wie ich verstehen, oder auch auf journalistische Beiträge, die natürlich mit einem worst-case szenario um Leserschaft buhlen.
Also, nochmal ganz sachlich die Frage: worum geht es eigentlich? Es geht um ein ganz, ganz wichtiges Gut heutzutage, um den Schutz unserer persönlichen Daten im Netz. Diese Daten sind hochsensibel und absolut schutzwürdig, genauso wie der Lebensraum der Bienchen, die  sich trotz Pflanzenschutzmitteln weiter für uns verdient machen sollen, oder des Feldhamsters, der sich mühsam in seinem Überlebenskampf behaupten soll...die Liste der Beispiel liesse sich natürlich endlos fortführen, aber darum geht es in diesem Gesetz, das war der Anlass dafür.
Und nein, es geht nicht darum, kleine Blogger vom Bloggen abzuhalten! Denn in der Verordnung steht doch ganz klar bei den Erwägungsgründen unter Punkt 18: Diese Verordnung gilt nicht für die Verarbeitung von personenbezogenen Daten, die von einer natürlichen Person zur Ausübung ausschließlich persönlicher oder familiärer Tätigkeiten und somit ohne Bezug zu einer beruflichen oder wirtschaftlichen Tätigkeit vorgenommen wird...
Natürlich mögen jetzt Juristen diskutieren, was unter ausschließlich persönlicher Tätigkeit gemeint ist. Wenn ich in meinem Blog jeden Morgen beschreibe, wie ich geschlafen habe, ist das ja wohl persönlich. Wenn ich beschreibe, daß ich jeden Morgen meine Rosen betrachte und den Anblick meines Gartens beschreibe- sicher auch persönlich. Und wenn ich in diesem Blog über das Anfertigen meiner Oberbekleidung (oder auch Unterbekleidung, aber das kann ich noch nicht so gut!) referiere- das ist persönlich!
Natürlich bin ich keine Juristin, ich habe was anderes studiert. Vielleicht irre ich mich auch in dieser Betrachtungsweise? Aber dann darf ich ja ich meinem Blog gar nicht mehr äußern, was ich denke, ohen vorher mit einem Juristen Kontakt aufgenommen zu haben, und das ist dann doch mit dem im Grundgesetz verankertetm Recht auf freie Meinungsäußerung nicht mehr vereinbar!
Gerade wir in Deutschland kennen doch aus unserer düsteren Vergangenheit Zeiten, in denen die Meinungsfreiheit entscheidend eingeschränkt war, und sollten entsprechend sensibel reagieren.
Und da möchte ich dann doch noch mal aus dem o.g. Amtsblatt der Europäischen Union den Paragraphen 4 zitieren:
"Die Verarbeitung personenenbezogener Daten sollte im Dienste der Menschheit stehen. Das Recht auf Schutz der personenbezogenen Daten ist kein uneingeschränktes Recht; es muß im Hinblick auf seine gesellschaftliche Funktion gesehen und unter Wahrung des Verhältnismäßigkeitesprinzipes gegen alle anderen Grundrechte abgewogen werden. Diese Verordnung steht im Einklang mit allen Grundrechten und achtet alle Freiheiten und Grundrechte...insbesondere Achtung des Privat- und Familienlebens, der Wohnung und der Kommunikation....Freiheit der Meinungsäußerung und Informationsfreiheit, unternehmerische Freiheit....Vielfalt der Kulturen.."
Also , dieses Gesetz soll uns helfen, unsere Daten zu schützen vor Molochen wie Facebook und Google, aber es wird uns nicht beim Bloggen behindern, da bin ich mir recht sicher. Vermutlich gibt es bei der Auslegung des Gesetzes einen gewissen Graubereich, der dann erst durch Gesetzesurteile etwas definierter wird, aber das wird seine Zeit dauern.
Mich würde ja doch interessieren, ober die Blogger in anderen Ländern auch so panisch auf dieses Datum morgen reagieren. Ist es vielleicht doch ein Ausdruck der "german Angst" wenn so viele Nähblogs ab heute nacht auf privat gestellt werden oder ganz vom Netz gehen?
Ich werde weiterbloggen wie bisher. Vielleicht werde ich einige kleinere Änderungen am Blog vornehmen, da ich mir jetzt auch Gedanken über den Datenschutz und die Kommunikation mit meinen Lesern gemacht habe, vor allem was die Kommentarfunktion angeht.
Aber Nähblogs muss es weiter geben!


