Mittwoch, 24. April 2019

Sasha Trousers von Closetcase

Es gibt Nähprojekte, das ist von vornherein der Wurm drin. Das muß gar nicht am Schnitt oder am Stoff liegen, nach meiner Erfahrung ist das Problem oft ganz woanders. Und so war es auch in diesem Fall-  das Problem saß eindeutig vor der Nähmaschine...
Genäht habe ich die Sasha Trousers von Closet Case. Ein wunderschöner Schnitt, den ich schon seit seinem Erscheinen nähen wollte. Sasha ist ein klassischer Chino-Schnitt, also eine gerade geschnittene Hose mit schrägen Eingriffstaschen. Die rückwärtigen Taschen sind einseitige Paspeltaschen. Dadurch ahmt der Schnitt die typischen maskulären Elemente einer Anzugshose nach, verbunden allerdings mit einem sehr figurbetonten Schnitt. Sasha ist für Stoffe mit einer hohen Dehnbarkeit ausgelegt, die Dehnbarkeit soll hier 20-25% betragen, da ist man schon  in dem Bereich, den sonst eher gestrickte Stoffe aufweisen. Bei Webstoffen mit so einer hohen Dehnbarkeit ist dann meistens Polyester in der Mischung, zusätzlich zum Elasthan.


Die richtige Stoffwahl war auch das, was mich lange vom Nähen der Sasha-Hose abhielt. Ich kaufe nicht so gerne Stoffe mit hohem Kunstfaseranteil, wobei ich da sicher nicht dogmatisch bin. Sehr froh war ich dann, als einer meiner Lieblings-Stoffdealerinnen (Lara von 1000Stoff ) einen typischen Hosenstoff anbot. 94% Baumwolle, 6%Elasthan, das ganze in einer Köperbindung mit zartem Glanz. Dieser Stoff mußte zu meiner Traum-Chino werden  nach dem Sasha-Schnitt!
Also Stoff bestellt, vorgewaschen, Schnitt plotten lassen und zugeschnitten.

Ich habe die Größe 8 zugeschnitten, die Schrittkurve begradigt und steiler gestellt, wie ich es immer bei Hosenschnitten mache, das habe ich mittlerweile ganz gut im Gefühl. Als Taschenfutter hatte ich einen kleinen Stoffschatz angeschnitten: der Stoff heißt Sprinkled Peonies von Art Gallery und war ein Mitbringsel von einem Ostseeurlaub. Der Stoff ist natürlich nicht ostseetypisch sondern amerikanisch, eigentlich wohl als Patchworkstoff gedacht, es ist feste Baumwolle. Aber ich hatte ihn mir sofort als Rock vorgestellt, so in A-Form, oder ein paar Falten...der Stoff hat übrigens Glitzer!
Aber bei meiner Suche nach einem Taschenfutter für diese Hose drängte er sich immer wieder in den Vordergrund, also mußte er es sein. Ich vernähe ja schon gerne besondere und teure Stoffe für die Inneneinrichtung meiner Kleidungsstücke. Das mach ich mittlerweile auch voller Überzeugung und (meistens) ohne schlechtes Gewissen. Schließlich sind die schönen Innenstoffe mir auf diese Art viel näher am Körper!

Also, Schnitt geändert, Futter rausgesucht und zugeschnitten, alles völlig problemlos. Und die Taschen und die zugeschnittenen Teile, das sah so schön aus! Da mußte ich doch einfach auch gleich anfangen zu nähen..schnell noch Einlage aufgebügelt, und nur noch die ersten Nähte der Paspeltasche, danach wollte ich Pause machen mit der Näharbeit und mich zwangsweise wieder dem Leben außerhalb meines Nähtisches widmen.

Paspeltaschen hatte ich schon einige im letzten Jahr genäht und gut verstanden, wie das geht. Es gibt verschiedene Anleitungen dafür, ich hatte mich an die von ClosetCase gehalten, die ausführlich auf dem Blog erklärt ist  Man macht dabei zuerst eine Art Stoff-Sandwich, aus Hosenrückteil, Tasche und der Paspel, die mit einer Einlage verstärkt ist. Alles nicht weiter schwierig, man muß nur genau zuschneiden und ein paar Markierungen berücksichtigen. Das hatte ich alles auch ganz ordentlich gemacht, die Stoffe waren auch super zu markieren und zuzuschneiden.

