Mittwoch, 20. Februar 2019

Jasper Sweater von PaprikaPatterns

Diesen Pulli, den Jasper Sweater der niederländischen Schnittdesignerin Lisa von PaprikaPatterns, wollte ich schon lange nähen. Aber manche Nähprojekte dauern einfach länger...
Wenn ich einen Schnitt sehe, der mir gefällt, kommt er bei mir erstmal auf einer innere Tosew-Liste. Da diese Liste nur in meinem Kopf existiert, ist sie nicht immer verläßlich, und viele Dinge verschwinden dann spontan daraus..zum Glück, denn sonst müßte ich ja noch viel, viel mehr nähen, als ich es sowieso schon tue!

Von der inneren Tosewliste ist  der nächste Schritt das Bestellen des Schnittes, es sind ja meistens Online -Schnitte.  Wenn der Schnitt dann auf meiner Festplatte gespeichert ist, schaue ich ihn mir an. Wie ist die Anleitung, die Skizzen, die Stoffempfehlung? Wenn mir das alles gefällt und das heimische Stofflager einen passenden Stoff bereit hält, ist der Schritt zur weiteren Verwirklichung des Schnittes rasch gemacht. Nach ein, zwei Mausklicken ist der Schnitt beim Plotter-Service meines Vertrauens, der wiederum dafür sorgt , daß der Schnitt am nächsten Tag auf ordentlichem Papier gedruckt in meinem Briefkasten liegt.

Dann müßte ich bloß noch zuschneiden und Nähen- leider wird dieser Prozess oft genug gestört. Sei es, daß das Leben 1.0 meine Aufmerksamkeit und Zeit beansprucht, sei es ein anderes Nähprojekt, das sich ganz frech dazwischen mogelt, oder vielleicht auch die Erkenntnis, daß der erwählte Stoff dann doch nicht so ideal ist und ein neuer gesucht werden muß. Es gibt immer wieder mal Gründe, daß dann der schöne Ausdruck nicht auf meinem Zuschneidetisch, sondern im Regal landet,in einem speziellen Kasten, der für eben diesen Zweck gedacht ist- Schnitte , die sehr gut gefallen, die ausgedruckt sind, aber  noch auf ihre erste Verwirklichung warten.

Warum jetzt der Jasper-Sweater so lange auf seine Umsetzung warten mußte, kann ich gar nicht mehr sagen. Der Schnitt ist nämlich ausgesprochen schön und um einiges interessanter als andere Hoodie-Schnitte, die vor allem im deutschsprachigen Schnittmustermarkt in großer Zahl angeboten werden.
Jasper hat Prinzeßnähte im Vorder- und Rückteil und ist dadurch sehr schön figurnah geschnitten. Die Eingriffstaschen im Vorderteil sind wie eine Leistentasche gearbeitet und sitzen in der vorderen Teilungsnaht. Es gibt zwei Kragenvarianten, einmal mit Kapuze, wie ich es genäht habe, oder mit einem großen Kragen, der von einer Art Epaulette zusammen gehalten wird.

Ich habe mich für die Kapuzenvariante entschieden, da ich erstens Kapuzenpullis gerne mag und zweitens die Konstruktion hier so interessant fand. Es gibt nämlich im vorderen Bereich des Halsausschnittes hier noch einen halbrunden Einsatz, der sich fast wasserfallartig im vorderen Ausschnitt bauscht. Die Zierknöpfe wollte ich zuerst weglassen, da sie wirklich keine Funktion haben, aber nachdem ich diese farblich so gut passenden Knöpfe im örtlichen Nähgeschäft gefunden habe, fand ich diese Designidee dann doch ganz hübsch.

Der Schnitt hat zwei Längen, einmal die normale Pulloverlänge, die ich auch genäht habe, oder eine Kleiderlänge. Als Kleid überzeugt mich der Schnitt nicht, keines der Designbeispiele, die ich gesehen habe, fand ich nachahmenswert. Ich glaube, der Schnitt ist dafür zu eng.
Das Nähen des Pullis war ein Vergnügen, zumal ich den kuscheligsten Sweat ever dafür verwendet habe. Der Stoff kam von Lara 1000 Stoff, er hat eine wunderschöne Innenseite, die nicht nur wie erwähnt genial kuschelig ist, sondern auch pink- sieht man bei meinem Pulli nur in der Kapuzeninnenseite, aber ich sehe es beim Anziehen und freue mich darüber.