Mittwoch, 2. Mai 2018

Frühling im Jonidress von Tillyandthebuttons


Heute zeige ich meine zweite Version des Jonikleides aus dem neuen Buch "Stretch" von Tilly and the Buttons. Als erste Version hatte ich den Schnitt auf Tunikalänge gekürzt, den Blogpost darüber sowie meine Erfahrungen mit dem Buch könnt Ihr hier nachlesen.

Nachdem mir die Tunika so gut gefallen hatte, mußte ich unbedingt noch eine Version nähen, diesmal aber als Kleid, so wie es ja auch im Original vorgeshen ist. Joni ist ein Jerseykleidschnitt mit einer Verknotung im Vorderteil. Diese Verknotungen wirken immer gut aus einem gestreiften Stoff, und so mußte es diesmal ein Streifenjersey sein.
Meine Wahl fiel auf einen butterweichen Modaljersey, den ich hier bezogen habe. Die Farben dunkelblau/weiß sind nicht unbedingt originell, dafür aber gut mit meiner übrigen Garderobe kombinierbar.

Ich trage schon gerne gestreifte Kleidungsstücke, aber leider steht ja am Anfang immer das Zuschneiden und die Streifenanpassung beim Nähen. Allzu pingelig bin ich  ehrlich gesagt nicht, was die genaue Streifenanpassung angeht. Bei Kaufkleidung achtet auch kein Mensch darauf, wenn die Streifen nicht genau aufeinander treffen.

Größere Mühe verwende ich bei gestreiften Stoffen vor allem auf das Zuschneiden. Früher habe ich oft versucht, auch gestreiften Stoff im Bruch zuzuschneiden. Ich hatte dann die Streifen mit vielen Stecknadeln aufeinander gesteckt, aber trotzdem war das Ergebnis  nicht gut. Jetzt schneide ich den Streifenstoff immer in einfacher Lage zu, das klappt wesentlich besser und ist nicht so mühsam. Ich versuche schon, die Streifen an prominenten Stellen aufeinander treffen zu lassen, aber nachdem ich dann irgendwann mal begriffen hatte, daß das einfach nicht immer geht, bin ich da wesentlich gelassener geworden.

Da ich die Erfahrung gemacht habe, daß sich die Stofflagen beim Nähen mit der Overlock immer leicht etwas verschieben, hefte ich die Nähte, bei denen es mir darauf ankommt, vorher mit der Nähmaschine. Auf diese Art entsteht eine zumindest für mich akzeptable Anpassung der Streifen. Und wenn dann wirklich mal ein kleiner Versatz eines Streifens ist, stört mich das nicht. Und ich bin mir sicher, daß das außer diversen Nähnerds  auch kein anderer sieht.

Der Modaljersey war sehr angenehm zu verarbeiten , da sich die Kanten nicht nach innen einrollten und er schön seine Form behielt. Die Dehnbarkeit war allerdings  geringer als die des Viskosejerseys, aus dem ich mein erstes Joni genäht hatte. Beim Nähen war ich dann doch dankbar für die üppige Nahtzugabe von 15 mm, die dieser Schnitt hat, denn an den Seitennähten konnte ich so die Nahtzugabe etwas verringern. Sonst wäre das Kleid etwas zu eng geworden.
Der Rock ist schön weit und schwingend, die Länge habe ich um ca 3 cm verlängert.
 Leider hat der brütende Storch im Hintergrund uns nicht den Gefallen getan, sich mal während unserer Fotosession aufzusetzen. Na gut, er musste ja auch die Eier warm halten...aber jedenfalls der Partner hätte ja mal dekorativ anfliegen können!
Die Knotenkonstruktion des Kleides ist schon interessant. Beim zweiten Nähen eines Schnittes macht man sich ja doch noch mehr Gedanken als bei der Premiere, bei der es mehr um das Zustandebringen eines tragbaren Teiles geht.