Also alles ganz easy, mein genähtes Rechteck um die Paspel wurde superordentlich, ich hatte ja wie gesagt auch schon einige Paspeltaschen genäht. Jetzt schnell noch den Tascheneingriff einschneiden, schön ordentlich an den Ecken bis ganz genau zur Nahtlinie, einmal durchziehen, und dann würde ich schon sehen, wie toll das wird! Nicht umsonst wird dieser Teil des Nähens in der Anleitung von Closet Case als "fun part" bezeichnet, denn eigentlich macht es unglaublich Spaß, so eine Paspeltasche zu nähen. Wenn nicht- ja, wenn nicht das Problem vor der Nähmaschine  den Sandwich verkehrt zusammen gesteckt hätte, so daß jetzt die linke, mit heller Einlage verstärkter Stoffseite nach außen gekehrt wurde. Oh nein!! Mir war die Dimension meines Fehlers sofort klar. Man kann viel auftrennen, aber diese Naht- mit extra kleinen Stichen genäht, und der Tascheneingriff bereits eingeschnitten, bis EXAKT an die Nahtecke...das schien mir unmöglich zum auftrennen.
In meiner Verzweiflung schien mir nur ein Weg richtig-das rückwärtige Hosenteil noch mal neu zuschneiden und neu nähen. Natürlich hatte ich nicht mehr genug Stoff, aber der war rasch nachbestellt. Zum Glück gab es ihn im Online-Shop noch! Bis zum Eintreffen des Stoffes nähte ich dann fröhlich an der Hose weiter. Die Innenverarbeitung gelang mir besonders gut mit meinem glitzrigen Stoff. In der Anleitung ist beschrieben, wie die Taschenbeutel mit französischen Nähten gearbeitet werden. Die Bundunterkante wird mit einem Schrägstreifen aus dem Taschenstoff versäubert. Diese Einzelheiten aus der Anleitung kannte ich schon und hatte sie auch für meine letzten Hosenprojekte verwendet- für mich ist das die schönste Art der Bundverabeitung.

Mittlerweile war dann auch der nachbestellte Stoff eingetroffen. Er wurde gleich vorgewaschen und ich freute mich auf eine entspannte Näh-Session am Wochenende mit Fertigstellen der Hose. Denn mittlerweile hatte ich auch schon mal die Teile zusammengeheftet, etwas Fein-Tuning bei der Anpassung betrieben, und die Hose gefiel mir ausgesprochen gut. Nur noch den Stoff bügeln- aber was war das??? die Farbe, das war doch nicht...nein, es war nicht die gleiche Farbe. Der Stoff hat die Farbe, die man als schlamm oder khaki bezeichnet, also diese etwas undefinierbare Mischung zwischen braun, grün und weiß, die sich aber immer gut kombinieren läßt. Und mein nachbestellter Stoff war narürlich immer noch schlammfarben, aber diesmal ein kleines bißchen mehr ins grünliche- wahrscheinlich war ein anderer Ballen angeschnitten worden. Die Farbunterschiede waren bei Lampenlicht deutlich erkennbar, bei Tageslicht nicht ganz so- aber egal, man konnte die beiden Stoffe nicht zusammen verarbeiten.

Was also tun? Aus dem neuen Stoff alles noch mal neu zuschneiden, und die sorgsam genähten Taschen und die Bundverarbeitung verwerfen? Das war für mich undenkbar.
Also trat doch Plan B in Kraft, den ich mir auch zwischendurch überlegt hatte. Ich wollte die mißlungenen Taschen in der rückwärtigen Hose durch Klappen verdecken. Dazu mußte allerdings auch die verstärkte Paspel abgetrennt werden.
Ich sah ein, daß ich an dieser Arbeit nicht vorbeikommen würde, und so setzte ich mich dann Sonntags vormittags an diese Arbeit, mit ausgeruhten Augen, gutem Licht und ganz viel Ergebenheit in mein Nähschicksal...und irgendwie war das wohl eine gute Mischung, denn das Auftrennen gelang so problemlos, daß ich dann doch noch mal einen Versuch mit der Paspeltasche wagen wollte. Also wurde die Paspel endlich richtig rum gedreht und nochmal das Rechteck abgesteppt. Und es hat funktioniert...zwar nicht ganz so exakt, wie ich es mir vorgestellt hatte, aber mit dem Ergebnis kann ich leben.