Die Beschreibung des Schnittes ist wunderbar ausführlich, auch die etwas komplizierten Taschen sind so gut beschrieben, daß sie sicher auch Nähanfängern gut  gelingen und für ein Erfolgserlebnis sorgen. Wem das doch zu kompliziert ist, der kann den Schnitt auch mit einer normalen aufgesetzten Känguruhtasche nähen, das gibt es als (kostenpflichtiges) Add-On bei Paprika Patterns zusammen mit einer weiteren Kragenvariante.

Die Kapuze ist groß, sehr groß- vom schnitttechnischen wie gesagt interessant, beim Tragen überzeugt mich die übergroße  Kapuze noch nicht so ganz. Irgendwie erinnert sie mich an eine Mönchskuttenkapuze...Aber meistens hängt sie ja doch nur dekorativ auf dem Rücken.
Ärmel- und Saumbund habe ich aus dem Hauptstoff gemacht, da ich keinen passenden Bündchenstoff hatte und dies auch nicht im Schnitt empfohlen wird. Da mein Sweat fast keine Dehnbarkeit aufweist, war das eine mäßig gute Entscheidung. Ich habe die Ärmelbündchen um einiges enger gemacht als im Schnittmuster vorgesehen, da ich sehr dünne Handgelenke habe und nicht mag, wenn der Wind so in die Ärmel reinbläst. Auch das Saumabschlussbündchen habe ich etwas verkleinert. So gefällt mir der Sitz des Pullis gut, beim An- und Ausziehen ist es nicht so ganz komfortabel. Besser wäre es sicher, wenn man hier einen farblich passenden Bündchenstoff verwendet.


Viel mehr kann ich über den Jasper-Pulli eigentlich gar nicht schreiben. Es ist einfach ein schöner Pulli-Schnitt mit kleinen spannenden Einzelheiten, die das Nähen interessant machen. Er trägt sich erwartungsgemäß gut, ist sowohl mit Jeans als auch mit Röcken gut kombinierbar.
Der Rock hier auf den Bildern ist übrigens -horribile dictu! - ein Kaufrock....er ist schon einige Jahre alt, wurde gekauft, bevor ich ans Nähen auch nur dachte. Ich trage ihn immer noch gerne, weil ich  die Farben so gerne mag . Sein einziger Fehler ist, daß er eben nicht selbstgenäht ist, aber das ist für mich jetzt nicht Grund genug, ihn auszumustern. Ich denke, auch ein Kaufrock hat sein Recht auf ein Gnadenbrot im Alter!
verlinkt bei Afterworksewing
Dufürdichamdonnerstag 
Sewlala
Fraufreutsich

Dienstag, 5. Februar 2019

Tulip Skirt von Sewoverit/ Ondee von Deer-and-Doe


Uiuiui, meine Blog-Moral läßt wirklich zu wünschen übrig! Es ist schon Februar, und mein letzter Blogpost befaßt sich mit dem Weihnachtsrock...wie gut, daß jetzt wieder Memademittwoch ist, und ich einen neuen Rock zeigen kann. Vielleicht hat mich auch die vielbeschriebene Blogmüdigkeit befallen, die ja allseits um sich greift? Ich glaube aber, es ist eher der Zeitmangel im hektischen Alltag, der mich lieber in der kurzen verbleibenden Freizeit an die Nähmaschine treibt als an den Laptop.
Neues Jahr, neuer Rock! So könnte ich auch diesen Blogpost überschreiben, denn der Rock ist in den letzten Tagen des alten Jahres 2018 entstanden, getragen und fotografiert dann in den ersten Tagen des neuen Jahres.
Ich bin ja immer noch auf der Suche nach dem idealen Rockschnitt für mich. Ich habe schon verstanden, daß die Röcke für mich in der kalten Jahreszeit anders geschnitten sein müssen als in der warmen Jahreszeit. Im Sommer mag ich gerne knielange Röcke  wie z. B. den Seamwork Rock Patsy.
Seamwork Patsy