Der Knoten, oder eher die Verschlingung, liegt deutlich über der Brustlinie, das ist ja das, was mir an diesem Schnitt so gut gefällt. Dadurch klafft das Vorderteil nicht auf und ich kann das Kleid auch ohne Unterziehtop tragen. Die Konsequenz aus dieser Schnittvariante ist aber natürlich, daß die durch die Verschlingung drapierten Falten nicht da liegen, wo Volumen gebraucht wird, nämlich über der Brust, sondern höher. Das stört bei diesem Schnitt überraschenderweise überhaupt nicht, finde ich. Man könnte natürlich auch immer, vor allem vor den Fotos, die Drapierungen über die Brust runter ziehen. Im Internet gibt es einzelne Beispiele von Joni, die so gezeigt werden- ich glaube aber nicht, daß der Schnitt so gedacht ist.
Die Ausschnittverarbeitung würde ich gern noch optimieren. Gut finde ich immer noch, daß die seitlichen Ausschnittkanten mit einem inneliegenden Bündchen stabilisiert werden. Aber in der vorderen Mitte, also da , wo die Verschlingung ist, ist ein ca 3cm langer Bereich, in dem die Nahtzugabe nur einfach umgeschlagen  und dann seitlich  und in der Mitte eingeschnitten wird. Die Kante wird schon vorher ordentlich mit einer Stütznaht gesichert, und  der Jersey franst natürlich auch nicht aus. Trotzdem ist das ein Bereich, der für mich einfach unsauber aussieht. Auf den Bildern kann man das nur erahnen. Ich habe noch versucht, ein Bild von links zu machen, aber das ist auch nicht besser erkennbar...ist vielleicht auch nicht so wichtig, aber ich habe es einfach gerne, wenn die Verarbeitung auch von links gut aussieht, gerade bei einem so einfachen Schnitt.

Vielleicht wäre es besser, das innenliegende Bündchen über die gesamte Kante zu führen und dann erst die Verschlingung zu machen. Möglicherweise wird dann aber der Knoten  zu knubbelig, oder bekommt er  erst das richtige Volumen? Joni III wird es zeigen!
Was trägt frau denn auf einer Fahrradtour im Frühling, wenn das Joni-Kleid irgendwann  zu kalt wird? Klar, einen Kelly-Anorak von Closet Case Pattern! Dieses fliederfarbene Prachtstück habe ich im letzten Frühling genäht. Ich liebe den Anorak sehr und finde ihn immer noch wunderschön. Allerdings muß ich zugeben, daß die praktische Einsatzfähigkeit gering ist..der Stoff ist weder wind- noch regendicht, auch nicht ein kleines bisschen...
Aber es gibt Tage, da ist sowohl farblich als auch wettertechnisch alles optimal, und bei der Fahrradtour, auf der diese Bilder entstanden sind, passte das alles. Ich liebe meinen fliederfarbenen Kellyanorak!
Zuletzt sollen aber auch die anderen Akteure dieser Radtour nicht unerwähnt bleiben. Damit meine ich zuerst den besten Ehemann aller Zeiten, der nicht müde wird, die Ehefrau in immer wieder neuen genähten Kleidern zu fotografieren (wobei er bei dem Anorak schon etwas irritiert war: "den hatten wir doch schon fotografiert?") . Und nicht vergessen sollten wir auch die vielen hunderte Bienen, die den Apfelbaum der ersten Fotos belebt hatten. So viele Apfelblüten, so viele Bienen- ich freue mich jetzt schon auf die reifen Äpfel im Herbst!
Dieser Beitrag wird verlinkt mit dem Memademittwoch sowie Afterworksewing

Mittwoch, 18. April 2018

Joni Dress von Tilly and the Buttons

Dieses Shirt war eigentlich nur als Testversion gedacht für den Schnitt des Joni-Kleides aus dem neuen Buch Stretch! von Tilly and the Buttons. Aber wie es manchmal so geht bei Testversionen, ist daraus ein absolutes Lieblingsteil geworden.

Der Schnitt des Joni-Dresses gefiel mir sofort, als ich ihn in der Vorschau gesehen hatte. Ich habe bisher wenig von der britischen Schnittdesignerein Tilly Walnes, besser bekannt als Tilly and the Buttons, genäht. Irgendwas hatte mich oft an den Schnitten gestört, manchmal erschienen sie mir auch einfach zu jugendlich. An diesem Schnitt, Joni, mochte ich sofort das Knotendetail im Vorderteil.

Nun gibt es ja auch viele andere Schnitte für  Oberteile mit Verschlingungen, oder Knoten, wie sie in der deutschsprachigen Nähszene genannt werden. Die englische Bezeichnung Twist trifft allerdings die Schnittkonstruktion viel besser, denn es wird ein Schnitteil, meistens im Oberteil, ein oder zweimal um sich selbst gedreht. Hierdurch ergeben sich reizvolle Raffungen im Oberteil.

Ich habe bisher einige Schnitte für Knotenkleider ausprobiert und war nie so ganz glücklich damit geworden. Ich hatte immer zwei Probleme bei diesen Schnitten. Das erste lag in der Schnittkonstruktion: die Verschlingung der Oberteile lag immer zwischen den Brüsten, dadurch wurde der Ausschnitt immer sehr, sehr tief, was zumindest  für mich dann das Tragen nur mit einem untergezogen Top möglich machte. Der tiefe Ausschnitt wurde dann auch noch durch die Ausschnittverarbeitung verstärkt, mein zweites Problem bei diesen Schnitten, denn die Ausschnittkanten wurden nur einfach umgeschlagen und hatten dadurch keinen Halt.