Ich hatte dann noch Knöpfe auf die Taschen genäht in der Hoffnung, durch die Knöpfe vielleicht optisch etwas von der nicht perfekten Paspel abzulenken...ist mir vermutlich nicht gelungen.
Die Taschenbeutel der rückwärtigen Hose sind übrigens nicht mehr mit französischen Nähten versäubert, sonder einfach mit der Overlock. Ich hatte festgestellt, daß die französischen Nähte bei den vorderen Taschen durch meinen dicken Stoff ganz schön knubbelig wurden und auf der rechten Seite sich durchdrückten.
Ähnlich holprig wie der ganze Nähprozess verlief übrigens auch das Fotografieren und Bloggen bei dieser Hose. Bei unserer Fotosession war es schon relativ dunkel, so daß die Belichtungsautomatik der Kamera ihre Probleme ständig durch Blitzlicht lösen wollte.  Da half auch ein beherzter Sprung vom Baumstamm nichts...mir gefielen die meisten Bilder nicht.


Und rechtzeitig zum April- Memademittwoch wurde der Beitrag auch nicht mehr fertig, da ich genau zu diesem Zeitpunkt meinen Fortbildungspflichten nachkam und fern vom heimischen Computer weilte.
Nach diesem ganzen Genörgel muß ich jedoch sagen, daß ich die Hose mittlerweile sehr gerne mag und sie schon oft getragen habe. Durch die hohe Dehnbarkeit des Stoffes ist sie genial bequem- der berühmte Ausdruck mit dem "geheimen Schlafanzug" trifft hier unbedingt zu .
Die Rücksprungkraft des Stoffes ist nicht ganz so gut, daß heißt daß die Hose doch relativ rasch sich ausweitete. Ich trage sie deshalb lieber mit Gürtel, aber das mache ich eigentlich bei fast allen Hosen so. Der Sitz meiner Hose ist daher nicht ganz so knackig wie es auf dem Produktfoto von ClosetCase, ein mehr lässiger Sitz ist mir persönlich aber auch lieber.
Meine letzte Ginger Jeans, bei der ich mich ja sehr um die "perfekte" Anpassung bemüht habe, trage ich gar nicht so gerne, habe ich festgestellt. Meine Lieblings-Jeans zur Zeit ist die Pinda von WafflePattern, die so leicht boyfriendmäßig sitzt, das ist mir im Alltag viel lieber.
Mein Fazit nach dem Projekt Sasha: ein schöner Schnitt, der aber gar nicht so figurbetont sitzen muß wie von der Designerin angegeben. Und ich könnte mir diesen Schnitt auch sehr gut aus einem weniger dehnbaren Stoff vorstellen, dann muß man halt in der Weite etwas zugeben oder eine größere Größe wählen.