Im Winter aber , wenn ich die Röcke mit Strumpfhosen kombiniere, mag ich gerne kurze und enge Röcke. Gut, der erste Berlin-Rock war vielleicht ein bißchen kurz...
Jupe Berlin
Sandbridge Skirt von Hey June


aber diese Rockform, in dem Fall den  Sandbridge Skirt  von Hey June, die mag ich richtig gerne an mir und trage sie auch im Alltag gerne. Im Stehen sieht so ein enger kurzer Rock immer gut aus, sobald ich mich aber hinsetze, rutscht natürlich die ganze Pracht nach oben...hmm, auch nicht immer so erwünscht.
Ich wollte deshalb gerne eine etwas weitere Rockform ausprobieren und habe mir einen Tulpen-Rock genäht.
Eine Tulpe ist ja in der Mitte etwas breiter und oben und unten schmal, und diese Form ahmt der Tulpenrock nach.  Schnitttechnisch erreicht man das durch Falten am Rockbund, die schräg gestellt sind . Ich habe mir den Tulip Skirt von Sewoverit ausgewählt, aber es gibt natürlich auch noch viele andere Fertigschnitte nach diesem Prizip.

Der Tulipskirt von Sewoverit hat auf jeder Seite zwei schräg nach außen gestellte Falten. In den Seitennähten sind Eingriffstaschen,  der Rockbund ist etwas gerundet, aber kein richtiger Formbund. Verschlossen wird der Rock mit einem rückwärtigen nahtverdeckten Reißverschluß. Im Rückenteil sind keine Falten, sondern nur zwei Abnäher.

Ich habe den Schnitt in Größe 10 genäht, das ist bei Sewoverit die zweitkleinste Größe. Für den Bund hatte ich die Gr. 12 zugeschnitten und die Differenz über einen kleineren Abnäherinhalt im rückwärtigen Rockteil korrigiert. So bin ich mit der Paßform ganz zufrieden, wobei ich aber schon festgestellt habe, daß der Formbund vom Berlin-Rock besser paßt...der Tulip-Rock neigt durchaus dazu, sich beim Tragen zu drehen.
Mein Stoff kam aus dem heimischen Stofflager, in dem er sich lange aufgehalten hatte. In diesem Fall nicht, weil er mir nicht gefiel, sondern weil ich ihn mir immer für ein besonderes Projekt aufheben wollte. Er kam aus einem Outlet-Verkauf einer kleinen deutschen Firma, die sich schon seit vielen Jahren der nachhaltigen Mode verschrieben hat. Der Outlet-Verkauf befindet sich mitten im Pfälzerwald, und wir hatten damals den Besuch dort mit einer Wanderung verbunden, die, wenn ich mich recht erinnere, sehr kalt und sehr windig war....egal, dieser Stoff hatte es mir gleich angetan und wanderte so in meinen Einkaufskorb. Es ist eine interessante Webart mit einem leichten Krepp-Effekt, der Stoff ist wohl überwiegend Baumwolle, hat aber auch einen Wollanteil, jedenfalls roch es so bei der Brennprobe.
Der Stoff ist selbst fast  durchsichtig, hat aber durch die Crinkle- Struktur doch wieder Halt in sich. Ich habe ihn gefüttert,  da ich ihn natürlich  als Winterrock über Strumpfhosen tragen wollte. Der Futterstoff kam vom Stoffmarkt, er changiert dramatisch in verschiedenen Rottönen. Mein Mann war begeistert, als ich beim Foto-Shooting auf der Wiese im Spessart den Rock etwas nach oben lüpfte!
Das Futter ist auch relativ steif und hat viel Stand, so daß fast ein leichter Petticoateffekt für den Rock erreicht wird, das paßt aber ganz gut zu diesem Schnitt.
Zum Rock trage ich einen Pulli nach dem Schnitt Ondee von Deer-and-doe. Das ist ja einer meiner absoluten Lieblingsschnitte. Ich finde es immer wieder schwierig, einen in der Taille sitzenden Rock, der etwas weiter ist, mit einem Oberteil zu kombinieren. Gut, man kann Bluse oder Shirt in den Rockbund stecken, dann wird das Outfit aber sehr figurbetont, was ich nicht immer möchte. Ondee ist ein taillenkurzer Pulli, "cropped", wie es so schön im englischen Sprachraum heißt, und der paßt einfach gut über weite Röcke. Ich habe den Pulli in einigen Farben und in Kurz- und Langarm schon genäht, wird alles immer gerne getragen.