Beide Problem sind beim Joni-Dress vorbildlich gelöst, wie ich finde. Die Verschlingung der Oberteile liegt einige entscheidende cm oberhalb der Brustlinie. Ich trage zwar auch hier lieber ein Top darunter, abert auch ohne halten sich die Einblicke ins Dekollete durchaus in Grenzen.
Die Ausschnittkanten werden mit einem innenliegenden Bündchen versäubert, die Technik wird genau im Buch beschrieben. Ich hatte das bisher noch nicht so gemacht, mir aber immer gedacht, daß das gehen müßte- und es geht hervorragend und gibt einen schönen sauberen Abschluß, der vor allem nicht aufklafft.
Unterhalb der Verschlingung gibt es dann eine kurze senkrechte Naht in der vorderen Mitte. Durch den Knoten wird die Naht leicht nach oben gezogen. Bei gestreiften Stoffen kommt dieses Detail sicher sehr hübsch hervor, mein nächstes Joni nähe ich aus gestreiftem Stoff!
Die Länge der Tunika ergab sich bei mir aus der Menge des vorhanden Stoffes, oder besser gesagt aus der nicht vorhandenen Menge... ich wollte gern den wunderschönen beerenfarbigen Slubjersey von 1000Stoff für diesen Schnitt verwenden, da ich mir das Knotendetail aus diesem superweichen Stoff so gut vorstellen konnte. Ich hatte allerdings definitiv zu wenig Stoff, da ich die schöne Weite des Rockteiles nicht verkleinern wollten. Ich habe daher das Rockteil gekürzt, praktischerweise genau an der Linie, die für Verkürzungen oder Verlängerungen im Schnitt eingezeichnet ist. Als Tunika finde ich die Länge so sehr schön.

Die Taillennaht wird mit Framilonband verstärkt, auch das wird genau im Buch beschrieben, wie man das machen kann. Ich hatte bisher immer das Framilon mit großem Geradstich auf den Stoff aufgeheftet, bevor ich mit der Overlock die Nähte genäht habe. Tilly empfiehlt, das Framilon nur mit einigen Zickzackstichen am Anfang  der Naht zu befestigen und dann direkt mit der Overlock zu nähen. Das habe ich probiert und es ging überraschend gut.
Mit der Paßform des Schnittes war ich sehr zufrieden. Ich habe an den Seitennähten und vor allem unter der Achsel einige mm weggenommen, mein Stoff war aber auch sehr dehnbar. Das ist ja immer die Tücke beim Nähen mit dehnbaren Stoffen, daß man sich nie darauf verlassen kann, wie ein Schnitt paßt.

Die Anleitung im Buch finde ich sehr ausführlich und verständlich. Das Buch enthält Schnittmusterbögen mit (überlappenden) Mehrgrößenschnitten, aber  pro Seite ist nur ein Schnitt, so ist das Abpausen eine reine Freude.
Mein einziger Kritikpunkt an diesem Schnitt ist eigentlich die Nahtzugabe von 1,5 cm- das ist zum Nähen mit der Overlock sehr unpraktisch, und auch beim Nähen mit der normalen Nähmaschine einfach nicht notwendig bei  einem Jerseyschnitt.

Das Buch Stretch! finde ich insgesamt sehr lohnend und empfehlenswert. Es enthält einen umfangreichen Technikteil über das Nähen von dehnbaren Stoffen mit Materialkunde.Das Nähen mit der Overlock wird sehr ausführlich behandelt. Schade nur, daß das Vorhandensein einer Covermaschine überhaupt nicht erwähnt wird- das hätte ich schon von einem Buch über das Nähen mit dehnbaren Stoffen erwartet.

Das Buch enthält 5 Schnittmuster, von denen Joni sicher das originellste ist, die anderen sind eher Basic-Teile: ein Rock,  ein Shirt mit Raglanärmeln, ein Pulli aus Sweat und ein Hoodie mit Jogginghose. Da aber zu jedem Schnitt sehr viele Variationen gezeigt werden, hat man mit den Schnittmustern des Buches schon eine schöne Basisgarderobe aus dehnbaren Stoffen.  Die Aufmachung des Buches ist absolut hochwertig mit vielen schönen Fotos. Ich denke, daß dieses Buch sowohl für Nähanfänger als auch für Fortgeschrittene gut geeignet ist- ich hatte jedenfalls schon viel Freude daran!
verlinkt: Afterworksewing, RUMS