Und gelernt habe ich wieder viel dabei...nicht zuletzt, daß man zumindest beim Nähen fast jeden Fehler korrigieren kann!
Verlinkt wird der Beitrag natürlich auch. Aus der Landschaft der sich ständig änderden Linkparties habe ich DufürDicham Donnerstag ausgewählt, das ist eine stabile Angelegenheit. Sewlala scheint zur Zeit nicht  zu funktionieren- schade, das war eine mir sehr sympathische Aktion. Afterworksewing wurde eingestellt. Aber eine neue Blogparty habe ich entdeckt, mit dem schönen Namen The creative Lover. Organisiert wird diese wöchentliche Blogparty von der Schweizerin Susanne Schaetti Ballif, besser bekannt als Muckelie. Mir war sie ein Begriff als Designerin der Powpowjuna-Jacke, eine Sweatjacke mit vielen Teilungsnähten. Ich hatte mir diesen Schnitt schon lange mal vorgenommen, um Sweatreste zu verarbeiten- eines meiner vielen Kopfprojekte. Aber diese neue Linkparty gefällt mir auch, denn sie scheint auch weitgehend werbungsfrei zu sein. Auch Instagram -Beiträge werden nicht verlinkt, das gefällt mir gut. Wie oft hatte ich jetzt schon bei diversen Beiträgen auf dem Memademittwoch Beiträge, die ich vom Bild her interessant fand, vergebens angeklickt- nur ein Instagram-Beitrag ohne viel Informationen!
Nichts gegen Instagram, ich bin da durchaus auch aktiv (übrigens unter barbarasewingandviola, wen es interessiert). Schön für die rasche Kontaktaufnahme, und vor allem auch für die Kontaktaufnahme mit Näherinnen aus dem englischsprachigen Raum. Aber den Informationsgehalt eines Blogpostes erreichen die Instagram-Posts nie, egal wie lang sie sind. Deshalb möchte ich hier nochmals eine Lanze für die Nähblogs brechen, und freue mich und unterstütze diese neue Linkaktion im deutschsprachigen Raum. Ich würde mich sehr freuen, wenn viele meiner Leserinnen auch bei The creative Lover verlinken würden!

Montag, 15. April 2019

SJKA- Rundpassenjacke von RosaP


Soll ich oder soll ich nicht? vielleicht wäre es besser, diesen Beitrag nicht zu schreiben....oder ihn zu schreiben aber erst in einem Jahr zu veröffentlichen? Andererseits: heute geht es nur um einen Zwischenstand, und da habe ich durchaus etwas vorzuweisen.
Quelle: rosaP

Ich stricke die Rundpassenjacke von RosaP,  ein schönes klassisches Modell. Das Muster stellt keine besonderen Anforderungen. Die Jacke wird von oben nach unten gestrickt, und ich bin jetzt schon an dem Punkt, wo die Passe fertig ist und es glatt rechts gestrickt bis unten weiter geht.
Leider bin ich keine schnelle Strickerin, oder besser gesagt, mein Stricktempo ist vermutlich ganz normal, aber mir fehlt einfach die Gelegenheit zum Stricken. Und meine bisherigen Fortschritte an dieser Jacke sind einer Fortbildungsveranstaltung zu verdanken, die eine lange Bahn-Anfahrt erforderte. Aber das war so toll, auf dieser langen Bahnfahrt zu stricken, sogar die obligatorischen Zugverspätungen konnte ich geniessen...ich hatte ja mein Strickzeug dabei!
Die Wolle ist aber auch zu schön. Ich verarbeite zwei Schurwolle/Kaschmirmischungen, Lamana Milano und Modena. Das ist die Originalwolle der Strickanleitung, ich glaube auch die Farben entsprechen dem Beispiel, das RosaP gezeigt hat. Vielleicht etwas langweilig, aber ich fand dieses Strickbeispiel einfach so schön, daß ich es genau so nachstricken wollte. Da die beiden Fäden zusammen verarbeitet werden, arbeite ich mit Nadeln in der freundlichen Stärke 4 1/2.
Tja, und wie geht es jetzt weiter? In den nächsten Wochen ist keine längere Bahnfahrt in Sicht, und so kann ich den Stichtermin fürs Finale am 26. Mai mit Sicherheit nicht einhalten. Auch das Finale der Herzen am 16. Juni ist für diese Jacke völlig utopisch. Aber vielleicht gibt es ja im Winter einen neuen Knitalong, und ich könnte mich dann einfach unauffällig in ein Finale im Januar/Februar 2020 unter die Massen mischen. Oder sogar im Frühjahrsjäckchen-Knitalong 2020?
Irgendwann jedenfalls wird diese Jacke fertig, und bis dahin freue ich mich einfach an meinem schönen Strickzeug und an dem Prozess des Strickens

verlinkt: memademittwoch