Und meine Ondees sind überwiegend aus dem gleichen Stoff genäht, nämlich aus einer Art Sweat oder French Terry von Lillestoff. Leider gibt es diesen Stoff nicht mehr- der nannte sich Soft Touch und fühlt sich auch genau so an, nämlich genial weich auf der linken Seite. Die rechte Seite ist so einen normale French Terry Oberfläche. Das Weiche ist vermutlich auf einen nicht geringen Anteil von Polyester im Stoff zurückzuführen, was mich aber bei dieser Qualität nie gestört hat. Leider gibt es diesen Stoff nicht mehr bei Lillestoff...schade!
Ich habe hier die Größe 38 im Brustbereich genäht, zu Taille hin erweitert auf die Gr. 40 und in der Länge um 4 cm erweitert- das hat sich für mich als die ideale Länge für einen Pulli herausgestellt, den ich zu Röcken tragen möchte. Die Bündchen sind aus dem gleichen Stoff, der freundlicherweise recht dehnbar ist.
Auch hier hat der Stoff eigentlich eine besondere Struktur und kam aus dem Stoffregal- also Grund genug, diesen Beitrag mit der neuen Challenge von Tweed and Greet zu verlinken "12ausdem Stoffregal"! Im Januar wurde als Thema "Struktur" vorgegeben. Das kann man sicher auf ganz viele Arten verstehen. Ich dachte zuerst an die Struktur eines Stoffes, wie z.B. die Crinkle-Struktur meines Rock-Stoffes, oder eben diese FrenchTerry-Oberfläche des Pullis. Man könnte Struktur aber auch auf einen Schnitt beziehen- mein Rock ahmt eine Tulpe nach, genauso gut könnte er aber auch eine Dreiecksform oder einen Ballon ähneln, auch das ganz verschiedene Strukturen.

Und natürlich könnte man Struktur auch ganz anders verstehen und auf den Inhalt des Kleiderschrankes oder das Nähverhalten anwenden. Die Blogs und sozialen Medien waren ja auch in diesem Januar wieder voll von Bekenntnissen zum minimalistischen Nähverhalten, ob man es jetzt capsule wardrobe, vernetzte Garderobe oder Stoffdiät nennt. Ich glaube, das ist auch so ein jahreszeitlicher Einfluß...am Jahresanfang habe wir den Wunsch nach Erneuerung, zum Abwerfen von Überflüssigem, Konzentration auf das Wesentliche.. Schließlich steht ja auch das Winterende bald bevor und die religiösen oder zumindest spirituell interessierten unter uns bereiten sich auf die Fastenzeit vor.

Also, Struktur ist ein absolut spannendes Thema für den Januar, und ich war sehr dankbar für den Gedankenanstoß von Selmin über die Struktur bei meiner selbstgenähten Kleidung. Ich freue mich schon sehr auf die weiteren Themen dieser Jahres-Challenge, und wenn ich dann jeweils ein bis zwei Stoffe aus dem Stoffregal vernähe, gibt das viel Platz für neuen Stoff im Stoffregal!
Alle anderen genähten Dinge, ob aus dem Stoffregal oder aus neu gekauften Stoffen gibt es heute im Blog des Memademittwoch zu sehen.
verlinkt: AfterWorkSewing 12ausdemStoffregal  Sewlala